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04.05.1990 - 

Angebot und Nachfrage gleichen sich aus

DV-Fachleute genießen keine Sonderstellung am Arbeitsmarkt

Ein ganz normaler Beruf

Die Zahlen sind noch allgegenwärtig, waren überall zu lesen, und wir Journalisten schrieben sie voneinander ab: Die Rede ist von den 30 000 bis 40 000 fehlenden DV-Fachleuten, die in der Industrie gebraucht wurden.

Jetzt kommt von den Arbeitsmarktforschern aus Nürnberg die Entwarnung. Es wird sogar von steigender Arbeitslosigkeit in den DV-Berufen gesprochen und von einer "Konsolidierung" des Arbeitsmarktes. Im Klartext: Die DV-Fachleute müssen davon ausgehen, daß sie keine Sonderstellung mehr einnehmen. Aufgrund der steigenden Umschulungsmaßnahmen und der zunehmenden Absolventenzahlen von DV-Erstausbildungsgängen gilt der Arbeitsmarkt in diesem Bereich als versorgt.

Mangel herrscht nur an versierten Spezialisten. Die Personalchefs haben - verfolgt man die Stellenanzeigen in den wichtigsten Tageszeitungen - ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben, den "jung-dynamischen, gutausgebildeten, berufserfahrenen" Kandidaten zu finden. Diesem Idealtyp laufen jedoch alle Personalchefs hinterher. So gesehen herrscht also auch hier wieder Normalität. Hans Königes

*Dr. Werner Dostal ist beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit tätig

Das Berufsfeld der DV-Berufe bleibt weiterhin attraktiv, doch gleichen sich Angebot und Nachfrage zunehmend aus. Auch in bezug auf Arbeitslosigkeit haben sich die Zahlen fast der bundesrepublikanischen Quote angeglichen.

Die Zahl der Ende September registrierten arbeitslosen DV-Fachleute hat sich zwischen 1986 und 1989 um rund 5000 Personen auf 10 297 erhöht (Tabelle 1), also knapp verdoppelt. Diese Zunahme war wie folgt verteilt: 1986/87 + 2000, 1987/ 88 + 2000, 1988/89 + 1000. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote stieg von 1986 auf 1989 von 3,4 Prozent auf fünf Prozent. Sie rangiert damit immer noch unterhalb der Quote für alle Erwerbstätigen, die 1989 bei etwa 7,5 Prozent gelegen haben dürfte.

Der Frauenanteil der arbeitslosen Datenverarbeitern betrug Ende September 1989 zirka 31 Prozent. Er liegt damit weiterhin deutlich höher als bei den beschäftigten DV-Fachleuten, wo er sich auf weniger als 20 Prozent belief. Werden aber nur die Berufseinsteiger berücksichtigt, so normalisiert sich der Frauenanteil: Der Unterschied beträgt dann nur noch fünf Prozent.

Die Hälfte der arbeitslosen Datenverarbeiter kam aus einer Erwerbstätigkeit. Der Anteil hat sich gegenüber 1986 verringert, damals waren 60 Prozent unmittelbar aus der Erwerbstätigkeit gekommen. Diese Gruppe hat also ihre Position auf dem Arbeitsmarkt verbessern können. Auch die Zahl jener, die unmittelbar aus einer Ausbildung heraus arbeitslos wurden, stieg unterdurchschnittlich.

Dagegen war es für Absolventen aus Fortbildungsmaßnahmen schwieriger, einen Arbeitsplatz zu finden. Hier nahm die Arbeitslosigkeit um 145 Prozent zu.

Besondere Probleme hatten die "Sonstigen", die eine recht heterogene Gruppe bilden. Von dieser Gruppe, die aus knapp 2300 Personen besteht, waren etwa 42 Prozent Aus- und Übersiedler beziehungsweise Asylbewerber. Es muß dabei aber berücksichtigt werden, daß der Termin der Sonderuntersuchung Ende September 1989 noch vor der Mauer- beziehungsweise Grenzöffnung lag und deshalb diese Werte heute durchaus erheblich höher sein können. In dieser Gruppe spielt der Frauenanteil mit knapp 40 Prozent eine deutlich gewichtigere Rolle als bei den anderen Gruppen.

Die Berufsqualifikation der arbeitslosen Datenverarbeiter ist - verglichen mit der der beschäftigten Datenverarbeiter - etwas schlechter. Allerdings sind auch Hochschulabsolventen in erheblichem Maße betroffen (17 Prozent).

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Personen ohne Ausbildung läßt sich nicht plausibel erklären. Die recht starke Zunahme der Arbeitslosigkeit bei den Fachschul- und Fachhochschulabsolventen ist Ausdruck für die Verengung des Arbeitsmarktes.

Man sollte jedoch aus diesen Ergebnissen statistischer Zählungen nicht zuviel ableiten: Es ist bei diesen Ebenen-spezifischen Angaben nicht immer eindeutig bestimmbar, ob die Befragten ihre höchste Qualifikation angeben oder ob es sich um den DV-bezogenen Abschluß handelt.

Die Zahl der registrierten offenen Stellen, die Ende September 1989 noch unbesetzt geblieben waren, hat sich gegenüber dem Stand von 1986 etwa um ein Drittel verringert. Diese Abnahme war vor allem bei denen ohne Ausbildungsvoraussetzungen, aber auch bei denen mit Fachschul- beziehungsweise Hochschulausbildung zu verzeichnen. Bei den betrieblichen Qualifikationen nahm die Zahl der offenen Stellen zu.

Diese Zahlen dürfen nicht überinterpretiert werden: Es handelt sich nur um wenige offene Stellen, die zudem im gesamten Bundesgebiet verteilt angeboten werden. Der Einschaltungsgrad des Arbeitsamtes dürfte auch bei den verschiedenen Qualifikationsebenen unterschiedlich sein.

Zunächst ist zu berücksichtigen, daß die Zahlen nicht immer alle Bestände und Bewegungen abbilden. So gibt es neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch die Selbständigen, die Beamten und die mithelfenden Familienangehörigen sowie Personen mit geringfügiger Beschäftigung, die in dieser Bestandsstatistik nicht erfaßt werden.

Auch Nebentätigkeiten, beispielsweise von Hochschullehrern oder Studenten, sind hier nicht erfaßt. Bei den offenen Stellen besteht ein weiterer Arbeitsmarkt, den nicht die Fachvermittlungsdienste der Arbeitsämter betreuen und auf dem insbesondere die gehobenen Positionen zu vergeben sind. All dies kann bei den Geschäftsstatistiken nicht enthalten sein.

Andererseits zeigen diese Zahlen, daß der Arbeitsmarkt für Datenverarbeiter weiterhin in Bewegung ist. Ein erheblicher Bestandszuwachs führt nicht zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit, da ganz offensichtlich die Versorgung des Marktes zumindest quantitativ deutlich besser geworden ist. Dies liegt einerseits an den steigenden Absolventenzahlen der Grundausbildungen auf allen Ebenen, insbesondere im Bereich der Berufsfachschulen, die ihre Kapazitäten vor allem in den Jahren 1986 und 1987 ausgebaut haben. Daneben wurde die Fortbildung und Umschulung in DV-Berufe stark ausgeweitet.

Ob eine ungedeckte Personallücke heute noch besteht, ist nicht eindeutig zu erkennen. Sicher gibt es - wie in allen Berufen - nicht genügend "jugendliche Wunschkandidaten mit bester Ausbildung, langer Berufserfahrung und großer Bescheidenheit". Woran ein Mangel zu bestehen scheint, ist die Gruppe der berufserfahrenen einschlägig qualifizierten Spezialisten. Daß sie sich größter Beliebtheit erfreuen, ist den Stellenanzeigen zu entnehmen. 1989 war das Aufkommen der Stellenanzeigen für DV-Berufe besonders hoch. Sechs Prozent aller Angebote nach Untersuchungen der SCS Personalberatung kamen aus diesem Bereich. 1989 wurden 60 Prozent mehr Stellen für das Berufsfeld angeboten als 1988.

Fortbildung und Umschulung in diesem Berufsfeld scheinen trotz steigender Einmündungsprobleme weiterhin vom Arbeitsmarkt gut akzeptiert zu werden. Werden die Absolventen aus Maßnahmen mit einer neunmonatigen Dauer für die Jahre 1987 bis 1989 addiert, ergibt sich eine Gesamtzahl von 38 400 Personen. Ende September 1989 waren davon etwa 1900 arbeitslos. Dies ergibt eine maximale Einmündungsquote von 95 Prozent, lediglich fünf Prozent hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch arbeitslos gemeldet .

Es ist aber durchaus möglich, daß Personen in anderen Berufen tätig sind und ihre DV-Qualifikation als Misch- oder Randqualifikation dort nutzen. Die Versorgung war in diesen Jahren deutlich größer als die realisierte Personalzunahme:

Das bei dieser Gegenüberstellung resultierende Überangebot läßt sich wie folgt erklären:

- Bei den Daten der Beschäftigtenstatistik sind die nicht sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen nicht erfaßt. Selbständige, Beamte und mithelfende Familienangehörige gibt es auch in den Datenverarbeitungs-Berufen. In diesen drei Jahren dürfte die Zahl der Selbständigen sicher zugenommen haben. Allerdings sind darüber keine Zahlen verfügbar.

- Obwohl die Datenverarbeiter noch relativ jung sind, dürfte es auch heute schon einen wenn auch geringen Ersatzbedarf aufgrund des Altersabganges geben. Dieser ist in den Bestandsbetrachtungen nicht berücksichtigt.

- Manche Datenverarbeiter ergreifen andere Berufe, die zu den Misch- oder Randberufen gehören. Diese sind in den Bestandszahlen nicht enthalten.

- Es gibt auch regelrechte Austauschketten: Fachleute ersetzen Mischberufe, diese wiederum ersetzen Randberufe. So ist der Bedarf an einschlägigen Qualifikationen immer größer als die Bestandszunahme.

- Manche arbeitslos Gewordenen melden sich nicht mehr beim Arbeitsamt, sie bilden die "Stille Reserve" und werden statistisch nicht mehr erfaßt.