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11.02.1983

DV-Fachverband - für DV-Praktiker ein Wolkenkuckucksheim?

Der Arbeit von DV-Fachverbänden stehen viele Datenverarbeiter noch skeptisch gegenüber, obwohl generell die Meinung vorherrscht daß die zunehmende Bedeutung der Kommunikationstechnologie in der Gesellschaft eine gemeinsame Vertretung erfordere. Oft ist die distanzierte Haltung der Computerleute auch auf Unkenntnis zurückzuführen, weil sie weder Ziel noch Funktion der Interessengemeinschaften kennen. Ihre Wünsche an eine Dachorganisation definieren die Datenverarbeiter dagegen sehr klar: Sie soll sie im Kampf gegen Hersteller oder Lieferanten unterstützen, Mißstände offenlegen und auf breiter Ebene diskutieren. Darüber hinaus erwarten sie, daß sich "ihr" Verband auch gegen das Negativ-lmage des Computers in den Medien wehrt. ih

Reinhard Hansmann

DV-Leiter, Frick Teppichboden Supermärkte GmbH, Burgwald/Eder

Was ist ein DV-Verband eigentlich, fragen sich viele Unternehmer und DVler, wenn sie diesen Begriff zum ersten Mal hören. Zum einen ist unbekannt, welchen Tätigkeitsbereich ein DV-Fachverband umfaßt, zum anderen, wo sie zu finden sind. In anderen Berufszweigen sind Fachverbände bereits fest etabliert. Es stellt sich die Frage, warum nicht in der DV. Liegt es daran, daß nur wenige die Notwendigkeit einer solchen Vereinigung erkannt haben, oder daß niemand weiß, welche Funktionen sie erfüllt. Eine von zahlreichen Aufgaben sollte sein, bei den Herstellern beratend tätig zu werden, da nur so gewährleistet ist, daß intensiver auf die Anwenderwünsche eingegangen wird.

In der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, daß die Hersteller an der Mitarbeit von Anwendern an Entwicklungsprojekten interessiert sind.

Eine wichtige Tätigkeit der Anwender-Organisation sehe ich darin, die unterschiedlichen Forderungen der Mitglieder zusammenzufassen, zu interpretieren und an die Hersteller weiterzuleiten.

Es wäre gut, wenn ein Fachverband mit dem umfangreichen Wissen seiner einzelnen Mitglieder, andere bei der Lösung bestimmter Probleme unterstützen würde. Dies könnte beispielsweise bei der Einführung von EDV oder Umstellung von Systemen dahin führen, daß Fehler, die normalerweise immer wieder gemacht werden, sich auf ein Minimum beschränken und damit auch zur Einsparung von Kosten führen.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil liegt auch im Austausch von Softwarekenntnissen. Auf diese Weise können Zeit und Geld der Betroffenen gespart werden. Neben den angesprochenen gilt es, noch eine Anzahl von weiteren Problembereichen zu bewältigen; zum Beispiel neue Techniken wie Btx oder Bürokommunikation. Sie alle anzuschneiden, würde den Rahmen jedoch sprengen. Viel wichtiger ist es, das Problem anzupacken und den EDV-Anwendern klarzumachen, wie sie ein DV-Verband bei der Lösung ihrer vielfältigen Aufgaben unterstützen kann. Eigene Kenntnisse weiterzugeben und Unterstützung von anderen Know-how-Trägern zu erhalten, ist langfristig gesehen der einzig gangbare Weg bei EDV-Anwendern. Schon heute ist kaum noch ein einzelner in der Lage, den sich immer schneller entwickelnden Markt der Informationsverarbeitung zu überblicken oder die entsprechende Anzahl von Mitarbeitern zu unterhalten, um irgendwann einmal deren Wissen in Anspruch zu nehmen. Man spricht heute von verteilten Informationssystemen - warum nicht auch ein solches System innerhalb eines Fachverbandes?

Josef Fromme

DV-Leiter, Hesse GmbH (Lacke und Beizenfabrik), Hamm

Beim obligatorischen Rundgang auf der Hannover-Messe bedauere ich in der Halle CeBIT all diejenigen, die nach einem geeigneten Computersystem Ausschau halten. Sie erfahren auf jedem neuen Stand, wie miserabel das Preis- /Leistungsverhältnis bei den anderen Mitbewerbern ist. Sie kaufen die Zukunft gleich mit, wird den Interessenten vorausgesagt.

In der Praxis beim Anwender spiegelt sich diese Zukunft in nicht ausgereifter Hard- und Software wider. Eine Differenzierung zwischen dem, was derzeit möglich und machbar ist, und dem, was in der Entwicklung steht und noch einiger intensiver Forschungsarbeit bedarf, wird nicht vorgenommen. Hier tut Aufklärung not. Interessant wäre zum Beispiel, Zahlen zu nennen, wieviel Stunden sich die Anwender mit der "gekauften Zukunft" quälen müssen. An dieser Stelle sollte die Arbeit von Fachverbänden einsetzen.

Es muß publik gemacht werden, wenn die Lieferzeit von neuen Bildschirmen über ein Jahr überzogen wird und Sacharbeiter an Geräten mit vorkriegsähnlichen Tastaturen arbeiten. Außerdem sollte sich der Verband um die laut Hersteller nicht mehr existierenden Systemfehler kümmern. Treten sie doch auf, heißt es bei jedem Kunden: "Nur bei Ihnen." Negative Erfahrungen veröffentlichen ist eine Aufgabe, und keine einfache, gegenüber den übermächtigen Herstellern.

Ein anderer Aspekt wäre, gegen das Negativimage der Technik in den deutschen Medien anzugehen. Wenn Computer als Jobkiller hingestellt werden, Bildschirmarbeit generell krank macht und totale Überwachung des Individuums proklamiert wird, so hat dies mit neutraler Berichterstattung wenig zu tun. Da hilft es auch nicht, wenn Redakteure des Magazins "Times" meines Erachtens in geistiger Umnachtung den Computer zum Mann des Jahres wählen. Die Distanz eines denkenden Menschen zu diesen Maschinen wird dadurch noch größer. Ein Fachverband muß aktiv mitwirken, diese Einstellung gegenüber neuen Technologien wieder ins richtige Lot zu bringen.

Wenn ich überhaupt einem Verband beitreten sollte, dann nur einem, der in dieser Richtung uneingeschränkt wirkt, der Mißstände schonungslos offenlegt, Anwendern objektive Unterstützung gibt und überzogene Darstellungen korrigiert.

Hans-Ulrich Nelte

Hauptabteilungsleiter DV, Krupp MAK-Maschinenbau GmbH, Kiel

Die Frage, welche Aufgaben erfüllen Fachverbände, kann ich detailliert beantworten, da ich im ADI- Landesverband Schleswig-Holstein aktiv mitarbeite.

Der ADI, Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter, 1955 in Kiel gegründet, ist der älteste DV- Fachverband in Deutschland.

Viele Fachkollegen, das ergibt sich immer wieder aus Gesprächen, erwarten wie ich daß der ADI Verbindungen zwischen Wissenschaft und Praxis schafft, daß er in dem oft stürmischen Entwicklungsprozeß des Fachgebietes eine Mittlerfunktion übernimmt zwischen den Fachleuten und dem Management in der Unternehmen, zwischen Herstellern und Anwendern, zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Vor allem wird aber erwartet, daß er ein Forum bietet für wirklich effektiven Erfahrungsaustausch einerseits und andererseits für Veranstaltungen, die dazu geeignet sind, den eigenen Wissensstand der laufenden Entwicklung anzupassen, zumindest zur fachlichen Fortbildung immer wieder anzuregen.

1982/83 ist die Softwareentwicklung der Schwerpunkt und eine Reihe der Veranstaltungen machen wir gemeinsam mit der GI, Gesellschaft für Informatik, mit der hier in Kiel, dank der Aufgeschlossenheit an der Christian-Albrecht-Universität, eine gute Zusammenarbeit möglich ist. So gelingt es, Professoren und Praktiker für Referate und Koreferate zum gleichen Thema und für die gemeinsame Diskussion zu gewinnen, so daß tatsächlich eine Brücke zwischen Theorie und Praxis sichtbar wird.

Grundsätzlich kann ein Fachverband nicht mehr leisten, als seine Mitglieder bereit sind zu leisten. Niemand kann von einem Fachverband erwarten, was er selbst nicht einzubringen bereit ist.

Ein Verband wie der ADI kann nicht eine Ersatzgewerkschaft sein, er will auch keine

gesellschaftspolitischen Aufgaben lösen, aber er muß natürlich seine Rolle in der Gesellschaft spielen, und zwar so, wie es der Bedeutung des Fachgebietes zukommt. Es ist unbestritten, daß die Bedeutung unseres Fachgebietes in der Industriegesellschaft ständig wächst, und so ist sicherlich anzustreben, daß die verschiedenen DV- Fachverbände, ähnlich wie es die Ingenieurverbände lange tun, zu Gemeinsamkeiten finden.

Ich halte es in der Verbandsarbeit übrigens für ein gutes Prinzip, wenn die Vorstandsarbeit regelmäßig wechselt, also nicht über beliebig viele Wahlperioden hinweg die gleichen Leute die gleiche Arbeit machen. In unserem Beruf ist jeder erheblich gefordert, so ist es ohnehin Voraussetzung, daß Vorstände zu einer sinnvollen Arbeitsteilung finden und möglichst viele Mitglieder in die Verbandsarbeit einbeziehen. Die Erfahrung bei uns

ist, daß dann die beruflichen Pflichten keineswegs darunter leiden, von der Freizeit einmal abgesehen; eher ist das Gegenteil der Fall, viele der Anregungen und Kontakte wirken unmittelbar positiv auf den beruflichen Erfolg hin.

Dr. Horst Strunz

Mitglied des Präsidiums der Gesellschaft für Informatik e. V. (Gl), stellvertretender

Geschäftsführer der mbp, Dortmund

Aufgabe eines Fachverbandes ist die Förderung und Weiterentwicklung des betreffenden Fachgebietes, auch über den Kreis seiner Mitglieder hinaus. Der rasche technologische Fortschritt in der Datenverarbeitung stellt an einen DV-Fachverband besondere Anforderungen: Er muß seinen Mitgliedern sowie der betroffenen und interessierten Öffentlichkeit vielfältige Hilfen geben, den permanenten technischen Wandel zu erkennen und daraus die wissenschaftlichen, berufspraktischen und gesellschaftlichen Konsequenzen abzuleiten. Potente Fachverbände werden darüber hinaus in der Lage sein, durch Bündelung der Aktivitäten ihrer Mitglieder den technischen Fortschritt in Teilgebieten mitzugestalten.

Ein DV- Fachverband sollte deshalb

- Tagungen, Seminare und Vorträge über neue Entwicklungen in der Informatik anbieten,

- Arbeitsgruppen zu speziellen Themen bilden und die Arbeitsgruppenergebnisse in geeigneter Form allen interessierten Fachleuten und der Öffentlichkeit bekanntgeben,

- national und international Kontakte zu allen lnstitutionen halten, die Einfluß auf die Entwicklung der Informatik ausüben,

- auf die Träger von Informatikausbildungsaktivitäten einwirken,

- bei der Gestaltung neuer Informatikberufsbilder mitwirken.

Die Gesellschaft für lnformatik e. V. (Gl), die derzeit mehr als 5000 persönliche und etwa 100 fördernde Mitglieder umfaßt, bietet die erwähnten Möglichkeiten. 1969 gegründet, vereinigt die Gl heute Mitglieder aus allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung, der Informationsindustrie, der DV-Anwender, der Lehre und der Ausbildung.