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22.07.1988 - 

Fürchtet sich der Linien-Manager vor dem Informationssystem-Manager?

DV-Fachwissen muß in die Unternehmensleitung einfließen

MÜNCHEN - Die wachsende Bedeutung von DV und Informationstechnologie im Unternehmen bereitet nicht selten den Managern Unbehagen, wenn nicht Angst. In den USA spricht man bereits vom "Executive Fear Factor", also der Angst der Entscheidungsträger vor der lnformationstechnologie. Für die befragten deutschen DV-Leiter lag darin Brisanz: Die einen sagen sofort, sie hätten überhaupt keine Probleme mit ihrem Management, andere geben unumwunden zu, daß es Berührungsängste gibt und schildern ihre Sicht der Dinge. Dann bitten sie aber doch um Verschwiegenheit. Anonyme Zitate ja, Namensnennung nein. Schließlich will niemand die eigenen Probleme oder die Probleme seines Unternehmens öffentlich zur Schau stellen. Wir respektieren dies und haben die Namen im Text geändert. Die richtig Namen sind der Redaktion bekannt. In einigen wenigen größeren Unternehmen hat man die Zeichen der Zeit bereits erkannt und das DV-/Informations-Management in die Unternehmensleitung , eingebunden. In den anderen steht der DV-Leiter oft einem Linienmanagement gegenüber wo er mit Mißtrauen und relativ wenig Wissen über die Belange der Datenverarbeitung konfrontiert wird. Joseph Glücker DV-Leiter eines ostwestfälischen Konzerns, möchte zwar nicht von einer echten Angst der Linienmanager vor dem Informationsmanagement sprechen. Er hat aber doch ein gewisses Befremden auf der Seite der Manager bemerkt, wenn es um das Verhältnis zu den DV-Leitern geht. In einem anderen Punkt stimmen die weiteren Befragten zu: Die Entscheidungsträger in der Unternehmensleitung akzeptieren mittlerweile die DV-Leiter und ihre Abteilungen als unternehmenswichtige Institution.

So meinte Robert Menzel verantwortlich für die DV und Informationstechnologie bei einem Autozubehörhersteller, daß die Führung seines Unternehmens sich schon des öfteren bemüht habe, sich DV-Wissen anzueignen was dann aber an mangelnder betriebsinterner Kommunikation scheiterte. Glücker sieht den ersten Berührungspunkt zwischen beiden Welten in der Frage der Kosten, Mißtrauen beim Management entsteht seiner Meinung nach dann wenn die Unternehmensführung nicht mehr nachvollziehen kann warum bestimmte Kosten für DV-Investitionen höher waren als veranschlagt: "Wenn ein Projekt 300 000 Mark statt 50 000 Mark kostet, dann sind die Manager die für die Kosten geradestehen müssen, doch etwas befremdet. Dazu kommt dann noch, daß sie nicht so genau wissen, warum solch eine Diskrepanz bei den Kosten aufgetreten ist."

"Manager müssen nun mal Entscheidungen fällen. Es ist aber oft genug so, daß sie über DV-Angelegenheiten entscheiden, über die sie nichts wissen. Da kann dann der DV-Leiter erzählen was er will das Management entscheidet, ohne genau zu wissen, was da eigentlich beschlossen wird", erklärte Robert Menzel zur Frage nach dem DV-Fachwissen von Managern. Den Managern fehle ebenr so Glücker, viel zu oft das nötige DV-Fachwissen. Andererseits seien sie sich darüber im klaren, daß die DV-Systeme heute wesentlich zur Unternehmensführung gehören und zur Funktion des Betriebes beitragen.

Und darin liegt die nächste Angst der Manager: nämlich von den DV-Abteilungen und ihren Maschinen abhängig zu sein. Wenn die Rechner und Informationssysteme immer wichtiger werden, dann führen Ausfälle auch zu größeren Verlusten. Außerdem fühlen sich die Manager dann der "Gnade der DV-Leute" ausgeliefert, daß diese wieder alles zum Laufen bringen. "Viele Manager fühlen sich da ganz einfach ohnmächtig, geradezu ohne Handlungsspielraum. Und das mögen die Manager ja am allerwenigsten", meinte einer der Befragten.

Robert Menzel fordert von seinen Kollegen, daß sie sich erst einmal über ihr eigenes Selbstverständnis im klaren sein müßten: "DV-Abteilungen sind in den meisten. Fällen noch betriebsinterne Dienstleistungsunternehmen. Sie unterstützen die Geschäftsleitung und andere Abteilungen beim reibungslosen Ablauf ihrer Aufgaben. In Zukunft wird sich jedoch auch bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen ein Trend hin zum Organisationsbetrieb zeigen. Die DV wird dann auch für Verfahren verantwortlich sein, die in die vielfältigsten Anwenderbereiche eingreifen."

Und genau dabei zeigt sich ein weiterer Faktor, der die Furcht der Manager noch verstärken könnte: Das "Herrschaftswissen" der Informationsmanager und DV-Leiter. Es kommt zustande, wenn die DV in immer mehr Unternehmensbereiche eingreift und über Informationen verfügt, die für den Manager möglicherweise von großer Bedeutung sind. Ein DV-Leiter, der die Weitergabe wichtiger Informationen kontrolliert, ist nach Ansicht von Fritz Donner, DV-Leiter einer Kaufhaus-Kette, eine Horror-Vorstellung für jeden Manager: "Die Manager glauben dann manchmal, da sitze irgendwo im Unternehmen einer, der alles über die Firma, die Bilanzen, die Mitarbeiter und die aktuelle Entwicklung zu wissen scheint. Die haben dann Angst, daß derjenige ihnen Informationen vorenthält oder an die falschen Leute weitergibt. Manchmal geht das soweit, daß ein Manager den DV-Leiter für eine Art Graue Eminenz hält, der mit seinen Rechnern den ganzen Betrieb beherrscht."

Die Furcht vor einem "Herrschaftswissen" der DV-Leiter wird nach Glückers Ansicht oft durch die Sprachbarriere, die zwischen Außenwelt und DV-Abteilung liegt, verstärkt. Der DV-Leiter und seine Mitarbeiter reden in für sie selbstverständlichen Fachausdrükken, die von Außenstehenden kaum verstanden werden. Oft genug vermutet das Management hier fälschlicherweise ein Elitebewußtsein der DV-Leute. Was da aber als Elitebewußtsein aufgefaßt wird, liege eigentlich am mangelnden DV-Fachwissen der Manager, meint Fritz Donner. Dieses Fachwissen, darin sind alle Befragten einig, sollte der Unternehmensleitung vermittelt werden.

Als unabwendbar bezeichnet es deshalb Joseph Glücker, daß mit der Zeit die DV-Manager zu einem Teil der Unternehmensführung werden. Er wird durch die Unternehmen bestätigt, wo dies bereits der Fall ist. Hier hält man ein Mißtrauen der Linienmanager gegenüber den DV-Leuten bereits für einen "konstruierten Konflikt", da in diesen Fällen die Zusammenarbeit und Kompetenzverteilung besser funktionieren. Ein weiterer Schritt, der unbedingt nötig ist, um die Furcht der Manager vor der DV abzubauen, ist das Einbringen von DV-Fachwissen in die Unternehmensleitung. Die DV-Leiter und ihre Mitarbeiter müssen hier richtiggehend als Schulungsinstanz auf die Manager einwirken. Dadurch wird am ehesten Vertrauen erzeugt, die Manager verstehen eher worum es geht und verlieren ihre Bedenken, Wichtig dabei, so Fritz Donner, sei aber auch die Bereitschaft der Manager, sich in das DV-Wissen einzuarbeiten: "Bei uns gab es Manager, die wollten jahrelang von DV nichts wissen. Jetzt wird das alles immer wichtiger, und da merken die, daß sie nicht mehr mithalten können. Klar, daß die zu uns ein distanziertes Verhältnis haben und auch die DV-Abteilung mehr oder weniger konservativ verwalten wollen."

Möglichkeiten, das DV-Wissen an Linienmanager weiterzugeben, gibt es nach Ansicht der Befragten viele. Vorgeschlagen wurden betriebsinterne Schulungen, Demonstrationen der Rechnersysteme oder Seminare speziell für Manager und Unternehmensleitung. Die befragten DV-Leiter sind der Ansicht, daß damit das Verhältnis Management - DV-Leiter positiv beeinflußt werden könnte. Dadurch würde zum einen die Sprachbarriere zwischen den Managern und den DV-Leuten verringert, wenn nicht sogar abgebaut. Zum anderen lernten die Manager direkt die Probleme und Arbeitsbedingungen der DV-Leute kennen. Die DV-Leiter vieler Unternehmen befinden sich jedenfalls - das geht aus der Umfrage deutlich hervor in einer schwierigen Situation, wenn sie mit einem Management konfrontiert werden, wo es Ängste gegenüber der DV-Abteilung gibt.

Klar zeigte sich auch, daß bei den Großunternehmen, wo die DV und Informationstechnologie bereits in die höheren Managementebenen eingebunden sind, viele der genannten Probleme nicht mehr existieren.