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11.09.1987 - 

Hans-Böckler-Stiftung streicht für High-Tech-Beschäftigte heraus:

DV fordert mehr Wissen und Verantwortung

DÜSSELDORF (lo) - Die Verantwortung für Maschinen wie auch für die Mitarbeiter selbst steigt, wenn Arbeitnehmer mit neuen Techniken umgehen. Belastungen wie Hitze, Lärm und Staub werden dazu vergleichsweise geringer. Diese Ergebnisse stellt die Hans-Böckler-Stiftung in einer Studie über die Herausforderungen der 90er Jahre fest (siehe auch CW Nr. 19 vom 8. Mai 1987, Seite 53).

Die persönlichen Anforderungen an hochtechnisierten Arbeitsplätzen bewerten befragte Arbeitnehmer höher als in traditionellen Arbeitsprozessen. Zu dieser Aussage kam im Erhebungsbereich "Wahrnehmung der gegenwärtigen Arbeitsbedingungen und Umgang mit neuer Technik" innerhalb des Projekts "Wandel des politischen Bewußtseins von Arbeitnehmern" die Hans-Böckler-Stiftung. Dies gilt in besonderem Maß für den Aspekt Konzentration, wie die gewerkschaftlichen Experten feststellten.

Bei zwei Drittel der mit neuer Technik befaßten Arbeitnehmer sei die Konzentration ein wesentlicher Bestandteil ihres Arbeitsalltags, im Vergleich zu 45 Prozent der Arbeitnehmer in Betrieben mit herkömmlicher Technik. Die Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit bei modernen Arbeitsplätzen seien gleich hoch bei Arbeitnehmern aus dem Produktionssektor wie dem Dienstleistungsbereich.

Auch die geforderte Verantwortung, sowohl für Anlagen und Maschinen als auch für Kollegen und Mitarbeiter, liege bei den Arbeitnehmern, die mit der neuen Technik umgehen, deutlich höher. Ein gutes Drittel dieser Befragten trage eine hohe Verantwortung für die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes, im Gegensatz zu einem Fünftel der konventionell eingesetzten Arbeitnehmer. Ähnliche Unterschiede zeigten sich in der Dimension "Verantwortung für Menschen" (35 Prozent zu 23 Prozent).

Im Vergleich beider Verantwortungsfelder ergeben sich für die Experten der Stiftung Unterschiede zwischen Beschäftigten im Produktions- und im Dienstleistungssektor: Im gewerblichen Bereich haben 45 Prozent der Befragten mit "modernisierten" Arbeitsplätzen hohe Verantwortung für die technische Apparatur; jedoch nur 21 Prozent der entsprechenden Arbeitnehmer aus dem Dienstleistungssektor. Verantwortung für Menschen ist dagegen im Dienstleistungsbereich (38 Prozent) ausgeprägter als im Produktionssektor (32 Prozent).

Die gängige Meinung, im Umgang mit neuen Techniken verringere sich der Anteil manueller Tätigkeit und damit die geforderte Geschicklichkeit, bestätigt sich in den Werten der Untersuchung: 49 Prozent der Arbeitnehmer auf traditionellen Arbeitsplätzen geben "manuelle Geschicklichkeit" als wichtige Qualifikation an. Unter hochtechnisierten Arbeitsbedingungen wird diese Fertigkeit nur von 35 Prozent der Befragten gefordert.

Auch die zunehmende Bedeutung beruflicher Qualifikationen wird durch weitere Untersuchungsergebnisse bestätigt: Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer sieht eine volle Beanspruchung seines beruflichen Könnens, und 43 Prozent halten ein hohes Maß an Wissen für notwendig, um ihre jetzige Tätigkeit ausüben zu können.

Die soziale Situation am Arbeitsplatz wird insgesamt ambivalent bewertet. Einerseits betonten drei Fünftel der Arbeitnehmer das gute Verhältnis zu Kollegen und fast die Hälfte hätten ein gutes Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten, andererseits habe jedoch nur ein Viertel der Arbeitnehmer "zahlreiche Möglichkeiten, sich mit Kollegen während der Arbeit zu unterhalten".

Sicherer Arbeitsplatz wird angezweifelt

Auch das Profil bei den Gratifikationen deutet weiterhin auf die Benachteiligung größerer Arbeitnehmergruppen hin, schlußfolgern die Gewerkschafter aus den Ergebnissen der Studie. Nur zwei Fünftel hätten ihrer eigenen Wahrnehmung nach einen sicheren Arbeitsplatz und jeder Zehnte sehe gute Aufstiegsmöglichkeiten am jetzigen Arbeitsplatz. Darüber hinaus werden "große Arbeitsfreude" und "hohe Autonomie" von jeweils zwei Fünftel der Arbeitnehmer als besonderes Merkmal ihres jetzigen Arbeitsplatzes genannt.

Technikakzeptanz - Herausforderung der 90er Jahre

Veränderungen in der Arbeits- und Lebenssituation zu bestimmen, ist Ziel des Projektes "Wandel des politischen Bewußtseins von Arbeitnehmern". Ein Aspekt dabei waren veränderte Kenntnisse und Verantwortung, wenn sich Konsequenzen des technischen Wandels am eigenen Arbeitsplatz zeigen.

Dieses Projekt führte die Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes, durch. Ein erster Bericht über die Ergebnisse erschien unter dem Titel "Gewerkschaften vor den Herausforderungen der 90er Jahre". Die Umfragen zum Thema wurden im Zeitraum Dezember 1985 bis Juli 1986 an insgesamt 13 000 Befragten durch das Institut für angewandte Sozialwissenschaften durchgeführt.