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22.04.1983

DV-Führungsposition durch Allroundwissen vorbereiten

Bei jungen Leuten ist der Wunsch, das berufliche Glück in der Datenverarbeitung zu suchen, ungebrochen. Dieser Wirtschaftszweig gilt für viele noch immer als Garant für materielle Sicherheit und Karrierechancen. Wie nun der praktische Weg zum DV-Leiter aussieht, wollte die CW-Redaktion von alten DV-Hasen wissen. Auch wenn viele Wege zur Datenverarbeitung führen, sind sich die Befragten einig: Ein Newcomer sollte sich nicht zu früh spezialisieren, sondern zunächts auch Erfahrungen in der Fachabteilung sammeln. "Oben" angelangt, hört das Lernen allerdings noch lange nicht auf. In der dynamischen Datenverarbeitung kann man nämlich die Karriereleiter ebenso schnell herunter- wie herauffallen. Einzige Erfolgsgarantie ist die permanente Lernbereitschaft und -fähigkeit.ih

Hans-Günther Rockel DV/Org., Abteilungsleiter, Firma Hanns Balzer, Lauterbach

Während meiner Militärzeit habe ich erstmals gedanklich mit EDV beschäftigt und auch Interesse an dem neuen Berufsfeld gefunden. Vor dem Einzug zum Militär lag eine Berufsausbildung zum Bankkaufmann mit anschließender einjähriger praktischer Tätigkeit. Auch nach dem Wehrdienst ging ich zunächst wieder in meinen erlernten Beruf zurück, belegte aber berufsbegleitend an einer Samstagsschule einen einjährigen Programmiererlehrgang. Nach erfolgreichem Abschluß wagte ich im Jahre 1969 den Einstieg in die EDV. Die damaligen entscheidenden Gründe für meinen Berufswechsel waren das Interesse an dem neuen Berufsfeld und zunächst auch "mehr Geld". Im weiteren Verlauf meines beruflichen Werdeganges haben allerdings finanzielle Überlegungen nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt, vielmehr habe ich bei meinem "Blick nach vorn" jeweils nur die fachliche Position im Auge gehabt, die mir breitere und tiefere Kenntnisse der EDV-Materie vermitteln sollte.

Die Stationen meiner beruflichen Entwicklung führten vom

- Anfangsprogrammierer (Assembler) über den

- Programmierer (RPG) mit Organisationsaufgaben, den

- Organisationsprogrammierer (Cobol), den

- Systemberater (Programmierung, Organisation, Projektleitung) bei einem EDV-Hersteller zu der heutigen Position als

- Abteilungsleiter für Datenverarbeitung und Organisation in einem Großhandelsunternehmen.

Dieser Berufsweg war keinesfalls von vornherein vorgezeichnet, zumal ich mir jeweils erst dann wieder höhere Aufgaben gesteckt habe, nachdem ich in der ausgeübten Position optimale Leistung erbracht hatte. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr wesentlich, denn wie soll man höheren Anforderungen gerecht werden, wenn man nicht in der Lage ist, qualitativ niedrigere Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für den beruflichen Aufstieg ist natürlich der vorhandene Wissens-Background. Fehlendes Wissen muß auf irgendeine Art nachgeholt werden, sei es durch arbeitgeberseitig angebotene Seminare, was selbstverständlich am bequemsten und am billigsten ist, oder durch private Weiterbildung. Ich persönlich habe zunächst jede von Arbeitgeberseite angebotene Schulungsmaßnahme genutzt. Darüber hinaus habe ich mir einen Großteil meiner theoretischen Kenntnisse durch Selbststudium im Rahmen von Fernkursen, Abend- und Samstagsschulen erworben. Diese Art meiner beruflichen Bildung habe ich bis heute beibehalten, denn auch als EDV-Leiter muß man sein vorhandenes Wissen kontinuierlich durch Selbststudium und/oder durch Seminarbesuche vertiefen und erweitern. Gerade in der schnellebigen EDV-Branche ist Bildungsstillstand gleich Rückschritt. Man fällt nämlich schneller die Leiter wieder hinunter, als man hinaufgekommen ist.

Werner Bongartz Geschäftstellenleiter, Cap Gemini Deutschland GmbH,

Düsseldorf

Ein "Job" ist entweder ein programmierter Arbeitsauftrag für einen Computer oder eine zufällige Erwerbstätigkeit, beides genau das Gegenteil von Beruf. Die Berufung kann nur aufgrund einer ganz persönlich empfundenen Qualifikation erfolgen, wobei der Glaube daran der wichtigste Faktor für die Erreichung der beruflichen Ziele ist. Das schließt jedoch nicht aus, daß das Herausfinden von Eignung und Neigung längere Zeit braucht, bis man zu einem Beruf gefunden hat.

Die Entwicklung meines beruflichen Werdegangs wurde durch das elterliche Handelsunternehmen positiv beeinflußt. Die ersten Berührungspunkte mit den Fachgebieten Organisation und Datenverarbeitung erfolgten während des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums.

Der eigentliche Berufsstart war dann am 1. 7. 74 die Einstellung als Juniorberater bei der Gesellschaft für Unternehmensberatung und Datenverarbeitung in Essen, die später durch die Alldata Service GmbH, München, übernommen wurde.

Bei den Aufgabenstellungen im Bereich der Kundenbetreuung und Programmpflege wurde sehr schnell neben der Fachkompetenz die Wichtigkeit des persönlichen Kundenkontaktes deutlich. Eine Betriebssystemumstellung von DOS auf OS brachte erste Erfahrungen mit einer Conversion-Problemstellung. Im Verlauf der Beratertätigkeit verlagerten sich meinem Interesse entsprechend die Aufgabenschwerpunkte von der Realisierung über die Konzeption und Analyse zur Akquisition, so daß die Einstufung als Berater, Senior-Berater und leitender Berater erfolgten. Steigende Motivation bewirkten insbesondere die mir erteilten Vollmachten. In diesem Zusammenhang war die Bereitschaft, an anderen Einatzorten tätig zu sein, selbstverständlich.

Die größte Möglichkeit der persönlichen Entfaltung bietet nun die heutige verantwortungsvolle Aufgabe beim größten europäischen EDV-Beratungsunternehmen Cap Gemini Sogeti. Die Leitung der als Profit-Center geführten Geschäftsstelle Düsseldorf umfaßt die Hauptfunktionen Verkauf, Personal, Operations, Budget und Administration.

Nach meiner Erfahrung spielt neben den Fachkenntnissen die persönliche Seite für die erfolgreiche Tätigkeit in einem Beratungsunternehmen eine große Rolle. Eine immaterielle Leistung kann nur in einem Vertrauensklima zwischen Mitarbeitern des Kunden und des Beratungsunternehmens vereinbart und realisiert werden.

Günter Fischer, DV&Org-Leiter, Laudenbach

Hätte man mir an der Wiege zu meinem Berufsleben, in der Schlosserwerkstatt, geweissagt, daß ich einst DV&Org-Leiter werden sollte, hätte ich wohl nur unverständlich gestaunt. Auch nach Abendabitur und nebenberuflichem Maschinenbaustudium hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal für unsere EDV in der Bundesrepublik, in den USA und Kanada verantwortlich zu sein. Ende der sechziger Jahre waren Computer eben noch fremdartige Wundermaschinen, deren Beherrschung hochbegabten und englisch sprechenden Mathematikern vorbehalten schien.

Der erste Kontakt mit der "modern witchcraft" EDV war dann positiv. Als Außendienstler erhielt ich Erfolgsprämien, die auf den Computerberechnungen eines Marktforschungsunternehmens basierten. Nach dessen Daten war mein Verkaufsgebiet gemessen an Kaufkraft, Bevölkerungsdichte, Mitbewerberpräsenz etc. eines der erfolgreichsten. Die wohlwollende Einstellung des Computers zu meiner Arbeit hatte wohl das erste, wenn auch scheue Interesse an der Datenverarbeitung geweckt. Denn ich fragte mich, ob man diese freundlichen Maschinen nicht auch als Marketinginstrument, als Helfer des Außendienstes benutzen könnte, etwa für Tourenplanung, Berichtswesen, Verwaltung der Kundendaten. So vage meine Ideen damals waren, so schnell wurden sie wieder verworfen.

Aber Ideen sind manchmal hartnäckige Verfolger. Das Studium der Betriebswirtschaftslehre, neben der Außendiensttätigkeit angefangen, erforderte einen Seminarschein in EDV und Programmieren. Was lag näher, als das Angebot, Assembler und RPG als Werkstudent der IBM zu lernen, anzunehmen? Mit einen weinenden Auge gab ich die geliebte Vertretertätigkeit auf und stürzte mich in den Kampf mit den Bits, Bytes und hexadezimalen Adressen.

Nach einer harten Lernphase und ersten Programmiererfolgen kamen freie Programmieraufträge, die mir von der IBM vermittelt worden waren. So verbrachte ich die Tage in Vorlesungen und Seminaren, die Abende am Schreibtisch und manche Nacht an der Seite einer jungen /3, /360-20, -30 oder gar einer temperamentvollen /360-65. Die Computeritis hatte zugeschlagen, und zwar so heftig, daß ich Mutter IBM auch nach Abschluß des Studiums nicht verlassen wollte.

Als Assistent lernte ich das Großbetriebssystem OS/VS 1, als SE und später VB das beginnende Teleprocessing-Geschäft kennen, bis ich im Rahmen einer Auslandstätigkeit in die weite Welt geschickt wurde.

In den letzten Jahren habe ich einem internationalen Direct-Mail-Unternehmen zu einem neuen, zukunftsicheren EDV-Netzwerk und einer gestrafften Organisation verhelfen dürfen. Eine unternehmerische Aufgabe, die dank enger Kooperation von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen schnell und erfolgreich gelöst werden konnte. Innerhalb von drei Jahren waren die deutschen, kanadischen und amerikanischen Häuser mit einer modernen, eigenen Datenverarbeitung ausgestattet worden, die mehr Anwenderkomfort zu niedrigen Kosten und erweiterten Möglichkeiten der Kundenbetreung bot. Sie stellte damit einen Schritt zu einem besseren Marketing und die Verwirklichung meiner alten Ideen dar.

Im deutschen Stammhaus konnte durch konsequente Abkehr von der alten EDV und Ausnutzung der zukunftsweisenden /38-Technologie die Mitarbeiterzahl in der Vertriebsabwicklung um ein Drittel gesenkt, die Zeitspanne zwischen Bestellaufgabe und Auslieferung um die Hälfte verkürzt, Falschlieferungen, die die Kunden früher häufig verprellt hatten, auf den unvermeidlichen Promillesatz reduziert werden. Alles Ergebnisse, die zur Zukunfsicherung von Unternehmen und Arbeitsplätzen beitragen.

In der heutigen Zeit, die von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist, taucht in Gesprächen vor allem mit jungen Leuten häufig die Frage auf, wie man sich am besten auf eine Karriere in der EDV, die alleine eine sichere Zukunft zu versprechen scheint, vorbereitet. Sicherlich ist angesichts der Dynamik und Vielseitigkeit der Branche guter Rat nicht leicht, aber aufgrund meines Werdegangs glaube ich, daß eine breite Ausbildung und vielfältige Berufserfahrung in jungen Jahren, nicht nur in Informatik, sondern auch in den Fachbereichen der Anwender, immer ein guter Tip ist. Denn die stürmische Entwickung der Datenverarbeitung bestätigt doch immer wieder, daß nichts so beständig ist wie der Wechsel, dem man nur folgen kann, wenn man sich nicht zu früh und zu eng spezialisiert.

Herbert Rotthauwe RZ-Leiter, Veba Oel AG, Gelsenkirchen-Buer

Wie kam es dazu, sich mit der EDV zu beschäftigten und wie wurde ich das, was ich heute bin, nämlich Leiter eines Rechenzentrums in einem Industrieunternehmen?

Dieser Fragestellung begegne ich oft, wenn ich im Rahmen der EDV-Ausbildung mit unseren Auszubildenden zusammenkomme.

Es gibt natürlich kein Patentrezept für eine EDV-Karriere, vielleicht aber ein paar nützliche Informationen, beschäftigt man sich neben den offziellen Berufs- und Ausbildungsplänen mit dem Berufsweg eines EDVlers.

Geboren 1937, 1958 Abitur, einige Semester an einer Technischen Hochschule, begann ich 1960 eine Ausbildung als Großhandelskaufmann. Nach einem Jahr bekam ich von der Unternehmensleitung das Angebot, bei der Umstellung der konventionellen Lochkartenanlage IBM 421 auf eine elektronische DV-Anlage IBM 1401 einzusteigen. Ich hatte damals das Glück, mit einem Kenner der EDV-Szene das Angebot zu diskutieren. Meine Entscheidung stand damit fest. Ich stieg voll ein, besuchte vom 17. 07. 61 bis zum 04. 08. 61 meinen ersten EDV-Lehrgang IBM Nr. 34114, dem viele folgten, wurde 1962 Programmierer, 1966 Chefprogrammierer, 1971 Leiter der EDV-Abteilung. 1973 wurde ich im Rahmen organisatorrischer. Veränderungen innerhalb des Konzernbereichs von der heutigen Veba Oel AG als Leiter der Programmierung übernommen und nahm 1982 die angebotene Postition als RZ-Leiter an, da mich die hier anstehenden Aufgaben herausforderten.

Um zu erklären, wie ich das alles erreicht habe, hier ein paar Anmerkungen aus meinem "Zeugnis" aus dem Jahre 1973:

* Fähigkeiten

- Unter Termindruck effizient zu arbeiten

- durch organisatorische Maßnahmen für einen sicheren Arbeitsablauf sorgen

* Engagement

- bei der praktischen Unterstützung der ihm unterstellten Mitarbeiter

- bei der Betreuung der Anwender

* Belastbarkeit und Initiative

Und wenn ich selber noch etwas hinzufügen darf:

"Man muß hinter seiner Arbeit stehen, sich nicht fragen, was hast du gut gemacht, vielleicht darüber reden, sondern was kannst du noch besser machen und darüber ausreichend nachdenken." Besonders stolz war ich, als einer meiner Mitarbeiter mir kürzlich sagte: "Du bist nicht nur Chef, sondern auch Mensch."