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21.01.1983 - 

Allein Spezialisten können noch Druck ausüben

DV-Gehälter l983: Zuwachsraten halbiert

MÜNCHEN/GUMMERSBACH - An eine glatte Halbierung der durchschnittlichen Zuwachsrate 1984 bei den EDV-Gehältern glaubt Heinz Ebers von der Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach. Im Vorjahr hatte die Steigerung bei sieben Prozent gelegen und damit über dem allgemeinem Durchschnitt. Im tariflichen Bereich bedeutet das nur noch ein Plus von 3,5 Prozent. Dennoch kann man davon ausgehen. wie erste Ergebnisse der Umfrage der Hamburger Handelsdienst GmbH ergeben haben, daß nach wie vor ein gravierender Mangel an besonders qualifizierten Spezialisten herrscht; nur sie könnten trotz der Angleichung der Gehaltsentwicklung an andere Branchen das Gehaltsgefüge wieder erschüttern.

In der seit Jahren DV-Kräfte suchenden Branche hat sich ein weitgehendes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage eingependelt. So stellte die Fachvermittlung für besonders qualifizierte Fach- und Führungskräfte in Frankfurt eine deutliche Beruhigung auf dem Arbeitsmarkt für DV-Spezialisten fest. Diese Entwicklung scheint sich jetzt auch auf die Gehaltssituation auszuwirken.

Noch im vergangenen Jahr lag der Zuwachs für alle in der Datenverarbeitung beschäftigten Mitarbeiter nach Berechnungen der Kienbaum Unternehmensberatung im Durchschnitt bei 7,1 Prozent. Damit lagen sie immerhin ein bis zwei Prozentpunkte über den Zuwachsraten in allen anderen Wirtschaftsbereichen. Diese Zeiten sind jedoch vorbei, glaubt Dr. Heinz Ebers von der Kienbaum Vergütungsberatung. So schätzt der Gehaltsstratege die Zuwachsraten für 1983 im Schnitt nur noch auf 3,5 Prozent.

Früher konnte man sich Ebers zufolge noch recht gut durch "Job-Hopping" hochverdienen. Heute seien dagegen viel eher Parallelwechsler zu beobachten die gar nicht mehr Geld haben wollen, statt dessen aber einen sicheren Arbeitsplatz zu schätzen wüßten.

Etwa seit zwei Jahren meint der Vergütungsberater bei den Unternehmen nun eine gewisse Rückbesinnung feststellen zu können. Im Zuge der allgemein einsetzenden Sparmaßnahmen sei man nämlich darauf gekommen, daß viele DV-Abteilungen unverhältnismäßig hohe Kosten produzierten und Dinge machten, die in den jeweiligen Unternehmen gar nicht gebraucht würden. Dabei käme auch häufig zutage, daß das DV-Personal in der Regel im Verhältnis zu anderen Abteilungen überbezahlt wird. Dies führt zu unausgewogenen Strukturen im Gehaltsgefüge: Einzelne Positionen sind stark überhöht, andere unterbezahlt und zwar im Verhältnis zum Markt insgesamt und zu den anderen innerbetrieblichen Abteilungen.

Den Grund für die verzerrten Vergütungsstrukturen sieht Ebers in dem jahrelang herrschenden Mangel an Spezialisten. Wenn ein DV-Leiter zur Lösung von dringenden Sachproblemen einen Systemprogrammierer am Markt suche und keinen finde, dann neige er schnell dazu, auch mal einen mit überhöhten Gehaltsforderungen einzustellen.

Problem der Phantasiegehälter

Auch Ulrich Busch, Direktor Zentralbereichsleitung Informationssysteme bei der SKF Deutschland kennt das Problem der Phantasiegehälter, die man vor allem in Ballungszentren Spezialisten anbieten muß, um sie locken zu können, doch dieses Verhalten rühre auch aus einer gewissen Disziplinlosigkeit mancher Kollegen. Wer damit beginne, öffne unrealistischen Vorstellungen Tor und Tür und der Teufelskreis beginne.

Viel besser sei es, innerhalb der DV-Abteilung organisatorische Maßnahmen einzuleiten, die einer Spezialisierung entgegenwirken, wie beispielsweise zusätzliche Software oder bestimmte Arbeitseiligkeiten. Eine weitere Möglichkeit bestehe auch darin, sich Know-how von außen zu kaufen, um so Spitzen überbrücken zu helfen. Damit DV-Chefs in solche Situationen möglichst überhaupt nicht kommen, sollten sie sich Busch zufolge für ihre Personalpolitik langfristig Gedanken machen - über einen Planungshorizont von fünf bis zehn Jahren: "Welche Eignungen brauche ich für welche Aufgabenstellung in welchen Zeiträumen."

Dadurch und auch wegen konjunkturell bedingter Freisetzungen von qualifizierten DV-Kräften sieht Busch einer ganz natürlichen Beruhigung entgegen. Jetzt endlich sei es möglich, eine Angleichung der Gehälter an die Verantwortunfgsfunktion vorzunehmen. Denn sonst, so Busch, "bekommt demnächst der Org./DV-Chef mehr Gehalt als der Vorstandsvorsitzende".

Eine Hierarchie-Ebene tiefer scheint sich genau dies abzuspielen, wie erste Ergebnisse der Hamburger Handelsdienst-Umfrage aufzeigen. Denn verschiedene Auswertungen der befragten Unternehmen hätten ergeben, daß der Leiter der Programmierung weniger verdient als die ihm unterstellten Spezialisten - die Projektleiter also. Dabei hält Dr. Ralf Tschmarke, Projektleiter der EDV-Gehaltserhebung, es auch durchaus für realistisch, daß besonders qualifizierte Leute, wie Softwaremethodiker, Fertigungsingenieure mit Kenntnissen in der Fertigungsplanung oder Marktforscher mit DV-Know-how beispielsweise noch wirkliche Gehaltssprünge erzielen können.

Aber auch der Leiter der DV-Organisation müsse sein Spektrum erweitern: Er werde nun zunehmend mit Führungsaufgaben betraut und damit im Rahmen des allgemeinen Wachstums für Managementpositionen bezahlt. An die Zuwachsraten der Spezialisten, so Tschmarke, kommen die DV-Chefs dennoch nicht "ran".

Weniger das finanzielle Problem drückt dagegen Hans Sontheimer, den Leiter der Abteilung Datenverarbeitung bei der Magirus Deutz AG in Ulm. Er sucht händeringend Spezialisten. So an die 6000 Mark wäre er schon bereit, einem Systemprogrammierer monatlich zu zahlen, wenn er sich mit einer IBM- und einer Honeywell-Anlage auskennt Zu lösen sucht Sontheimer das Problem durch Schulung der eigenen Mitarbeiter, die dann letztendlich nicht beendeter Ausbildung fast das gleiche Gehalt beziehen wie einer von außen.

Doch insgesamt glaubt auch der Ulmer DV-Chef, daß sich die Gehälter stabilisieren. Die nach dem T-Tarif (technischer) bezahlten Mitarbeiter werden nach Ansicht Sontheimers in diesem Jahr vielleicht gerade ihr Niveau halten können, sicher aber nicht mehr verdienen. Im außertariflichen Bereich (AT)

befinden sich bei Magirus Deutz nur der Leiter der Systemprogrammierung und der RZ-Leiter. Hier allerdings hält Sontheimer es noch durchaus für realistisch, von Zuwachsraten im Jahresdurchschnitt von bis zu zehn Prozent auszugehen.

Bei der ABS Pumpen GmbH in Lohmar werden dagegen die Prioritäten anders gesetzt. Ihr DV-Chef Erich Urban legte schon immer besonderen Wert auf die richtige Relation der Gehälter - auch in bezug zu den anderen Fachabteilungen: "Bei uns lagen die Gehälter schon immer anders als in den anderen Firmen. Dadurch hatten wir auch schon oft Schwierigkeiten, geeignete Leute zu finden. "

Doch durch die jetzt verstärkt zu beobachtenden Stellengesuche hofft Urban die Situation verbessern zu können und zudem endlich die Gehaltsangleichung perfekt zu machen. So werden sich bei ABS vor allem die außertariflich eingestuften DV-Spezialisten dieses Jahr nichts erwarten können, denn bei der Pumpen GmbH gibt es auch nominal keinen Zuwachs, sondern "eine glatte Stagnation".