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07.07.1978

DV-Hersteller und Büromöbel-Hersteller - zwei feindliche Brüder?

Wenn vom "Computer am Arbeitsplatz" die Rede ist, denken die meisten Menschen nur an den "Fernseher" auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters. Demzufolge dreht sich die Diskussion über "die ergonomischen Aspekte" in erster Linie um den Bildschirm. Dabei wird die Mehrzahl der "Büroarbeitsplätze" auch in einem Jahrzehnt noch keinen Bildschirm haben. Wohl jedoch wird die technische Unterstützung der Büroarbeit zunehmen; zum Beispiel durch die Ausbreitung der "Büro-Kommunikation" (Büro-Fernschreiben Fernkopien etc.). Und dieser "technisierten" Büroarbeitsplätze muß sich die Ergonomie annehmen wenn sie nicht auch in zehn Jahren noch mehr Schlagwort als Realität sein soll.

Heute sind die meisten Büroarbeitsplätze nicht technisiert - also normale Schreibtisch-Arbeitsplätze. Für diesen Bereich sind allein die Büromöbel-Hersteller zuständig, und sie haben die ergonomischen Probleme gelöst. Leider werden die "richtigen" Möbel - höhenverstellbare Schreibtische und Stühle, die den Forderungen der Arbeitsmediziner entsprechen viel zu wenig eingesetzt. Doch das ist nicht Thema dieses Beitrages. Zur zweiten Gruppe der Büroarbeitsplätze gehören die "Schreibwerk-Arbeitsplätze" (Schreibmaschinen, Textautomaten, Fernschreiber, Bürofernschreiber). Hier haben die Büromöbel-Hersteller getan, was sie tun konnten (höhenverstellbare Schreibmaschinentische, Manuskripthalter etc.). Die Hersteller der Maschinen haben außer der Geräuschdämpfung nichts für den "humanen" Arbeitsplatz getan. Noch immer kleben die Tastaturen am Schreibwerk und erlauben oft nicht einmal eine ergonomisch günstige Handhaltung.

Die dritte Gruppe der Büroarbeitsplätze ist sehr heterogen; obwohl sie alle etwas mit "Computern" zu tun haben - und insofern von "Computer (Leistung) am Arbeitsplatz" gesprochen werden kann. Es fallen darunter: "Terminal"-Arbeitsplätze, Datenerfassungsplätze, Textverarbeitungsplätze (zum Beispiel Vydec oder Linotext), Bürocomputer (Ó la BC/7) und Tischcomputer (wie etwa Compucorp 625).

Und hier beginnt das große Desaster!

Die Forderung der Arbeitsmediziner nach höhenverstellbaren Arbeitsflächen (Tischen) ist uralt. Es ist bekannt, daß sowohl zu niedrige Tische (die Beine werden "eingeklemmt") als auch zu hohe Tische (die Beine baumeln in der Luft) zu verkrampften Sitzhaltungen und Durchblutungsstörungen führen, die ihrerseits mangelnde Konzentrationsfähigkeit (= schlechte Arbeitsleistung) und frühzeitige Erschöpfung zur Folge haben. Außerdem werden durch eine falsche Höhe der Arbeitsfläche - und der damit verbundenen falschen Armhaltung - Sehnenscheidenentzündungen begünstigt. Es ist bewiesen, daß die Anpassung jedes Menschen an den Tisch allein mittels eines höhenverstellbaren Stuhles nicht möglich ist. Denn der "Durchschnittsmensch" kann 1,50 Meter groß sein - oder 2 Meter, kurze Beine haben - oder sehr lange. (Außerdem ist es eine Ironie, den Menschen an den Tisch anpassen zu wollen, obwohl unter Ergonomie normalerweise die Anpassung der Sachmittel an den Menschen verstanden wird.) Nun haben die Büromöbel-Hersteller - besonders in der letzten Zeit - eine Vielzahl von höhenverstellbaren (Terminal-)Tischen entwickelt. Doch was nützt diese den Anwendern? - Sowohl die oben erwähnten Textverarbeitungsplätze und Bürocomputer als auch die meisten Datenerfassungsplätze zwingen die Beine der Benutzer - ob lang oder kurz - unter starre Gestelle. "Integrierte" Tastaturen (wie beim ITT 3470) sollten nun wirklich der Vergangenheit (der Locher-Steinzeit) angehören, aber auch "nur freiwegliche" Tastaturen sind nicht optimal. Daß die Forderungen der Ergonomie erfüllbar sind, zeigen die Terminal-Arbeitsplätze der Büromöbel-Hersteller: die Fläche für die Tastatur ist höhenverstellbar und schrägstellbar.

Wenn die DV-Hersteller schon nicht im der Lage sind, die Arbeitsplatze ergonomisch zu gestalten warum arbeiten sie dann nicht mit den Büromöbel-Herstellern zusammen?

Es soll jetzt nur ja niemand kommen und behaupten, die Technik müsse im Arbeitstisch untergebracht werden. Die Technik kann sich nämlich ebensogut in einem Beistell- oder Unterstell-Schrank befinden. Und wie sieht es mit den Bildschirmen (und Bildschirmlein) aus? Der Bildschirm soll vom Auge des Betrachters 50 bis 60 Zentimeter entfernt sein, wichtig sind auch Höhe und Neigungswinkel des Bildschirms. Die Terminal-Tische der Büromöbel-Hersteller könnten jeden Bildschirm jedem Benutzer anpassen - wenn die DV-Hersteller nicht querschießen würden!

Im Bereich des "Terminals" findet man Geräte, bei denen Tastatur und Bildschirm getrennt - nur durch Kabel verbunden - sind. Einige dieser Hersteller schießen aber - meines Erachtens - schon über das Ziel hinaus: Sie bieten Bildschirmgeräte an, die dreh- und kippbar sind. Das mag zwar gut gemeint sein, aber was soll das? Da das Gerät nicht frei im Raum schweben kann, braucht man dazu einen - höhenverstellbaren - Terminal-Tisch. Diese Tische bieten aber - wie bereits gesagt - die Möglichkeit zum Drehen, Kippen etc. des Bildschirmgerätes. Warum dann diese Variante noch zusätzlich am Gerät selbst? Den Aufwand dafür muß schließlich der Anwender mitbezahlen.

Warum, beim großen Zuse, können sich DV- und Büromöbel-Hersteller nicht endlich mal an einen Tisch setzen? Eine Abstimmung zwischen ihnen (beziehungsweise eine Trennung der Funktionen) hätte drei Vorteile: Die DV-Hersteller brauchten sich nicht mehr um die "Möbel-Ergonomie" zu kümmern (für die sie sowieso keine Fachleute haben), die Büromöbel-Hersteller könnten mehr Terminal-Tische" liefern (und aufgrund der erhöhten Produktion die Pre(...)senken), die Anwender (Benutzer) schließlich könnten ihre Wahl unter einer Vielzahl preiswerter und ergonomisch gestalteter Tische (unabhängig vom ausgesuchten "Terminal") treffen und wären nicht gezwungen, sich mit dem gelieferten Gestell zufrieden geben zu müssen.

Leider steht jedoch zu befürchten, daß "Eigeninteressen" eine solche Entwicklung verhindern werden. Denn - wie anders wäre es sonst zu verstehen, daß bereits 1971(!) bei Anker die wirklich nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltete Tastatur zu sehen war (durch einen Schwenk-/Dreharm konnte sie in jede Lage gebracht vorgezogen, gehoben, gesenkt und in die gewünschte Schräglage gekippt - werden) - und heute . . .?