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04.10.1991

DV in der EG: Ideen sind gefragt

Die Krise der europäischen Computerindustrie ist nicht mehr wegzudiskutieren. Die EG-Kommission spricht angesichts eines Handelsbilanzdefizits von 31 Milliarden ECU im vergangenen Jahr von einer "prekären Lage" der Informatik-Branche. Selbst die heimischen Industriekapitäne haben die Schönfärberei aufgegeben und fordern Hilfe aus Brüssel.

Die Gründe für die Misere sind vielfältig: Die Branche muß wegen des langsameren wirtschaftlichen Gesamtwachstums weltweit Einbußen hinnehmen, was die kleineren Hersteller naturgemäß am härtesten trifft. Die europäischen Unternehmen selbst waren und sind angesichts übermächtiger Konkurrenz aus USA und aus Fernost nur in der Lage, sich Nischenmärkte zu erobern.

DV-Exporte ins außereuropäische Ausland spielen bis heute bei keinem der heimischen Hersteller eine große Rolle . Allerdings müssen sich die hiesigen Produzenten auch den Vorwurf gefallen lassen, entscheidende technische Entwicklungen verschlafen zu haben. Darüber hinaus fehlte eine Handelspolitik, die die Firmen vor dem Eindringen außereuropäischer konkurrenten geschützt hätte.

Als Tropfen auf den heißen Stein muß die Forschungspolitik in diesem Bereich gesehen werden. 1990 förderte beispielsweise das Bundesministerium für Forschung und Technologie die Informationstechnik in Deutschland mit insgesamt 732 Millionen Mark, wobei die Wirtschaft mit 183 Millionen Mark nur 25 Prozent der Mittel erhielt.

Warum gibt es also kein europäisches Pentagon, das durch die Vergabe von Aufträgen in Milliardenhöhe neue Technologien fördert und damit innovative Unternehmen finanziell stützt? Warum existiert nicht so etwas wie das japanische Miti, das geholfen hat, ganze Industrien mit Milliarden Dollar-Umsätzen aus dem Boden zu stampfen?

Sicher ist der europäischen IT-Industrie nicht damit gedient, daß sich Politiker und Manager gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Die EG-Politiker sind jedoch in der Lage, mehr zu tun, als das Scheitern der nächsten Gatt-Runde abzuwarten und immer neue Programme aufzulegen, die mit immer weniger Geld finanziert werden. Sie könnten mit Änderungen der Förderungs- und Forschungspolitik beginnen. Warum vergibt man nicht ganz konkrete Entwicklungsaufträge an die institutionelle Forschung und an die Wirtschaft? Die Ergebnisse könnten Technologieschübe auslösen, und die daraus entstehenden innovativen Produkte wären welt-, zumindest aber europaweit vermarktbar. Dazu müßten die einzelnen EG-Länder allerdings endlich ihre nationale Beschränktheit aufgeben. Denn wenn sie der Industrie heute vorwerfen, keine langfristige Perspektive entwickelt zu haben, dann müssen sie sich auch an die eigene Nase fassen und anfangen, Ideen umzusetzen.