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16.04.1999 - 

IT im Maschinen- und Anlagenbau/Autozulieferer: Gut geölt mit Elektronik

DV in der Instandhaltung sorgt für reibungslosen Produktionsablauf

Von Rolf Kistner* Zur rechten Zeit am rechten Ort - ohne hochpräzise Fertigungssteuerung ist ein Automobilzulieferer schnell aus dem Rennen. Jede Unterbrechung des Herstellungsprozesses läßt das fein austarierte Gesamtgefüge nachhaltig ins Stocken geraten. Vorausschauende Instandhaltung hilft, den gefürchteten Produktionsstau zu vermeiden.

Automobilhersteller können ohne Zulieferung von Komponenten nichts mehr produzieren. Bezogen sie vor Jahren noch überwiegend Klein- und Einzelteile, um sie in den eigenen Fabrikationsanlagen in ein Automobil einzubauen, so werden heute zum Teil hochkomplexe Aggregate aus Tausenden Einzelteilen in die Montagehallen der Kfz-Bauer geliefert. Dabei ist größtmögliche Flexibilität gefragt.

So kann die Sitzgarnitur eines Pkw in bis zu 20000 Varianten beim Zulieferer bestellt und geliefert werden. Im Durchschnitt umfassen allerdings 90 Prozent der Orders lediglich zehn Prozent dieser Bandbreite. Aber auch das heißt, daß der Zulieferer gegebenenfalls aus 2000 möglichen Kombinationen kurzfristig auswählen und innerhalb kürzester Zeit produzieren und liefern muß.

Der Zeit- und auch der Erfolgsdruck auf die Produktion sind immens. Automatisch gesteuerte Transportwagen bringen bei einer Sitzproduktion die angelieferten Metallgestelle zu den Arbeitsinseln. Polsterung und Sitzbezüge aus der Näherei werden parallel zugeführt, um eine Sitzgarnitur entsprechend der Bestellung aus Fahrer-, Beifahrersitz und Rückbank zu produzieren.

Luft für "Schlenker" irgendwelcher Art bleibt kaum. Das Zeitfenster von der Auftragserteilung bis zur Auslieferung an den Kunden wird in Minuten gemessen - bei einer Sitzgarnitur umfaßt es, inklusive Transport und Pufferzeiten, rund 300 Minuten. Lediglich zwei Drittel davon sind für die reine Produktion von der Zuführung der Einzelteile bis zur Endkontrolle vorgesehen.

Obwohl die Fertigungsstraßen hochmodern ausgelegt sind, gibt es immer noch Potentiale für Verfeinerungen. Insbesondere im Bereich Instandhaltung der Produktionsmaschinen läßt sich, so die Erfahrung, durch eine entsprechende DV manche unvorhergesehene Störung eliminieren.

Dabei vermögen die Rechner keineswegs das Know-how der Meister vor Ort in der Instandhaltung der Maschinen zu ersetzen - sie können es aber flankierend fördern. Der Meister erhält dadurch mehr Zeit, sich um übergreifende Zusammenhänge vorausschauend zu kümmern; seine "Feuerwehr-Funktion" tritt in den Hintergrund.

Solch ein System zur Instandhaltung besteht aus Modulen, die schrittweise eingeführt werden. Denn Planung, Steuerung und Kontrolle aller Instandhaltungsmaßnahmen wie Inspektion oder Wartung sowie die geplante und ungeplante Instandsetzung müssen, je nach Wunsch und Produktionsumgebung, individuell ausgelegt werden.

Komponenten eines Instandhaltungssystems sind beispielsweise ein elektronisches Schichtbuch, ein Modul zum Management der Instandhaltung, die Dokumentation, ein Part zur Meßwerterfassung und -diagnose sowie ein Modul zur Materialwirtschaft der Instandhaltung. Das Ganze natürlich unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche, etwa Windows.

Grundlage ist eine Stammdatendefinition. Sie liefert die Grundlage für die Errechnung der Intervalle der regulären Instandhaltungen. Daraus lassen sich automatisch die bei normalen Wartungsmaßnahmen anfallenden Tätigkeiten ableiten. Aber nicht nur die Intervalle, auch die Termine für die Überprüfung der Produktionsmaschine auf Einhaltung der Sicherheitsvorschriften leiten sich aus diesen Vorgaben ab. So ergibt sich jeweils ein Arbeitsvorrat, der als Auftrag termingenau an die jeweiligen Wartungstechniker übermittelt wird.

Wichtige Hilfen innerhalb dieses Systems sind die Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf die Stammdaten, die Hinterlegung aller wichtigen Definitionen der Arbeiten und vor allem elektronische Handbücher in einer leistungsfähigen Datenbank wie Oracle oder Informix. In dieser Datenbank befinden sich zum Beispiel auch Bilder und Schaltpläne, um die Arbeiten schon in der Phase der Vorbereitung der Maßnahmen klar und transparent zu machen. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Dokumentation der Arbeiten, die sich durch die Software standardisieren läßt. Auf der Basis solcher Informationen ist es möglich, Wartungsmaßnahmen so mit der Produktion abzustimmen, daß sie nicht mit deren Just-in-Time-Takten in Konflikt geraten.

Darüber hinaus lassen sich auch die Arbeiten der Instandhaltung selbst optimieren. Hier bestehen in vielen Unternehmen durchaus noch Möglichkeiten, die Kosten enorm zu senken. Denn anhand von rechnererstellten Statistiken läßt sich sichtbar machen, ob zum Beispiel Wartungsintervalle zu groß oder zu klein sind. Die so gewonnene Transparenz reduziert Unterbrechungen des Produktionsbetriebs und verlängert die Lebensdauer der Anlagen.

Eine Wartung, die besser geplant ist und auf deren regelmäßige Erledigung man sich verlassen kann, senkt die Zahl der Störfälle, die sofortige, unkontrollierte Tätigkeiten erfordern - der wirtschaftliche Vorteil, der daraus entsteht, ist enorm wichtig und läßt sich auch messen. So kann der Betreiber geplante Produktionsstillstände, zum Beispiel die Betriebsferien, besser für umfangreichere Arbeiten nutzen.

Der Start in die DV-gestützte Wartung muß nicht zwangsläufig die gesamte Fertigungsorganisation erfassen. Für den Anfang reichen bereits zwei Arbeitsplätze. An einem Platz steuert der Mitarbeiter beispielsweise vorrangig Arbeiten, die auch von Externen übernommen werden könnten, etwa die Überwachung der Garantiezeiten und die Einhaltung von Sicherheitsüberprüfungen der Anlagen. Der andere Arbeitsplatz betreut dann Maßnahmen, die generell von der eigenen Instandhaltungsmannschaft durchgeführt werden.

Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen, und auch die Instandhaltungs-DV muß auf die Zukunft ausgerichtet sein. So bietet sich etwa die Barcode-Technik an, um spezifische Anforderungen an die Wartung direkt an den Geräten abzulesen. Ebenfalls möglich ist eine Vorabdefinition bestimmter Schadensbilder. Vor Ort erhält der Wartungsmechaniker dann über eine mobile Datenstation Informationen zur sachgerechten Arbeit und dokumentiert im Gegenzug seine Aktivitäten direkt in das System.

Eine weitere Verfeinerung wäre die Anbindung der Instandhaltungs-DV an die Materialwirtschaft. So ließe sich die Verfügbarkeit von Arbeitsgeräten, Verbrauchsmaterialien wie Ölen und Schmierstoffen sowie von häufig benötigten Ersatzteilen nachhaltig verbessern.

Angeklickt

Nur wenige Stunden zwischen Auftragserteilung und Auslieferung, Komponentenherstellung im Minutentakt, sämtliche Prozeßschritte computergesteuert - bei den Zulieferern scheinen alle Möglichkeiten ausgereizt zu sein, die Produktion noch effizienter zu gestalten. Und doch gibt es Leerzeiten, Ausfälle durch Schäden an Anlagen. Eine DV-Unterstützung der Wartungsmaßnahmen macht es möglich, solche teuren Lücken weiter zu schließen und Notfallarbeiten schneller durchzuführen.

*Rolf Kistner ist als Projektleiter bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH, München, verantwortlich für Instandhaltungs-Management-Systeme, SGML-basierende technische Redaktionssysteme, elektronische Teilekataloge mit beschreibender Dokumentation sowie Dokumenten-Management-Systeme.