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13.11.1974 - 

GMD-Kolleg: Wenig Daten - wenig Mut

DV in der politischen Planung

Bonn - Auf einer Informationstagung "DV-Einsatz in der politischen Planung" der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung im Schloß Birlinghoven erklärte Dr. Peter Hoschka, Leiter des GMD-Instituts für Planungs- und Entscheidungssysteme, vor etwa 120 Tagungsteilnehmern aus Bonner Ministerien, daß nach überschwenglichen Hoffnungen über den Einsatz der DV für die politische Planung vor etwa zehn Jahren heute in Bonn eher Enttäuschung und Resignation vorherrschen - "nach dem Rausch jetzt Katerstimmung".

Wahrend damals die DV-Fachleute skeptisch waren, würden heute die Möglichkeiten der Computer, "den politischen Prozeß zielstrebiger, transparenter und wirksamer zu gestalten", bei den Anwendern in den Ministerien eher unterschätzt.

Gut entwickelt sei in Bonn inhaltlich Planung, weniger das Planungsmanagement (Ausnahme ist hier die Planung der Regierungsvorhaben im Bundeskanzleramt). Fachplanung überwiege vor Gesamtplanung. Maßnahmenplanung sei weiter verbreitet als Zielplanung. Für die einzelnen Planungsphasen sei der Einsatz der EDV für die Datensammlung wohl üblich, weniger aber für Problemerkennung oder Lösungsfindung und -bewertung .

Hoschka erklärt fehlendes Engagement nicht allein durch mangelnde Theorie über die gesellschaftlichen Prozesse, sondern vermißt auch "mehr Mut" - ß la dem Vorgehen des Club of Rome bei der Entwicklung der Weltmodell-Simulation.

In drei Tagungstagen (6. bis 8. November) wurden EDV-unterstützte Planungsverfahren aus acht Bonner Ministerien sowie aus dem Bundeskanzleramt und der Bundestagsverwaltung vorgestellt. Das Themenspektrum reichte von der Finanzplanung über sozial- und bildungspolitische Planungsinstrumente, Forschungsplanung, gesamtwirtschaftliche Analysen, militär- und verkehrspolitische Planungen bis hin zu Modellrechnungen für die Gebührenpolitik der Deutschen Bundespost und Modellen zur Bestimmung der Ferientermine in den Bundesländern. Dabei zeigte sich, daß vor allem das Bundesarbeitsministerium hier Pionierarbeit leistet. Da "die Mechanik sozialpolitischer Gesetze" relativ einfach in Formeln zu fassen ist, konnten zahlreiche Modellrechnungen über die langfristigen finanziellen Auswirkungen sozialpolitischer Entscheidungen per EDV im Bildschirm-Dialog mit dem Rechner simuliert werden, etwa die Rentenversicherung ("echtes Frühwarnsystem"), die gesetzliche Krankenversicherung für Landwirte und Rentner und das Sozialbudget.

Dennoch meinte der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Professor Dr. Reimut Jochimsen - zuvor Planungschef im Bundeskanzleramt - , daß Bonner Politik in der Regel immer noch "nacktes Krisenmanagement" sei. Über sein neues Arbeitsfeld, die Bildungsplanung, mußte Jochimsen berichten daß zwar ein von der Prognos AG, Basel, entwickeltes Simulationsmodell über den Bedarf an Bildungskapazitäten im Ministerium vorliege,, dessen praktischer Einsatz aber daran scheitert, daß gerade jetzt erst die Schülerzahlen des Jahres 1970 bekannt werden. "In der Regel dauert es 2? bis 4? Jahre, bis amtliche Statistiken vorliegen!"

Dem allgemeinen Tenor unter den 120 Bonner Planungsexperten (weitere Anmeldungen mußten storniert werden, weil der Hörsaal des GMD-lnformatik-Kollegs nicht mehr Platz bot) entsprach ein Diskussionsbeitrag des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Forschung und Technologie: Dr. Volker Hauff betonte, daß die Computer-Unterstützung politischer Planung heute erst am Anfang stehe und noch viel anwendungsbezogene Forschung geleistet werden müsse. Dennoch sollten schon heute die möglichen Konsequenzen bedacht werden, die eine verstärkte DV-Unterstützung der Politik auf die Informationsverteilung in Staat und Gesellschaft, insbesondere auf das Verhältnis von Parlament und Regierung habe.

Die Tagungsbeiträge werden in einem GMD-Sammelband veröffentlicht. - m -

Information: Institut für Planungs- und Entscheidungssysteme der GMD, 520S St. Augustin, Schloß Birlinghoven