Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.10.1989 - 

Weniger Markt, mehr verfügbare Manpower und schlechte Aussichten

DV-Industrie: Schönfärberei kann den Abstieg nicht aufhalten

MÜNCHEN - Im Höhenflug der deutschen Wirtschaft macht der erfolgsgewohnte Highflyer Nummer eins, die Informations- und Kommunikationsindustrie, schlechte Figur:"fünf nach zwölf für die Computerbranche", unken die Analysten. Die meisten Minuspunkte mit fünf Prozent entfallen auf die Produktion von DV-Equipment.

Dies entspricht der um 3,8 Prozent gesunkenen Nachfrage nach DV-Gerät, die der Fachverband Informations- und Kommunikationstechnik im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) jetzt für das erste Halbjahr 1989 ermittelt hat.

Kaum besser sieht es beim kommunikationstechnischen Equipment aus: Einem Prozent Minus in der Produktion steht zwar ein Plus von drei Prozent in der Nachfrage gegenüber, schade ist nur, daß sich dieser Bedarf im wesentlichen nicht auf den einstigen "Hoffnungsträger" Teletex bezieht, sondern auf Telefax - und hier sind die Japaner diejenigen, die mit fast hundert Prozent Marktanteil die Sahne abschöpfen.

Auch in den übrigen Sektoren des Heimatmarktes konnte die deutsche luK-Industrie keinen Lorbeer gewinnen. Die Einfuhren schnellten real um 26,2 Prozent auf 11,1 Milliarden Mark nach oben - davon entfallen auf reinrassiges DV-Gerät 9,4 und auf die Kommunikationstechnik 1,7 Milliarden Mark - und dies bei einem am drei Prozent af 14,2 Milliarden geschrumpften Produktionsvolumen in, Inland.

Nicht einmal mit kosmetischen Effekten können die Ausführen der ansonsten so exportstarken Bundesrepublik für eine Aufhellung des trüben Bildes sorgen. Ihre Steigerungsrate von 21 Prozent auf ein Volumen von 8,9 Milliarden lag um ganze 5,2 Prozent niedriger als der Importzuwachs.

"Last but not least" ist die Zahl der Beschäftigten rückläufig, und zwar um 2,5 Prozent auf rund 209 000, wie der Fachverband im ZVEI ermittelt hat.

Auf der Suche nach den Schuldigen und bei Analyse der Randbedingungen und Trends stoßen die Branchenauguren zum einen auf mangelnde Dynamik der Innovatoren, zum anderen auf einen angeblich gesättigten Markt. So registrierte Gerhard Adler , Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, jetzt, daß es bereits seit 1985 abwärts gehe, und: "Die Talsohle ist noch nicht erreicht."

Die Branche müsse sich auf weitere drei bis vier Prozent weniger Wachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren gefaßt machen. Adler indes geht von deutlich höheren Wachstumszahlen als der ZVEI aus, zum gegenwärtigen Zeitpunkt immerhin von optimistischen sieben Prozent.

Von weltweit fünf Prozent Wachstum spricht Postminister Christian Schwarz-Schilling im Hinblick auf Telekommunikationsgeräte und -dienstleistungen, räumt aber ein, daß der Telefondienst Sättigungstendenzen aufweise. Angesichts des über der Bundesrepublik niedergehenden Branchen-Gewitters reißen pauschale Zukunftsperspektiven, wie sie der Minister besonders im dereinst schon totgesagten Datex-P und beim Telefax aufzeichnet, die im Regen stehenden Produkt-entwickler nicht vom Hocker. Zu oft schon haben die Fanfaren der Bonner Ministerien zum Aufbruch geblasen. Fördergelder des Bundesministeriums für Forschung und Technologie für die Entwicklung von ISDN-Anwendungen sind ein Beispiel. Die Geldspritze bestätigt den Verdacht auf eine quasi konstitutionelle Innovationsschwäche und -scheu.

"Fünf nach zwölf" ist es nicht nur in der Bundesrepublik für etliche Mitarbeiter der herstellenden luK-Industrie. Ein garantiertes Job-hopping, wie in den frühen 80erjahren, gibt es nur noch für Netzwerk-Spezialisten, C-Programmierer und Systemanalytiker. 2,5 Prozent weniger Branchenbeschäftigte signalisieren Umbruch, wenn nicht Krise. Erst jüngst war dies am Beispiel des einstigen bundesdeutschen Branchenprimus Nixdorf festzustellen.

In den USA sieht es nicht besser aus. Allen voran animiert Big Blue die Analysten zu besorgten und boshaften Kommentaren. Bisher für undenkbar gehaltene Preisschnitte um bis zu 40 Prozent auch im US-Markt, Early-Retirement-Programme für Mitarbeiter der 9370-Fertigung und weitere Imageverluste des Marktriesen werden nicht mehr so ohne weiteres als geringfügig betrachtet. So zitiert Business Weck genüßlich den IBM-Watcher William D. Easterbrook: "Wenn IBM fortfährt, die Preise derartig zu reduzieren, dann schlachtet sie die Gans, die die goldenen Eier legt, oder noch schärfer: "Das beste, was IBM passieren könnte, wäre, daß sie über Nacht 30 000 bis 40 000 Leute los würde."

Bei Unisys hat sich die Unternehmensleitung bereits zu derartigen Schritten durchgerungen: Bis Ende 1990 sollen etwa 8000 Mitarbeiter entlassen werden. Ferner läßt sich der Elektronikriese Motorola ein Personalabbauprogramm an die 43 Millionen Dollar kosten mit dem Ziel das dritte Quartal zu entlasten. 2500 von weltweit 105 000 Mitarbeitern stehen zur Disposition. Nicht anders beim Krisenunternehmen Wang: Dort hat man sich seit dem 1. Juli von rund zehn Prozent des Personals, nämlich 2300 Mitarbeitern getrennt, bleiben noch 24 500. Und bei Data General wird gleichfalls mit dem eisernen Besen gekehrt: Zwei Fertigungen werden geschlossen, eine weitere verkauft und die Belegschaft um 15 Prozent reduziert, das heißt in diesem Fall 2200 Leute.