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13.03.1981

DV-Karrieretrip beginnt auf der Hochschulbank

Die besten Voraussetzungen für eine Karriere im Anwenderbereich der Datenverarbeitung bietet nach Ansicht von Hans Mentrup (Vereinigte Versicherungsgruppe, München) noch immer ein fundiertes Hochschulstudium. Studienfächer wie Mathematik, Betriebswirtschaft oder Informatik seien geradezu prädestiniert, dem DV-Newcomer eine optimale berufliche Basis zu verschaffen. "Die reinen DV-Praktiker", erläutert Mentrup, "haben es in den letzten Jahren immer schwerer gehabt, den Aufstieg ins DV-Management zu schaffen. "Nach wie vor gute Karriere-Chancen räumt indessen DV-Chef Klaus Friedenauer von Knoll International in Murr DV-Neulingen ein, die den Job von der Pike auf lernen wollen: "Während der Praktiker nach etwa vier Jahren bereits auf den sicheren Füßen seiner beruflichen Zukunft steht, muß der Akademiker erst noch für sein Examen büffeln." Danach vergingen Jahre, bis der Theoretiker den Vorsprung aufgeholt habe. ha

Harry Dressler EDV-Leiter, Hetzel Reisen GmbH, Frankfurt (IBM 3031, OS/US)

Um den Ausbildungsweg einer DV-Führungskraft in der heutigen Datenverarbeitung definieren zu können, muß man zuerst das Anforderungsprofil (zum Beispiel eines EDV-Leiters der Anwendungsentwicklung charakterisieren). Da heute in den meisten Unternehmen die DV als Dienstleistungsbetrieb für alle Bereiche vom Vertrieb bis zur Revision, eine zentrale Stellung einnimmt muß sich die EDV mit Anforderungen unterschiedlichster Art auseinandersetzen. Eines der Hauptprobleme besteht dann daß die Wünsche der Anwender erst in die für die EDV bearbeitbare (...) umgesetzt werden müssen. Um diesen Prozeß der Umsetzung erfolgreich ausführen zu können, muß die EDV die Probleme und die Arbeitsmethoden aller Bereiche, für die sie Leistungen erbringt, verstehen.

Andererseits hat sich die EDV in den letzten Jahren entscheidend verändert: Die Computerleistung per Bildschirm wurde immer mehr an den Arbeitsplatz des Endbenutzers gebracht. Daraus ergeben sich zwangsläufig immer komplexere Programmsysteme, die neue Normen und Tools innerhalb der EDV erfordern, um die Entwicklungskosten für die Software und damit den betriebswirtschaftlichen Nutzen nicht zu gefährden. Darüber hinaus muß ein DV-Abteilungsleiter, und innerhalb der EDV jeder andere Manager auch, die Fähigkeit zur Führung eines Teams besitzen. Durch die größeren Programmsysteme ist ein Erfolg nur noch durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich.

Aus dieser Aufgabenbeschreibung einer DV-Führungskraft ergeben sich zwei Anforderungen an die Ausbildung eines DV-Newcomers, die innerhalb der existierenden Ausbildungsmöglichkeiten nicht erfüllt werden können. Zwei Wege führen den DV-Aspiranten schließlich zum Ziel: Der erste Weg führt über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung zum Beispiel ein Studium der Betriebswirtschaftslehre oder eines ähnlichen, wirtschaftlich orientierten Gebietes, wobei bereits während des Studiums die von den Universitäten angebotenen zusätzlichen Ausbildungsmöglichkeiten in Richtung EDV genutzt werden sollten. Zusätzlich sollte in dieser Zeit versucht werden, mindestens eine höhere Programmiersprache zu erlernen, um durch die Praxis der Programmierung die Logik der EDV-Anwendungen und die Probleme, die bei der Programmierung entstehen, zu erfassen. Eine weitere Hilfe während der schulischen Ausbildung stellen die von den DV-Herstellern angebotenen "Werkstudentenprogramme" dar. Nach dem Studium bietet es sich an, einige Jahre bei einem Hersteller zu verbringen, um zusätzlich zu dem erlernten kaufmännischen Wissen mittels der bei den Herstellern angebotenen innerbetrieblichen Ausbildungswege des Wissen im Gesamtbereich EDV zu vertiefen.

Der zweite Karriereweg führt über ein Studium, das verstärkt die Grundlagen der Datenverarbeitung vermittelt, wie zum Beispiel im Fach lnformatik. Nach dieser Ausbildung fehlt allerdings meist das Wissen der spezifischen Anwenderprobleme. Daher ist es für den Newcomer notwendig vorerst in den Fachabteilungen eines Unternehmens die Probleme der DV sowie der Endbenutzer kennenzulernen. Hier kann er sich vor Ort mit der betrieblichen DV-Praxis auseinandersetzen.

Im Prinzip ist es relativ gleichgültig, welcher der beiden geschilderten Wege eingeschlagen wird. In beiden Fällen können die zu einer erfolgreichen EDV-Arbeit notwendigen Voraussetzungen erlernt werden.

Hans Mentrup Abteilungsdirektor DV-Planung, Vereinigte Versicherungsgruppe, München (IBM 3033, IBM 370/158, MVS)

Die besten Voraussetzungen für eine Karriere im Anwenderbereich der Datenverarbeitung bietet jedem DV-Einsteiger ein - Hochschulstudium. Als Studienfächer kämen vor allem

Mathematik oder Betriebswirtschaft in Frage, wobei jedoch von Anbeginn Schwerpunkte in Richtung Organisation und EDV gesetzt werden sollten. Aber auch ein Informatikstudium, gegebenenfalls an einer Fachhochschule bietet dem DV-Newcomer eine gute berufliche Basis. Wenn außerdem bereits während des Studiums als fachliche Orientierung die spätere Branche einbezogen werden kann, fällt der Einstieg in die DV- wenn auch nur mit theoretischen Kenntnissen - leichter.

Die reinen Praktiker, die den DV-Job von der Pike auf gelernt haben, haben es in den letzten Jahren zunehmend schwerer gehabt ins DV-Management aufzusteigen (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Für den Praktiker liegen indessen die Chancen meist in einer frühzeitigen Spezialisierung.

Nach dem Studium erscheint mir für den beruflichen Einsteg ein Weg, der durch die Praxis führt, durchaus angebracht. Harte DV-Knochenarbeit am Beginn der Karriere, mit entsprechenden Erfolgserlebnissen und notwendigen Enttäuschungen, ist für den Newcomer sehr wertvoll, weil sie Erfahrungen vermittelt, die in späteren Managerfunktionen manchmal "lebenswichtig" sein können. Die Frage, ob die Praxiserfahrung zunächst bei einem Hersteller oder Anwender gesammelt werden sollte, ist weniger relevant. Beide Einsätze haben unterschiedliche Akzente und sind mit unterschiedlichem Reiz versehen - obwohl weder der eine, noch der andere Job für den Karriere-Einstieg favorisiert werden kann. Die Tätigkeit bei einem DV-Hersteller vermittelt dem Anfänger zwar ein breites Wissensspektrum, jedoch werden beim Anwender die spezifischen Details der Datenverarbeitung wesentlich mehr vertieft.

Als Grundregel sollten Newcomer sich zur Regel machen, neben der täglichen Routinearbeit noch Zeit zu finden, "auf dem Dampfer zu bleiben". Er sollte neue Entwicklungen mitvollziehen sowie Hard- und Softwaretrends grundsätzlich verfolgen.

Und wie bringt er nun seinem Chef bei, was in ihm steckt? Vor allem natürlich durch Leistung.

Klaus Friedenauer EDV-Leiter, Knoll International, Murr (Honeywell Bull 61/60-2, GCOS)

Der DV-Newcomer, der den Weg eines EDV-Leiters oder Manager of Informations einschlagen will, hat zwei Möglichkeiten, um auf diesem steinigen Boden zum Ziel zu kommen: Nachdem das Abitur abgelegt ist, muß zuerst die Entscheidung entweder für Beruf oder Studium gefällt werden. Entscheidet sich der Aspirant beispielsweise für ein Informatikstudium, muß er in der Regel zehn Semester bis zum Diplom durchlaufen. Hier erwirbt er sich zwar vorerst das theoretische Rüstzeug für seinen zukünftigen Beruf, ist aber bereits etwa 26 oder 27 Jahre alt, wenn er sich auf dem Sprungbrett zur Karriere befindet.

Die zweite Möglichkeit, der sofortige Einstieg ins Berufsleben, sollte am besten bei einem Hersteller oder bei einem Unternehmensberater erfolgen. Beide Stellen bieten dem Anfänger eine intensive praktische und theoretische Ausbildung.

Ein DV-Newcomer sollte mindestens eine Programmiersprache für praktische Anwendungsprobleme erlernen. Der Einsatz in einer Projektgruppe nach der ursprünglichen Schulung, bietet die beste Möglichkeit das praktische DV-Handwerk zu erlernen. Nach zwei Jahren sollte sich der Neuling um eine Tätigkeit in der Organisationsabteilung bemühen. Hier bekommt er den letzten Schliff für das Idealbild eines DV-Spezialisten. Nach etwa vier oder fünf Jahren kann der Praktiker bereits auf sicheren Füßen seiner beruflichen Zukunft stehen, während der Akademiker noch für sein Examen büffelt. Es vergehen Jahre bis der Theoretiker sowohl das Know-how, als auch den Gehaltsvorsprung ausgeglichen hat.

Der einzig bemerkenswerte Nachteil für den Praktiker ist, daß er ohne einen akademischen Titel auskommen muß. Dies schränkt seine späteren Möglichkeiten zum Einstieg in eine Führungsposition allerdings erheblich ein.

Der geschilderte Berufsweg des Praktikers erreicht seine Höhepunkte im Handel und der mittelständischen Industrie. Im öffentlichen Dienst und in der Großindustrie ist indessen die Frage nach einem akademischen Titel noch immer ausschlaggebend für einen Job im DV-Management.

Hermann Faust Verbandsdirektor und Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft, Bayerischer Sparkassen- und Giroverband, München (2 x IBM 3033, 2 x Amdahl V6, OS/MVS)

Wir betreiben die Datenverarbeitung für derzeit 107 von insgesamt 116 bayerischen Sparkassen als Gemeinschaftslösung. Es werden zwei Groß-Rechenzentren in München und in Nürnberg mit je zwei Großrechnern im 6 bis 8 MB-Bereich und entsprechender Peripherie betrieben. Der Anschluß zu den Sparkassen geschieht über RJE-Stationen für die Batch-Verarbeitung und Dialogstationen für den Sparkassenschalter. Vom Verarbeitungsvolumen her haben wir die größte deutsche DV-Gemeinschaftslösung im Sparkassenbereich. In der Datenverarbeitung sind bei uns momentan insgesamt 162 Mitarbeiter beschäftigt.

Es ist sicherlich aufschlußreich, den vorhandenen Mitarbeiterbestand nach Schul- und Berufsausbildung aufzuschlüsseln. Beim Operating beschränke ich mich darauf, den Anteil der Mitarbeiter mit Sparkassen- oder Bankausbildung anzugeben: Es sind 19 Prozent. Der überwiegende Teil unseres Rechenzentrumspersonals kommt von anderen Anwendern, wo sie in dieser Tätigkeit beschäftigt waren, oder aus anderen Berufen. Letztere wurden von uns geschult und eingearbeitet.

Näher möchte ich den Stabsbereich untersuchen:

Schulabschluß

(jeweils der qualifizierteste)

Hochschule 7 %

Fachhochschule 8 %

Abitur 10 %

Fachoberschule 2 %

Mittlere Reife 58 %

Hauptschule 15 %

100%

Von den Mitarbeitern in den Stabsbereichen hatten 58 Prozent eine Sparkassen- oder Bankausbildung (Abschluß Bankkaufmann). 38 Prozent der Mitarbeiter haben die Sparkassenfachprüfung (im Schwierigkeitsgrad erheblich über dem Bankkaufmann) abgelegt.

Wir selbst bilden keine Sparkassen- oder Bankkaufleute aus.

Nachstehend eine Übersicht, von wo unsere Mitarbeiter kommen:

Sparkassen 49 %

Banken 4 %

Kreditinstituten 53 %

Herstellern 7 %

anderen Anwender 25 %

eigenen Rechenzentrum 8 %

der Schule 7 %

100%.

Welche Schlußfolgerungen kann man aus den vorstehenden Auswertungen ziehen?

Bei uns dominiert der Mitarbeiter mit (zum Teil qualifizierter) Sparkassenausbildung. Für DV-Organisatoren ist die Sparkassenausbildung Voraussetzung. Der DV-Organisator muß den Sparkassenbetrieb kennen. Auch bei Programmierern ist eine Sparkassen- oder Bankausbildung erwünscht, jedoch nicht Voraussetzung. Bei den Systemspezialisten ist in der Regel keine Sparkassen- oder Bankausbildung vorhanden. Bei ihnen liegen die Schwerpunkte auf einer umfassenden EDV-Ausbildung.

Die bei uns beschäftigten Hochschulabsolventen sind Informatiker, Mathematiker, Physiker und Betriebswirte.

Zusammenfassend kann man feststellen, daß über den Beruf Bankkaufmann (Sparkasse) ein gute Einstiegsmöglichkeit in den Datenverarbeitungsbereich gegeben ist. Die Spezialkenntnisse für die Arbeit in der Datenverarbeitung werden überwiegend in unserem Hause vermittelt, von den DV-Spezialisten (Programmierern, Systemanalytikern) natürlich auch mitgebracht.