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02.12.1977

DV-Kaufmann: Schmalspur-Programmierer oder Koordinator?

Im Bereich der Datenverarbeitung gibt es 19 Berufe. Doch während man sich vom Programmierer, vom System-Analytiker, auch vom Operator "draußen" mittlerweile ein Bild machen kann, muß sich der DV-Kaufmann immer noch die Frage gefallen lassen "Was machst du eigentlich? "Das liegt zum einen sicherlich daran daß die Berufsbezeichnung "DV-Kaufmann" den eindeutigen Hinweis auf Anforderungen und Tätigkeitsmerkmale vermissen läßt. Der Datenverarbeitungskaufmann hat - so die offizielle Lesart - als DV-Sachbearbeiter Mittler zwischen EDV und Fachabteilung zu sein: Wen wundert's, daß er zwischen den Fronten den richtigen Platz offenbar nicht finden kann, einmal als "Schmalspur-Programmierer", dann wieder als "Betriebswirt zweiten Grades" eingesetzt wird. Seine Berufschancen beurteilen vier Experten:

Rainer Volker, PA Management Consultants GmbH, München

Der Weg der Datenverarbeitung für die 80er Jahre ist eindeutig. Die Konzepte der Hersteller zeigen auf dezentralisierte Datenverarbeitung sowie verstärkten Vertrieb von "mittlerer" EDV.

Wer den Verkäufern der modernen kleinen und mittleren EDV-Anlagen glaubt, kann angeblich auf den Einsatz einer Fachkraft für den Computer verzichten. Man kann Fraglich ist nur, wie die Auswirkungen aussehen.

Die "mittleren" Anlagen zeigen heute schon Leistungsfähigkeiten, die noch vor wenigen Jahren nur mit wesentlich größeren Anlagen zu erreichen waren.

Um die Leistungsbereiche ausnutzen zu können, bietet es sich geradezu an, einen qualifizierten Mitarbeiter einzusetzen, der die betrieblichen Belange mit den Möglichkeiten der DV-Anlage verknüpfen kann.

Hier bietet sich für den sehr interessanten Ausbildungsberuf des DV-Kaufmanns ein weites Feld der qualitativen und quantitativen Einsatzmöglichkeiten.

Wenn die Diebold-Statistik stimmt, die einen Markt von 126 000 DV-Anlagen voraussagt, werden hier eine Vielzahl von neu ausgebildeten EDV-Kaufleuten ein interessantes Aufgabengebiet finden.

Es bleibt nur zu hoffen, daß die Unternehmer, die ihren Schritt in den DV-Bereich vollziehen, nicht an der falschen Stelle sparen. Ein EDV-Kaufmann ist aufgrund seiner vielseitigen Ausbildung in der Lage, nicht nur DV-Bereich, sondern auch weitere kaufmännische Aufgaben zu erledigen. Auf diese Weise bilden der DV-Kaufmann und die Anlage mittlerer Größenklasse eine Art Synergie in Selbstverständnis, Leistung und Preis.

Dr. Hubertus Jungemann, Leiter der Kaufmännischen Ausbildung, Nixdorf Computer AG, Paderborn

Die vielfache Kritik am Ausbildungsberuf Datenverarbeitungskaufmann teilen wir nur insofern, als sie gegen einige Bestimmungen des vom Bundesministerium für Wirtschaft erlassenen Berufsbildes gerichtet ist. Wir glauben, daß die während der Ausbildung wiederholt anzutreffende Überbetonung des Programmieraspektes wesentlich auf den für die Abschlußprüfung erlassenen Richtlinien beruht. Es ist besonders die Sperrfunktion der praktischen Programmierarbeit in der Abschlußprüfung zu kritisieren. Dies hat zur Folge, daß eine nicht ausreichende Leistung in diesem Teilgebiet der Abschlußprüfung nicht einmal durch sehr gute Leistungen in anderen Fächern ausgeglichen werden kann. Dieser Fehler im Berufsbild hat offenbar zur Folge, daß viele Auszubildende aus Angst vor den Folgen eines Versagens in einem Teilgebiet zu wenig Zeit auf die vorwiegend betriebswirtschaftlich ausgerichtete n Ausbildungsinhalte verwenden.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, daß auf Grund der im Vergleich zu vielen anderen Ausbildungsberufen hohen Anforderungen vorwiegend solche Auszubildende für den Beruf des Datenverarbeitungskaufmanns ausgebildet werden sollten, die einen höher qualifizierten Schulabschluß (Mittlere Reife, Höhere Handelsschule, Abitur) vorweisen können.

Die Nixdorf Computer AG bildet seit der staatlichen Genehmigung des Berufsbildes (1969) mit Erfolg Datenverarbeitungskaufleute aus. Da wir bei der Einstellung auf den Nachweis eines höher qualifizierten Schulabschlusses und die Fähigkeit zum logisch-analytischen Denken achten, sind bisher die bei vielen anderen Ausbildungsbetrieben aufgetretenen Probleme weitgehend vermieden worden.

Die Berufschancen für DV-Kaufleute sind aus meiner Sicht sehr positiv. So haben wir bisher keine Schwierigkeiten gehabt, alle ausgebildeten DV-Kaufleute ins Angestelltenverhältnis zu übernehmen. Durch entsprechende Information unserer Geschäftsstellen ist es uns so zum Beispiel nicht einmal möglich, den eigenen Bedarf zu decken. Darüber hinaus sind wir von einer größeren Anzahl von Kunden und sonstigen Institutionen auf die Vermittlung bei uns ausgebildeter DV-Kaufleute angesprochen worden.

Die günstigen Berufschancen für unsere jungen DV-Kaufleute sind unter anderem dadurch bedingt, daß sie einen Teil ihrer Ausbildungszeit in unseren Geschäftsstellen verbringen. Auch Grund der guten Erfahrungen sind die Geschäftsstellen sehr daran interessiert, DV-Kaufleute als Angestellte zu übernehmen. Ein weiterer Grund für die günstigen Berufschancen ist in der Verbindung von DV-bezogenem und betriebswirtschaftlichem Wissen zu sehen. Damit sind sie in vielen Fallen besser geeignet als vorwiegend theoretisch ausgebildete Hochschulabgänger. Mit der zunehmenden Durchdringung des Konzeptes einer dezentralen DV steigen die Chancen derjenigen, die in der Lage sind, DV-bezogenes Wissen an konkreten kommerziellen Aufgaben einzusetzen. So sollte die Tätigkeit von DV-Kaufleuten sich weniger auf die Programmierung, als vielmehr auf die Erarbeitung organisatorisch sinnvoller Softwarelösungen erstrecken.

Dipl.-Ing. Dieter Dropmann, Siemens AG, Schule für Datenverarbeitung

Die Ausbildung zum DV-Kaufmann wurde im Jahre 1969 geschaffen. Sie war eine der ersten DV-Bildungsgänge im Bereich der Berufsausbildung, der zu staatlich anerkannten Abschlüssen führte, und sollte nach den Intentionen seiner geistigen Väter einen Großteil des Bedarfs an DV-Fachkräften im kommerziellen Anwendungsbereich decken. Die Ausbildung schien sich durchzusetzen, die Zahl der Auszubildenden stieg rasch an, und die ersten Absolventen machten ihren Weg in den DV-Abteilungen. Um so überraschender kam die weitere Entwicklung: Nach anfänglicher Stagnation war in den letzten Jahren sogar ein Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Heute muß wohl leider festgestellt werden, daß sich diese Ausbildung nicht durchsetzen konnte. An den Ursachen für die Entwicklung rätselt die Fachwelt noch heute herum.

Der Ad-hoc-Ausschuß "Ausbildung von DV-Fachkräften" des Bundesministeriums für Forschung und Technologie bescheinigte Ende 1975 einen erheblichen ungedeckten Bedarf an Mitarbeitern für den Anwendungsbereich Wirtschaft und Verwaltung, der durch die weitere Entwicklung der folgenden zwei Jahre voll bestätigt wurde. An mangelndem Bedarf für qualifiziert ausgebildete Kaufleute nicht entsprechenden DV-Kenntnissen kann es also nicht gelegen haben, daß sich das Berufsbild nicht wie erwartet durchgesetzt hat.

War etwa der Ausbildungsgang von vornherein nicht richtig angelegt, oder wurde es versäumt, ihn der rasanten Weiterentwicklung der DV im Anwenderbereich anzupassen? Lag es daran, daß die große Zahl kleinerer DV-Anwender keine eigene betriebliche Ausbildung auf dem DV-Gebiet durchführen konnte? Fundierte Antworten auf diese Fragen liegen meines Wissens bis heute nicht vor, werden aber dringend benötigt.

Eine Aufgabe für das Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin?

Künftige Chancen für den DV-Kaufmann? Angesichts des Bedarfs an qualifiziert ausgebildeten Anwendern kann die Antwort nur lauten: Sehr gut. (Eine sorgfältige Analyse der Situation und gegebenenfalls eine Modifikation des Bildungsganges vorausgesetzt.)

Dipl.-Kaufmann Helmut Nowak, Dozent am Bildungszentrum für Informationsverarbeitende Berufe e. v. Paderborn, Mitglied der Lehrplankommission DV-Kaufmann des

Kultusministers in Nordrhein-Westfalen

Die technologische Entwicklung hat zu einer Expansion der DV im Anwendungsbereich geführt. Parallel dazu sind die Anforderungen gestiegen, die heute an die DV-Fachkraft gestellt werden. Nach dem 3. DV-Programm bedeutet dies für die Personalausbildung, daß in Zukunft die Kombination von DV-Fachwissen und Anwendungswissen sowohl das Berufsbild der DV-Fachkraft als auch der Fachkräfte in den Anwendungsbereichen kennzeichnen wird.

Das Berufsbild DV-Kaufmann entspricht mit seinem Konzept einer breiten Ausbildung in den Fächern des kaufmännischen Anwendungsbereiches und den Fächern des DV-Bereiches bereits jetzt diesen Intentionen. Da angenommen werden kann, daß sich die Tendenz zur Dezentralisierung in Form arbeitsplatzorientierter DV-Systeme noch erheblich verstärken wird, werden sich die Einsatzmöglichkeiten und damit die Chancen der so ausgebildeten DV-Kaufleute erhöhen.

Im Gegensatz zu diesen Aussichten ist zu beobachten, daß die Anzahl der Ausbildungsvertragsabschlüsse stagniert. Dazu ist festzustellen, daß der DV-Kaufmann von vielen Firmen auch heute noch als Programmierer angesehen wird, und da ist der Markt eng geworden.

Auch die angehenden DV-Kaufleute setzen eine Priorität bei der Programmierung. Sicherlich eine Folge des erheblichen Übergewichts der Programmierung in der Abschlußprüfung als Fertigkeitsprüfung mit Sperrfunktion. Dieser "Berufsbildfehler" sollte beseitigt werden, damit der DV-Kaufmann seine Ausbildung unter dem oben genannten Kombinationsaspekt optimal anlegen und durchführen kann.

Eine weitere Erklärung ist Resignation von Ausbildungsfirmen, weil die Prüfungsanforderungen zum Teil hoch sind. Die steigenden Anforderungen an die DV-Fachkraft sollten aber nicht zu einer Herabsetzung der Ausbildungsanforderungen, sondern zu einer Auswahl von Auszubildenden mit höher qualifiziertem Schulabschluß führen. Nach seiner breiten Grundausbildung sollte sich dem DV-Kaufmann neben der kaufmännischen die ganze Palette der DV-Einsatzmöglichkeiten öffnen. Es besteht auch die Möglichkeit, nach zweijähriger Praxis eine viersemestrige Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker oder Betriebswirt EDV an einer Fachschule für EDV zum Beispiel des Bildungszentrums in Paderborn zu absolvieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das Konzept des Berufsbildes DV-Kaufmann grundsätzlich richtig und zukunftsorientiert angelegt ist. Nach acht Jahren Gültigkeit sollten aber bestehende Mängel durch eine Berufsbildüberarbeitung beseitigt werden, wobei auf Vorarbeiten einer Reformgruppe bei der IHK Bielefeld zurückgegriffen werden kann.