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29.04.1988 - 

Akademische Arbeitslosigkeit berührt High-Tech-Experten kaum

DV-Know-how zahlt sich für Ingenieure aus

FRANKFURT - High-Tech-Fachleute gehören weiter zu den Gewinnern auf dem schwierigen Arbeitsmarkt. Fundiertes Wissen, so Heinrich Franke, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, bleibt indes notwendige Voraussetzung für begehrte Führungspositionen. Dort zahlen sich vor allem Kenntnisse über neue Produktionstechniken sowie Berufserfahrung in klingender Münze aus.

Freifahrtscheine in den Arbeitsmarkt gibt es auch für Akademiker nicht mehr: Sie sind ebenfalls von der Arbeitslosigkeit betroffen, wenn auch nur "unterdurchschnittlich", weist BA-Präsident Franke mit Blick auf das vergangene Jahr den Trend.

Auf 16 700 offene Stellen für Akademiker drängten 162 000 Bewerber.

"Unser Problem Nummer eins ist die zu geringe Zahl an Arbeitsplätzen", konstatiert der BA-Chef. Ausbildung zahlt sich deshalb für den technischen Nachwuchs aus. Wie nämlich das Beispiel Informatiker zeigt, ist ein fundierter Wissenserwerb Voraussetzung, um in begehrte Positionen zu gelangen: Jedem Hochschulabgänger aus dieser Disziplin winken auf dem Arbeitsmarkt im Schnitt vier offene Stellen. Zum Vergleich: Für eine Politologenstelle stehen 575 Kandidaten Schlange.

Auch der Bedarf an qualifizierten lngenieuren und Technikern steigt an, je stärker die deutsche Industrieproduktion auf die computerunterstützte Vernetzung aller Unternehmensbereiche setzt. Mitte 1987, so meldet etwa die Fachvermittlung der Bundesanstalt in Frankfurt, warteten immerhin durchschnittlich zwei Positionen auf einen Elektroingenieur. Ihm bieten sich damit unter allen Inqenieuren bisher die besten Chancen.

Den "Run auf Elektroingenieure" führen die Frankfurter Arbeitsmarktanalytiker überwiegend auf neugeschaffene Stellen zurück. A1lerdings suchen Unternehmen Kandidaten, die nicht älter als 35 Jahre sind.

Elektrotechnik, Elektronik und die V-Branche beschäftigen die meisten dieser Fachleute. Energieversorgungsunternehmen stehen an zweiter, die Deutsche Bundespost rangiert an dritter Stelle.

Entwicklung, Projektierung oder auch Überwachung sind ebenso Aufgaben wie Beratung und betriebswirtschaftliche Analysen. Die eigentliche Studienrichtung des Elektroingenieurs verliert zunehmend an Gewicht. Spezialwissen und Berufserfahrung sind künftig ihr Geld wert: Kenntnisse in Prozeßautomatisierung, Mikroprozessor- sowie Digitaltechnik werden hoch gehandelt. Ingenieure mit Datenverarbeitung als Vertiefungsfach können durchaus, so meinen die Experten von der Frankfurter Fachvermittlung, in Konkurrenz zu Informatikern treten.

Das Anfangsgehalt des Elektroingenieurs variiert stark nach Branche, Qualifikatìon und Aufgabengebiet. In der Privatwirtschaft streicht der Jungingenieur durchschnittlich 4200 Mark bis etwa 5000 Mark ein. Besonderes Know-how ist dabei deutlicher Mehrwert.

- Der öffentliche Dienst kann mit diesen Werten nur mühsam Schritt halten. Nach dem Bundesangestelltentarif bezieht ein 30jähriger berufserfahrener Ingenieur mit Universitätsexamen, verheiratet, ein Kind, etwa 4300 Mark.

Bei der Arbeitsplatzsuche kommen, so Behörden-Chef Franke, Jungakademiker stärker als bisher auf die Arbeitsämter und ihren Informationsservice zu. Kritisch sei der Start vor allem für viele Theoretiker aus den Hochschulen. Studenten sollten sich deshalb bereits im Studium auf den Arbeitsmarkt hin orientieren.

Auch Personalchefs aus der DV-Branche signalisieren künftigen Bewerbern: Wichtiges Kriterium im Job-Wettbewerb ist Praxiswissen. Dies sollte bereits während des Studiums erworben worden sei. Denn deutsche Hochschüler haben obendrein, bemängelt Franke, eine - im Vergleich zu anderen EG-Ländern - zu lange Ausbildung.

Mit gedämpftem Optimismus blickt der Herold aus Nürnberg auf den Arbeitsmarkt für Akademiker in den nächsten Jahren. Gestützt auf Projektionen der Prognos AG in Basel sowie dem BA-eigenen Forschungsinstitut, erwartet Heinrich Franke bis zum Jahr 2000 eine Zahl von etwa vier Millionen Hochschulabsolventen, die auf den Markt drängen. Bis dahin werden Wirtschaft und Verwaltung dieses Angebot voraussichtlich - bis auf ein Zehntel - ausschöpfen.