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Wiederanlaufplanung spart viel Ärger:


31.01.1986 - 

DV-Kollaps könnte öfter abgefangen werden

Fällt ein Rechenzentrum aus, ist eine Menge Ärger vorprogrammiert. Doch damit nicht genug. Auch der Wiederanlauf bringt in der Regel weitere Unannehmlichkeiten und hohen finanziellen Aufwand mit sich. Diesen Widrigkeiten kann durch professionelle Planung vorgebeugt werden. Erfahrungen bei der konsequenten Vorausplanung des Wiederanlaufs sammelte Kerstin Freden, Beraterin beim Düsseldorfer Beratungsunternehmen Programatic Software PS GmbH.

Das Projekt wurde für ein Großunternehmen mit hoher Transaktionsintensität pro Tag durchgeführt. Alle Aktivitäten müssen hierbei berücksichtigt werden, Unabhängig von der Größe des Unternehmens; der Unterschied zu ähnlichen Vorhaben liegt lediglich in der Dauer der Implementierung.

Die Geschäftsleitung hatte für dieses Projekt in Kooperation mit dem Sicherheitsbeauftragten eine Schwachstellenanalyse erarbeitet. Der klar definierte Auftrag lautete, eine Wiederanlaufplanung durchzuführen. Als "Back-up-Anlage" stand eine IBM 3033 zur Verfügung. Die EDV-Organisation stellte eine detaillierte Auftragsbeschreibung bereit. Die externe Projektleiterin zeichnete gemeinsam mit dem Leiter des Rechenzentrums für die Planung verantwortlich. Der Totalausfall des Rechners (ohne Wiederverwendungsmöglichkeit) wurde simuliert. Um strategisch agieren zu können, wurde aufgrund des erarbeiteten Projektplans eine Projektorganisation implementiert. Sie bestand aus Projektgruppe, Referenzgruppe und Auftragsgruppe.

Bevor überhaupt mit der Projektarbeit angefangen werden konnte, hatten alle betroffenen Personen Informationen über Datensicherheit, Wiederanlaufplanung im allgemeinen über den Projektaufbau diskutiert. Ungefähr 50 bis 60 Personen wurden dabei miteinbezogen.

Die Projektgruppe traf sich anfänglich 14tägig, die Referenz- und Auftragsgruppe jeden zweiten Monat.

Diese Regelung war nur in der ersten Hälfte des Projektes erforderlich, da die zweite Hälfte eine Überwachung der Fortschritte des Projektes zum Hauptinhalt hatte. Zu Beginn des Projektes waren verschiedene Entscheidungen strategischen Charakters zu treffen. Es stellte sich die Frage, ob eine oder zwei Sicherungskopien anzulegen seien. Eine zweite Kopie kann sich als sinnvoll erweisen, um amoklaufenden Magnetbandstationen vorzubeugen.

Oder sollten vielleicht neue Techniken ausprobiert werden, zum Beispiel Glasfaser, so daß gleichzeitig im eigenen Rechner und im Back-up-Rechner gespeichert wurde. Diese Techniken allerdings waren für das Budget zu teuer.

Der Projektplan hatte eine Grobstruktur

Die Gruppenleiter der RZ-Abteilungen gehören zur Projektgruppe. Das waren:

- der Leiter der gesamten Produktionsabteilung,

- der Gruppenleiter der Systemprogrammierer,

- der Datensicherungsexperte,

- der Gruppenleiter der Arbeitsvorbereiter/Kundenassistenten,

- der Schriftführer, der sämtliche Protokolle schreiben sollte,

- ein zweiter Projektleiter, der das Unternehmen kennt.

Der Projektplan hatte eine Grobstruktur, aus der sich eine Reihe von Aktivitäten ableiten ließ. Dazu gehörten Diskussionen über viele unternehmensrelevante Komponenten wie beispielsweise Office Automation, aber auch Fragen nach Applikationen für den Wiederanlauf oder die Diskussion über die Mindestgröße des "Back-up-sites".

Auch technische Aktivitäten und Problemstellungen wie etwa die Frage "Wie sollte IMS generiert werden, um die beste Performance zu erhalten?" oder der Punkt "Betriebssystem" das die Back-up-sites und die Routinen für die Pflege anpaßt, mußten Berücksichtigung finden. Diese Auflistung läßt sich um Fragen wie

- Welche Produktionsroutinen mußten verändert werden?

- Sicherungskopien, wie und wann?

- Wie waren die besten Speicherroutinen?

- Wie sollte man COM haben?

- Wo sollte man drucken?

erweitern.

Jede Applikation mußte verändert werden. Die Dokumentation durfte nicht auf dem Papier erstellt werden. Alle Restart-Funktionen mußten dokumentiert, sowie auch die Register korrekt gespeichert werden, die Applikationen mußten in den Plan eingesetzt werden. Auch gehörten klar strukturierte Checklisten wie die Ordnung der Arbeit im Notfall ebenso dazu wie Routinen für das Testen und die Pflege des Plans oder die Richtlinien für den Wiederablauf. Hohe Priorität nahm auch der Schulungsaspekt ein.

Es dauerte ein Jahr, ehe eine funktionierende Wiederanlaufplanung vorhanden war. Zu diesem Zeitpunkt war aber erst ein Drittel der Applikationen fertig, da nur eine IBM 3033 zur Verfügung stand. Es dauerte ein weiteres Jahr bis zur kompletten Fertigstellung. Zu diesem Zeitpunkt stand auch eine IBM 3081 zur Verfügung.

Viele Probleme in der Produktionsabteilung

Der Schwerpunkt der Arbeit bestand darin, alle Routinen für einen funktionierenden Übergang an das Back-up-site und die Applikationen fertigzustellen.

Viele Diskussionen mit der Projektgruppe und der Projektleiterin waren wichtig und notwendig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Arbeit mußte vorwärtsgehen, obwohl die Bedingungen sich häufig veränderten. Es gab aber auch damit Probleme, das Team zu überzeugen, daß die verschiedenen Arbeiten wichtig waren und das Projekt zum

Abschluß gebracht werden mußte. Außerdem gab es Schwierigkeiten mit den Ressourcen. Die meisten Probleme verursachte die Produktionsabteilung, da sie glaubte, die Produktion sei wichtiger als ein Notfallprojekt.

Obwohl von Beginn an ein großes Budget zur Verfügung stand, stellte man während der Projektarbeit einen kontinuierlichen

Kostenzuwachs fest.

Mit neuen Techniken sollte alles auf den aktuellsten Stand gebracht werden. Aber es war vor allem wichtig, daß man einen Plan hatte. Erst dann konnte man mit Hilfe neuer Techniken den Plan erweitern.

Diesen Wiederanlaufplan zu verändern, stellte die Gruppe vor völlig neue Aufgaben; diese Änderung sollte man sich nur dann erlauben, wenn das Ursprungsprojekt abgeschlossen ist und ein laufender, funktionierender Plan vorliegt.

Parallel zu unserem Projekt hat der Sicherheitsbeauftragte zusammen mit dem Auftraggeber, Instruktionen an die verschiedenen Mitarbeiterstäbe gegeben, die im Notfall zu beachten waren.

Dieses Projekt war das erste das im Rechenzentrum gebildet worden war und mit dem man gearbeitet hatte. Nach zwei Jahren harter Arbeit wurde dieses Projekt zum erfolgreichen Abschluß gebracht.

Die folgenden Bedingungen sind sehr wichtig, um sich qualifiziert vorbereiten zu können.

- Der Projektleiter oder die Projektleiterin darf keine Angst haben; Durchsetzungsvermögen und Kritikfähigkeit sind unumgänglich.

- Die Geschäftsleitung muß zu jedem Zeitpunkt deutlich herausstellen, daß sie hinter dem Projekt steht.

- Der Aktivitäten- und Zeitplan ist ein "Muß".

- Nach Projektabschluß muß eine verantwortliche Person für die Wiederanlaufplanung in der Organisation ernannt werden.

- Ein Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, die ebenfalls mit der Wiederanlaufplanung arbeiten, kann eine große Hilfe sein.