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25.04.1980 - 

Die Entwicklung der Hommel Handel GmbH von Hollerith zu Online:

DV-Kosten haben sich in zehn Jahren verdoppelt

VIERNHEIM (ha) - "Die Arbeit an den Systemen ist einfacher und überschaubarer geworden", sagt Maximilian Gruschka von der Hommel Handel GmbH. Aber trotz billigerer Hardware hätten sich die effektiven DV-Kosten innerhalb des letzten Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Der Viernheimer DV-Chef schildert die Entwicklung der Datenverarbeitung innerhalb seines Unternehmens, die im Verlauf von zehn Jahren von Hollerith zum Online-Betrieb führte.

Die seit 1951 installierte Hollerith-Anlage wurde von uns im Jahre 1971 durch ein System IBM/360-25 mit einem Kernspeicher von 32 KB abgelöst Eine zusätzliche Plattenspeicher-Kapazität von 21 MB brachte uns einen beachtlichen Fortschritt gegenüber der aufwendigen Lochkartenverarbeitung.

Das heute installierte System IBM/370-138 besitzt mit einem Memorex-Zusatzspeicher eine Hauptspeicher-Kapazität von 2048 KB. Der Zuwachs auf das achtzigfache wird jedoch durch aufwendige Betriebssoftware geschmälert, denn das Betriebssystem belegt zusammen mit dem TP-Monitor 320 KB, das ergibt etwa das 10-fache des gesamten Speichers von 1971.

Datenspeicherung

Ähnlich entwickelte sich die Plattenspeicherkapazität des Systems. Sie umfaßt heute das sechzigfache der damaligen Wechselplattenlaufwerke. Während 1971 sequentiell organisierte Dateien überwogen, werden heute in stärkerem Umfang VSAM-Dateien eingesetzt.

ISAM- und DBOMB-Dateien wurden ganz durch VSAM-Dateien verdrängt.

Die Konfiguration wurde im Verlauf der zehn Jahre zwei- bis dreimal gewechselt und vor allem für den Online-Einsatz erweitert.

Im Jahre 1979 wurden in allen Niederlassungen Bildschirme und Terminal-Drucker installiert, die über einen Front-End-Prozessor ITT 3805 mit 10 Hfd-Anschlüssen und zirka 2250 km Leitungsnetz angeschlossen sind.

Programmentwicklung

Für die Programmierung wurden 1970 vorwiegend die Programmiersprachen des System-Herstellers eingesetzt. Heute werden Precompiler und Listen-Generatoren anderer Softwareanbieter eingesetzt, um den Aufwand für die Programmerstellung und die Programmänderung zu reduzieren.

Der Anteil an Standard-Anwendungs-Software hat sich von rund dreißig auf etwa zehn Prozent verringert. Dafür wird heute wesentlich mehr Standard-System-Software eingesetzt, um möglichst wirtschaftlich die für den Online-Einsatz notwendigen Anwendungsprogramme zu erstellen.

Von der Lochkarte zum Bildschirm

Vom "Lochsaal" des Jahres 1971, der mit zwölf Lochern und Prüfern bestückt war, sind nur noch drei Datentypistinnen in der zentralen Datenerfassung übrig geblieben. Hier wurden die letzten Belege zentral auf einem Datensammelsystem über Bildschirmeingabe erfaßt.

Seit der Installation von zwölf lokalen Bildschirmen, 22 Remote-Bildschirmen und elf Terminal-Druckern, ist die zentrale Datenerfassung so stark reduziert worden, daß eine Auslastung des vor fünf Jahren installierten Datensammel-Systems nicht mehr möglich ist. Bei der nächsten Kapazitätserweiterung werden die letzten drei Offline-Erfassungsplätze in das Online-System integriert.

Aus der Installation des Jahres 1971 ist noch ein Kartenlocher IBM 29 übriggeblieben, der nur noch für Job-Control-Karten benutzt wird.

Im Operating begann mit der Installation des Systems IBM/370-125 bereits die Umstellung auf Bildschirm-Betrieb. Heute überwacht der Operator das System über zwei Bildschirme. Die Systemaktivität wird über den Consol-Schirm und die Online-Aktivitäten über einen zusätzlichen Terminal-Bildschirm abgewickelt.

Die Systemkapazität wird tagsüber zu etwa 75 Prozent durch Online-Einsatz ausgelastet. Die restlichen 25 Prozent werden von ein bis zwei Batch Partitions genutzt.

In der Spätschicht laufen in ein bis zwei Partitions die wichtigsten Batch-Abläufe. Eine vierte Partition könnte zwar aufgrund der Kapazität aktiviert werden, aber die Abhängigkeit der Job-Abläufe von integrierten Dateien und Verflechtungen mit anderen Abläufen erschweren eine derartige Planung.

Die Hommel Handel GmbH ist ein Handelshaus mit rund 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 170 Millionen Mark (Produktgruppen: Werkzeuge, Werkzeugmaschinen und Meßgeräte).

Die Schwerpunkte der Anwendungen lagen 1971 bei den "klassischen" EDV-Arbeiten wie Gehaltsabrechnung, Buchhaltung, Kostenrechnung, Lagerbestandsführung, Disposition und Bestellschreibung.

Heute überwiegt der Einsatz für Online-Verkaufsabwicklung (Angebote, Lieferscheine, Rechnungen) mit zirka 50 Prozent der Kapazität im Zeitraum der normalen Geschäftszeit. Der verbleibende Anteil gliedert sich in: 15 Prozent Finanzbuchhaltung, 10 Prozent Lagerbestandsführung, 5 Prozent Programmierung und Sonstiges. Diese Online-Anwendungen können in einem Handelsunternehmen Lieferfähigkeit und Service stark beeinflussen. Vom klassischen Batch-Betrieb des Jahres 1971 verblieb nur noch 20 Prozent der Kapazitätsauslastung im Tagesbetrieb.

Für die Spätschicht ist ein Batch-Betrieb des Systems in zwei bis drei Partitions der Schwerpunkt, während die Online-Partition nur zur besseren Steuerung des Systems aktiviert wird. Im Jahre 1971 waren ausgedruckte Listen und gestanzte Verbundlochkarten die einzigen Ausgabemedien.

Heute ist die Lochkarte ganz verschwunden und die "Listenberge" sind beachtlich kleiner geworden. Dafür werden Magnetbänder zur COM-Verfilmung oder zum Datenträgeraustausch ausgegeben oder die Ausgabe erfolgt in Plattendateien, die am nachfolgenden Tag über Terminal-Drucker am Zielort ausgedruckt werden.

Der Kreis der EDV-Anwender in den Fachabteilungen erweitert sich von Jahr zu Jahr. Während 1971 neue Anwendungen oft im DV-Bereich aufgegriffen und den Fachbereichen "verkauft" werden mußten, äußern die Fachabteilungen heute ihre Wünsche für Verbesserungen und Neuanwendungen in einem Ausmaß, daß die DV "Lieferprobleme" bekommt.

Auch das Verhältnis der Geschäftsführung zur DV hat sich im Verlauf der letzten zehn Jahre gewandelt. Während 1970 das Interesse nach "Zahlen" im Vordergrund stand, werden heute von der Geschäftsführung Grenzwerte und Planzahlen vorgegeben, die nach Integration in das System eine Steuerung des Anwendungssystems auslösen und Anwendungen in allen Bereichen beeinflussen.

Die Kosten sind geblieben

Beziffert man den Aufwand für die "EDV Anno 1971" mit 100, so liegen die heutigen Kosten bei 210. Bei einer Umsatzausweitung von 100 auf 300 ergibt sich ein besseres Kosten/Umsatz-Verhältnis für 1980.

Aber die Aufteilung der Kosten im DV-Bereich hat sich wesentlich verändert:

Für die nächsten zehn Jahre sind sicher weitere Veränderungen im DV-Bereich zu erwarten. Aber sicher werden diese nicht mehr so kontrastreich anfallen wie in der Vergangenheit, weil zunehmende Integration der installierten Systeme das Tempo der Weiterentwicklung bremsen wird.