Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.04.1989

DV-Leasing: Vorsicht ist gut, Kontrolle noch besser

Die Leasingbranche hat nicht gerade den besten Ruf. Immer wieder locken Leasingfirmen mit Angeboten, die auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, beim zweiten und dritten Hinschauen jedoch dem Leasingnehmer so manchen Stolperstein offenbaren. Deshalb sollte der Kunde an jedes Leasinggeschäft mit Vorsicht herangehen. Dazu gehört auch, Informationen über den Leasinggeber einzuholen, sich auf die Gespräche gut vor zubereiten und die Leasingkonditionen gemeinsam mit Finanzexperten und Juristen unter die Lupe zu nehmen. Peter Brentle, DV-Leiter in München, rät sogar, das Vertragsverhältnis zwischen Leasinggeber und der refinanzierenden Bank zu überprüfen. Nach dem Motto: "Vorsicht ist gut, Kontrolle noch besser" kann sich der Leasingnehmer so eine Menge Ärger ersparen, sich aber vor allem vor finanziellen Verlusten schützen.

Peter Brentle, DV-Leiter, Panavia, Aircraft GmbH, München

In jeder Branche gibt es schwarze Schafe, so auch im Leasingbereich. Es handelt sich dabei um Unternehmen die möglichst schnell viel Geld verdienen wollen, sich dabei oftmals unlauterer Geschäftspraktiken bedienen und mit erhöhtem Risiko arbeiten. So flattern mir zum Beispiel tagtäglich Leasing-Offerten ins Haus, die auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Macht man sich die Mühe, solche Angebote zu prüfen, so entdeckt man aber meist schnell, daß sie nicht immer seriös sind.

Solche Dinge tragen natürlich nicht dazu bei, den etwas angekratzten Ruf der Leasingbranche zu verbessern. Hinzu kommt, daß Leasing eine diffizile Angelegenheit ist.

Der Leasingnehmer muß schon sehr gewieft sein, will er nicht Vertragskonditionen zustimmen, die hinterher zum Stolperstein für ihn werden. Dies ist schnell geschehen, und deshalb gibt es sicherlich kaum einen Leasingnehmer, der nicht im Laufe einer Leasingzeit ordentlich Lehrgeld bezahlt hat.

Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Leasinggeber und -nehmer sind immer beide Parteien verantwortlich. Kann ein Leasingnehmer zum Beispiel den vorgegebenen Kosten- und Budgetplan nicht einhalten, weil etwa schon nach kurzer Zeit die Technik eines Rechners überholt ist, Upgrades von Systemen aufgrund der Leasing-Laufzeiten kurzfristig mitfinanziert werden müssen oder es zu vorzeitiger Herausnahme beziehungsweise Übernahme von Restwerten in den neuen Leasingvertrag kommt, so daß die monatlichen Raten höher wurden, hängt es von der Flexibilität des Leasinggebers ab, inwieweit sich die Probleme für beide Seiten zufriedenstellend lösen lassen.

Der Leasingnehmer hingegen sollte bei jedem neuen Leasinggeschäft Vorsicht walten lassen. Gute Vorbereitung auf die Gespräche ist nötig. Überprüft werden sollte, wie lang das Unternehmen im Geschäft ist, welchen Leumund es hat, welche Referenzkunden es gibt.

Vor allem sollte der Leasingnehmer mit Hilfe eines Kriterienkatalogs, den er sich entweder von Experten zusammenstellen läßt oder selbst aufgrund von eigenen Erfahrungswerten aufstellt, den gesamten Leasingrahmenvertrag auf die allgemeinen Bedingungen hin abklopfen. Manche Leasingfirmen versuchen auch, die Risiken, wie Rest- oder Marktwerte, voll auf den Kunden abzuwälzen. Deshalb ist es ratsam, auch juristischen Beistand einzuholen.

Ein Tip zum Schluß: Nur wenige Leasingnehmer prüfen das Vertragsverhältnis zwischen dem Leasinggeber und der refinanzierenden Bank. Leasingfirmen nämlich geben diese Kontrakte dem Kunden nur selten freiwillig zur Einsicht frei.

Der Leasingnehmer jedoch hat das Recht, Einblick in das Vertragsverhältnis zu nehmen. Darauf sollte er auch in jedem Fall bestehen. Denn nur so ist für ihn ersichtlich, welche Bedingungen die Bank an die Refinanzierung eines Rechners stellt und wie sie mit dem Leasinggeber zusammenarbeitet. Dies wiederum gibt Aufschluß darüber, wie flexibel sich ein Leasinggeber in kritischen Situationen geben kann.

Günther Fischer, Unternehmensberater, Laudenbach

Ich stehe dem Leasing eher skeptisch gegenüber. Als ich noch DV-Leiter war, bin ich zwar mit Leasing beziehungsweise Unternehmen, die Leasing anbieten, nicht in Berührung gekommen. Aber seitdem ich als Unternehmensberater selbständig bin, kamen mir immer wieder Fälle von Unternehmen unter, die mit dem Leasing weniger gute Erfahrung gemacht haben. So war es zum Beispiel für einen meiner Kunden sehr problematisch, vorzeitig aus einem Leasingvertrag auszusteigen. Die Weigerung des Leasinggebers, ihn aus dem Vertrag zu entlassen, hat ihn viel Geld gekostet denn neben dem neu angeschafften Rechner mußte er die monatlichen Leasingraten weiter bezahlen.

Leasing ist kein leichtes Geschäft. Da bleibt es teilweise nicht aus, daß gewisse Leasingfirmen mit Methoden arbeiten, die den Kunden letztendlich in arge Bedrängnis bringen. Da werden schon einmal Informationen vorenthalten, die sich dann im Nachhinein als Fußangel für den Leasingnehmer herausstellen. Auch kalkulieren solche Unternehmen oft mehr als knapp, um ins Geschäft zu kommen, so daß sie bei auftretenden Schwierigkeiten nicht den Spielraum haben, sich gegenüber dem Leasingnehmer kulant zu verhalten. Deshalb haftet manchen Leasingfirmen schon einmal ein Hauch von Rücksichtslosigkeit, ja Unseriosität an.

Wer sich für das Leasing entschieden hat, sollte deshalb bei der Vertragsfestlegung Vorsicht walten lassen. Auf jeden Fall sind Experten hinzuzuziehen, die sich in Finanzierungsfragen auskennen, und auch Juristen, die die angebotenen Leasingkonditionen unter die Lupe nehmen. Darüber hinaus sollte mit einem Steuerberater überlegt werden, ob der Kauf eines Rechners nicht doch günstiger ist. Wichtig ist auch, sich im Vorfeld Informationen über die in Frage kommenden Leasinggeber zu verschaffen, mehrere Angebote einzuholen und sorgfältig zu überprüfen.

Viele Komponenten sind beim Leasing zu beachten, und es gilt das Für und Wider sorgsam abzuwägen. Denn hat man erst einmal einen Vertrag abgeschlossen, so kommt man bei einer vorzeitigen Auflösung oder Änderung kaum ohne finanzielle Verluste davon.

Wolfgang Nickel, Assem Audi & Co. GmbH, Meckenheim

Mit Leasing habe ich bislang noch keine Erfahrung gemacht, stehe aber einem solchen Finanzierungsweg für eine Hardware-Anschaffung eher skeptisch gegenüber. Zum einen halten mich kaufmännische Aspekte davon ab, Rechneranlagen zu leasen. Ich möchte für eine Maschine nicht endlos bezahlen. Außerdem gehe ich davon aus, daß ich Hardware heute billig einkaufen kann, was mir gegenüber dem Leasing einen wesentlichen finanziellen Vorteil verschafft. Dies war sicherlich in der Vergangenheit nicht immer so. Gerade mittelständischen Unternehmen fehlten früher häufig die Mittel für den Kauf von ausreichend dimensionierten Rechnersystemen. Deshalb blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich dem Leasing zu verschreiben. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Immer mehr kleinere Unternehmen können es sich heutzutage erlauben, Kaufverträge abzuschließen.

Zum anderen genießt die Leasingbranche nicht gerade einen guten Ruf. Da wird mit Versprechungen gelockt, die sich bei genauerer Prüfung nicht einhalten lassen. Der Kunde ist demzufolge gefordert, sich umfassend darüber zu informieren, welche Geschäftspraktiken solche Unternehmen an den Tag legen, ob Endabnehmer mit dem einen oder anderen Leasinggeber schon einmal schlechte Erfahrung gemacht haben, welche Risiken ein solcher Finanzierungsweg in sich birgt. Leasing ist ein außerordentlich kompliziertes Gebiet. Deshalb sollten Leasingnehmer für die Beurteilung der Vor- und Nachteile Finanzexperten hinzuziehen.

Käme ich in die Situation, mir einen Leasingpartner suchen zu müssen, so würde ich mich sicherlich erst einmal an unsere Hausbanken wenden und mich über deren Leasingkonditionen informieren. Unabhängige Leasingfirmen würde ich jedenfalls erst ganz zum Schluß in Betracht ziehen.