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In den Fachabteilungen blüht der Mikro-Wildwuchs:


15.07.1983 - 

DV-Lehrlinge proben mit Kraftzwergen den Aufstand

Die Quittung für ihre bislang ablehnende Haltung gegenüber den Mikros erhalten derzeit viele DV-Leiter. Die "Kraftzwerge", oft von verschiedenen Herstellern, tummeln sich zuhauf in den Fachabteilungen und erfreuen sich dort wachsender Beliebtheit. So manchem DV-Manager schlägt dieser Mikro-Wildwuchs auf den Magen. Einzige Therapie: Zusammen mit der Fachabteilung beginnen, den Einsatz der Kleinsysteme zu planen und zu koordinieren. Nur so läßt sich verlorenes Terrain zurückgewinnen.

In den vergangenen Jahren spielte sich der Verkauf von Mikros bei Großunternehmen häufig an der Zentral-DV vorbei in den Fachabteilungen ab. Gründe hierfür gab es auf beiden Seiten: Während sich viele DV-Manager gegen diese ihrer Meinung nach überflüssigen Kleinsysteme sperrten, wuchs die Neugier und Entscheidungsfreude der Sachbearbeiter.

Die einen sahen hier eine Möglichkeit, sich von der Zentral-DV abzunabeln, für andere war es eine Gelegenheit, auf diese Weise dem ungeliebten DV-Halbgott "eins auszuwischen". Die Mitarbeiter in den Fachbereichen waren der Ansicht, der DV-Manager habe die Zentralisten-Fahne lange genug geschwenkt und wollten sich nicht länger gängeln lassen.

PCs ziehen in die Fachabteilungen ein

Tauchte in dieser Situation auch noch ein geschickt agierender Mikro-Vertriebsbeauftragter auf und zog den alles könnenden Mikro aus der Tasche, fielen die Würfel für den Kauf eben ohne Wissen des großen DV-Meisters. Viele DV-Bosse reagierten auf diese Entscheidungen verärgert, verhindern konnten sie den Siegeszug der Personal Computer nicht.

Allerdings, rät Alwin Stumpf, Leiter Vertrieb und Marketing bei Commodore, sollten sich die übergangenen DV-Manager erst einmal an die eigene Nase fassen. Zu oft hätten sie ihre Mitarbeiter mit Lösungen vergewaltigt, die nicht praxisgerecht gewesen seien.

Allmählich scheint sich jedoch, besonders in großen Unternehmen, die Situation zu ändern. Wenn es um die PC-Auswahl geht, kommen immer mehr Sachbearbeiter auf den DV-Leiter zu. Oft wird es ihnen sogar selbst mulmig, wenn sie den Mikro-Wildwuchs betrachten. Zudem begreifen sie, wie wichtig es für ihre Arbeit ist, Zugang zum Großrechner zu haben.

Inzwischen merken selbst die Vertriebsbeauftragten, die sich früher noch nach dem Nein des DV-Managers heimlich durch die Hintertür direkt in die Fachabteilungen geschlichen hatten, daß das ganz große Geschäft dort auf keinen Fall zu machen ist.

Während ein Fachbereichsleiter nur ein paar PCs kaufen kann, geht es beim Abschluß mit der DV-Spitze oft um 20 oder 30 Kleinsysteme.

Vor allem aber ändert sich die Einstellung vieler DV-Bosse gegenüber den Eindringlingen. Sie erkennen die zunehmende Bedeutung der Mikros in der gesamten DV-Welt. Ihnen wird klar, daß sie schnell an Einfluß verlieren könnten, wenn sie die Geräte weiterhin als "Mickymaus-Computer" abwerten. Da der Mikro-Zug nicht aufzuhalten ist, wollen sie lieber noch aufspringen, als ihn ganz zu verpassen.

Der Mikro-Zug ist abgefahren

Manager, die aber nach wie vor die PCs abblocken, warnt Dr. Lutz Beck, Leiter System-Projektierung bei Standard Elektrik Lorenz: "Der DV-Leiter, der sich mit der Anschaffung von Mikros immer noch nicht auseinandersetzt, wird Schiffbruch erleiden, weil sich isolierte Insellösungen bilden. "

Eindringlich versucht auch Unternehmensberater Michael Bernecker, die "Uneinsichtigen" von den Vorteilen der Kleinsysteme zu überzeugen: "Zu viele DV-Manager haben noch nicht erkannt, daß es für sie vorteilhaft ist, wenn sie die PCs von sich aus einfuhren."

Er ist überzeugt, daß hier der DV-Boß eine gute Möglichkeit hat, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Er gibt den Mitarbeitern der Fachabteilung ein Instrument in die Hand, das ihnen bei ihrer Arbeit vor Ort hilft, gleichzeitig kann er den Einsatz kontrollieren. Auf diese Weise hält er die Mitarbeiter an der langen Leine und bekommt zudem mehr freie Kapazität auf dem Großrechner. Damit ließe sich nun bislang Liegengebliebenes, wie die Vorbereitung von benutzerorientierten Abfragesprachen, aufarbeiten. Urteil der Münchener Berater: "Der DV-Leiter befindet sich derzeit auf einer Gratwanderung. Entweder bleibt er stehen und büßt Macht ein, oder er nimmt das Zepter in die Hand und gewinnt mehr Macht als je zuvor."

Den Ärger vieler DV-Verantwortlicher über die Anschaffung von PCs versteht Dr. Burkhard Neunheuser, Leiter der Geschäftsstelle SCS Essen, Technische Beratung und Automation, nicht: "Die sollen froh sein, daß sich die Sachbearbeiter für die Zwerge interessieren. Damit ist doch endlich die Schwellenangst vor der Datenverarbeitung überwunden."

Er rät seinen Kunden, die Mitarbeiter erst einmal mit ihren Geräten spielen zu lassen, dabei die Übersicht zu behalten und dann ein Konzept auf den Tisch zu legen. Die Gefahr der Insellösungen sieht der Essener Berater nicht, da die PCs ja kommunikationsfähig würden.

Das Problem, wie sich die Verbreitung der Kleinsysteme in den Fachabteilungen kontrollieren läßt, ohne gleich zu drastischen Maßnahmen greifen zu müssen, wurde bei der Schmidt-Agence AG in Basel sehr praktisch gelöst. Schmunzelt Abteilungsleiter Org./DV Rolf Dr "Wir haben unseren Fachbereichen die dringende Empfehlung gegeben, sich bei der PC-Auswahl zuerst an uns zu wenden. Wer sich nicht daran hält, braucht später auch nicht auf Hilfe zu hoffen." Bis jetzt, war aus dem Unternehmen zu hören, klappt diese "Empfehlung " sehr gut.

_AU:Ina Hönicke