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Lernschritte für Führungskräfte der Informationstechnik (1)


13.07.1990 - 

DV-Leiter auf dem Weg zum Informations-Manager

Technisches Know-how und fachliche Erfahrung zeichnen den DV-Leiter aus. Mit dem Wandel der Datenverarbeitung zur Informationsverarbeitung indes erwartet die Unternehmensführung vom DV-Chef künftig, als Informations-Manager den unternehmerischen Nutzwert von "Information" zu erhöhen. Dazu benötigen DV-Verantwortliche ein hochqualifiziertes, multifunktionales Profil. Wie sich der DV-Chef bereits heute darauf vorbereitet, zeigt Frank Peschanel* in einem dreiteiligen Artikel auf. Folge 1 behandelt unter anderem, wie neue organisatorische und sozialpsychologische Faktoren die Rolle des DV-Verantwortlichen radikal verändern.

In jüngster Zeit mehren sich Kongresse und Veranstaltungen zum Thema Informations-Management. Die Fülle der Thematik wurde mir in ihrem vollen Umfang besonders bewußt, als ich anfing, systematisch mit "Betroffenen" zu sprechen, mich durch zahlreiche Artikel der letzten zwölf Monate zu arbeiten und dazu noch die Tagungsbände einiger Veranstaltungen studierte. Für die DV/Org.-Leiter ergeben sich Fragen wie: Wird "Informations-Management" in den 90er Jahren die "DV" umgestalten? Müssen traditionsverhaftete DV-Leiter in Frühpension gehen - oder sind die Beiträge zur Diskussion um den "Manager der Information" nur neuer Wein in alten Schläuchen?

Die unter dem Oberbegriff Informations-Management angebotenen und diskutierten Themen deckten ein breites Feld ab: Sie reichten von Datenbanken und Datenmodellierungen bis zu innovativen strategischen Anwendungen in einem globalen Datennetz, von Ausbildungsdefiziten der Datenverarheiter bis zur Steuerung sozialer Prozesse, von Informatik-Euphorie bis zur Technikfolgen-Abschätzung.

Bei näherer Betrachtung ist zwar manches, was sich vom Titel her neu anhört, tatsächlich nur Face-lifting von Altbekanntem, etwa wenn "Informationssysteme" (und das Management bei Aufbau, Einführung sowie Betrieb von Informationssystemen) als Informations-Management deklariert werden. Hier kann leicht der Eindruck entstehen, daß ein neues Jahrzehnt auch seine neuen Schlagworte braucht und daß es mit dem Druck der Innovation doch nicht so weit her sei. Nach meiner Meinung jedoch ist dies ein Irrtum.

Beim systematischen Hinsehen wird nämlich klar, wie groß dieses neue Fachgebiet Informations-Management tatsächlich ist, wie interdisziplinär und wie überwältigend vielfältig. Ich fing in Gedanken an, die berührten Sachgebiete zu notieren. Dabei entstand eine immer länger werdende Liste. Schließlich begann ich mich zu wundern, wie man als "beruflicher Bedarfsträger" in dieser Themenfülle denn noch einen praxisbezogene Überblick gewinnen könne.

Informations-Management bedeutet keineErfindung der Informatik, sondern eine in den Unternehmen und im gesamten gesellschaftlichen Raum entstandene Problematik.

Das betriebliche Umfeld des Informations-Managements ist angespannt, der Veränderungsdruck bringt Verantwortlichen häufig unmutige oder gar scharfe Worte ein. "Der traditionelle DV-Chef wird nicht der Informations-Manager von morgen sein", schrieb Arnulf Meyer-Pienig, Partner bei A.T. Kearny, Stuttgart, in der COMPUTERWOCHE im Dezember 1989. Hinter diesem Satz des Unternehmensberaters wird ein guter Teil der schwierigen Situation um den Informations-Manager deutlich.

Daten sind nicht Informationen. Datenverarbeitung heißt nicht Informationsverarbeitung. Informationen wiederum sind Daten, die für bestimmte Zusammenhänge, Entscheidungen, strategische Konzepte etc. Bedeutung haben. Menschen wählen Informationen oft subjektiv aus, bereiten sie auf, verarbeiten sie, benutzen sie, ignorieren sie aber auch oder enthalten sie vor.

Informationen, auf neue Weise verfügbar gemacht, verändern Arbeitsorganisationen, flachen Führungshierarchien ab, fordern umfassendere Kenntnisse, bringen neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und zwischen Lieferanten und Kunden. Diese Themen sprengen den Rahmen der Informatik in ihrem gegenwärtigen Fachverständnis und gehen auch über den Rahmen des klassischen DV-Leiters hinaus.

Unternehmen, die heute erkennen, welche Vorteile sie durch den gekonnten Umgang mit Informationen erzielen können, erreichen Wettbewerbsvorteile. Konkurrenten, die noch in den Kategorien der Datenverarbeitung denken, müssen reagieren, wenn sie Lösungen der Informationsverarbeiter nachahmen. So können Speditionen mittels integrierter, innovativer Informationsverarbeitung etwa für Kleingüter den Preis der Zustellung über den Atlantik auf 60 Prozent der Kosten senken. Ein anderes Beispiel: Mittels Neugestaltung von Informationsflüssen, betrieblicher Umorganisation und aufwendiger Trainingsmaßnahmen konnte ein Großunternehmen die Durchlaufzeiten von Anfrage bis Angebot um 40 Prozent verkürzen, die Angebotsqualität steigern und die Umsätze in zwölf Monaten auf das Doppelte anheben. Bezüglich "Kundennähe" wird auch eine große Organisation ebenso konkurrenzfähig wie ein mittelständisches Handelsunternehmen.

Informations-Management hatte im letztgenannten Beispiel zunächst die Aufgabe, Kundennähe zu schaffen. Daraus entstand zudem eine völlig neu gestaltete Informationsverarbeitung in einem Teilbereich des Unternehmens. Sie zeichnete sich durch wesentliche organisatorische Umgliederungen aus. Außerdem unterstützt der sozialpsychologische Einsatz Mitarbeiter bei Problemen angesichts radikaler Arbeitsplatz-Veränderungen. Informatikprodukte wie Bildschirm-Arbeitsplätze, Datennetz, Datenbank und Anwendungssoftware bekommen einen neuen Stellenwert. Sie sind nur noch Bausteine eines größeren Ganzen.

Das Jahrzehnt der lnformationsvererbeitung

Was natürlich immer deutlich sein sollte: Die Datenverarbeitung in den Betrieben lebte historisch gesehen davon, daß sie Arbeitsabläufe in der Organisation nachbildete sowie maschinell unterstützte. Nun ist es soweit, daß die Datenverarbeitung zunehmend ein. Hilfsmittel bei der komplexen Neugestaltungen wird. Selbst wenn nach Selbsteinschätzung auf Leitungsebene heute noch neun von zehn Unternehmen Datenverarbeitung nur einsetzen, um Kosten zu sparen, so ist doch die neue Entwicklung "Umgestaltung mittels EDV" auf dem Vormarsch.

Wir können vorhersagen, daß die 90er Jahre das Jahrzehnt einer Informationsverarbeitung sein werden, die auf der Ebene des Gesamtunternehmens besteht und eine Fülle zunehmend globaler Beziehungen zu Kunden und Lieferanten bietet. Gleichzeitig wird diese Zeit durch die technische Verfügbarkeit von Informationen und durch die weitgehende programmunterstützte Aufbereitung der Informationen zu umgestalteten Arbeitsorganisationen, Verantwortungsspielräumen und einem gewandelten Selbstverständnis der Mitarbeiter führen.

Der Umgang mit Information und Informationsverarbeitungs-Systemen bekommt in den 90er Jahren allmählich etwas Alltägliches, er wird so selbstverständlich wie heute das Autofahren. Dabei, um im Bild zu bleiben, entstehen jedoch völlig neue Verkehrssituationen.

Fassen wir zusammen: Zunächst bildete Datenverarbeitung allgemein betriebliche Informationsverarbeitung nach. Im ausgehenden Jahrzehnt erleben wir jedoch ein neues Phänomen. Aus der Umgestaltung der betrieblichen Informationsverarbeitung zu einem Instrument im Wettbewerb erwachsen fachübergreifende Anforderungen an die Datenverarbeiter.

Nur jener Datenverarbeiter, so könnte das Fazit lauten, wird auch Mitwirkender im Informations-Management - und nur dann -, wenn er aktiv, strategisch, visionär und gleichzeitig als DV-Sachkenner die Umgestaltung der Informationsbearbeitung unterstützen kann.