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02.09.1994 - 

Gastkommentar

DV-Leiter, wehrt Euch gegen unberechtigte Vorwuerfe!

Von allen Ressorts, die in einem Unternehmen vorkommen, stellt die Datenverarbeitung mit die hoechsten Ansprueche an den Leiter und die anderen Fuehrungskraefte - und zwar in jeder Hinsicht.

Kaum eine Abteilung ist bezueglich des fachlichen Inhaltes schwieriger und facettenreicher als die Datenverarbeitung! Es ist im allgemeinen leichter, als Einkaeufer einen Lieferanten zu Preisnachlaessen zu bewegen, als eine optimale Outsourcing- Strategie zu erarbeiten, und auch leichter, als Verkaeufer ueber die Funktionsweisen der eigenen Produkte Bescheid zu wissen, als ein neues Auftragsabwicklungssystem zu entwerfen und einzufuehren.

Die Liste von Beispielen liesse sich leicht fortsetzen. Damit sollen die fachlichen Anforderungen an die uebrigen Ressorts keineswegs geschmaelert werden. Doch gehen die inhaltlichen Ansprueche der Client-Server-Konzepte, der Systemintegration, der Prozessorganisation etc. noch darueber hinaus. Nicht ohne Grund sind beispielsweise CIM-Konzepte oftmals gescheitert. Ein fehlender Wille der DV-Verantwortlichen war sicher weniger schuld als inhaltliche Schwierigkeiten.

Kaum ein Ressort stellt so hohe Anforderungen an die Kommunikationsfaehigkeit der Fuehrungskraefte wie die Datenverarbeitung! Die Steuerung eines unternehmensweiten Informationsverbundes beruehrt die Interessen praktisch aller Unternehmensbereiche. Wer kennt zum Beispiel nicht die taeglichen Abstimmungsprobleme unter anderem zwischen Verkauf, Produktion, Technik? Und wie viele Vorstaende und Geschaeftsfuehrer meinen, solche Schwierigkeiten seien mit Hilfe eines Informationsverbundes zu beheben? Doch wissen diese Vorstaende und Geschaeftsfuehrer auch, dass bei der Entwicklung entsprechender DV-Systeme kaum zu ueberwindende Hindernisse bestehen? Kein anderer Ressortleiter muss zur Erledigung seiner taeglichen Aufgaben so viele unterschiedliche Interessen koordinieren.

Kaum eine Fuehrungskraft eines Unternehmens ist so viel Stress ausgesetzt wie die Fuehrungskraefte des DV-Bereiches!

"Die verspaetete Auslieferung an den Kunden haetten wir vermeiden koennen, wenn wir nur ein besseres Auftragsabwicklungssystem haetten", entschuldigt sich der Verkaeufer gegenueber seinem Vorgesetzten. "Das wirtschaftliche Unternehmensergebnis steht erst heute fest, weil die verschiedenen DV-Systeme nicht zusammenpassen." So reagiert der Controller auf Kritik der Unternehmensleitung.

Auf diese Weise wird die Schuld fuer die unterschiedlichsten Schwaechen in einem Unternehmen immer wieder der DV-Leitung zugeschoben. Und diese muss immer wieder neu nachweisen, dass die Vorwuerfe unberechtigt sind. Nur wer solche Situationen persoenlich erlebt, weiss den dadurch entstehenden Stress einzuschaetzen.

Die DV-Verantwortlichen sind fuer das Scheitern von Projekten seltener verantwortlich, als behauptet wird! Auf der ersten Seite der CW Nr. 24 vom 17. Juni 1994 konnte jeder lesen: "Re- Engineering: Topmanager sind von Resultaten enttaeuscht. ... Die Schuld geben viele ihren IT-Abteilungen."

Ich ermuntere alle DV-Leiter: Wehrt Euch gegen unberechtigte Vorwuerfe. Denn sonst besteht die Gefahr, dass sich das negative Image der DV-Verantwortlichen immer staerker festigt und damit jede Weiterentwicklung der Informatik in den Unternehmen behindert wird.

Jedenfalls zeigt mir meine Beratungspraxis, dass das Scheitern von Business Re-Engineering nicht einseitig den DV-Verantwortlichen angelastet werden kann. Im Gegenteil: DV-Verantwortliche sind oft diejenigen, die sich an die Spitze entsprechender Projekte stellen, und das meist aus einer reinen Dienstleisterrolle heraus, ohne ueber Entscheidungsbefugnisse in organisatorischen Fragen zu verfuegen.

Vielen DV-Verantwortlichen fehlt leider der Mut zu kaempfen! Sie befinden sich nach oft jahrelangem Stress ausschliesslich in einer Verteidigungsposition und gehen Konflikten lieber aus dem Weg. Dieses Verhalten ist zwar grundsaetzlich verstaendlich, allerdings auch sehr schaedlich.

Es kommt darauf an, Nutzen und positive Wirkungen der Datenverarbeitung aufzuzeigen und mit der Unternehmensleitung zu diskutieren. So kann verlorengegangenes Vertrauen neu entstehen. Ohne neuen Mut der DV-Verantwortlichen wird bald nichts mehr gehen! Bleibt auch zukuenftig das Klima zwischen den DV- Verantwortlichen und den uebrigen Fuehrungskraeften eines Unternehmens durch Misstrauen gepraegt, so drohen schlimmste Folgen: Investitionen in Informationstechnik werden dann haeufiger eingefroren und mehr Teilfunktionen der DV werden outgesourct werden, was den Stellenwert, den Vorstaende der DV zubilligen, mindern wird. Unternehmen, die solchen Erscheinungen ausgesetzt sind, gefaehrden nach meiner festen Ueberzeugung ihre Wettbewerbsfaehigkeit.