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01.12.1978

DV-Managar - ein neues Berufsbild?

Datenverarbeitung ist heute - und sie wird es noch einige Jahre lang bleiben - eine Institution innerhalb der Organisation. Sie ist räumlich lokalisierbar (Rechenzentrum), sie ist personell klar umrissen (DV-Abteilung), sie ist ablaufmäßig gebunden an Ort und Personen der Institution Datenverarbeitung.

In einigen Organisationen ist Datenverarbeitung heute jedoch keine Institution mehr, sondern eine über das gesamte Unternehmen ausgebreitete Funktion Computer stehen nicht mehr in einem festumrisssenen Raum, sondern in vielen Büros der verschiedenen Fachabteilungen. Personal, das sich mit Datenverarbeitungs- und Kommunikationstechnik befaßt, gehört nicht mehr einer zentralen Datenverarbeitungsabteilung an, sondern ist vielen unterschiedlichen Fachbereichen zugeordnet. Die Abläufe sind nicht mehr auf eine zentrale DV-Funktion hin ausgerichtet, sondern sind verflochten in die integrativen Abläufe der verschiedenen Fachabteilungen. Diese funktionale Form der Datenverarbeitung und Kommunikation wird sich im Laufe der nächsten zehn Jahre durchsetzen. Diese Entwicklung wird zu zwei unterschiedlichen, sich aber ergänzenden DV-Management-Aufgabenbereichen führen:

1.) Zentrale Koordination

DV-Manager in dieser Funktion befassen sich mit der Erstellung von Richtlinien, der Entwicklung von Verfahren sowie der Beschaffung von Hard- und Software.

2.) Operative Datenverarbeitung

DV-Manager in diesem Bereich leiten die Anwendungsentwicklung beziehungsweise in zunehmendem Maße die Anwendungsimplementierung sowie den Computerbetrieb. Die zentrale Koordination der DV-Aktivitäten, das heißt die Verantwortung für die Informationslogistik, wird einem kleinen Stab übertragen, der dem Top-Management untersteht und weitreichende Kompetenzen hat. Die operative DV-Funktion wird den einzelnen Fachabteilungen oder Unternehmensteilen unmittelbar zugeordnet sein.

Die Prognose lautet deshalb: Der Datenverarbeitungs- und Organisationsleiter alter Art, welcher der Institution Datenverarbeitung vorstand, verschwindet allmählich. Im Top- und Mittel-Management-Bereich wird es nur wenige DV-Experten geben, hingegen wird die Zahl der DV-Manager auf den unteren Managementebenen in den Fachabteilungen zunehmen.

Die zentrale Koordination ist in Zukunft eine wichtige und interessante Aufgabe: Sie leitet aus der Informationsstrategie des Top- und Mittel-Managements das Logistikkonzept ab, indem sie Ziel und Anforderungen in mittel- und langfristige DV-Pläne umsetzt. Sie wird den Rahmen setzen für die Anwendungsentwicklung und den Hardware-Ausbau. Von besonderem Gewicht ist ihre Richtlinienkompetenz hinsichtlich Beschaffung von Hard- und Software, zur Bestimmung von Dokumentationsverfahren etc. Sie ist der DV-technische kompetente Gesprächspartner für alle Führungskräfte, die an der Informationsstrategie mitarbeiten.

Als zentrale Instanz hat sie volle Entscheidungsfreiheit im Rahmen der mit dem Top- und Mittel-Management abgestimmten Planung.

Für das Funktionieren eines solchen organisatorischen Ansatzes ist wichtigste Voraussetzung, eine klare Aufgaben- und Kompetenzteilung bei der Planung Erstellung und Einführung von DV-Anwendungen.

Der operativen Datenverarbeitung obliegt es, die jährlichen und mittelfristigen DV-Pläne zu erfüllen und für eine konsequente Einhaltung der Richtlinien zu sorgen.

Als Bestandteil der betreuten Fachbereiche kommt diesen DV-Instanzen vor allem die beratende Funktion bei der Formulierung der Anforderungen für den DV-Einsatz zu. Sie beraten also die Mittel-Manager ihres Fachbereiches und sind außerdem fachkundige Gesprächspartner der zentralen Koordination in allen Fragen des übergeordneten Konzepts. Ihre Hauptaufgabe ist die Sicherstellung der störungsfreien DV-Unterstützung für die einzelnen Fachbereiche. Die Auswahl von Hard- und Software im Rahmen der gegebenen Richtlinien wird ebenfalls ihre Sache sein. Sie repräsentiert den DV-Sachverstand der Fachabteilungen.

Sie wird zwar keine Rahmenbedingungen, wie die Herstellerauswahl oder die Vertragsgestaltung mit einem Hersteller bestimmen, aber sie wird in den von der zentralen Koordination gesetzten Grenzen zuständig sein für die Kapazitätsbestimmungen und für Konfigurationsentscheidungen am Einsatzort.

Eine weitere wichtige Funktion dürfte das Herstellen einer ungehinderten Verständigung mit den Mitarbeitern in der Fachabteilung auf Basis software-technologischer Verfahren sein. Ein modernes Konzept der funktionalen Datenverarbeitung kennt auch innerhalb der Fachbereiche keine Institution Datenverarbeitung. Es wird vielmehr eine große Anzahl von Mitarbeitern in den Fachbereichen geben, welche Datenverarbeitungs- und Kommunikationseinrichtungen bei ihrem täglichen Arbeitsablauf nutzen und folglich Programmierungs- und Bedienungs-Know-how benötigen.

Die Programmierung dürfte sich allerdings auf einem höheren Sprachlevel als heute üblich abspielen. Sie wird vielfach nur in einer Parametrisierung von Programmabläufen bestehen. Viele DV-technische Probleme, die heute noch von der Programmierung und Systementwicklung zu lösen sind, werden in die Hardwarefunktionen der Geräte einbezogen und sind dann für den Endbenutzer weitgehend transparent. Er braucht diese nicht zu kennen, da sie eine für ihn unbeeinflußbare, vom Gerät automatisch wahrgenommene Funktion darstellen.

Wichtig ist, daß die Führungskräfte der Datenverarbeitung erkennen, daß sie - sofern sie noch mehr als zehn Jahre im Beruf tätig sein werden - sich möglichst früh entscheiden sollten, in welche Richtung sie gehen möchten, damit sie sich bezüglich Weiterbildung und Karriereplanung rechtzeitig richtig orientieren.

Wenn es in Zukunft um die Besetzung der Positionen des Informationsstrategen und des zentralen Koordinators geht, dürften die heutigen DV-Führungskräfte der ersten Reihe in zunehmendem Maße auch auf Konkurrenz aus anderen Fachbereichen des Unternehmens stoßen.

*Direktor des Forschungsprogramms, Diebold Europa S. A., London