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30.07.1999 - 

Wie die größte Schweizer Bank ihre Software verteilt

DV-Management ê la UBS: Kein Framework um jeden Preis

MÜNCHEN (CW) - Um die komplexe Aufgabe des System-Managements ein wenig zu vereinfachen, setzen viele Unternehmen integrierte Umgebungen ein. Nicht so die UBS AG, Zürich: Die Schweizer Großbank scheut sich nicht, in jedem Bereich die jeweils am besten geeignete Lösung zu nutzen. Für das Software-Management auf ihren Applikations-Servern hat sie gerade ein neues System eingeführt.

Eine Unternehmensfusion ist auch eine Gelegenheit, die vorhandenen Werte einer Revision zu unterziehen. Nachdem sich die Schweizerische Bankgesellschaft und der Schweizerische Bankverein im vergangenen Jahr zur UBS AG zusammengeschlossen hatten, nahm das neufirmierte Unternehmen unter anderem seine auf 10000 Köpfe angewachsene IT-Abteilung unter die Lupe und entdeckte sowohl Konsolidierungs- als auch Anpassungsbedarf.

In diesem Kontext machte sich die UBS auch daran, ein wichtiges Gebiet des System-Managements neu zu gestalten: die zentrale Softwareverteilung auf die rund 1000 Server-Systeme. Welche Entscheidungen sie hier traf, verrieten Franz Blaser, Leiter der informationstechnischen UBS-Sektion Management, und Reinhard Kritzer, Leiter des Projekts "Softwareverteilung auf Applikations-Server" anläßlich des Kongresses "Integriertes System-Management", den das Institute for International Research, Sulzbach/Taunus, kürzlich veranstaltete.

"Mit Software-Management läßt sich viel Schaden anrichten", warnte Blaser das Auditorium. Dieses Risiko will die UBS verringern, indem sie ihre Ansprüche kompromißlos verwirklicht - auch wenn das bedeutet, daß sie keines der integrierten Systeme einsetzen kann, die die IBM-Tochter Tivoli, Computer Associates (CA) und Hewlett-Packard (HP) anbieten.

Um die etwa 40000 Clients mit einheitlicher Software zu bedienen, nutzt die UBS das Microsoft-Produkt "Systems Management Server" (SMS). Für die Softwareverteilung auf die unter Sun Solaris betriebenen Applikations-Server hingegen setzte schon die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) und später auch die UBS AG eine Lösung ein, die auf dem "Tivoli"-Release 1.7 von IBM basierte. Allerdings ging deren Funktionalität weit über die des Standard-Tools hinaus. Um genau zu sein: In bezug auf die Größenordnungen verhielten sich die selbstgeschriebenen Erweiterungen zu Tivoli wie ein Heißluftballon zum Passagierkorb. Das suggeriert zumindest die Schemazeichnung, die Blaser während seines Vortrags anfertigte.

Nicht daß die 40 bis 50 Anwender des Systems unzufrieden gewesen wären - im Gegenteil: dank der individuellen Anpassungen entsprach die Lösung weitgehend ihren Anforderungen. Aber die Eigenentwicklungen waren, so Blaser, über zahlreiche "schwammige" Schnittstellen mit dem Standardwerkzeug verbunden. Folglich wäre der - aufgrund mangelnder Jahr-2000-Festigkeit und fehlender Revisionssicherheit notwendige - Wechsel auf ein neueres Tivoli-Release extrem aufwendig geworden. Sogar der Umstieg auf eine jüngere Version des Betriebssystems "Solaris" barg schwer kalkulierbare Risiken.

Also beschloß der Finanzdienstleister, in ein neues System für die Softwareverteilung zu investieren, das später auch die unter HP-UX und Windows NT laufenden Server einschließen würde.

An vier ausgewählte Anbieter schickte die UBS eine 70 Seiten umfassende Anforderungsliste - voller detaillierter Kriterien hinsichtlich Funktionalität, Architektur und Sicherheit. Unter vielem anderen sollte das neue System:

- gleichgültig gegenüber Veränderungen der Betriebsorganisation sein,

- von einem verläßlichen Anbieter stammen,

- ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen und

- sich bei Referenzkunden in Augenschein nehmen lassen.

Wie Blaser augenzwinkernd anmerkte, erfüllte das Angebot, das schließlich den Zuschlag erhielt, alle Bedingungen - "nur mit den Gesamtkosten waren wir nicht einverstanden".

Offenbar haben sich Kunde und Software-Anbieter aber in diesem Punkt geeinigt. Die neue Lösung für die Softwareverteilung der UBS stammt von der Sydios IT Solutions GmbH, Berlin. Sie besteht aus dem "Automated Software Distribution and Inventory Management System" (Asdis) und dem damit integrierten Modul "Automated Configuration Management" (ACM). Zur Entscheidungsfindung beigetragen hatte ein Besuch beim Sydios-Referenzkunden Dresdner Bank AG in Frankfurt am Main.

Tivoli und das Konkurrenzprodukt "Unicenter TNG" von Computer Associates (CA) waren unter anderem deshalb ausgeschieden, weil sie keine Unterstützung für das Sicherheitskonzept der UBS boten. Nach Blasers Darstellung betreibt der Finanzkonzern die Authentisierung auf Hardware-Ebene, "um sicherzustellen, daß jemand auch der ist, für den er sich ausgibt". Und da hätten sowohl die Schweizer IBM als auch CA passen müssen.

Der Vorteil, den integrierte System-Management-Frameworks in die Waagschale werfen, zählt für die UBS wenig: Statt einer "Alles-aus-einer-Hand"-Strategie setzt das Schweizer Bankhaus auf den "Best-of-breed"-Ansatz. Das heißt im Klartext: Auf jedem Gebiet des System-Managements - neben der Softwareverteilung und dem Konfigurations-Management zählen dazu Durchsatz- und Auslastungs-Überwachung, Problem-Management, Monitoring, Handhabung der mit den Anwendern vereinbarten Service-Levels und Change-Management - entscheiden sich Blaser und seine Mitarbeiter für die Lösung, die ihrer Ansicht nach das Problem am besten löst. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sicheren, skalierbaren und Multiplattform-fähigen Standardprodukten mit offenen Schnittstellen.

Die Softwarepakete, die vom Zentralrechner auf die Server übertragen werden müssen, erreichen ein erhebliches Volumen. "Allein an die über 100 Server mit der höchsten Nutzungsfrequenz übermitteln wir in der Woche Programme mit einer Datenmenge zwischen 100 und 150 MB", rechnet Projektleiter Kritzer vor. Hinzu komme die Pflege der Oracle-Datenbanken, die auf einer Vielzahl von Rechnern installiert seien. "Die läßt das Volumen der übermittelten Software auf 400 bis 500 MB ansteigen." Erschwerend wirkt sich laut Blaser aus, daß die einzelnen Komponenten einer Anwendung heute bisweilen über unterschiedliche Server verteilt sind.

Mit Asdis/ACM wollen die System-Manager der UBS die Software für alle Applikations-Server zentral installieren, aktivieren sowie deinstallieren und deaktivieren. Das Tool erleichtert ihnen diese Aufgabe, indem es die Prozeßkette Konfigurieren-Verteilen-Installieren-Aktivieren automatisiert. Dank der mitgelieferten User-Exits und Schnittstellen konnte das Team von Reinhard Kritzer mit relativ wenig Entwicklungsaufwand hauseigene Systeme anschließen, beispielsweise die Konfigurationsdatenbank und den hochsicheren File-Transfer.

Nachdem über mehrere Wochen hinweg nach und nach alle Server von der alten auf die neue Lösung umgestellt worden waren, legte die UBS das Tivoli-basierte System im Juni dieses Jahres vollständig ad acta. Allerdings sind über Asdis derzeit nur die Solaris-Server erreichbar. Gegen Ende dieses Jahres sollen die HP-UX- und Windows-NT-Rechner folgen.

Die Kosten des Projekts lagen im übrigen nur unwesentlich höher als der Aufwand, den die UBS für die Portierung der Tivoli-Lösung hätte betreiben müssen. Blaser beziffert die Gesamtinvestition auf vier bis fünf Millionen Schweizer Franken, also ungefähr fünf bis sechs Millionen Mark. Die "pure" Umstellung auf ein neues Tivoli-Release wäre allenfalls um eine Million Franken billiger gewesen. In zwei Jahren will die UBS diese Ausgaben wieder hereingeholt haben - dadurch, daß sie auf 15 neue Mitarbeiter verzichten kann, die andernfalls hätten engagiert werden müssen.

Die Bank

Die UBS AG, Zürich, in ihrer heutigen Form entstand im Sommer 1998 durch einen Zusammenschluß der Schweizerischen Bankgesellschaft (international Union Bank of Switzerland genannt) mit dem Schweizer Bankverein, Basel. Die fusionierte Aktiengesellschaft beschäftigt 48000 Mitarbeiter; im Unternehmensbereich Privat- und Firmenkunden betreut sie rund 4,6 Millionen Anleger beziehungsweise Kreditnehmer. Dieses Geschäft ist für die UBS offenbar hochrentabel. Im vergangenen Jahr erzielte sie vor Steuern ein Ergebnis von mehr als vier Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet fünf Milliarden Mark.

Das System

Die informationstechnische Infrastruktur der UBS verteilt sich über die drei Rechenzentren Zürich, Basel und Lausanne sowie die Server-Farmen in Bern, Genf, Lugano, Olten und St. Gallen. Insgesamt sind darin 30 Hosts, 1000 Server-Maschinen sowie 40000 Clients einbezogen. Als Betriebssysteme kommen standardmäßig OS/390 (auf den Hosts), Sun Solaris, HP-UX (auf den Servern) und Windows NT (auf Servern und am Client) zum Einsatz. Derzeit gibt es jedoch noch eine Reihe von Systemen, die aus diesem Rahmen herausragen, beispielsweise Unisys-Hosts und Novell-Netware-Clients. Nach dem Jahrtausendwechsel will die UBS ihren IT-Bereich sowohl personell als auch bezüglich der Server-Farmen konsolidieren.