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09.03.1984 - 

Deutsche Unternehmen beginnen Kleinrechner nur in kleinen Schritten zu installieren:

DV-Manager blockiert Mikro-Einsatz im Fachbereich

MÜNCHEN - Während Mikrocomputerhersteller im US-Markt inzwischen auch in Großunternehmen beachtliche Installationserfolge feiern können, plagen sich hiesige Anbieter noch immer mit Absatzschwierigkeiten. Bei fehlenden Integrationskonzepten sowie mangelnden organisatorischen Strategien vollzieht sich der Einzug der Rechnerzwerge in Fachabteilungen derzeit nur schleppend. Nach Ansicht von Marktbeobachtern blockieren vor allem "zentralistisch" orientierte DV-Manager den Mikro-Durchbruch in der Host-Umgebung, da sie befürchten, ihren bisherigen Status einbüßen zu müssen.

Mit größeren Installationszahlen können hierzulande offensichtlich weder die IBM Produktvertrieb GmbH noch deren Mitbewerber im Gerangel uni das PC-Großkundengeschäft aufwerten. Wie Thomas Centner, Berater in Sachen Mikrocomputing bei der Diebold Deutschland GmbH in Frankfurt, versichert, gebe es in der Bundesrepublik kaum ein Unternehmen, das bereits mehr als 200 Kleinrechner im Einsatz habe. In einigen Unternehmen stünden zwar bereits zahlreiche Geräte, die aber in den seltensten Fällen von den DV-Verantwortlichen geordert worden seien.

Die von einigen Herstellern proklamierte Kopplung der Mikros mit dem Großrechner hält der Vertriebschef der Münchner Apple Computer GmbH, Udo Mäder, denn auch schlichtweg für Wunschdenken. Sämtliche Anwendungen, die ihm bekannt seien, gingen über Insellösungen nicht hinaus. Die angestrebte Integration von Mikros und Groß-DV bestehe häufig nicht einmal auf dem Papier. Mäder bestätigt indes, daß auch der größte Teil der von ihm vertriebenen Apple-Rechner von Fachbereichen, nicht jedoch von der Zentral-DV, geordert worden seien. Trotz bestehender Reglementierungen, so der Münchner Vertriebsleiter, "mogelten" die Fachabteilungen ihre Bestellungen nach wie vor an der DV-Abteilung vorbei.

Geradezu drastisch schilderte kürzlich der amerikanische Branchenguru Dr. Herbert Grosch die Auswüchse des Mikrocomputereinsatzes: "Ich sehe die Personal Computer als eine Seuche, vergleichbar der Geschlechtskrankheit Herpes." Der Anwender wolle heute seinen eigenen Computer benutzen und nicht mehr "über den Korridor" zum Rechenzentrum gehen, wo er sich der Disziplin der DV-Profis unterwerfen müsse. Daß sich die häufig noch in der konventionellen Denkweise einer "zentralistischen" Datenverarbeitung verhafteten DV-Verantwortlichen mit solchen Problemen derzeit schwer tun, meint auch Professor Manfred Bues, Leiter des Lehrstuhls für Informatik an der Fachhochschule Furtwangen. Obwohl sich ein Großteil der Datenverarbeiter mittlerweile klar darüber sei, daß eine wirtschaftlich sinnvolle Informationsverarbeitung mittelfristig nur durch den Mikrocomputereinsatz zu realisieren ist, gebe es dennoch viele DV-Leiter, die dieser Entwicklung bremsend entgegenwirkten.

So euphorisch wie die PC-Anbieter, die die Mikros bereits an jedem Arbeitsplatz sehen, betrachtet Bues die Verwendbarkeit der Kleinrechner freilich nicht. Der Einsatz solcher Systeme auf breiter Ebene sei in absehbarer Zukunft kaum denkbar. Lediglich hochqualifizierte Sachbearbeiter kämen für eine sinnvolle Mikrocomputer-Anwendung in Frage.

Mikro-Einsatz zieht an

Die gleiche Ansicht vertritt auch der DV-Chef der Thyssengas AG in Duisburg, Lutz Ockert: "Zum heutigen Zeitpunkt ist der 'normale' Sachbearbeiter noch mit einer intelligenten Datenstation überfordert." Ein "Buchhalter alter Schule" käme gar nicht auf die Idee, einen Mikro für sein Arbeitsfeld anzufordern, geschweige denn, diesen selbst zu programmieren. Die heutigen PC-Anwender in den Fachbereichen seien vor allem jüngere Leute mit einem gehobenen Ausbildungsstandard.

Ockert, der in einem vom Bundesverband Vertriebsunternehmen Büro Informations- und Kommunikationstechnik e.V. (BVB) initiierten Arbeitskreis unter der Leitung von Professor Bues zusammen mit anderen DV-Verantwortlichen am Thema "Einsatz von Mikrocomputern in Großunternehmen" strickt, beginnt in diesem Jahr nach eigenen Worten mit der systematischen Einführung der Kleinrechner in den Fachbereichen. Doch auch die Thyssen-Datenverarbeiter planen ihren Mikroeinsatz zunächst nur in kleinen Stufen.

Mit der gleichen Zurückhaltung geht auch eines der größten deutschen Unternehmen, die Daimler-Benz AG in Stuttgart, die Einführung von Kleinrechnern in den Fachabteilungen an. "Wir machen derzeit noch eine etwas gedämpfte Politik", bestätigt DV/Org.-Chef Dr. Henning Schiller, "wobei wir einen Mikro-Dschungel unter Hardwareaspekten nach Möglichkeit vermeiden wollen." Es gebe zwar "spürbare" Anforderungen seitens einiger Bereiche, aber ein massiver Druck sei noch nicht vorhanden.

Kein massiver Druck

Der Stuttgarter Automobilkonzern beabsichtige, in diesem Jahr dennoch kleinere Mengen von Mikrocomputern zu installieren. Erklärt Schiller: "Es wird jetzt ein Prozeß in Gang gesetzt, der noch in 1984 greifen und sich erheblich schneller vollziehen wird als in der Vergangenheit - aber nicht im Sinne einer Explosion." Weder in diesem noch im nächsten Jahr werde Daimler-Benz allerdings beginnen, das ganze Unternehmen mit Mikros zu bestücken. Dazu fehle, so Schiller, wie in allen anderen Konzernen eine breitangelegte Anwendungskonzeption.

Marktbeobachter wollen wissen, daß auch andere Unternehmen jetzt mit einem "Step-by-Step"-Konzept den Einsatz von Mikros in den Fachabteilungen vorantreiben wollen.

Einsatz nur schrittweise

Dabei sei jedoch eine überaus vorsichtige und zaghafte Vorgehensweise zu beobachten. Thyssen-DV-Chef Ockert sieht in diesem Zögern ein Indiz dafür, daß die meisten DV-Manager durch den Konzeptionshickhack verunsichert seien und nach wie vor Angst hätten, Mikros in größeren Stückzahlen einzusetzen. Die für die nahe Zukunft geplanten Installationen hätten für die DV-Verantwortlichen häufig nur Alibi-Charakter.