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PC WOCHE-Studie: Windows in der Praxis


18.09.1992 - 

DV-Manager sehen derzeit kaum Windows-Alternativen

Dieser Artikel ist der PC WOCHE Nr. 27/92 entnommen.

MÜNCHEN - 1992, das Jahr der Entscheidung zwischen Windows oder OS/2 - so hätten es die ehemaligen Verbündeten und jetzigen Erzrivalen IBM und Microsoft gerne. PC WOCHE, eine Schwesterpublikation* der COMPUTERWOCHE, hat in einer umfassenden Studie ermittelt, wie die wahren Entscheider über PC-Betriebssysteme denken.

DOS, Windows unter DOS, OS/2 oder gar Unix: Für den professionellen Anwender bietet sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten an, wenn es um die Wahl des optimalen Betriebssystems geht. Zusätzlich gibt es ja - zumindest für bestimmte Aufgabenbereiche - die Alternative Macintosh mit seinem eigenen Betriebssystem.

Im Brennpunkt steht allerdings im Augenblick die Frage, wie sich DV-Entscheider angesichts der Querelen und Marketingschlachten um das kommende Standard-Betriebssystem - DOS mit Windows einerseits und OS/2 andererseits - verhalten.

In einem Telefoninterview, das durchschnittlich über 20 Minuten dauerte, standen 248 DV-Entscheider im Rahmen einer Stichprobe aus der Grundgesamtheit mittlerer und großer Unternehmen der PC WOCHE.

Rede und Antwort zum Thema: Windows in der Praxis. Sie zählen genau 24 889 PCs in ihrem Verantwortungsbereich, das entspricht 100 PCs pro Betriebsstätte. Weniger als ein Drittel (29,2 Prozent) ist in PC-LANs eingebunden. Bei dieser geringen Vernetzungsrate ist zu beachten, daß viele Großrechnerorientierte DV-Manager die Einbindung des PC in die Mainframe-Welt via Terminalemulation als ausreichende Vernetzung betrachten.

In dieser Befragung wird Windows - obwohl es DOS auf dem Rechner benötigt - als eigenes Betriebssystem angesprochen und von den reinen DOS-Arbeitsplätzen unterschieden. Wenn man die Windows-Maschinen zum DOS-Anteil hinzuzählt, führt das Standard-PC-Betriebssystem auf 93 Prozent aller eingesetzten PCs Regie. OS/2 rangiert mit einem verschwindend kleinen Anteil von 2,8 Prozent noch hinter Unix.

Der Mac wird in Mittelstand und Großunternehmen offensichtlich nur als geeignete Lösung für Spezialabteilungen mit DTP- und Grafikaufgaben gesehen. Bis Mitte 1993 ist laut Aussagen der Befragten mit einer Verdoppelung des OS/2-Anteils auf 6 Prozent zu rechnen, Windows legt um 11,2 Prozent zu. Auch Unix kann sich verbessern, lediglich der Mac wird noch weiter in seine Nische zurückgedrängt.

Wenn man konservativ hochrechnet, werden dann rund 85 000 OS/2-Rechner bei Deutschlands Mittelstands- und Großunternehmen im Einsatz sein. Dies dürfte allerdings die Erwartungen von IBM nicht ganz erfüllen. Auch IDC Deutschland geht von einem höheren Anteil aus.

Rund zwei Drittel der Unternehmen setzen Windows auf PCs ein. Fragt man Entscheider aus den restlichen Betrieben nach den Gründen, die gegen Windows sprechen, rangiert an erster Stelle die grundsätzliche Aussage, daß man Windows schlicht und einfach nicht brauche.

Der Grund hierfür liegt zumeist in Anwendungen, die nicht Windows-geeignet sind, oder unter Windows keine Vorteile bringen. Strategische Entscheidungen für OS/2 spielen eine untergeordnete Rolle. Gerade 15 Prozent halten dies für einen triftigen Grund, der gegen Windows spricht. Unix als strategische Alternative gibt immerhin ein Viertel der "Windows-Ignoranten" an. Technische Mängel, wie Instabilität oder geringe Netzwerktauglichkeit, werden Windows übrigens kaum unterstellt.

Welche Argumente sprechen nun nach Ansicht der DV-Manager für den Einsatz der DOS-Erweiterung? An erster Stelle steht eine erhoffte Steigerung der Produktivität bei den Anwendern. Über 80 Prozent sind dieser Meinung. Auch verminderter Schulungsaufwand und Anwenderwünsche spielen eine gewichtige Rolle. Interessant ist hier, wie die strategische Bedeutung von Windows eingeschätzt wird: Über 60 Prozent des DV-Managements glaubt, daß demnächst an Windows kein Weg vorbeifuhrt.

Die praktischen Erfahrungen mit Windows bleiben allerdings - in manchen Bereichen sogar bedenklich - hinter den Erwartungen zurück. So sind bei über der Hälfte aller Betriebe erhebliche Investitionen in Hard- und Software vonnöten. Auch die Aufwendungen für User-Support und Netzadministration steigen an, bereut haben den Umstieg dennoch drei Viertel der Interviewten nicht. Der "typische" Windows-Rechner ist ein 386DX mit 25 MHz Taktfrequenz und 4 MB Arbeitsspeicher, nicht aber der erfolgreiche 386SX, wie man aufgrund der Verkaufszahlen meinen könnte. Dennoch melden die Anwender als dringendsten Änderungswunsch "schnellere Rechner" an. Die meisten Windows-Benutzer sitzen vor 14-Zoll-Color-Displays, die mit Standard-VGA auflösen und sind damit im wesentlichen auch zufrieden. Ein Indiz dafür, daß ein tragendes Element der Windows-Philosophie - mehrere Anwendungen parallel in Fenstern zu halten hier überhaupt nicht genutzt wird. Größere Festplatten, bessere Arbeitsplatzdrucker sind weitere Eintragungen in der Anwender-Wunschliste. Die Favoriten bei der Windows-Software sind, wie nicht anders zu erwarten, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Erstaunlich ist, daß Projektmanagement mit 13 Prozent der Nennungen einen relativ hohen Anteil hält. Ein trauriges Kapitel bei den Applikationen ist die Nutzung der angebotenen Makros. Nicht einmal ein Zehntel der Befragten gibt an, daß Makros häufig genutzt werden e 15 Prozent setzen diese Art der Applikationsprogrammierung überhaupt nicht ein. Wenn man bedenkt, daß Makros hervorragende und kostengünstige Möglichkeiten bieten, um Windows-Software auf einfachem Weg an die individuellen Aufgaben anzupassen und Routine-Arbeiten zu automatisieren, bestehen hier durchaus gute Möglichkeiten, die Effizienz der Anwender weiter zu steigern. Sieben Prozent der Unternehmen beschäftigen übrigens spezielle Programmierer für Applikationsmakros. Diese haben offensichtlich erkannt, welches Potential hinter den Befehlsinterpretern steckt.

Knapp die Hälfte der Betriebe setzt Individualanwendungen ein, wobei 50 Prozent von eigenen Entwicklern geschrieben werden und 17 Prozent als Auftragsprogrammierung an Systemhäuser gehen. Nicht gesichert ist, daß sich diese Zahlen ausschließlich auf Windows-Applikationen beziehen. Es ist vielmehr zu vermuten, daß verschiedene der Befragten nicht zwischen Windows- und Nicht-Windows-Programmen differenziert haben. Windows mit seinen - wenn auch eingeschränkten - Multitaskingfähigkeiten und seinen guten Datenaustauschmöglichkeiten zwischen einzelnen Programmen bringt viele Voraussetzungen für praxisgerechte Kommunikation mit anderen Anwendern und deren Systemen in heterogenen Umgebungen mit. Über die Hälfte der Unternehmen nutzt Windows als Plattform für Hostkommunikation. Den Löwenanteil nehmen dabei Terminalemulationen zu IBM-Mainframes ein. Funktional am meisten genutzt wird der Filetransfer vom und zum Host. Kommunikation mit Großrechner-Bürokommunikationssystemen wie beispielsweise Profs oder auch Officevision spielen eine untergeordnete Rolle.

Natürlich wurde auch nach Problemen und Betriebsstörungen im Zusammenhang mit Windows gefragt. Während sich bei DOS-Programmen, die unter Windows in der DOS-Shell betrieben werden, kaum Differenzierungen ergeben - die Komplikationshäufigkeit entspricht im wesentlichen dem Verbreitungsgrad der einzelnen Produkte - konnten bei den Betriebsstörungen exaktere Problemquellen ausgemacht werden.

Die meisten Schwierigkeiten traten in Zusammenhang mit Gerätetreibern auf, die angeschlossene Hardware nicht ordnungsgemäß in die Windows-Umgebung einbinden. Nicht nachvollziehbare Systemabstürze - der berühmte "Nichtbehebbare Fehler im Anwendungsprogramm" beeinträchtigen zwar nach wie vor die Arbeit, nehmen aber nicht den Raum ein, den man vermuten könnte. Dies wird sich mit der Einführung von Windows 3.1 noch weiter bessern. Erstaunlich ist, daß die DV-Leiter in vielen Fällen ihren Anwendern die Schuld an Betriebsstörungen unter Windows zuweisen. Vielleicht sollte doch etwas mehr Aufwand in die Mitarbeiterschulung gesteckt werden.