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29.06.1990

DV-Markt DDR: Nutzer, quo vadis?

Keine westliche DV-Firma, so hatte man bis vor Kurzem den Eindruck, die sich nicht interessiert gezeigt hätte an der Kooperation mit einem Datenverarbeitungspartner in der DDR. Mit einer PR-Offensive versuchten IBM, Siemens & Co" als selbstlose Helfer beim Aufbau marktorientierter DV-Servicestrukturen in der DDR zu erscheinen. Zwar hat sich auf beiden Seiten eine gewisse Ernüchterung eingestellt, aber nach wie vor steht der "DV-Markt DDR" als Strategie- und Lernthema bei hiesigen Vertriebsleuten hoch im Kurs. Was die Computerhersteller wirklich wollen, ist klar, nämlich Boxen verkaufen - was auf der Wunschliste der DV-Anwender in der DDR steht, darüber gibt es nicht einmal Vermutungen.

Bei Verhandlungen Über West-Ost-Kooperationen auf dem Gebiet der Informationstechnik spielen die Anwenderbedürfnisse in der Tat keine Rolle. Noch müssen bundesdeutsche Manager nicht mit Widerständen aus der Ecke "Nachfrage und Benutzerakzeptanz" rechnen. Der zukünftige Markt scheint unbegrenzt. Es gibt freilich Anhaltspunkte dafür, daß dem Wachstum - zumindest in der Anlaufphase - natürliche (und unnatürliche) Grenzen gesetzt sind.

Zunächst dies: Wer soll das bezahlen? Diese Klage werden sich westliche Anbieter immer wieder anhören müssen. Das betrifft nicht nur die Hardware. Erfahrungen mit Softwarelizenzen - wie das ins Geld gehen kann - fehlen in DDR-Betriebe gänzlich. Aber Geld für DV-Investitionen ist ohnehin nicht vorhanden. Ein viel wichtigerer Punkt: Systemtechnisch sind die großen Rechenzentren in der DDR auf die IBM-Mainline festgelegt. Die Produkte der ESER-Reihe, in den sechziger Jahren entwickelt, sind Nachbauten der 360-Architektur.

Die Konsequenzen sind klar: Über Gebrauchtcomputer - wenn möglich zum Nulltarif - werden sich die Datenverarbeitungszentren in der DDR an den weltweit geltenden IBM-370-Standard herantasten. Das wird seine Zeit brauchen. Derweil ist der Wettbewerb für Unix und dergleichen blockiert. Das ist hierzulande übrigens nicht anders. Mit DV-Markt im eigentlichen Sinne (Stichwort: Hersteller-Unabhängigkeit) hat das freilich - hüben wie drüben - nichts zu tun.