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21.06.1985 - 

Im Gegensatz zu Amerika fehlt noch die rechte Infrastruktur:

DV-Mekka unter weiß-blauem Technologiehimmel

MÜNCHEN (vwd) - Eine innovative Branche und ein konservatives Bundesland-Gegensätze, die sich anziehen. Bayern ist inzwischen über seine Grenzen hinaus als Zentrum der Mikroelektronik-Industrie in Deutschland bekannt. Kaum ein bedeutendes Unternehmen des In- und Auslandes, das nicht eine Tochter, mindestens aber eine Niederlassung im Freistaat unterhält.

Daneben gibt es eine ungezählte Reihe kleiner und mittelgroßer "Spezialisten", die nicht nur von den Brosamen der Großen leben. Der Münchener Raum, so heißt es, versammelt 40 Prozent alle in der Bundesrepublik angesiedelten Unternehmen dieser Branche auf sich. Und bei aller Skepsis gegenüber allem, was "ausländisch" ist, wird der Vergleich mit dem "Silicon Valley" Europas in diesem Fall eher wohlwollend aufgenommen.

Die Standortvorteile Bayerns und speziell des Münchner Raums liegen auf der Hand: hoher Freizeitwert, der einen immer größeren Stellenwert bei der Arbeitsplatzsuche einnimmt, Nähe zu den Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie zu den Abnehmerindustrien, großes Arbeitskräftepotential durch die Konzentration im Elektronikbereich, fahrender Messeplatz für einschlägige Fachmessen wie "Systems" und "Electronica".

Das bayerische Wirtschaftsministerium hebt daneben noch das günstige Klima für Venture-Capital hervor, das kleinen Unternehmen mit profunden Kenntnissen in wachstumsträchtigen Märkten- und zu diesen zählt die Mikroelektronik Wachstumschancen bietet. Es kommt daher nicht von ungefähr, daß ausgerechnet Siemens vor knapp zwei Jahren mit seiner 25prozentigen Beteiligung an der Finanzierungsgesellschaft Techno Venture Management (TVM) als erstes Industrieunternehmen den Schritt in das Risikokapitalgeschäft wagte.

Doch ganz so rosig sind die Aussichten für Newcomer nicht, und der Vergleich mit dem kalifornischen Silicon Valley hinkt, sagen Stimmen, die aus eigener Erfahrung sprechen.

Die regionale Ansammlung mikroelektronischer Unternehmen reicht nicht aus: Der Markt ist wichtig und die Möglichkeit, sich auf diesem zu bewegen, meint Softlab -Geschäftsführer Klaus Neugebauer, der auf 14 bewegte Firmengeschichte zurückschaut.

"In Deutschland fehlt noch die Infrastruktur"

Amerikanische Verhältnisse werden in der Bundesrepublik noch lange nicht an der Tagesordnung sein. "In Deutschland fehlt einfach noch die Infrastruktur"; gemeint ist der gesetzliche Rahmen mit den für die Entwicklung der kleinen Unternehmen notwendigen Erleichterungen, ebenso die Börsenzulassungsverfahren, die in ihrer jetzigen Form den Zugang dieser Unternehmen zur Börse erschweren.

Es fehlt aber auch an "intelligentem" Kapital - an Gesellschaften, die nicht nur Finanzmittel zur Verfügung stellen, sondern die auch das Wachstum und die Entwicklung des damit geförderten Unternehmens unterstützen. Beispiel "Silicon Valley", wo sich über 250 hochqualifizierte Berater der "Kleinen" annehmen. An Venture-Capital selbst mangelt es in Deutschland nicht, eher gibt es zuwenig gute Investitionsmöglichkeiten, so Neugebauer. Seine Kritik richtet sich auch gegen die öffentliche Hand, die durch die Auftragserteilung an große Unternehmen nicht gerade mit gutem Beispiel vorangeht.

Die "umweltfreundliche" Mikroelektronik ist durchaus eine Branche, die von den Stadt- und Landesvätern wohlwollend betrachtet wird, sichert sie doch durch ihr Wachstumspotential künftige Einnahmen. Also mehr Unternehmen nach Bayern durch mehr Förderung? Ministerialrat Klaus Bauer, im Wirtschaftsministerium für das Referat Industrieansiedlung zuständig, ist da anderer Meinung: München ist so attraktiv und so dynamisch, daß Ansiedlungsbeihilfen durch die Stadt in Form von Gewerbegelände nicht notwendig sind. Förderungen gibt es nur da, wo der Einsatz von Regionalmitteln, wie im Zonenrandgebiet, möglich ist.

Ralph Deja, Geschäftsführer der ebenfalls in München ansässigen Apple Deutschland GmbH, bringt es auf einen Nenner: Das industrielle und gewerbliche Environment in München stimmt. Die Elektronik ist eben eine Branche, die sich in der Umgebung von Schornsteinen nicht wohl fühlt." Seine Geschäftspartner aus den USA sind da nicht ganz seiner Meinung: Warum München, wo es noch nicht einmal eine direkte Fluglinie nach San Franzisko gibt? Der neue Flugplatzbau in Erding wird dieses Problem lösen-allerdings erst in fünf Jahren.