Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.11.1978 - 

Preiswerte Mikros machen's möglich:

DV mit neuen Chancen im schulischen Bereich

MÜNCHEN - DV-Anlagen werden in zunehmendem Maß von Schulen eingesetzt. Bei einer einigermaßen sinnvollen Ausstattung kosten diese Schulsysteme Jedoch zwischen 50 000 und 100 000 Mark. Einzelne Schulen haben auch Systeme angeschafft, die weit über diesen Betrag hinausreichen. Kleinere Schulen gingen meist leer aus, weil derartige Beträge ein entscheidendes Loch in den Etat der Kulturministerien oder der Schulträger reißen. Der Entscheidungsprozeß, der zum Kauf eines bestimmten Systems führt, ist ausgesprochen schwierig und häufig vom Entgegenkommen des betreffenden Herstellers geprägt. So stehen in den Schulen Deutschlands eigentlich alle Systeme in der Preisklasse zwischen 50 000 und 500 000 Mark, es wird mit den verschiedensten Programmiersprachen experimentiert, und noch ist ein Ende der Versuchsphase nicht abzusehen.

Mikrocomputer PET - auch für Privatleute konzipiert

In diesem Jahr kam nun mit PET der erste Mikrocomputer auf den deutschen Markt, der sowohl Privat- als auch Schulleuten preiswerte DV-Möglichkeiten bietet. Er verfügt in der Grundausstattung über eine Speicherkapazität von 8000 Zeichen (8 K). Hinzu kommen 4 K für die Steuerung und die Programmiersprache. Weiterhin verfügt er über einen Bildschirm mit Tastatur sowie über eine Kassettenstation zur Speicherung der Programme und Daten. Besonders vorteilhaft sind die kompakte Bauweise des Systems, die einfache Bedienung und die geringe Anfälligkeit für Erschütterungen und damit Widerstandskraft gegen einen Ausfall der Systeme.

Aber auch die Wartung ist so einfach, daß ein Fernsehhändler mit einer Minimalausrüstung das System reparieren kann. Von weiterem Vorteil ist - das gilt jedoch auch für andere Systeme -, daß eine große Anzahl von peripheren Geräten angeschlossen werden kann. So kann der Mikrocomputer beispielsweise mit Platteneinheiten, Drucker, weiteren Kassettenrecordern, optischen, karten- oder beleglesenden, zeichnenden oder musikerzeugenden Geräten ergänzt werden.

TRS 80 arbeitet langsamer als PET

Kurz nach Erscheinen des PET-Computers kam noch ein zweites System auf den Markt, das auch in Deutschland bereits angeboten wird. Es handelt sich dabei um den TRS 80 von Radio Shack, der in der Ausbaustufe von 16 K (16 000 Speicherplätze) 2983 Mark kostet. Auch dieser Mikrocomputer benutzt ein Fernsehgerät als Bildschirm sowie einen Kassettenrecorder als Programm- und Datenspeicher.

Ein Vergleich zwischen den beiden Systemen zeigt jedoch, das TRS 80 etwas langsamer arbeitet und daß die Sprache (Basic) weniger leistungsfähig ist. Die Tastatur ist dagegen dem PET gegenüber handlicher. Beim TRS 80 wiederum müssen zusätzliche Geräte einzeln miteinander verbunden werden, so daß im Schuleinsatz die Gefahr besteht, daß beim Transport des Systems einzelne Teile herunterfallen und dabei beschädigt werden. In den USA gibt es weitere zum Teil extrem preisgünstige Systeme für etwa 300 Dollar, aber auch solche, die bis zu 4000 Dollar kosten. Sie sind damit zwar für den Privatmann kaum noch erschwinglich, dennoch liegen sie weit unter den bisherigen Preisen für Minicomputer. Der "Intercolor" beispielsweise verfügt über 16 K Speicherkapazität. Er ist an einen Farbfernseher angeschlossen und kann somit auch farbige Zeichnungen erstellen, ist in der Lage zu plotten, hat eine Reihe von angeschlossenen Geräten im Angebot und eine sehr weit fortgeschrittene Version von Basic.

US-Schulen setzen Mikrocomputer ein

In den USA haben Mikrocomputer bereits Einzug gehalten. Dadurch ist es jetzt nicht mehr notwendig, das dort stark geförderte Timesharing-System für Schulen zu benutzen. Auch der Zugriff zu großen Datenbeständen wurde durch Minicomputer gelöst, die beim Anschluß von kleinen Platten einen Zugriff zu mehr als 200 000 Zeichen ermöglichen.

In der Bundesrepublik ist dieser Schritt zu kostspieligen Timesharing-Systemen erst gar nicht ausgeführt worden. Hier widmete man sich mehr den kleineren Systemen.

Denn die Leistung heutiger Mikrocomputer ist mit den Leistungen großer DV-Anlagen von vor fünf bis zehn Jahren vergleichbar.

Vielleicht sollte die Schulverwaltung nicht gleich mit einem Mikrocomputer für 2900 Mark durchgeführt werden - abgesehen davon, daß der Drucker weitere 2000 Mark kostet. Vielmehr sollte den Schülern mit diesen Geräten erst einmal die Chance gegeben werden, in kleinen Gruppen an einem System zu arbeiten. Für 30 000 Mark kann zum Beispiel eine Klasse mit sieben Mikrocomputern, zwei Druckern, einer Plattenstation und zwei zusätzlichen Kassettengeräten ausgestattet werden.

Basic reicht für Schulen aus

In den vergangenen Jahren wurden Elan und Pascal als neue Schulsprachen vorgestellt. Diese wurden jedoch von Fachleuten abgewickelt, die vor allem den mathematischen Bereich der Gymnasien im Auge hatten. Die gesamte Literatur, die sich mit diesen beiden Sprachen beschäftigt, zeigt Beispiele aus dem mathematischen Bereich. Kommerzielle Probleme, die für Wirtschaftsschulen wichtig sind, werden fast nicht erwähnt. Es ist sicher verständlich, daß eine Schulsprache die modernen Programmiermethoden sowie algorithmische Abstraktionen und Datenabstraktionen unterstützt.

Unverständlich jedoch, daß diese Sprachen auch den Schulen aufgedrängt werden, die in erster Linie einen praxisorientierten Unterricht durchführen wollen und sollen. Für diese Schulen reicht eine Sprache wie Basic vollständig aus, zumal sich jetzt auch die kleinsten Schulen einen Mikrocomputer leisten können. Wenn ein Schüler ein Problem nicht analysieren und auf ein EDV-System übertragen kann, dann versteht er auch nicht die top-down- oder bottom-up-Methode, die beispielsweise mit Elan durchgeführt werden kann. Im normalen Unterricht wären Lehrer und Schüler überfordert, wenn sie eine Sprache lernen sollten, zu der es weder umfangreiche Literatur noch genügend Programme gibt. Außerdem beherrschen nicht genügend Lehrer diese Sprache. Was für einen Schultyp (Gymnasium) ein echter Fortschritt ist, kann für den anderen ein Hemmschuh sein.

*Klaus Jamin ist Professor der Fachhochschule München