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12.06.1981 - 

Japan und USA für europäische Computer-lndustrie keine Vorbilder:

DV-Nationalismus bringt nur Scheinerfolge

PARIS (CW) - Bequemlichkeit und konservierendes Denken seien mit dafür verantwortlich, daß Europa gegenüber Japan und den USA auf einigen Gebieten der Informationsverarbeitung im Rückstand sei, meint Etienne Davignon, Vizepräsident der EG-Kommission. Nationale Verwaltungen bewahrten für ihre Industrien kleine Teilmärkte, anstatt sich der anfänglichen Ungewißheit über den Anteil einzelner Länder auf einem größeren Markt zu stellen, lautet seine Kritik am gegenwärtigen Zustand.

Als "strategischen Markt" betrachtet Davignon die Datenverarbeitung und Büroautomation. Als "gut bezahlter Beobachter", wie er sich in seiner Sicob-Eröffnungsrede selbst bezeichnete (siehe CW 22/81), befürworte er eine enge Kooperation zwischen Industrie, staatlichen Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen auf gesamteuropäischer Basis.

Eine sofort zu ergreifende Maßnahme sieht Davignon darin, daß Risiken, die bei der Einführung neuer Technologien dem privaten Benutzer nicht mehr zugemutet werden können, von öffentlichen Stellen übernommen werden. Mit dazu gehöre auch die Initiierung neuer Entwicklungsprojekte.

Zudem müsse man eine industrielle Basis schaffen, die den europäischen Anforderungen entspreche, und Produkte entwickeln, die weltweiten Anforderungen genügen. "Wir wollen nicht denen hinterherlaufen, die das Rad schon mal erfunden haben", meint Davignon.

Es sei sicher, daß die Europäer Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Mikroelektronik bekommen. Die Ausrichtung nationaler Entwicklungspläne und die Stimulierung der Zusam- menarbeit auf dem Gebiet der Forschung und EntwickIung seien notwendig, um den internationalen Anschluß wiederzugewinnen.

Es werde allerdings eine Phase der Improvisation eintreten.

Die Amerikaner hätten enorme Unterstützung durch das Verteidigungsministerium und auch die Japaner haben ihre Strategie definiert. "Unsere Überraschung beim Betrachten der japanischen Industrie basiert darauf, daß in Europa nicht gelesen wurde, was die Japaner über ihre zukünftigen Aktivitäten gesagt haben und nun tatsächlich in die Tat umsetzen", kritisierte Davignon.

Schwierigkeiten erwartet der EG-Vize auch auf dem Sektor der Telekommunikation, da die Europäer es sträflich vernachlässigt hätten, die Normung und Vereinheitlichung der integrierten Netzsysteme voranzutreiben.

Es sei erforderlich, zwar die Netze durch öffentliche Institutionen bereitzustellen, aber Endgeräte nicht mehr von offiziellen Zulassungen abhängig zu machen.