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05.09.1980

DV-Notstromaggregat nur Iahmendes Paradepferd?

"Wenn Stromausfall nicht gleichbedeutend ist mit fehlender Auskunftsbereitschaft an Dritte, Produktionsstillstand oder Auslieferungsstop," so Herbert Schuster von der Rechenzentrum Buchhandel GmbH, "kann auf die sowohl finanziell als auch baulich aufwendige Installation eines Notstromaggregates verzichtet werden." Schuster entschied sich wie auch Hans-Heinrich Huyer von der Kaufhalle GmbH, Köln, gegen eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Das Kaufhallen-RZ hatte bisher einen Stromausfall von nur 0,6mal pro Jahr. Nach Gegenüberstellung des wahrscheinlichen Aufwands einschließlich aller Neben- und Folgekosten gegen ein bewertetes Risiko, gab Huyer daraufhin den Anbietern der Notstromaggregate "höflich einen Korb". Alfred Christl, Org-Leiter der Hebel Gasbetonwerk GmbH, Emmering, resümiert: "Kritiker sind schnell zur Stelle, wenn Investitionen getätigt werden, die später nicht zum Einsatz kommen." ha

Herbert Schuster

Geschäftsführer, Rechenzentrum Buchhandel GmbH, Frankfurt

Um es vorwegzunehmen, aus unserer Sicht lohnt sich der Aufwand für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung nicht.

Wir betreiben seit 1974 ein branchenspezifisches Rechenzentrum und verwalten umfangreiche Datenbänke, so zum Beispiel rund 30 000 Titel für das "Verzeichnis lieferbarer Bücher, zirka 200 000 Adressen für das "Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel" und für die Direktwerbung. Wir betreuen weiterhin die Daten für das "Internationale Kunstadressbuch", die Liste "Pharmindex" und auch die Ausstellerdaten für einige Frankfurter Messen. Alle Daten werden von den Kunden Online verwaltet und zu bestimmten Terminen für den Lichtsatz aufbereitet, um Kataloge und Verzeichnisse herzustellen.

Außerdem werden 14tägig Abrechnungen zwischen Verlagen und Buchhändlern durchgeführt, Zeitschriften fakturiert und für den Postzeitungsdienst die Unterlagen bereitgestellt.

Hinzu kommen noch eine Reihe von anderen Dienstleistungen, die teils täglich, wöchentlich, 14tägig, monatlich oder sogar nur jährlich durchgeführt werden.

Alle diese Arbeiten erfordern selbstverständlich eine exakte Terminierung, die mit den Kunden abgestimmt werden muß, wobei sich gerade hier ein Service-RZ genau an diese Termine halten sollte. Dies bedeutet natürlich, daß man bei der Planung eine gewisse zeitliche Toleranz berücksichtigen muß. Weiterhin bedeutet dies, daß die Programme so aufgebaut sein müssen, daß bestimmte Check-points vorhanden sind, um nach einer Unterbrechung mit wenig Zeitaufwand wieder aufsetzen zu können. Besonders wichtig bei Online-Programmen ist ein schnelles und fehlerfreies Re-Start-Verfahren.

Die Erfahrung in unserem RZ hat gezeigt, daß man mit etwa ein bis zwei Stromausfällen im Jahr rechnen muß - verursacht vom Stromlieferanten (Dauer der Ausfälle bisher maximal 10 Minuten). Viel häufiger jedoch sind Ausfälle durch den Zusammenbruch von Leitungen, Modems oder Steuereinheiten. Auch, daß in der Zentraleinheit ein Power-Supply defekt wird, kann vorkommen - der Effekt ist der gleiche wie bei einem Stromausfall.

In beiden Fällen hilft keine unterbrechungsfreie Stromversorgung.

Fazit: Wenn Stromausfall nicht gleichbedeutend ist mit Produktionsstillstand, fehlender Auskunftsbereitschaft an Dritte, Auslieferungsstops oder ähnliches, kann ruhigen Gewissens auf die noch finanziell wie auch in baulicher Hinsicht aufwendige unterbrechungsfreie Stromversorgung verzichtet werden.

Aber vielleicht ist dies in Zukunft nur noch eine reine Preisfrage? Die Hersteller dieser UVS-Anlagen werden nicht umhin können, den Preistrend der EDV-Anlagen-Hersteller nachzuvollziehen, um ihrerseits besser ins Geschäft zu kommen.

Alfred Christi

Leiter der Organisation, Hebel Gasbetonwerk GmbH, Emmering (IBM 3-12, IBM/34)

Der Betrieb einer DV-Anlage setzt den Anschluß an die Stromversorgung voraus. Bereits Toleranzüberschreitungen von wenigen Millisekunden gefährden den ordnungsgemäßen Ablauf. Bei der Installation einer EDV-Anlage ist deshalb darauf zu achten, daß hierfür eine eigene Steigleitung vorgesehen ist. An diese Leitung dürfen nur Anlagen und Geräte des DV-Systems angeschlossen werden.

Ergeben Netzuntersuchungen, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden sollen, daß nicht tolerierbare Störungen auftreten und man eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (UVS) benötigt, dann muß durch einen zusätzlichen Energiespeicher diese UVS herbeigeführt werden. UVS-Anlagen liefern auch dann genügend Strom bei konstanter Spannung und Frequenz, wenn größere Schwankungen der Netzspannung auftreten. Je nach Dauer der Störungen, die über einen längeren Zeitraum registriert werden, muß dann die entsprechende Anlage ausgewählt und installiert werden. Dies ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung könnte der erste Schritt für die Installation eines Notstromaggregates sein.

Hat man dagegen ein relativ sicheres Stromversorgungsnetz, so müssen folgende Maßnahmen eingehalten werden:

- Wartung des Stromnetzes

- Wartung der Kabelschächte

- Wartung der Verkabelungen.

Die Datensicherung spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. Der Re-Start kann bei gut organisierten Operatoranweisungen problemlos erfolgen. Eintragungen in das Logbuch sollten aber nicht fehlen und später durch den Verursachergrund ergänzt werden. Weitere Maßnahmen sollten dem Alarmplan entnommen werden können.

Fazit: Jeder Betrieb muß für sich von Zeit zu Zeit und von Fall zu Fall überprüfen, ob er die Anschaffung eines Notstromaggregates befürwortet, denn Kritiker sind schnell zu Stelle, wenn Investitionen getätigt werden, die nicht zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß andere Kommunikationsgeräte sehr wohl mit einem Notstromaggregat versorgt sein sollten. Man denke hier nur an die Telefonzentrale sowie an Arbeitszeit- und Betriebsdatenerfassungsgeräte.

Hans-Heinrich Huyer

Leiter des Rechenzentrums Kaufhalle GmbH, Köln (He 6660, GCOS; IBM 370/125, DOS/VS)

Wir sind ein Unternehmen des Einzelhandels mit 108 Filialen im Bundesgebiet. Von den zentralen EDV-Anlagen in Köln wird unter anderem die Warenversorgung des Gesamtunternehmens gesteuert.

Wir haben kein Notstromaggregat: Nicht aus Sorglosigkeit oder gar aus Fahrlässigkeit, sondern weil dieser Investitionsüberlegung eine nüchterne Wirtschaftlichkeitsrechnung vorausgegangen ist. - In diesem Fall durch die Gegenüberstellung des Aufwandes einschließlich aller Neben- und Folgekosten gegen das bewertete Risiko.

Wie aber bewertet man das Risiko?

1. Standortfrage

Lassen Sie messen, ob das Stromnetz, auf das Sie angewiesen sind, während des Tagesablaufs, besonders aber in den kritischen Schaltphasen morgens und abends, besonderen Schwankungen ausgesetzt ist. Prüfen Sie, ob die Schwankungen innerhalb oder außerhalb der Toleranzgrenze liegen. Nehmen Sie extreme Abweichungen nicht als gegeben hin, sondern reklamieren Sie bei Ihrem E-Werk. Uns haben diese Leute geholfen - sie können nämlich so - oder so - schalten. Ein Hinweis: Eine 60 Hz-Anlage hat durch die Transformatoren eine gewisse, wenn auch geringe, eigene Schwungmasse, die gefährliche Schwankungen unterhalb des Sekundenbereichs gegebenenfalls auffängt; eine 50 Hz-Anlage ist da empfindlicher.

Ich glaube nicht, daß es in Bezug auf den totalen kurz- oder mittelfristigen Stromausfall (langfristig wäre er bei uns wohl verursacht durch eine allgemeine Katastrophe, die einzuplanen nicht Gegenstand dieser Überlegungen sein sollte) wesentliche Unterscheide bei der Standortfrage gibt. In den 18 Jahren, die ich unser Rechenzentrum leite, haben wir etwa zehn Stromausfälle gehabt, deren längster eine halbe Stunde dauerte.

2. Abhängigkeit von der Anwendung

Fahren Siereine Batchverarbeitung und verfügt Ihre Anlage über eine vernünftige Kapazitätsreserve, dann sollten Sie dem Anbieter des Notstromaggregates höflich einen Korb geben. - Eine Datensicherung haben Sie sowieso.

Ganz anders, und das ist ja schon Gegenwart und noch häufiger Zukunft, verhält es sich bei Online-Anwendungen. Aber auch hier sollte man nüchtern das Risiko bewerten, denn Online ist nicht gleich Online.

In jedem Fall allerdings werden die Bildschirme schwarz

a) für die Dauer des Stromausfalls

b) für die Dauer der Restart/Recovery-Prozedur (die Sie ja ohnehin haben müssen)

Prüfen Sie sorgfältig, ob Ihre Anwendung das verkraften kann, das heißt, ob der durch den zeitweisen Ausfall verursachte Schaden (bitte nur bei Stromausfall, etwas anderes steht im Augenblick nicht zur Debatte) geringer oder größer ist als der Aufwand für die Beschaffung und Unterhaltung des Notstromaggregats. - Stromausfall nach meiner Erfahrung 0,6 mal pro Jahr -.

Natürlich kann hier schon eine Entscheidung fallen, wenn etwa in einem Industriebetrieb für zwei Stunden die Fertigung stilliegt, oder 1000 Terminals einer Luftfahrtgesellschaft in 100 Städten Europas versagen. Dann aber ist ein Notstromaggregat nur zwingende Ergänzung zu einer ohnehin vorhandenen, ausfallsicheren, doppelten und dreifachen Hardwarekonfiguration.

3. Bewertung des Risikoanteils durch Stromausfall im Vergleich zu den übrigen Risiken

Nach meiner Erfahrung ist das Risiko des kurz- ja sogar mittelfristigen Ausfalls der EDV-Anlage durch Hard- und Softwareeinflüsse (leider) ungleich größer als das Risiko durch Stromausfall. An Hard- und Softwareprobleme haben wir uns gewöhnen müssen und für diese Fälle gegebenenfalls organisatorische Vorkehrungen getroffen, die auch im Falle des Stromausfalls greifen.

Und bedenken Sie noch eines: Mit dem Notstromaggregat für Ihren Computer alleine ist es nicht getan. Sie brauchen auch Strom für Ihre Klimaanlage und auch Strom für das Hausnetz, wenn Ihre Bildschirme in den Fachabteilungen weiterlaufen sollen.

All diese Überlegungen haben dazu geführt, daß die Firma Kaufhalle zur Zeit kein Notstromaggregat installiert hat, trotz 4 Megabyte und zahlreichen Online-Anwendungen. Das kann sich jedoch ändern - und muß deshalb im Gespräch bleiben - wenn das zukünftige Anwendungsprofil das Risiko zur anderen Seite verschiebt. Ein Notstromaggregat kann aber vom Grundsatz her nur eine logische Ergänzung zu einer ausfallsicheren Hardwarekonfiguration sein, sonst haben Sie nur einen kleinen Teil der möglichen Risiken abgedeckt.

Sie können natürlich, von Angst gepeitscht, auch ohne diese Rechnung ein Notstromaggregat bestellen. Der Anbieter wird Ihnen zweifelsohne bescheinigen und es auch überall weitererzählen, daß sie ein besonders verantwortungsbewußter und vorausschauender EDV-Leiter sind.

Herbert Rotthauwe

Leiter der Programmierung, der Veba Oel AG, Gelsenkirchen-Buer

In den letzten Jahren hat die Entwicklung von Hardware, ausgefeilter Software und wirkungsvollen Organisationshilfen einen wesentlichen Fortschritt in der Informationsverarbeitung gebracht.

Online-Systeme bringen Computerleistung an den Arbeitsplatz. Dies bedeutet gleichzeitig eine noch stärkere Bindung an das Computersystem. Informations- und Kommunikationssysteme erfordern aus diesem Grunde den problemlosen, störungsfreien Ablauf und eine möglichst permanente Verfügbarkeit des Systems.

Die Garantie einer zeitlich hohen Verfügbarkeit wird von vielen

Faktoren bestimmt: Zusammenbrüche von Soft- oder Hardwaresystemen werden sich zwar nicht immer vermeiden lassen, nur ist dann die vorgesehene Möglichkeit durch ein ordnungsgemäßes "Abfahren" einen schnellen Wiederanlauf zu gewährleisten, entscheidend. Die meisten Online-Software-Systeme sehen dies von der Systemseite her vor.

Was passiert aber, wenn nicht das Software-System abstürzt, sondern die Stromversorgung ausfällt.

Seitens der Hersteller sind die Rechner in der Regel mit Netzgeräten ausgestattet, die es erlauben, im Normalbetrieb Spannungstoleranzen von plus/minus zehn Prozent zu verkraften. Größere Einbrüche der Versorgungsspanung in den Bereichen von 10 bis 20 Prozent für eine Zeitspanne von etwa 0,5 Sekunden sind überbrückbar. Darüber hinausgehende Spannungsschwankungen oder Stromausfälle bedeuten den völligen Zusammenbruch des Computersystems. Ein ordnungsmäßiges Abfahren ist nicht möglich.

Das System müßte in einem solchen Fall durch ein manuelles, die zeitliche Reihenfolge berücksichtigendes Nachfahren aller Datenveränderungen wieder hochgefahren werden. Dies kann Stunden, wenn nicht Tage dauern.

Ist ein solches Risiko vermeidbar und wirtschaftlich realisierbar?

Es bestehen verschiedene Möglichkeiten:

Regional kann man für eine zweite Netzversorgung vom E-Werk sorgen.

Die Umschaltung von Netz 1 auf Netz 2 bei einem Schnellumschluß kann im E-Werk innerhalb von fünf Sekunden erreicht werden. Dadurch ist die Stromversorgung relativ schnell wieder gegeben. Das Computer-System kann aber weder die fünf Sekunden überbrücken, noch kann es, wie bereits erwähnt, in diesem Fall ordnungsmäßig Abfahren. Bleibt also das Problem entweder die fünf Sekunden zu überbrücken oder zumindest ordnungsmäßig abzufahren. Dies muß über eine vom öffentlichen Netz unabhängige Stromquelle geschehen.

Wir planen zur Zeit einen Verwaltungsneubau. In diesem Zusammenhang haben wir uns ausgiebig mit diesem Problem beschäftigt. Wegen der immer stärkeren Ausrichtung auf Online-Systeme glauben wir, obwohl derartige Netzausfälle nicht an der Tagesordnung sind, doch zumindest sicherstellen zu müssen, daß nach einem Netzzusammenbruch ein ordnungsmäßiges Abfahren und damit ein schnelles Wiederhochfahren des Systems gesichert sein sollte.

Aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus und weil unser Rechner nicht direkt Produktionsabläufe steuert, halten wir es für ausreichend, ein ordnungsmäßiges Abfahren zu sichern.

Dafür haben wir die Installation einer entsprechend starken Batterie geplant. Die Kosten einer solchen Installation, für einen Wert von rund 40 KVA, belaufen sich nach ersten vorsichtigen Kalkulationen auf etwa 200 000 Mark.