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22.03.1991 - 

Computerberufe in der Volkszählung 1987 (Teil 3)

DV-Organisation ist keine Aufgabe für Introvertierte

22.03.1991

Im Berufsfeld Organisation und Systemanalyse sind nur knapp über 30 000 Beschäftigte zu verzeichnen. Die Jobs sind nichts für Fachidioten. Viel mehr stehen bei diesen Tätigkeiten rund um die DV-Planung und Software-Entwicklung Fähigkeiten wie Kontaktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen im Vordergrund.

Organisation und Systemanalyse sind vor allem zu Beginn des Computereinsatzes von besonderer Bedeutung. Fachleute dieser Berufe entwickeln aus Aufgabenstellungen Sollkonzepte und erstellen die Vorgaben für Programmierer und die Software-Entwickler. In einer Zeit leistungsfähiger Standardsoftware sind sie auch für die Analyse, Bewertung und Auswahl von fertig angebotenen Programmen zuständig.

Das Berufsfeld Organisation und Systemanalyse ist ein Gebiet mit wenig Varianten, hier sind die Berufsbezeichnungen nicht so vielgestaltig, weit das bei den Programmierern der Fall ist. Insgesamt umfaßt dieses Berufsfeld die folgenden Berufsgruppen:

Berufsgruppen

DV-Organisator/in

Systemanalytiker/in

EDV-Koordinator/in

EDV-Projektleiter/in

Organisatoren/Systemanalytiker

Obwohl immer noch der Einführungsprozeß als wichtigste Aufgabenstellung im Zentrum steht, haben Organisatoren und Systemanalytiker sich nicht nur um die Planung neuer Systeme zu kümmern, sondern begleiten heute den gesamten Prozeß von der Software-Entwicklung, über die Implementation bis hin zum Routinebetrieb und zur Betreuung der Nutzer.

Die Berufsgruppe der DV-Organisatoren begleitet die Computerisierung, ohne daß ein Ende ihrer Funktionen absehbar wäre. Die jeweiligen Computerlösungen haben nur eine begrenzte Nutzungsdauer, so daß die Organisatoren ständig auf Verbesserung, Anpassung und Optimierung hinarbeiten. Sie stellen aber nur eine recht kleine Gruppe innerhalb der Computerberufe: Nur 6, 2 Prozent aller Datenverarbeiter ordnen sich dieser Berufsgruppe zu. In den Berufsbezeichnungen gibt es nur wenige Varianten:

Berufsbezeichnung

Organisator/in (EDV)

Systemplaner/in (EDV)Systemorganisator/in (EDV)Datenbankorganisator/in

Lochkartenorganisator/in

EDV-Planer/in PC-Organisator/in

DV-Organisatoren insgesamt

Der Frauenanteil ist bei dieser Gruppe mit 12, 3 Prozent recht niedrig. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den Datenverarbeitern bei 21, 7 Prozent. Offenbar sind diese Aufgaben eher auf Männer zugeschnitten, doch sicher werden gerade hier die Frauen aufholen.

Mit zunehmender Komplexität der Aufgaben werden in diesen Berufen Hochqualifizierte arbeiten. Doch dürfen es keine introvertierten Spezialistensein: Organisatoren benötigen Sendungsbewußtsein, Kontaktfähigkeit, Durchsetzungswillen und eine ständige Unruhe. Nur so sind sie fähig, die schwierigen Aufgaben zu lösen.

Ob sie eine lange Betriebserfahrung benötigen oder ob es besser ist, wenn sie von außen kommen und nicht soviel Rücksicht auf persönliche Bindungen nehmen müssen, ist umstritten. Auf alle Fälle dürfen sie keine Fachidioten sein und können, wenn sie ihre Persönlichkeit einbringen, auch aus anderen Herkunftsberufen rekrutiert werden.

Die Berufsgruppe der Systemanalytiker ist demgegenüber schon etwas Informatik-näher. Sie sind Vermittlungspersonen zwischen Organisatoren- und Software-Entwicklern. Auch sie benötigen derartige extrafunktionale Qualifikationen wie Kontaktfähigkeit und sollten in der Lage sein, auch komplexe Strukturen verständlich zu erläutern.

Besonders wichtig ist aber Verständnis und Erfahrung in Hard- und Softwarestrukturen, in der Bewertung unterschiedlicher Tools und Sprachen. Außerdem sollten sie auf den Software-Entwicklungsprozeß einwirken können, indem sie Methoden und Hilfsmittel des Software-Engineering kennen und anwenden.

Es gibt etwa ebenso viele Systemanalytiker wie DV-Organisatoren. Dieser Beruf steht in dem Ruf, recht anspruchsvoll zu sein. Es sind häufig Akademiker, die sich mit dieser Berufsbezeichnung schmücken. Auch in diesem Berufsfeld gibt es nur wenige Varianten.

In dieser Berufsgruppe lassen sich nur wenige Frauen finden: 12, 5 Prozent der Systemanalytiker, sind weiblich, auch dies ein Wert, der unterdurchschnittlich ist.

Aus den Berufsgruppen der Organisatoren und der Systemanalytiker hat sich mit zunehmender Computernutzung in der Sachbearbeitung die Berufsgruppe der Koordinatoren und der Administratoren abgespalten. Es sind jene Fachleute, die im Routinebetrieb zwischen den Nutzern von Computern und den Computerspezialisten vermitteln. Auch sie benötigen viele Persönlichkeitsmerkmale, die sich nicht fachlich, sondern kontaktbezogen definieren lassen, wie die Fähigkeit, Probleme zu verstehen, sie zu analysieren, Hinweise so zu geben, daß sie auch sinnvoll genutzt werden können, oder auch nur die Eigenschaft, Sicherheit zu verbreiten. Auch Schulung und Ausbildung gehören zu ihren Aufgaben.

Mit 3472 Beschäftigten umfaßt diese Gruppe der Koordinatoren und Instruktoren lediglich 1, 5 Prozent des gesamten Berufsfeldes. Eigentlich hätten die Fachleute deutlich mehr Instruktoren erwartet.

Offenbar tauchen sie in dieser Statistik kaum auf: Vielleicht haben sie sich als "Ausbilder" oder "Lehrer" bezeichnet, ohne daß ihr DV-Bezug deutlich wurde, oder sie haben sich als Programmierer oder Systemanalytiker eingeordnet.

Die Koordinationsfunktion hat einen beträchtlichen Stellenwert. Aber es ist nicht klar erkennen, ob es sich um eigenständiges Berufsfeld handelt. Auch hier hätte der Berufsforscher mehr Erwerbstätige wartet.

Der Frauenanteil in diesen Berufen liegt immer noch unter dem Durchschnitt, doch leicht höher als bei den Organisatoren, und den Systemanalytikern. Es ist damit zu rechnen, daß zukünftig Frauen vermehrt die Aufgaben wahrnehmen. Bisher gibt es noch zu wenige Frauen mit soliden Systemkenntnissen. Doch wenn sich die Zahl der Informatikerinnen mit soliden Ausbildung weiter erhöht, dann dürfte diese Aufgabe für Frauen sehr interessant werden, da sie die dort erforderlichen Persönlichkeitsmerkmale eher bieten können als Männer.

Schließlich gehören in diesem Berufsfeld noch die DV-Projektleiter. 706 Fachleute haben sich dieser Berufsgruppe zugeordnet. Der Frauenanteil liegt niedrig - wie bei allen herausgehobenen Funktionen: Nur 7, 6 Prozent der Berufsangehörigen sind "DV-Projektleiterinnen".

DV-Berufe in Deutschland

In einer mehrteiligen, Serie analysiert Werner Dostal die Ergebnisse der Volkszählung 1987 in bezug auf Computerberufe. Im ersten Teil stellte der Autor die "Hitliste" der am häufigsten angegebenen Berufsbezeichnungen vor. Er weist jedoch darauf hin, daß die tatsächliche Zahl der DV-Beschäftigten viel höher ist, da viele Befragten keine Angaben zum Beruf machten.

In den folgenden Teilen der Serie werden die einzelnen Berufsfelder mit den jeweiligen Berufen beschrieben.

Den Anfang bildete der Programmierer, der nach wie vor der meistgenannte Beruf bleibt. In Teil drei geht es um das Berufsfeld Organisation- und Systemanalyse, in dem außerfachliche Fähigkeiten als besonders wichtig gelten.