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Strategisches Produkt von Lotus vorgestellt


22.03.1991 - 

DV-Organisation könnte von Notes revolutioniert werden

PARIS - "Sollten Sie noch immer nicht überzeugt sein, daß 'Notes' funktioniert, dann lesen Sie mal in Mitteilungen von Lotus zwischen den Zeilen. Da ist von einer amerikanischen Regierungsstelle die Rede, die Notes erfolgreich eingesetzt hat. Bei denen könnten Sie sich sicherlich einen interessanten Anwendungsbericht aus dem wahren Leben abholen. " Mein Gesprächspartner, der namentlich nicht genannt werden möchte, lehnt sich zu mir herüber und hilft auch noch beim Interpretieren mit: Niemand anderes als der CIA habe während des Golfkrieges das Groupware-Produkt zur schnellen Kommunikation eingesetzt.

Nachdem man Notes in den USA schon vor der offiziellen Vorstellung am 6. Dezember 1989 in Firmen wie Price Waterhouse mit Tausenden Kopien zum unternehmensweiten digitalen Gedankenaustausch benutzte, erhielt die Software nun allem Anschein nach durch den Einsatz am Golf ihr Gütesiegel.

Offiziell wird diese Art Feuertaufe von Lotus jedoch schamhaft verschwiegen. Und eigentlich ist dieser Härtetest für das nun in Paris vorgestellte Office-Automation-Produkt auch gar nicht von vorrangiger Bedeutung.

Mit Sicherheit von Bedeutung für den Markterfolg von Notes in Europa dürfte hingegen dessen Vermarktung sein: Bislang hat man nämlich den Eindruck, daß Lotus Probleme hat, dem Anwender Sinn und Funktion des neuen strategischen Produkts zu erklären.

Professor Ludwig Nastansky, an den Unis sowohl in St. Gallen als auch in Paderborn tätig, kennt diese Schwierigkeiten. Der Geschäftsführer der deutschen Pavosoft GmbH aus Wünnenberg-Haaren, die neben dem Aachener Systemhaus Discom GmbH - einer hundertprozentigen Debis-Systemhaus-Tochter - als erster Lotus-VARs für den Vertrieb und Service des Groupware-Produktes ausgewählt wurde, erzählt dazu gerne eine Anekdote: "Als ich Herrn Achinger(Geschäftsführer der Daimler-Benz-Tochter Debis Systemhaus GmbH, d. Red. ) Notes vorstellte, war der nach meinem Dreistunden-Vortrag hellauf begeistert. " Doch der Debis-Chef, der das mit momentan 40 RZs in elf deutschen Bundesländern wuchernde Outsourcing-Unternehmen in einen überregionalen Kommunikationsverbund eingliedern will, hatte ein Problem: Am Ende der Notes-Präsentation fragte er Nastansky: "Sagen Sie mal, was ist Notes eigentlich?"

Notes ist kein herkömmliches Anwendungsprogramm wie eine Tabellenkalkulation oder eine Textverarbeitung. Notes ist auch nicht nur ein E-Mail-System.

Nach Meinung von Wolfgang Finke, verantwortlicher Betreuer des mit 15 Knoten in ganz Deutschland verbreiteten Notes-Projektes bei der Debis, ist es die Verwirklichung eines bereits in den 50er Jahren entwickelten Gedankens zur verteilten Bearbeitung komplexen Daten über geografische Grenzen hinweg via Computerunterstützung.

Finke ist überzeugt: "Mit Notes wird erstmals Realität, was man als Corporate Processing bezeichnet. " Ein wesentlicher Schritt hin zu Client-Server-Topologien kann mit Notes vollzogen werden.

Herkömmliche Office-Automation-Programme wie die von DEC (All in One), von HP (New Wave Office) oder auch von IBM (Profs mit Einschränkungen oder auch dessen noch nicht auf den Markt gebrachter Nachfolger Officevision) können nach Meinung mancher Fachleute mit den Funktionen und dem Leistungsumfang von Notes nicht konkurrieren.

Notes läßt sich vom Softwaredesign als Datenbank-Maschine auf Servern bezeichnen, die dem Anwender ein ausgeklügeltes Kommunikationskonzept auf Clients zur Verfügung stellt - analog könnte man auch von Back-end- und Front-end-Rechnern sprechen.

Die auf DOS- und Windows-3.0-Clients sowie auf OS/2-Servern laufende Arbeitsgruppen-Software mit der den SAA/CUA-Definitionen entsprechenden grafischen Benutzeroberfläche eignet sich für unterschiedliche Aufgaben als Client-Server-Anwendung in LAN/WAN-Netzen:

Erstmals können Teilnehmer in einem PC-Netz Informationen nicht nur auf reiner Textbasis austauschen. Vielmehr lassen sich mit der Lotus-Groupware Dokumente - aus Text-, Bild-, Grafik- und Tondaten zusammengesetzte sogenannte Compound-Documents - über praktisch alle gängigen Netz, werke austauschen. Die Daten mit unterschiedlichen Formaten lagert der Anwender in individuell zu gestaltende Dateien ab, die alle als Datenbanken bezeichnet und als solche behandelt werden können.

Auf Servern abgelegte Datenbestände aktualisiert Notes automatisch nach jeder Veränderung und repliziert sie auch in die anderen, möglicherweise weltweit verteilten Server. Vorteil: Jedemangeschlossenen Teilnehmer stehen identische Daten zur Verfügung - eine wesentliche Voraussetzung für Management-Informationsanwendungen. Nachteil: Der Speicherbedarf in Notes-Topologien wird durch die mehrfache Datenhaltung schnell ziemlich hoch. Außerdem benötigt man für die Server eine sehr anspruchsvolle, leistungsstarke - und teure - Hardware.

Anläßlich der Vorstellung von Notes in Paris und auch bei Gesprächen mit Fachleuten, die die Groupware bereits im Einsatz haben, hörte man allerdings immer wieder, daß Notes über herausragende Sicherheitseigenschaften verfügen würde. Diese setzen sich aus einem mehrstufigen Zugangskontroll-System zusammen, das nicht nur die Autorisation von Zugriffen auf einzelne Datenbanken, sondern auch -auf die Notes-Server überwacht, auf denen die zentral und allgemein zugänglichen Daten abgelegt werden.

Zugriffsprivilegien vergibt der Systemadministrator in sieben Berechtigungsabstufungen, wobei nicht nur einzelne Dateien gesperrt werden können, sondern auch bestimmte "Views" von Datenbanken. Das heißt, bei Abfragen innerhalb einer Datenbank muß man diese nicht komplett für gewisse Anwender sperren. Es reicht etwa in einem Personalverzeichnis, die Frage nach den Gehältern nur einem bestimmten Personenkreis offenzuhalten.

Datenverschlüsselung dient ebenfalls der Sicherheit im PC-basierten LAN- und WAN-Netz. Zum Schutz von E-Mails bauten die Lotus-Entwickler elektronische Unterschriften als Kontrollmedium ein, um eine Identifikation des die Nachrichten verschickenden Teilnehmers zu gewährleisten.

Persönliche Paßwörter, die auch der Verschlüsselung von E-Mails dienen, liegen nicht verteilt auf Servern, sondern in gesonderten Benutzer-ID-Dateien. Versuche, auf Datenbanken zuzugreifen, fängt eine Audit-Trail-Funktion zwar nicht ab, dokumentiert sie jedoch detailliert.

Notes fungiert ferner als ein komplettes Management-Informationssystem, das zudem Computerkonferenzen über das integrierte E-Mail zuläßt. Anläßlich der Vorstellung der verbesserten Notes-Version 2. 0 in Paris gab Lotus auch den Aufkauf des E-Mail-Marktführers der USA - CC: Mail - bekannt. Ob dies ein Eingeständnis der Schwächen des eigenen Produktes ist oder ob marktstrategische Überlegungen zugrundeliegen, ist nicht klar. Momentan will man die Anbindung beider Softwareprodukte über ein Gateway und die Synchronisation der Benutzer-Directories verwirklichen.

Über eine Import-Export-Funktion trimmt sich die Lotus-Software Datenformate der marktbedeutenden Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsanwendungen zurecht, Scann- und Grafikdateien lassen sich ebenso verarbeiten, so daß bestehende Anwendungen in Notes eingebunden werden können. Standardmäßig beinhaltet die Groupware eine anscheinend sehr leistungsfähige Textverarbeitung.

Anwender der Client-Server-Software von Lotus erhalten zwar ein "komplettes" Produkt insofern, als sie mit diesem sofort arbeiten können. Der eigentliche Wert von Notes liegt aber darin, daß jeder Benutzer sich seine eigenen Anwendungen schreiben kann beziehungsweise die Notes-Teilnehmer sich ihre unternehmensweite digitale Zusammenarbeit auf ihre Bedürfnisse exakt zuschneiden können.

Templates als Basis für eigene Anwendungen

Hierzu liefert Lotus von Haus aus verschiedene Templates mit, die ohne Änderung unter anderem als Beispielanwendungen für Statusreports, Adreßverzeichnisse oder etwa elektronische Konferenzen in den Unternehmen genutzt werden können. Debis-Mann Finke hat bei der Anwendungsentwicklung für die 15 Notes-Knoten des Debis-Projekts feststellen können, daß man auf Grundlage der vorgegebenen Beispielapplikationen sehr leicht weitere Anwendungen generieren kann. So scheint die Aussage von Lotus-CEO Jim Manzi gegenüber der COMPUTERWOCHE, seine Sekretärin habe sich selbst schon drei Anwendungen für ihren Arbeitsbereich gestrickt, durchaus glaubhaft. Finke dazu: "Jeder, der sich bei der Makroprogrammierung von herkömmlichen Applikationen auskennt, kann auch in Notes kleine Anwendungen erarbeiten. "

Daneben werden sich natürlich die Unternehmen, welche Notes einsetzen, selbst daran machen, ihre digitale Kommunikationsorganisation mit den mitgelieferten Tools stromlinienförmig zu gestalten.

Diese Dienstleistung wollen aber auch die Notes-VARs in Deutschland wahrnehmen. Neben der Discom, die auf dem Debis-Stand eine Verbindung zu den 15 Knoten des Notes-Projektes herstellen wird und die Groupware im konkreten Einsatz zeigt, stellt Professor Nastansky in Hannover auf dem Peacock-Stand Musteranwendungen unter anderem aus dem Projekt-Management-Bereich vor.

Die Lotus-Partner werden nicht nur auf eigene Kasse Vertrieb, Installation und Schulung sowie Unterstützung für Notes-Kunden bieten, sie sollen auch einen anderen Kundenkreis als das amerikanische Software-Unternehmen ansprechen: Während Lotus selbst nur Großinstallationen ab 200 Lizenzen angeht - wie schon in den USA geschehen und mit 62 000 Dollar zu bezahlen -, umwirbt Nastansky in Seminaren Rechtsanwälte, Ärzte und andere Mittelständler.

VARs dürfen gemäß Vereinbarung mit Lotus Notes-Konfigurationen jeder gewünschten Größenordnung installieren. Über die Kosten, um den Breakeven-Point für seine Dienstleistungen zu erreichen, ist sich der Schweizer mit Arbeitssitz in Paderborn und Wünnenberg-Haaren noch nicht im klaren.

Alle angesprochenen Fachleute waren übrigens der Meinung, daß die Amortisation der Kosten für eine Notes-Installation nicht nur in Geld zu messen ist, sondern in der veränderten, weil effizienteren Arbeitsweise zu sehen ist.