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23.01.1981

DV-Probleme haben Priorität vor neuen Medien

Eine positive Grundeinstellung registriert Org./DV-Chef Gerd Uertz von der Deutschen Bausparkasse in Darmstadt, wenn in seinem Unternehmen über den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationsformen diskutiert wird. Die kommerzielle Datenverarbeitung sei jedoch noch immer mit genügend Problemen behaftet, so daß die DV-Leute derzeit kaum eine Möglichkeit hätten, sich mit den neuen Medien auseinanderzusetzen. Uertz warnt: "Wir Datenverarbeiter sollten uns hüten, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen." Bevor an die Installierung von Bildschirmtext oder Teletex gedacht werden könne, bekräftigt Remy Bogner von der Elsässischen Bankgesellschaft, gelte es, dem "Mann auf der Straße" die immer noch tief sitzende Angst vor der Technik zu nehmen. Fraglich sei auch, ob der Benutzer (Kunde) letztendlich bereit ist, für einen besseren Service die Kosten der Geräteanschaffung zu übernehmen. ha

Remy Bogner

Leiter der DV-Abteilung, Allgemeine Elsässische Bankgesellschaft, Frankfurt-Niederrad

(Siemens 7.738, BS1000)

Da wir momentan innerhalb unseres DV-Bereiches verschiedene Entwicklungen vorgesehen haben, verblieb bisher nicht die Zeit, um uns mit der Problematik neuer Kommunikations- und Informationstechniken auseinanderzusetzen. Diskussionen über Bildschirmtext haben jedoch bereits stattgefunden.

Durch den Einsatz von Telex und Telefon wurde der Kommunikationsbereich zwischen den Kreditinstituten weitgehend abgedeckt. Seit etwa drei Jahren wird dieser Sektor jedoch weltweit modernisiert und erneuert. Zu bemängeln ist indessen, daß sich die Verantwortlichen bisher noch nicht auf eine Standardisierung einigen konnten. Abzusehen ist auch noch nicht, wie viele Banken überhaupt auf die neuen Kommunikationsmittel zurückgreifen werden.

Für die Kommunikation zwischen den Geldinstituten und der Geschäftskundschaft sind die persönlichen Kontakte nicht durch neue Medien wie etwa Bildschirmtext zu ersetzen. Das Gegenüber bei Kredit- oder Termingeschäften wird im Bankenbereich weiterhin der Spezialist und nicht der Bildschirm sein. Möglichkeiten sehe ich lediglich bei den obligatorischen Operationen, wie zum Beispiel beim Umgang mit Überweisungsaufträgen.

Im dritten Kommunikationsbereich Bank-/Privatkundschaft wäre Bildschirmtext das optimale Medium. Das Interesse der Bankkundschaft hängt hier jedoch im wesentlichen von der Attraktivität der Anwendungsmöglichkeiten und -inhalte ab. Schließlich hängt auch die Installation von Bildschirmtext nicht nur mit der Investitonsbereitschaft der Bank zusammen, sondern fraglich ist vielmehr, ob der Kunde bereit ist, für einen besseren und schnelleren Service die Kosten der Geräteanschaffung (oder Leasing) auf sich nehmen zu wollen. Sicherlich werden sich die privaten Haushalte nicht einem Bildschirmtext-System anschießen, nur weil es ihre Bank anbietet. Das Interesse muß zuerst bei den Benutzern geweckt werden, bevor der Zeitpunkt gekommen ist, sich ernsthaft Gedanken über diese Problematik zu machen. Sowohl die öffentlichen Medien, wie Presse, Funk und Fernsehen, als auch die Reiseveranstalter, Versandhäuser oder Versicherungsgesellschaften müssen hier als Vorreiter in Erscheinung treten.

Der nächste Schritt könnte die Reservierung von Buchungen oder Käufen und Überweisungsvorgängen sein. Bevor jedoch dieser Stand erreicht ist, gilt es, dem Mann auf der Straße vor allem die Angst vor der Technik, vor dem Computer, zu nehmen.

Gerd Uertz,

Org.-DV-Leiter, Deutsche Bausparkasse AG, Darmstadt

(Honeywell Bull, 66/05 GCOS)

In unserem Haus bestand lange Zeit das Problem, daß die organisatorische Planung von der DV-Abteilung quasi mitgemacht wurde. Mit der Einstellung eines neuen Mitarbeiters sind wir jedoch jederzeit dabei, eine Organisationsabteilung im herkömmlichen Sinne aufzubauen.

Ein in der Zukunft gerichtetes organisatorisches Gesamtkonzept besteht bei uns noch nicht. Auf Konzernebene wird jedoch momentan ein Rechnerverbund zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften diskutiert. Das Ziel soll einmal sein, Daten oder Dateien zwischen den Bausparkassen und Versicherungsgesellschaften auszutauschen.

Als enger gestecktes Ziel steht bei uns jedoch erst einmal integrierte Textverarbeitung an. Hier mußten wir die leider die bittere Erfahrung machen, daß mit einem Exoten als DV-Anlage bei den Systemen zwischen 70 000 und 80 000 Mark nur Geräte mit IBM-kompatiblen Prozeduren angeboten werden.

Eines unserer nahegesteckten Ziele ist, den Sachbearbeiter an den Bildschirm zu bringen. Unsere Planung bezieht sich auf die dezentrale Erfassung vom Neugeschäft bis hin zur Adressenänderung. Derzeit werden bei uns rund fünfzig neue Bildschirme installiert. Das Hauptproblem liegt darin, den Fachabteilungen klarzumachen, daß sie mit dem Bildschirm keineswegs Erfassungstätigkeiten verrichten.

Weiterhin sollen unsere Außendienstbüros, die über das gesamte Bundesgebiet verstreut sind, mit druckenden Terminals ausgestattet werden. Zusammen mit der Firma Comko befinden wir uns derzeit in einer Testphase.

Das, was die Post derzeit mit Datex-P oder Teletext anbietet, wäre in unserer derzeitigen Situation reines Wunschdenken. Hinzu kommt für uns die DV-mäßige Frage, ob der Front-End-Processor unserer Honeywell-Anlage überhaupt derartige Aktivitäten oder Prozeduren erlaubt. Wenn wir heute auf DV-Ebene über die neuen Kommunikations- und Informationstechniken diskutieren, ist zwar eine positive Einstellung diesen Medien gegenüber vorhanden, aber generell fehlt den Datenverarbeitern heute effektiv die Zeit, sich näher mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. In den meisten Unternehmen werden es sicherlich die DV-Leute sein, die sich mit Bildschirmtext, Teletext oder anderen neuen Anwendungen befassen müssen, denn sie sind wohl die einzigen, die das nötige Verständnis für diese Problematik mitbringen. Aber die kommerzielle Datenverarbeitung ist in der jetzigen Zeit noch mit genügend eigenen Problemen behaftet. Vor allem ist durch den Personalengpaß kaum in einem Unternehmen die erforderliche Manpower vorhanden, um eine konkrete Planung in diesen Bereichen zu betreiben. Wir Datenverarbeiter sollten uns hüten, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.

Im Falbe unseres Unternehmens bin ich - bezogen auf die neuen Kommunikationsmethoden - optimistisch. Wir sind stark Außendienst-orientiert, und speziell von dieser Seite wird, der Wunsch nach mehr Information immer deutlicher. Ich glaube, daß wir uns in etwa drei Jahren auf ein Umdenken einstellen müssen.

Senowei Szklanyj

DV-Leiter, Möbel-Mutschler GmbH, Neu-Ulm

(Siemens 7.730, BS1000)

Maschinelle Datenverarbeitung im Möbelhandel ist kein Hirngespinst, sondern eine unabdingbare Notwendigkeit. Das Familienunternehmen Möbel-Mutschler war sich dessen bewußt und stellte rechtzeitig die Weichen für einen in die Zukunft orientierten EDV-Einsatz.

Bestehende Ressentiments wurden vor Ort abgebaut, jeder einzelne Mitarbeiter motiviert und alle Aspekte im Baukastensystem zu einem Gesamtkonzept integriert.

Sehr rasch wurde erkannt, daß der Einsatz von Datensichtgeräten für die weiteren zu lösenden Organisationsstufen Voraussetzung waren.

In knapp zwei Jahren wurden für den Möbelhandel neue Akzente gesetzt. Die betriebliche- und die EDV-Organisation waren abgeschlossen; ein maßgeschneidertes Software-Paket für den Möbelhandel aus der Taufe gehoben. "MAWI" (Material-Wirtschaft) war das Lösungswort!

Alle kompetenten Stellen werden heute vom zentralen Rechner mit den aktuellsten Daten versorgt, Überschneidungen werden vermieden.

Unsere komplexen Bereiche Lagerhaltung und Lieferbereitschaft sind nunmehr in der Lage, gezielt zu agieren und laufen ihren Informationen nicht mehr hinterher. Dies trifft auch für alle anderen Abteilungen zu.

Die Tatsache, daß beim Dialogbetrieb ein ständiger Informationsaustausch stattfindet, bringt eine doch sehr beachtliche Nebenwirkung mit sich. Die Mitarbeiter arbeiten bewußter und nicht selten erhalten wir Anregungen, die ins Gesamtkonzept integriert werden. Das Erreichte ist uns Ansporn genug für die Randbereiche "Rund ums Wohnen", das von unseren Kunden erwartet wird, neu zu überdenken und in das bestehende EDV-Konzept einzubeziehen. Die Vielfalt der Kleinst- und Mitnahmeartikel erfordert jedoch eine andere Verfahrensweise.

Mit Recht behaupten wir heute, daß die Datenfernverarbeitung, die eine immer stärkere Rolle in der DV spielt, für uns die Organisationslösung der Zukunft ist.

Unsere Datenverarbeitung ist noch relativ jung, und wie in wohl den meisten Unternehmen müssen wir uns noch immer auf das stürzen, was Priorität hat. Dies ist zwangsläufig die konventionelle DV-Anwendung. Wir wissen jedoch heute, daß wir an den neuen Kommunikations- und Informationstechniken nicht vorbei können. Da wir einen sehr starken Publikumsverkehr haben, wird unser nächster Schritt in diese Richtung wahrscheinlich der Einsatz von Bildschirmtext sein. Wir stehen diesen Möglichkeiten positiv und offen gegenüber, aber durch unsere Probleme, die wir mit unserer derzeitigen EDV-Anwendung haben, hatten wir noch nicht die Möglichkeit, uns mit den neuen Medien auseinanderzusetzen.