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11.03.1994

DV-Profi, Netz-Manager und Unternehmer aus einem Guss

Die Informatikausbildung an Universitaeten wird den Anforderungen an kuenftige DV-Manager nicht gerecht. Die Wirtschaft erwartet mehr als nur die Vermittlung von reinem Technikwissen. Mehr Praxiselemente und der Erwerb von Projekt-Management-Know-how muessten ins Lehrprogramm. Um sich das fehlende Wissen anzueignen, besuchen Computerexperten zunehmend Management-Institute. Harms Kaufmann* portraetiert den IS-Chef der Zukunft und geht auf die Moeglichkeiten der Fuehrungskraefte-Schulung von DV-Profis ein.

Kaum eine andere Branche ist aehnlich rasanten Veraenderungen und Innovationen unterworfen wie der DV-Sektor. Die Informationstechnologie und die damit einhergehenden Moeglichkeiten haben gravierende Auswirkungen auf die Unternehmen. Sie veraendern die Kommunikation sowohl zwischen den Betrieben als auch innerhalb einer Firma selbst.

Dort verlaeuft die Entwicklung immer deutlicher weg vom Mainframe hin zu dezentralen Einheiten, die auf der Grundlage von Client- Server-Architekturen arbeiten. Dass sich daraus ganz neue Aufgabenstellungen fuer den DV-Verantwortlichen ergeben, steht ausser Zweifel.

War er bislang der technisch orientierte DV-Spezialist, der ueber das notwendige technologische Wissen verfuegte und fuer den reibungslosen Ablauf der Datenverarbeitung im Unternehmen verantwortlich war, verlangt die aktuelle Situation zusaetzlich unternehmerische und soziale Faehigkeiten.

In dem Masse, in dem die DV-Technologie anwenderfreundlicher wird, tritt die rein technisch orientierte Verantwortung fuer das Funktionieren der gesamten Anlage in den Hintergrund und wird durch zusaetzliche Anforderungen ergaenzt.

Will der DV-Leiter diesen Veraenderungen Rechnung tragen und mit der Entwicklung Schritt halten, sollte er sich zusaetzliches Wissen aneignen, das die technischen Studiengaenge nicht vermitteln. Der Weg fuehrt weg vom reinen DV-Leiter hin zum IS-Manager, der den DV- Spezialisten, Netz-Manager und unternehmerischen Generalisten in sich vereint.

Die Veraenderung beginnt auf der fachlichen Ebene

Was sind nun die Aufgaben eines IS-Managers? Neben der bisher mehr oder weniger ausschliesslich im Mittelpunkt stehenden fachlichen Qualifikation werden nun Faehigkeiten gefordert, die sich unter die Begriffe Management-Qualifikationen und soziale Kompetenz im weitesten Sinne subsumieren lassen, sowie Eigenschaften wie Anpassungsfaehigkeit, Flexibilitaet und Innovationsbereitschaft. Die Veraenderungen beginnen auf der fachlichen Ebene. So waechst beispielsweise mit den steigenden Anspruechen der Anwender der Bedarf an Programmierung beziehungsweise Anpassungsarbeiten. Auch wird sich der DV-Verantwortliche immer rascher in neue Systemkonzepte einarbeiten und diese betreuen muessen. Zugleich steigt vor allem die Nachfrage nach Beratung, die in allen Bereichen des Informations-Managements und der DV zunehmend gefordert ist. Hierfuer werden von einem DV-Verantwortlichen ausreichende Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Organisation und Arbeitsplatzgestaltung erwartet.

Er soll sich in die Informationsbeduerfnisse der Abteilungen hineinversetzen und dabei DV-Management-Funktionen uebernehmen. Zum anderen braucht der DV-Verantwortliche soziale Kompetenz, denn er muss verstaerkt mit den Nutzern zusammenarbeiten und hat eine wesentliche Rolle als Trainer und Coach, der den permanenten Lernprozess in Gang haelt.

Der zukuenftige IS-Manager muss innerhalb eines Unternehmens unternehmerisch taetig werden und fuer seine Dienstleistungen werben. Angesichts einer immer komplexer werdenden Projektorganisation benoetigt er ein hohes Mass an Fuehrungsqualitaeten.

Die Anforderungen lassen sich in vier Schluesselkompetenzen zusammenfassen:

- Unternehmensfuehrung auf funktionaler und strategischer Ebene,

- profunde Kenntnis der DV-Anwendung samt den technischen und physikalischen Grundlagen,

- Fuehrungsautoritaet in modernen, unhierarchischen Strukturen, in der sich Ueberzeugungs- und Motivierungsfaehigkeit mit Durchsetzungsksraft verbindet, sowie

- Kompetenz und Kenntnisse in bezug auf Maerkte, Politik, Kulturen, Sprachen und Verstaendnis fuer uebergeordnete Themen wie Oekologie, Management-Ethik etc.

Die Praxis sieht jedoch noch anders aus, vermitteln doch die mathematisch orientierten Ausbildungen im Informatikbereich mehr oder weniger ausschliesslich Fachwissen.

Sie schaffen Spezialisten, die nur unzureichend auf ihre veraenderte Aufgabe vorbereitet sind. Vor dem Hintergrund einer sich so stark im Wandel befindlichen Arbeitswelt und der sich daraus ergebenden neuen Anforderungen stellt sich fuer DV- Verantwortliche die Frage nach einer weitergehenden Qualifizierung. Aus der Praxis heraus lassen sich die noetigen Impulse und Faehigkeiten kaum entwickeln.

Eine zusaetzliche Qualifikation sollte folgende Kriterien erfuellen:

- Es sollte sich um eine praxisbezogene Management-Ausbildung handeln, welche die fehlenden Bausteine im Bereich Betriebswirtschaft, Management und Fuehrung liefert,

- sie sollte darueber hinaus soziale Kompetenzen entwickeln und trainieren und

- international orientiert sein.

Fuer den Techniker hat sich der Abschluss zum MBA (Master of Business Administration) als ideale Ergaenzung zu dem bereits vorhandenen Fachwissen erwiesen. Er vermittelt allgemeines Management-Wissen, das in Unternehmen aller Branchen einsetzbar ist.

Dazu gehoeren nicht nur der strategische Ueberblick und eine internationale Perspektive, sondern auch interaktive Eigenschaften, integratives Denken sowie innovative Faehigkeiten. Methodisch geschieht das mit Instrumentarien wie Fallstudien, Projektarbeit etc. Diese werden durch Vorlesungen zu betriebswirtschaftlichen Schwerpunkten und Management-Themen ergaenzt. Die Lernkooperation mit Unternehmen (project learning) sowie mehrmonatige Auslandspraktika liefern den praktischen Studienanteil.

Um jedoch der besondern Situation im DV-Bereich noch mehr Rechnung zu tragen, gibt es den Studiengang MBI, den Master of Business Informatics. Grundsaetzlich ist das MBI-Programm eine Manager- Ausbildung, welche die wesentlichen Elemente des MBA enthaelt.

MBI: Auf Potential und Konsequenzen konzentriert

Allerdings gibt es einen klaren Unterschied: Der Schwerpunkt des Studiums liegt auf Management-Loesungen, in denen In- formationstechnologie (IT) und Informationssysteme (IS) eine wichtige Rolle spielen. Der MBI konzentriert sich auf das Potential und die Konsequenzen der Informationstechnologie fuer Unternehmen in einer internationalen Geschaeftswelt. Ziel ist jedoch nicht, durch weitere Anhaeufung von Fachwissen den IT- Spezialisten heranzubilden. Ziel ist vielmehr die Heranbildung eines Managers mit gutem professionellem Ueberblick ueber das wachsende Feld von IT in Organisationen und dessen optimaler Nutzung im Prozess der strategischen Entscheidungsfindung und - durchfuehrung.

Durch die Konzentration auf Loesungen aus diesem Bereich und speziell auf die Anwendung von DV-Systemen etwa im Mar-keting, Finanz- und Operations-Management soll die angestrebte Verbindung von unternehmerischer und DV-technischer Be- faehigung erreicht werden. Die hier eingesetzten Instrumen- tarien sind die gleichen wie beim MBA, das heisst Fallstudien, Projektarbeit etc., nur ist deren Inhalt verschieden. Sie werden ergaenzt durch Uebungen im techno-logisch-physikalischen Bereich.

Praktischer Einsatz in funktionalen Bereichen

Ein Beispiel mag den Aufbau eines MBI-Studienganges verdeutlichen, wobei es unerheblich ist, in welcher Form - Vollzeit oder berufsbegleitend - er durchgezogen wird.

Teil 1: Grundstudium, das heisst, die Teilnehmer werden mit der Organisation der IT in verschiedenen Unternehmen sowie mit Faechern wie Statistik, Buchhaltung und Betriebswirtschaft vertraut gemacht.

Teil 2: Hier geht es um den praktischen Einsatz der Informationssysteme in den verschiedenen funktionalen Bereichen wie Finanzen, Marketing, Operations, Kommunikation etc., um sowohl die erforderlichen Kenntnisse als auch einen interdisziplinaeren Ansatz zu entwickeln.

Teil 3: Die Kurse konzentrieren sich zum einen auf die relevanten strategischen Aspekte, zum anderen auf die kognitiven Aspekte des Informationsdesigns, seiner Entwicklung und der Anwendung.

Teil 4: Im Mittelpunkt steht die Anwendung der Informationssysteme und deren Auswirkung auf das Unternehmen. Es koennen Schwerpunkte in Bereichen wie Management-Support-Systeme, Creative Organizational Diagnosis, Organizational Development and Change etc. gewaehlt werden.

Alle Teile sind durch projektbezogene Teamarbeit gekennzeichnet und werden ergaenzt durch intensive Trainingsphasen in Richtung Persoenlichkeitsentwicklung.

Aus dem doppelten Angebot ergibt sich die Frage, welche Zusatzqualifikation besser geeignet ist, auf die neuen Aufgabenstellungen vorzubereiten. Der MBA vermittelt allgemeines Management-Wissen, das in Unternehmen aller Branchen einsetzbar ist, ebenso der MBI.

Letzterer bezieht jedoch in alle Bereiche die Frage nach der IS- Loesung, also die technische Seite, mit ein. Information wird als strategische Ressource verstanden und diese in die Management- Konzepte des MBA integriert. Ein MBI-Absolvent soll sowohl die strategischen Moeglichkeiten der Informationstechnologie erkannt als auch den Ueberblick ueber die technische Seite der Informationstechnologie gewonnen haben.

Wie man die Anpassung an den Markt durchsetzt

Er weiss, wie man die organisatorische Anpassung eines Unternehmens an den Markt unter Einsatz von Informationstechnologie plant und durchsetzt. Er versteht es, Motivationsstrategien fuer die Mitarbeiter zu entwerfen, damit das IT-Programm ein Erfolg wird.

Die Frage, welche Qualifikation nun sinnvoller ist, laesst sich nicht pauschal beantworten. Sie haengt vielmehr zum grossen Teil von den persoenlichen Voraussetzungen ab, die der Kandidat mitbringt.

Fehlen dem DV-Verantwortlichen betriebswirtschaftliche Kenntnisse und soziale Kompetenzen, dann waere die eindeutige Praeferenz dem MBA zu geben. Schliesslich soll ja nicht das Spezialistentum verstaerkt, sondern der General Manager herausgebildet werden.

Dies ist auch sicherlich zutreffend, wenn der Kandidat ausreichend ueber das Zusammenwirken aller Informationsstroeme im Unternehmen informiert und in der Lage ist, selbst die noetigen Verbindungen zu schaffen.

Denn hatte er vorher nur den Block Spezialwissen, so verfuegt er jetzt ueber einen zweiten Block, naemlich das Betriebswirtschafts- und Management-Know-how. Die Vernetzung der beiden bleibt ihm ueberlassen. War er bisher jedoch eher ein informationstechnologischer Spezialist, sozusagen Detailfachmann, ist der MBI geeigneter.

Zwar mag hier eine gewisse Redundanz vorhanden sein, da auch das Fachwissen angesprochen wird und verstaerkt werden soll, aber die Schwerpunkte sind anders gesetzt.

Hier geht es darum, das Spezialwissen in die Betriebswirtschafts- und Management-Kenntnisse einzubetten und die IS-Vernetzungen transparent zu machen.

Weites Einsatzfeld fuer die kuenftigen IS-Manager

Letztlich bleibt es also der individuellen Entscheidung sowie der Einschaetzung der eigenen Staerken ueberlassen, welcher Weiterbildungsgang als der geeignete zu sehen ist. Der IS-Manager der Zukunft findet ein weites Arbeitsfeld, auf dem seine Kompetenzen gefragt sind. Spekulativ sollen nur ein paar Einsatzfelder genannt werden:

- Als Leiter der Unternehmensentwicklung, der ausser den eigenen Daten auch die internationalen Maerkte und Datenbanken kennt.

- Bei der Steuerung von Firmenzusammenschluessen, wo es um die Vernetzung unterschiedlicher Informationskreise geht.

- Im Prozess der Rationalisierung im Sinne von Total-Quality- Management.

- Bei der Steuerung von Finanzstroemen, zum Beispiel in der Energiewirtschaft sowie

- als Experte, der grosse Daten- und Finanzstroeme bei Finanzdienstleistern wirtschaftlich steuern kann.

*Dr. Harms Kaufmann ist Leiter des MBA-Centrums der Integrata AG, Tuebingen.