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Trotz zunehmender Akzeptanz in den Fachbereichen:

DV-Profis mißtrauen End-User-Systemen noch

07.10.1983

Mitarbeiter in den Fachbereichen wollen nicht länger zu ihren leicht versnobten Mitstreitern in den "heiligen DV-Hallen" aufschauen und suchen ihr Heil zunehmend in Enduser-orientierten Konzepten. Auch die Hersteller rühren seit einiger Zeit kräftig die Werbetrommel, allen voran der Sperry-Konzern mit seinem Benutzersystem "Mapper", mit dem sich die Sulzbacher bemühen, die Programmierung an den Sachbearbeiterplatz zu bringen. Die DV-Entscheider stehen den Aktivitäten der Werbeleute mißtrauisch gegenüber.

Jahrelang waren die Fachabteilungen Stiefkind der Datenverarbeitung. Unverständliche Einweisungen der Programmierfreaks einerseits und unpräzise Spezifikationen von den Sachbearbeitern andererseits führten oftmals zu Schwierigkeiten bei der Erstellung von Anwendungssoftware in den Unternehmen. Zunehmend besinnen sich jedoch neuerdings die Hersteller auf die Routiniers der täglichen Betriebspraxis. Ziel der angebotenen Endbenutzer-Tools ist es freilich nicht, hie und da einen Terminalbenutzer zu gewinnen, sondern mit Hilfe des Produktes im Rahmen einer DV-Lösung die Hardware zu verkaufen.

Angesprochen sind nach Meinung der Hersteller vor allem Fachabteilungen, die gerne selbst am Computer arbeiten wollen. Vielleicht stehen sie sogar kurz vor dem Kauf eines Personal Computers oder sind einfach mit ihrer Datenverarbeitung unzufrieden. Häufig ist aber kein Budget für einen eigenen Rechner vorhanden. Als Kunden in spe gelten auch Service-Büros, die nach dem Big-Blue-Konzept des AS-Information-Centers die Anwender bedienen sollen. Die Nixdorf AG zählt sich mit ihrem modularen Programmsystem "Comet" ebenso zu den Anbietern dieser Tools wie die Heidelberger Mathematica Products Group mit "Ramis II".

Anlaß zu Diskussionen in den DV-Abteilungen gab jedoch nach Meinung von Branchenkennern das Enduser-Programmsystem "Mapper" der Sperry GmbH aus Sulzbach/Taunus. Erstmals vor etwa einem Jahr in Schweden eingesetzt, messen die Sulzbacher ihrem Entwicklungswerkzeug mittlerweile soviel Bedeutung bei, daß der Gesamt-Sperry-Konzern in den nächsten vier Jahren dem Vernehmen nach über die Hälfte des gesamten Werbeetats nur für das Produkt "Mapper" ausgeben will. Über die Akzeptanz in der Bundesrepublik sagt Marketingdirektor Bernd Blasberg: "Anwender unserer größeren Computer der Serie 1100 haben sich Mapper so zu eigen gemacht, daß das Endbenutzerwerkzeug in den Fachabteilungen inzwischen erfolgreich eingesetzt wird." Den Mitarbeitern solle dort die selbständige Entwicklung von Anwendungsprogrammen und Informationsgewinnung ermöglicht und ihnen darüber hinaus der direkte Zugang zu den leistungsfähigen Universalrechnern mit einer integrierten Datenbank eröffnet werden.

Die Begeisterung der DV-Verantwortlichen bei den Anwendern hält sich indes noch weitgehend in Grenzen. So auch bei der Dello GmbH & Co. KG in Hamburg, die seit April 1982 fast ihre gesamten Anwendungsprogramme mit dem Sperry-Produkt auf der Basis einer relationalen Datenbank erstellt hat. "Wir lassen die Fachabteilung nicht mit Mapper spielen", schränkt der Leiter der Anwendungssoftware, Harald Schmidt, das Sulzbacher Enduser-Engagement ein, "das ist uns zu gefährlich." Mit zehn bis fünfzehn Bildschirmen für Mapper und über 100 Terminals für Transaktionen unter DMS-DB mache ihm die Fachabteilung mit ihren selbstgestrickten "Riesentabellen" (Schmidt) bei der hohen Mapper-Priorität die Anlage dicht. Außerdem sei das Handling doch nicht so leicht, wie es der Fachabteilung und auch dem Management nach dem Motto "Jedem Buchhalter sein Mapper" vom Hersteller angepriesen werde. Dies hört Werner Maus, Leiter des Sulzbacher Vertriebsbüros und zuständig für den Produktvertrieb in Zentraldeutschland, nicht gern: "Mapper ist vom Sprach- und Syntaxaufwand dermaßen einfach, daß die Kunden nach zweitägiger Schulung damit umgehen können." Doch auch Gerd Stockhammer, DV-Leiter der Hamburger Elektrogroßhandlung Walter Kluxen, und zur Zeit dabei, die gesamte Betriebsabrechnung mit Mapper zu erstellen, teilt die Meinung des Sperry-Vertriebsmannes nur bedingt: "Wenn der Endbenutzer nur einfache Runs haben möchte, muß er nicht großartig programmieren können."

Wolle er jedoch eine Fakturierung schreiben, müsse er schon wesentlich mehr Know-how mitbringen. Obwohl der Hamburger die Sulzbacher Software in seiner eigenen Programmierküche für ein "ungeheures Mittel" hält, gibt er den Fachstrategen in den Abteilungen das Werkzeug nicht ohne Bedenken in die Hand. Das Problem bei Mapper liege seiner Meinung nach bei der Überwachung des Systems. Insbesondere müßten die DV-Entscheider prüfen welchen Benutzern sie die Zugriffsberechtigung erteilen, da vor allem bei offenen Systemen die Gefahr des Mißbrauchs gegeben sei.

Mapper-Kenner meinen, daß sich die DV-Profis in den Unternehmen nicht das Ruder aus der Hand nehmen lassen wollen. Zwar möcht die Sperry-Manager "die Programmierer nicht ad absurdum führen (O-Ton Sperry), jedoch sei ein Umdenkprozeß von Nöten. Daß die Sultzbacher noch nicht den kommerziellen Erfolg mit ihrem Produkt erzielen konnten, den sie sich erhofften, erklären Branchenkenner so: Die Programmgurus bangen um ihren Platz an der Sonne. Datenbankspezialisten geben denn auch unverblümt zu, daß

sie sich durch Mapper oder gleichwertige Konzepte bedroht fühlen. Konstatiert ein Hamburger DV-Chef: "Wenn plötzlich Leute ein sinnvolles Wort mitreden können, die vorhin das Wort EDV nicht einmal richtig buchstabieren konnten, wäre ich schon geschockt." Akzeptanzprobleme würden innerhalb der DV-Abteilung mit Sicherheit bei dieser Art von Software immer auftreten.