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08.11.1991 - 

Das Wachstum der DV-Bezüge läßt zu wünschen übrig, denn

DV-Profis sind jünger als die Mitarbeiter anderer Branchen

Was die Zahl der Stellenangebote in den großen Samstagsausgaben der überregionalen Zeitungen angeht, liegen die Computerspezialisten mit an der Spitze. Dies bezieht sich allerdings nicht auf das Gehalt, wo die Zuwächse in den letzten beiden Jahren spärlich waren. Thomas Aleweld* geht der Frage nach, weswegen die Angebots- und Nachfragekonstellation auf dem Arbeitsmarkt scheinbar keinen Einfluß auf die Vergütung ausübt.

In fast allen anderen Kienbaum-Untersuchungen zeigt sich, daß externe Bewerber dazu neigen, ihre Vergütungsforderung um so höher anzusetzen, je positiver die Resonanz auf ihre Bewerbungen ausfällt und je seltener ihre Position auf dem Markt vorhanden ist. Dieser Mechanismus zieht natürlich auch für schon länger im Unternehmen arbeitende Mitarbeiter auf Dauer Vergütungskonsequenzen nach sich.

Nun zeigt sich aber im DV-Bereich eine andere Entwicklung. Die Gehälter der Führungs- und Fachkräfte in der DV stiegen 1990 nur um 3,9 Prozent und in diesem Jahr um knapp fünf Prozent. Der Durchschnitt der leitenden Angestellten dagegen konnte eine Steigerung von sechs Prozent auf dem Konto verbuchen. Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich, betrachtet man die Kienbaum-Indizes, die ebenfalls jährlich erhoben werden. Setzt man das Jahr 1980 als Basisjahr gleich 100, so haben sich die Gehälter für leitende

Angestellte auf der ersten und zweiten Ebene im Jahre 1990 etwa bei 159 eingependelt. Der Kienbaum-Index für die Gesamtbezüge der Führungs- und Fachkräfte in der DV dagegen erreicht nur den Wert von 140, obwohl selbst der Index des statistischen Bundesamtes für alle Angestellten in Industrie und Handel im Jahre 1990 immerhin 145 Punkte beträgt.

Wie ist diese Differenz zu erklären?

Die Gehaltsstruktur der Führungs- und Fachkräfte in der DV wird durch eine Vielzahl von Einflußgrößen geprägt. Diese überlagern einander und verstärken oder vermindern dadurch ihre Wirksamkeit. Es gilt also, die Stärke dieser Faktoren und die Richtungen, in die sie wirken, aufzuzeigen. Betrachtet man die Struktur der Mitarbeiter in der DV- Branche, so fällt auf, daß das Durchschnittsalter bei nur 37 Jahren liegt. So hat zum Beispiel der Leiter DV-Organisation im Durchschnitt ein Alter von 42 Jahren, der Leiter Datenbank von 38 Jahren, und der typische Organisator ist sogar nur 32 Jahre alt. Dahingegen liegt das gesamte Durchschnittsalter der leitenden Angestellten bei 46 Jahren auf der zweiten beziehungsweise 47 Jahren auf der ersten Ebene.

Nun ist aber das Lebensalter und damit die Berufserfahrung eines der wesentlichen Gehaltskriterien. Das Einkommen steigt mit dem Lebensalter. Die im Laufe der Jahre erworbene Berufserfahrung, aber auch Beförderungen zahlen sich aus (siehe Tabelle).

Wie bei allen anderen Berufsgruppen, werden die Gehaltszuwächse in der DV ab einem bestimmten Alter kleiner oder stagnieren gar. Aufgrund der insgesamt recht niedrigen Altersstruktur in der DV kann es aber nicht verwundern, daß die Gehälter unter denen anderer Sparten liegen.

Frauen bekommen weniger als Männer

All dies gilt natürlich nur, wenn man über alle Positionen und alle Altersgruppen hinweg einen Durchschnitt zieht. Nichtsdestotrotz liegt der Diplom-Informatiker mit seinem Einstiegsgehalt durchaus am oberen Rand der Gehaltsspanne. In der letzten Kienbaum-Untersuchung kam er auf ein Einstiegsgehalt von 68 000 Mark, wohingegen seine Kollegen, wie zum Beispiel der Diplom-Kaufmann, bei 60 000 Mark und der Diplom-Ingenieur bei 61 000 Mark lagen.

Auch die weitere Gehaltsentwicklung läßt an sich nichts zu wünschen übrig. Steigt zum Beispiel ein Diplom-Informatiker als DV- Fachdozent mit 70 000 Mark ein, so kann er nach drei bis vier Jahren schon 82 000 Mark auf seinem Konto verbuchen. Beginnt er sein Berufsleben als Organisator mit 69 000 Mark, so kann er nach zwei bis drei Jahren 73 900 Mark, nach vier bis fünf Jahren immerhin schon 79 200 Mark erreichen.

Ein Projektleiter in der Altersklasse von 26 bis 30 Jahren verdient durchschnittlich 74 000 Mark. In der Altersklasse von 31 bis 35 Jahren dagegen werden ihm schon 87 000 Mark zuerkannt. 96 300 Mark verdient ein Projektleiter schließlich in der Altersklasse von 36 bis 40 Jahren. Hierbei ist zu beachten, daß Frauen für gleiche Tätigkeiten oft deutlich geringere Gehälter als ihre männlichen Kollegen erhalten (siehe Tabelle).

Doch zurück zum Einstiegsgehalt. Die durchschnittlichen Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen lagen im vergangenen Jahr zwischen 50 000 und 70 000 Mark. Gehaltshöhen, die der Großteil der Arbeitnehmerschaft während seines gesamten Erwerbslebens nicht erreicht. Interessant bei dieser Hochrechnung ist dabei die enorme Spannbreite, die es für den einzelnen Bewerber schwierig macht, mit der richtigen Gehaltsforderung in Einstellungsgesprächen zu erscheinen.

Einen Vorteil bei der Gehaltsfestsetzung hat der Absolvent, der sich vor oder während seines Studiums bemüht hat, die vielbeklagte Praxisfremdheit möglichst zu vermeiden. Das heißt, ein Diplom-Informatiker, der während seiner Studienzeit Praktika in DV-Unternehmen abgeleistet oder seine Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen geschrieben hat, kann durchaus mit einem Zuschlag rechnen.

Kleine Betriebe müssen oft mehr zahlen

Vergütungsunterschiede bei dem Einstiegsgehalt können zum Beispiel mit der Unternehmensgröße zusammenhängen. Attraktive Großunternehmen in einer zukunftsträchtigen Branche wie der Computerindustrie können es sich leisten, den Nachwuchs anfangs etwas knapp zu halten. Kleinbetriebe dagegen müssen oft mit einem Aufschlag locken. Eine Ausnahme sind hier Softwarehäuser und Rechenzentren. Sie bedenken ihre Mitarbeiter mit einem höheren Zuschlag gegenüber dem Durchschnitt aller Unternehmen in der DV-Branche.

Zusammenfassend sollte betont werden, daß das Streben nach hoher Vergütung alleine für den Berufseinsteiger sicher der falsche Weg ist. Viel wichtiger sollte ihm die langfristige Perspektive sein, also ob das Unternehmen ihm auch in Zukunft Aufstiegs- und Entwicklungschancen bieten kann. Je beschränkter die beruflichen Perspektiven sich darstellen, desto attraktiver muß das Einstiegsangebot sein.