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05.06.1987 - 

Konsequezen für Anforderungsprofile und Karrieren, Teil 2

DV-Qualifikation als Schubkraft der Technikanwendung

Die Konsequenzen für Anforderungsprofile, Berufsbilder und Karrieremöglichkeiten im Datenverarbeitungsbereich unter dem Einfluß neuer Informations- und Kommunikationstechniken behandelt Dr. Michael Wollnik vom Organisationsseminar der Universität Köln in einem zweiteiligen Beitrag. Nachdem im ersten Teil die Hauptmerkmale der neuen Technologien und die daraus folgenden generellen Ausbautendenzen im DV-Bereich dargestellt wurden, beschäftigt sich der zweite Teil mit den zu erwartenden und bei fortgeschrittenen Anwendern teilweise auch schon vorhandenen neuen DV-Berufen. Vor allem Verschiebungen im Rollenverständnis des DV-Leiters zeichnen sich dabei ab (siehe CW Nr. 22 vom 29.5.1987).

Die DV-Bereiche der Unternehmungen befinden sich überwiegend noch in einer Expansionsphase. Davon zeugt schon, daß der DV-Sektor zu den Arbeitsmarktsegmenten mit den meisten Offerten Stellen zählt (2100 Offerten Ende 1986). Deutlicher spiegelt es sich im starken Anstieg der Nachfrage nach Fach- und Führungskräften im DV-Bereich, An der Spitze der Steigerungsraten liegen Systementwickler/-ingenieure und DV-Organisatoren, die nach statistischen Auswertungen der SCS Personalberatung 1986 auf dem Stellenmarkt um zirka 70 Prozent zulegten. Am meisten gesucht wurden Software-Spezialisten beziehungsweise Anwendungsprogrammierer. Zwischen 1982 und 1986 stieg der

Benutzerservice bietet guten Einstieg in DV

Anteil von Stellenausschreibungen für den Organisations-/DV-Bereich von 7 auf 11,6 Prozent. Wie lange diese personelle Erweiterung anhält, läßt sich kaum abschätzen. Berichte über amerikanische Unternehmungen, die auf der Suche nach Personalreduktionsmöglichkeiten auch auf ihre DV-Bereiche gestoßen sind, geben aber zu verstehen, daß ebenfalls im DV-Sektor mit Sättigungsgrenzen zu rechnen ist.

Mit dem quantitativen Aufschwung vollzieht sich eine qualitative Verschiebung zu höherer und spezifischer Eingangsqualifizierung. Informatikorientierte Hochschul- oder Fachhochschulabschlüsse werden als Einstiegs- und Aufstiegsvoraussetzungen wichtiger. Die Expertise des DV-Personals wächst - nicht nur in den Großunternehmungen. Dennoch offenbaren die Stellenausschreibungen der Anwenderunternehmungen - anders als die differenzierteren Angebote der Hersteller- und Beraterfirmen - erst in geringem Umfang den Wandel in der DV-Konzeption.

Dies läßt auf einen organisatorischen Nachholbedarf schließen. Für denjenigen, der sich auf die Übernahme einer Tätigkeit im DV-Bereich ausrichtet, heißt es, daß er sich nicht von Zukunftsvisionen verführen lassen sollte. Jene interessanten Spezialistenarbeitsplätze, die aktuelle DV-Berichterstattung und die Personalwerbung von DV-Herstellern suggerieren, sind bei den Anwenderunternehmungen noch nicht häufig zu finden. Gerade der Umstand, daß für Grundsatzentscheidungen über Technologiearchitekturen und für die Planung komplexen Anwendungen der neuen Technologien zahlreiche Beratungsfirmen ihre Unterstützung anbieten, entlastet die Anwender von der Notwendigkeit, hierfür eigenes, spezialisiertes Personal bereitzuhalten. Deshalb weisen Hersteller- und Beratungsfirmen in ihrer Tätigkeit einen erheblichen Vorlauf gegenüber der durchschnittlichen Anwenderunternehmung auf und verfügen somit auch tendenziell über die fachlich attraktiveren Stellenangebote beziehungsweise Projekte.

Mittelfristig darf man jedoch auch in den Anwenderunternehmungen eine stärkere Durchsetzung des organisatorischen Informationsmanagements erwarten. Damit werden derzeit erst in Ansätzen vorhandene Tätigkeitsmuster eine erhebliche Ausweitung erfahren, zu Anforderungsprofilen formalisiert und gegebenenfalls bis zu Berufsbildern ausgearbeitet werden. Nur wenn Anforderungsprofile vorliegen, kann gezielt rekrutiert, nur auf der Grundlage von Berufsbildern kann spezifisch ausgebildet werden.

Es sind vor allem drei Gruppen von neuen DV-Stellen oder DV-Berufen, die ein organisatorisches Informationsmanagement als funktional notwendig zur wirtschaftlich effizienten Nutzung der neuen Infrastrukturen aufdecken wird (siehe Übersicht 1).

-Tätigkeit als Benutzerberater/ Benutzerbetreuer, technische und soziale Kompetenz

Die wichtigste neue Einrichtung im Zusammenhang mit der Nutzung des Inventars der individuellen Datenverarbeitung stellt das sogenannte Benutzerservicezentrum dar (siehe Übersicht 2).

Benutzerservicezentren werden fast ausschließlich als Teileinheiten des DV-Bereiches aufgebaut. Für ihre interne Gliederung fehlen bislang überzeugende Normvorstellungen. In der Praxis dürfte überwiegend eine objektbezogene Arbeitsteilung anzutreffen sein, bei der als Objekte vor allem Gerätetypen (Mikrocomputertypen, -pools),und Programmpakete beziehungsweise Software-Gattungen in Frage kommen. So erscheint etwa die Annahme realistisch, daß ein Benutzerbetreuer die angeführten Aufgaben für jeweils zwei oder drei Softwarepakete (zum Beispiel Tabellenkalkulationsprogramme und Statistikprogramme) wahrnimmt. Er ist dann der Ansprechpartner für alle potentiellen oder aktuellen Benutzer, die für diese Programme eine Verwendung sehen. Je nach Kompetenzumfang und Arbeitsbelastung kann er auch von sich aus mögliche Anwendungen vorschlagen und die Benutzer entsprechend anregen.

Die Tätigkeit in einem Benutzerservicezentrum gilt jetzt schon als interessanter und geeigneter Einstieg in den DV-Bereich. Da sie einen Mitarbeiter unmittelbar mit Benutzerproblemen konfrontiert und gegebenenfalls einen breiten Überblick über die Unternehmung fördert, ist sie eine gute Vorstufe für die Position eines Informationsorganisators, Allerdings erfordert eine solche Entwicklung, daß sich der Benutzerberater, der überwiegend mit Kleincomputern und Standardsoftware umgeht, auch mit Großrechenanlagen und den Problemen anwendungsspezifischer Programmierung vertraut macht. Nicht zu unterschätzen sind zudem die sozialen Kompetenzen, die ein Benutzerberater aufbauen kann und die ihn für eine spätere Projekttätigkeit mit direktem Benutzerkontakt vorbereiten.

-DV-Ausbilder

Die Schulung der Benutzer wird in den Anwenderunternehmungen noch stark vernachlässigt. Der übliche Stil der Implementierung von Großrechneranwendungen beschränkt Schulung meist auf das Aushändigen von Benutzeranweisungen und Einweisung am Arbeitsplatz. Hersteller und Beratungsinstitute bieten grundlagenorientierte Einführungen in die Datenverarbeitung beziehungsweise ihre jeweiligen Produkte oder mehr strategieorientierte Seminare, die bei dem Bedarf an Handhabungswissen der Endbenutzer äußerlich bleiben. Gerade die neuen Infrastrukturen setzen aber einen aktiven Benutzertypus voraus, der einen softwaretechnischen Gestaltungsspielraum wahrzunehmen weiß. Angesichts der Vielzahl von Geräten und vor allem von Softwareprodukten (einschließlich Betriebssystemen) wird die Vermittlung von DV-Handhabungswissen, das zu einer selbständigen sinnvollen Nutzung konkreter Hardware/Software Konfigurationen befähigt, zunehmend wichtiger. Noch ist nicht ausgemacht, wie eine solche Schulung am zweckmäßigsten zu organisieren ist. Jedenfalls werden daran aber auch Mitarbeiter des DV-Bereiches beteiligt sein.

In diesem Zusammenhang zeichnet sich die Position des DV-Ausbilders ab. Seine Tätigkeit kann sich zusätzlich

In den DV-Bereichen der Anwenderunternehmungen besteht vielfach noch ein organisatorischer

Nachholbedarf.

natürlich auf die Förderung des DV-Personalnachwuchses richten; primär ist hier jedoch an eine Wirkung in Richtung der Fachbereiche gedacht. Für den DV-Ausbilder sind nicht nur ein fundiertes Computer-Fachwissen sowie praktische Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Computertypen und Betriebssystemen zu fordern, er muß darüber hinaus über sprachliche, didaktischmethodische und curriculare Fähigkeiten verfügen. Mehrere Schulungsinstitute haben in jüngster Zeit die Ausbildung zum DV-Ausbilder oder DV-Instruktor in ihre Lehrprogramme aufgenommen.

Die Absolventen werden allerdings vorrangig von bestimmten Ausbildungseinrichtungen selbst wieder aufgesogen, In diesem Kreislauf verhilft die Ausbildung von DV-Ausbildern zunächst lediglich zu qualifiziertem Nachwuchs für Bildungsinstitute und -Abteilungen und bleibt dadurch mehr auf die Ausbildung von DV-Personal als auf die Wissensvermittlung für Benutzer konzentriert. In dem Maße, in dem in den Anwenderunternehmungen jedoch das Bewußtsein für die langfristigen wirtschaftlichen Effekte von Schulungsinvestitionen steigt, werden sich DV-Ausbilder auch als Interface-Einheiten zwischen DV-Bereichen und Fachabteilungen etablieren können.

- Bürokommunikationsorganisator

Der Bürokommunikationsorganisator ist eine Art Prototyp einer kommenden Generation von Mitarbeitern, die an der Grenze zwischen DV-Bereich und Fachbereichen stehen und datenverarbeitungsspezifisches Wissen mit detailliertem Fachwissen verbinden. Daneben wird diese neue Generation von Mitarbeitern über fundierte organisatorische Kenntnisse verfügen. Es läßt sich deshalb von "Informationsorganistoren" sprechen.

Das typische Bild der Büroarbeit ist in einem -wenn auch trägen- Wandlungsprozeß begriffen. Vorgangsorientiertes Arbeiten wie auch die schwerer greifbare "allgemeine Bürotätigkeit" wird in immer größerem Umfang durch Informationstechnik unterstützt. Sinnfälliges Instrument dieser steigenden Automatisierung im Büro ist das Multifunktionsterminal. Nachdem man erkannt hat, daß Büroarbeit in hohem Maße mit Kommunikationsprozessen durchsetzt ist, präsentiert sich die Bürorationalisierung und -automatisierung gerne unter der Bezeichnung "Bürokommunikationsorganisation". Da in den Büros beziehungsweise in der Verwaltungstätigkeit erhebliche Rationalisierungsreserven vermutet werden, gehört dieses Tätigkeitsfeld zu den Schwerpunktbereichen des Informationsmanagements.

Die Aufgaben eines Bürokommunikationsorganisators umfassen die Analyse und Definition der Büroprozesse, die Durchforstung nichtprozeßhafter Tätigkeiten, die Bestimmung des Kommunikationsbedarfes mittels Kommunikationsanalysen und die Entwicklung von Kommunikationstechnik-Konzepten. Im Hinblick auf den letzten Punkt ist ein stets aktueller Überblick über die öffentlichen Kommunikationsnetze und -dienste erforderlich. Der für die nächsten Jahre angekündigte Ausbau des ISDN und die damit verbundene Zusammenfassung und Verbreitung der fernmeldetechnischen Dienste wird für die Bürokommunikationsorganisatoren ein vielschichtiges und äußerst dynamisches Aufgabenspektrum mit sich bringen, in dem zugleich allerdings hohe Risiken kommunikationstechnologischer Fehlinvestitionen lauern.

-cim-organisator

Unter der Abkürzung "CIM" (Computer Integrated Manufacturing) wird gegenwärtig eine Vollautomatisierung der industriellen Fertigung und der mit ihr verbundenen operativen Abrechnungs- und Abwicklungsprozesse anvisiert. Wegen des umfassenden Automatisierungsanspruchs, der dieser Konzeption aufgeprägt wurde, findet man bei Hersteller- und Beratungsfirmen folgerichtig ein großes Engagement in der Propagierung und Durchführung von CIM-Projekten. Als Lehre aus den bisherigen Aktivitäten läßt sich erkennen, daß die Verwirklichung eines CIM-Systems in wesentlich stärkerem Ausmaß als sonstige DV-Projekte zunächst einmal eine grundlegende organisatorische Problematik bietet. Gerade im Zusammenhang mit CIM erweist sich die Notwendigkeit, organisatorische und informationstechnologisch-verfahrensorientierte Maßnahmen wieder enger zusammenzuführen. CIM-Systeme sind ohne eine sorgfältige Gestaltung ihrer organisatorischen Komponente nicht vorstellbar.

Neben der Bürokommunikation ist CIM ein wichtiges Testfeld für jene neue Perspektive, in der die Informationstechnik nicht mehr die Organisation dominiert und der eine Verzahnung von DV-Wissen und Fach. wissen nicht nur in Form von Projektgruppen, sondern in Personalunion als Leitbild vorschwebt.

-Fachbereichs-Systemorganisator

Am Bürokommunikationsorganisator und am CIM-Organisator zeigt sich beispielhaft, was auch für die Systementwicklung in anderen Fachbereichen zu erwarten ist: Die zukünftigen Informationsorganisatoren werden den traditionellen Systemanalytikern und DV-Organisatoren an substantiellem Fachwissen über die von ihnen bearbeiteten Bereiche überlegen sein müssen. In der Praxis sind entsprechende Ansätze dort zu erkennen, wo eine fachbereichsbezogene Arbeitsteilung der Systementwicklungsgruppen gepflegt wird und somit in der Systementwicklung gleichsam Pendantstellen beziehungsweise -gruppen zu den Fachabteilungen geschaffen werden.

Diese Entwicklung wird sich noch verstärken, nicht zuletzt unter dem Einfluß des Angebotes an standardisierten Anwendungssystemen, das sich ebenfalls entlang branchen- und bereichsfunktionaler Gesichtspunkte differenziert. Der DV-Sachkenner wird näher an den Fachbereich heranrücken. Daraus ergibt sich die karrierestrategisch attraktive Möglichkeit die Grenze zwischen DV-Bereich und Fachabteilung - wieder- durchlässiger zu gestalten. Der gegebenenfalls mehrfache Wechsel eines Mitarbeiters zwischen Fachabteilung und DV-Bereich wird zudem eine Alternative sein, die erforderliche Mehrfachqualifikation aufzubauen.

-Telearbeitsorganisator

Potentiale und mögliche Anwendungsformen der Telearbeit sind weder in der theoretischen Diskussion noch in der Praxis ausreichend transparent geworden. Dieses Gebiet bedarf noch eingehender Erörterungen und praktischer Versuche. Die gegenwärtig überwiegende ablehnende Haltung vieler Unternehmungen richtet sich möglicherweise nur gegen ungünstige Szenarien und begründet sich aus einem vermeintlichen Organisationsaufwand, der nicht bei allen Organisationsformen gleichermaßen anfällt und um eine unreflektierte Fixierung auf herkömmliche Direktionsbeziehungen zu kaschieren, vorgeschoben wird.

Im Prinzip ist unter dem Thema "Telearbeit" die Frage aufgeworfen, in welchem Ausmaß in einer Zeit gesteigerter kommunikationstechnischer Hilfsmittel noch eine Einheit von Arbeitsort und Ort der Weiterverwendung informationeller Arbeitsergebnisse aufrechterhalten werden muß. Eine solche Fassung des Themas rückt Telearbeit in eine Nähe zur Bürokommunikation, und so betrachtet verliert sie viel von ihrer Exotik. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß man in den kommenden Jahren stärker über Anwendungsformen von Telearbeit nachzudenken beginnt und daß sich auch besondere Zuständigkeiten für weiträumig kommunikationstechnisch vermittelte Arbeitsbeziehungen ausfächern.

Zu derartigen Arbeitsbeziehungen gehört etwa die Bildung virtuell-zentraler Dienste, die nur aus der Sicht eines Auftraggebers zentralisiert (also sozusagen nur "logisch" zentral), in Wirklichkeit (physisch) aber dezentral angeordnet sind. Planung und Realisierung solcher organisatorischen Einrichtungen erfordern organisatorisches und technisches Sonderwissen, das das Anforderungsprofil des Bürokommunikationsorganisators überschreitet.

-Software-Engineering-Spezialist

Bereits aus dem herkömmlichen Stellenspektrum der DV-Bereiche sind einzelne Positionen oder Gruppen bekannt, die sich der Strukturierung und Methodisierung der Softwareerstellung annehmen (zum Beispiel Programmierunterstützungseinheiten, Gruppen für "Methoden und Standards"). In einem Entwicklungsstadium, in dem man sich anschickt, die Softwareerstellung in der Unternehmung breiter zu streuen, gewinnt die gesteuerte Vorgabe von Methoden, Sprachen und Werkzeugen einen bedeutenden Stellenwert. In Verbindung mit der Kanalisierung der Gerätebereitstellung erscheint sie als eine unabdingbare organisatorische Maßnahme gegen eine Verwilderung der Softwarebestände in einer Unternehmung. Überdies wirkt der Software-Engineering-Spezialist auch im Sinne einer Rationalisierung der normalen Anwendungsprogrammerstellung.

CIM-Systeme sind ohne eine sorgfältige Gestaltung der organisatorischen Komponente nicht

denkbar.

Die Leitmaximen seiner Arbeit lauten: Vereinfachung der Softwareerstellung; Qualitätsverbesserung der Software; präzisere Dokumentation, so daß der Benutzer selbst, ein möglicher Nachfolger und ein kompetenter Dritter jederzeit verstehen können, was eine bestimmte Anweisungsfolge (Prozedur) leistet und wie sie zu handhaben ist.

- Expertensystem-Designer

Expertensysteme gelten als jenes Produkt der "Künstlichen Intelligenz" mit den größten praktischen Einsatzchancen. Es handelt sich um Softwaresysteme, um faktisches und logisches Wissen zu verarbeitend. Ihre Domäne sind Analyse- und Interferenzprozesse, die für eine algorithmische Ausformulierung ungeeignet oder zu komplex erscheinen. Zur Konstruktion von Expertensystemen sind meist umfangreiche Wissensbestände zu erheben, zu strukturieren und in eine bestimmte Darstellung zu überführen. Diese Aufgaben obliegen sogenannten Knowledge-Engineers. Wegen der programmiertechnischen und sprachlichen Besonderheiten von Expertensystemen dürften sich bei Zunahme ihrer Anwendungsmöglichkeiten Spezialistenstellen ausbilden, die-allerdings bei größerer Anwendungsnähe - dem Systemprogrammierer oder dem DBMS-Programmierer/Datenbankadministrator vergleichbar sind.

- Netzwerkkonstrukteur

Die stetige Anreicherung des Netzwerkangebotes und die Verbesserung der überlokalen Kommunikationsdienste stellt die Unternehmungen vor Grundsatzentscheidungen hinsichtlich ihrer kommunikationstechnologischen Infrastrukturen. Derartige Grundsatzentscheidungen können von den traditionell für Telefonanlagen oder bürotechnische Geräte zuständigen Stellen der Haustechnik, der "Technischen Dienste", der allgemeinen Verwaltung oder der Büroorganisation weder vorbereitet noch durchgeführt werden. Fortgeschrittene Anwenderunternehmungen haben deshalb begonnen, Gruppen für "Kommunikationstechnik", "Kommunikation", "Datenkommunikation", "Netzbetrieb" oder ähnliches einzurichten.

Sie sind dem DV-Bereich zugeordnet und beschäftigen sich vor dem Hintergrund einer informations- und kommunikationstechnologischen Gesamtkonzeption mit Fragen der Netzgestaltung. Neben dem Aufbau von Benutzerservicezentren ist dies eine der besonders signifikanten aufbauorganisatorischen Maßnahmen im Rahmen des organisatorischen Informationsmanagements. Die in diesen Organisationseinheiten tätigen Netzwerkkonstrukteure analysieren die Angebote der Hersteller, entwerfen die für den Betrieb geeignete Topologie und Endgerätekonfiguration, testen Übertragungs- und Server-Hardware und -Software, legen Übergangspunkte zu öffentlichen Netzen fest und zeichnen insgesamt für einen langfristigen Infrastrukturausbau verantwortlich, der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der zum Teil erheblichen Investitionen sichert und vor dem Risiko bewahren soll, eine wegen der Mittelbindung und der technischen Installationen kaum mehr umkehrbare Entwicklung als Fehlentwicklung erkennen zu müssen.

Konsequenzen für die Leistung des DV-Bereiches

Ein- DV-Bereich, der gemäß der Konzeption des organisatorischen Informationsmanagements Zugeschnitten und auf die Anforderungen der neuen Infrastrukturen vorbereitet ist, löst auch auf den oberen Leistungsebenen einen Anpassungsbedarf aus. Die hier notwendige Entwicklung wird vielfach mit der Formel "Vom DV-Leiter zum Informationsmanager" umschrieben. Die Bezeichnung "Informationsmanager" kann leicht als Signal eines zu weitreichenden Eingriffs in die Informationshoheit der Fachabteilungen mißverstanden werden. Ein Anspruch auf inhaltliche Bestimmung der Informationsversorgung läßt sich jedoch in Wahrnehmung einer Querschnittsfunktion kaum einlösen

Der DV-Leiter wird zum Koordinator informationstechnologischer Infrastrukturen und Anwendungsarchitekturen.

und dürfte die Aktionsmöglichkeiten des DV-Leiters aus mikropolitischen Gründen eher erschweren als erleichtern. Realistischer und weniger konfliktträchtig erscheint das Bild des DV-Leiters als obersten Verwalter der informations- und kommunikationstechnologischen Infrastrukturen.

Bei dieser Bestimmung ist zu betonen, daß es heute eben um mehrere Infrastrukturen geht, daß die traditionellen Großrechnersysteme und -Anwendungen ergänzt werden durch Anwendungsformen der individuellen Datenverarbeitung und eine kommunikationstechnologische Ausrüstung mit unüberschaubarem Nutzungspotential. Die Perspektive des DV-Leiters hat sich in gleicher Weise zu erweitern. Er muß sich aus der bisherigen Fixierung auf die Großrechenanlage lösen und den ergänzenden Technologien einen Teil seiner Aufmerksamkeit widmen. Dies kann sich als durchaus schwierig erweisen und schnell an die Grenzen des sicheren Wissens führen, zumal dem DV-Leiter nicht nur Nachvollzog, sondern die Rolle eines Promotors abverlangt wird.

In diesem Umorientierungsprozeß bildet wiederum die Organisation des DV-Bereiches einen wichtigen Faktor. Der DV-Leiter wird sich nicht in alle modernen infrastrukturellen Optionen gleichermaßen einarbeiten können. Entscheidend ist daher, daß er die Kapazität des Gesamtbereiches steigert, das Arsenal der heute gegebenen und sich abzeichnenden hardware- und softwartechnischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Genau dies wird durch die Bildung von Stellen und Gruppen erreichbar, die sich auf die verschiedenen Infrastrukturen spezialisieren. Die DV-Leitung koordiniert dann insbesondere Bereitstellung, Nutzung und Betrieb der verschiedenen Infrastrukturen sowie die Vorbereitung und Durchsetzung strategischer Technologiearchitekturen (Infrastrukturen) und Anwendungsarchitekturen (Informationssystemportfolios).

Literaturhinweise

- s. zum Benutzerservicezentrum etwa Peter Mertens: Aufbauorganisation der Datenverarbeitung, Wiesbaden: Gabler 1985, S. 69 ff, oder Thomas Dähler: Konzeption, Planung und Einführung der benutzergesteuerten Datenverarbeitung im Bürobereich, Bern u. Stuttgart: Haupt 1985

-Dies dürfte wohl auch gemeint sein, wenn Seppelfeld u.a. in den industriellen Anwenderunternehmungen die Tendenz konstatieren, "in möglichst kurzer Zeit möglichst fachspezifische Qualifikationen in Bezug auf die neuen Technologien zu vermitteln", s. Erwin Seppelfeld u.a.: Neue Technologien und Berufsbildung. Qualifizierungsmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt u. New York: Campus 1986, S. 140

-s. hierzu die sehr interessanten Ausführungen von Veronika Lullies u. Ursula Jacobi: Schulung: Qualifizierung von Anwendern moderner Bürotechnik, Office Management, 34. Jg., 1986, No. 10, S. 962-968

-zum Überblick s. etwa Harald B. Karcher u. Stratis Karamanolis: Mikroelektronik, und das Büro der Zukunft, Neubiberg: Elektra 1985 oder Rudy A. Hirschheim: Office Automation. Concepts, Technologies and Issues, Reading, Mass.: Addison-Wesley 1985

-s. insbes. Norbert Szyperski u.a.: Bürosysteme in der Entwicklung, Braunschweig u. Wiesbaden: Vieweg 1982

-Eine Übersicht über Systeme zur Kommunikationsanalyse liefern Horst G. Schönecker und Michael Nippa (Hrsg.): Neue Methoden zur Gestaltung der Büroarbeit. Computergestützte Organisationshilfen für die Praxis, Baden-Baden: FBO-Verlag 1987,

-zur Konzeption des CIM s. August-Wilhelm

Scheer: CIM: Organisation und Implementierung, Harvardmanager, 1987, No. 1, S. 84-95

-Als einen der neuesten Klärungsansatze s. Wilfried Krüger: Gestaltungskonzepte der Telearbeit, Zeitschrift Führung und Organisation, 55. Jg., 1986, No. 5, S. 295-304.

-Eine erste Einführung in Expertensysterne bieten Johannes Retti: Knowledge Engineering und Expertensysteme. In: Johannes Retti u.a.: Artiticial Intelligence - Eine Einführung, Stuttgart: Teubner 1984, S. 73-98, und Helmut Balzert: Wissensbasierte Systeme im Büro der Zukunft. In: Hans R. Hansen (Hrsg.): GI/OCG/ÖGI-Jahrestagung 1985, Berlin u.a.: Springer 1985, S. 113-137.

-Als einen früheren Beleg für diesen Trend s. Forest W. Horton: Occupational standard for the information resource manager, Journal of Systems Management, 30. Jg., 1979, No. 5, S. 35-41.

-s. hierzu auch Robert 1. Benjamin u.a.: Changing rote of the corporate information systems officer, Information Management, 1. Jg., 1986, No. 1, S. 6-15