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18.04.1980

DV-Rationalisierung nur noch durch Man-Power-Reduzierung?

Viele Unternehmen gehen nach Aussage von Peter Neuber, EDV-Produktionsleiter bei der Nagel KG in Elze, neuerdings dazu über, die Datenverarbeitung als Kostenfaktor verstärkt unter die Lupe zu nehmen. Dabei stünde die Hardware-Ausstattung laut Ralph Harro Hoffmann-Odermat inzwischen nicht mehr im Vordergrund. Die stärkste Kostenbelastung gehe vom Personalbereich aus. Der Münchener Suzuki-DV-Chef rät zur Dezentralisierung: "Display und Drucker gehören in die Fachabteilung." Neuber steht indessen bereits an der untersten Grenze seiner Personalkapazität. Er will nunmehr vorrangig eigene Mitarbeiter in Systemanalyse ausbilden, um künftig nicht "die teuren Software-Häuser in Anspruch nehmen zu müssen". ha

Peter W. Dipper

DV-Leiter, Thomson-CSF GmbH, München (Gier-Detapoint ARC)

Durch den Einsatz eines Rechnerverbundsystems (ARC), in dem mehrere Rechner über ein Kommunikationssystem Daten austauschen, ist es möglich, für die vielfältigen Anwendungsbereiche unserer verhältnismäßig kleinen Datenverarbeitung einen hohen Integrationsgrad zu erreichen. Die Daten werden im Dialog dezentral am Entstehungsort erfaßt und sofort aufbereitet. Dadurch stehen sie unverzüglich dem Gesamtsystem zur Weiterverarbeitung wieder zur Verfügung.

Rationalisierungs-Möglichkeiten im Unternehmen sehe ich weniger auf den Gebieten der Hardware und der Systemsoftware. Diese werden kontinuierlich weiterentwickelt und wohl künftig noch preiswerter werden. Die Hauptaufgaben der nächsten Jahre liegen vielmehr auf organisatorischem Gebiet. Insbesondere ein besseres Zusammenwirken zwischen Fachbereichen und der zentralen Datenverarbeitung muß erreicht werden. Eine Voraussetzung dafür ist die Fixierung der Datenverarbeitung.

Dem Anwender fällt es oftmals schwer, bei komplexen Aufgabenstellungen, seine wahren Bedürfnisse zu definieren. Vielfach wird an alten Gewohnheiten festgehalten und somit der Weg zu neuen besseren Lösungen abgeblockt" Oder es werden dermaßen überzogene Forderungen gestellt, daß der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten steht.

Der Dialog zwischen Datenverarbeitung und Fachabteilung muß intensiver werden. Neuerungen wurden in der Vergangenheit den Fachbereichen meist oktroyiert. In Zukunft sollten sie besser gemeinsam erarbeitet werden.

Die Fachabteilung muß sich eingehender mit dem Einsatz der Datenverarbeitung auseinandersetzen, denn der Personenkreis, der direkt oder indirekt mit den Anwendungen der Datenverarbeitung zu tun hat, ist stark gewachsen. Hier muß eine permanente Information und Unterstützung durch die DV gegeben werden.

Ein weiteres Hauptanliegen ist die Eindämmung der Papierflut. Die Ausdrucke der Statistiken und Listen sind jedoch nicht allein Kostenfaktor. Teuer wird es erst, wenn die Mitarbeiter die Listen lesen, prüfen, vergleichen, ablegen. Ein Teil der Information sollte gezielt als Bildschirmabfrage zur Verfügung gestellt werden.

Arbeitsabläufe, die direkt mit der Dialogerfassung (beziehungsweise Bearbeitung) zusammenhängen, sind inzwischen gut durchleuchtet und organisiert. Das weitere Umfeld der Beleg- und Informationsflüsse wird jedoch häufig noch sehr stiefmütterlich behandelt. Hier liegen Rationalisierungsreserven brach, die von den Organisatoren der zentralen Datenverarbeitung erschlossen werden müssen.

Ralph Harro Hoffmann-Odermat

DV-Leiter Suzuki GmbH, München (Siemens 7.722, BS1000)

Von unserem Ziel ausgehend, die organisatorischen und DV-technischen Voraussetzungen zur Erreichung der Unternehmensziele zu schaffen, haben wir in unserem Unternehmen gewisse Kostenfaktoren zu berücksichtigen. Hierzu gehört einerseits die Hardware, der wir allerdings, im Gesamtproblemkreis betrachtet, nicht mehr die Bedeutung beimessen wie noch vor einigen Jahren, zumal die Hardware-Kosten in letzter Zeit kontinuierlich gesunken sind.

Die stärkste Belastung macht sich heute beim Personal bemerkbar. Hier sehen wir den größten Rationalisierungsfaktor. Für Unternehmen unserer Struktur ist es notwendig, eine relativ kleine, hochqualifizierte DV- und Org-Mannschaft zu beschäftigen, nach deren Planung dann in Zusammenarbeit mit den Software-Häusern sowohl größere Projekte als auch kleinere Arbeiten realisiert werden.

Weiterhin versuchen wir unsere Kosten durch Kauf geeigneter Softwarepakete zu minimieren.

Ein weiterer Rationalisierungsaspekt besteht darin, unsere EDV-Personalkosten in der Weise zu senken, daß wir geeignete Arbeiten in die Fachabteilung auslagern.

Es ist unser Bestreben, daß die Fachabteilungen künftig verstärkt computernah arbeiten. Das heißt, im Zuge der eigenen Rationalisierung gehören Displays, unter Umständen auch Drucker, in die Fachbereiche, Durch COM-Verfilmung und Textverarbeitung versuchen wir ebenfalls Kosten zu senken.

Vor etwa einem halben Jahr haben wir die Möglichkeit untersucht, unsere Datenverarbeitung außer Haus zu geben. Dabei haben wir festgestellt, daß sich geringere Kosten sowohl beim Personal als auch bei der Hardware ergeben. Allerdings sind wir dadurch nicht so flexibel wie mit einer In-Haus-Lösung. Da unser Unternehmen zu expansiv ist, haben wir inzwischen von dieser Rationalisierungsmöglichkeit Abstand genommen.

Eine weitere Alternative sehen wir in der Mehrfachnutzung unserer Anlage durch Fremd-Firmen, die nicht unserem Firmenverbund angeschlossen sind. Dies würde zwar eine Ersparnis bringen, allerdings mit ähnlich gelagerten Vorzeichen wie bei Außer-Haus-DV, fehlende Flexibilität. Ausnahmen bilden hier allerdings Unternehmen mit effektiv gleichgelagerten Problemen.

Nach Abschluß unserer Untersuchungen gaben wir der In-Haus-Lösung den Vorzug und beschränken uns nunmehr verstärkt auf die Minimierung der personalintensiven Kosten. Hier sehen wir die besten Voraussetzungen, um rote Zahlen in der DV zu vermeiden.

Peter Neuber

EDV-Produktionsleiter, Nagel KG, Elze (IBM 370/115-2)

Die meisten Unternehmen gehen heute dazu über, den Kostenfaktor EDV verstärkt unter die Lupe zu nehmen, um dort Rationalisierungsmaßnahmen durchzuführen.

In der ersten Rationalisierungsphase unseres Hauses ging es vorrangig um Arbeitsplätze. Mitarbeiter wurden entlassen und frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzt. Dafür wurden neue, leistungsfähigere Maschinen angeschafft.

Bei einem Kostenvergleich stellte sich im nachhinein heraus, daß durch die geschilderten Aktivitäten erhebliche Einsparungen zu verzeichnen waren, die sich von Jahr zu Jahr weiter verbesserten. Die Abschreibung der Maschinen sowie die Gehaltseinsparungen machten sich dabei am stärksten bemerkbar.

Inzwischen befinden wir uns allerdings in einer Phase, in der das bisher Getane nicht mehr ausreicht. Und so rückt die Datenverarbeitung als ein nicht unerheblicher Bilanz-Posten auf einmal ins Blickfeld. Also wird der Rotstift erneut angesetzt. Da wir personalmäßig keine Kapazität mehr abgeben können, versuchen wir derzeit, neue Wege zu finden.

Angesichts der permanenten Verteuerung der Software, gehen derzeit dazu über, selbst einen Systemprogrammierer auszubilden. Dieser soll demnächst unsere sämtlichen, Programme durchforsten und auf schnellere Verarbeitung umstellen. Außerdem soll er die Plattenbelegung auf schnellere Zugriffszeiten und optimale Auslastung überprüfen. Diese Maßnahmen sollen bewirken, daß die vorhandene Anlage für zusätzliche Anwendungen in der gleichen Zeit genutzt wird.

Inzwischen konnten wir 15 Einzelverarbeitungen in zwei große Gesamtverarbeitungen zusammenfassen. Durch diese Maßnahme sparen wir etwa fünf Stunden Arbeitszeit pro Tag und können nunmehr zusätzliche Statistik-Aufgaben übernehmen, die bisher nur durch den Kauf weiterer Plattenspeicher möglich gewesen wären.

Ausgehend von unseren Erfahrungen kann ich primär drei Rationalisierungs-Ansatzpunkte hervorheben:

1. Direkte Eingabe bei der Datenerfassung.

2. Im Bereich Hardware/Software müssen die Programme schneller und einfacher gestaltet und die Speichermedien vollständig ausgereizt werden.

3. In der Endverarbeitung sollte möglichst wenig Output angestrebt werden, um Papierkosten und Zeitverlust zu sparen. Verstärkter Bildschirm-Einsatz ist hier ein sinnvolles Hilfsmittel.

Hans Ochsenkühn

Leiter Organisation und DV, Alu-Metall GmbH, Nürnberg (IBM /3-15d, IBM /34)

Rationalisierung und Produktivität sind Schlagwörter, die das Wirtschaftsleben unserer Zeit prägen. Diese Tatsache zwingt auch im DV-Bereich darüber nachzudenken, mit welchen Maßnahmen zur Kostenreduzierung beigetragen werden kann.

Die Kostenstruktur im DV-Bereich weist heute zirka 60 Prozent Personalkosten und etwa 40 Prozent Hardwarekosten auf. Der Personalkostenblock unterliegt ständigen Veränderungen.

Von DV-Herstellern und Softwarehäusern wird die Produktivität innerhalb einer DV-Abteilung primär durch Weiter- beziehungsweise Neuentwicklung von Hardware und Software gesteigert. Bei all diesen Bemühungen vermisse ich jedoch die erforderliche Unterstützung für den Anwender, nämlich dadurch, daß die gesamte Komplexität des Systems und der Anwendungsprogramme übersichtlich und klar geordnet dargestellt wird. Diese fehlende Transparenz muß sich der Anwender selbst schaffen. Probleme tauchen hier besonders dann auf, wenn man zusätzlich Anwendungspakete von verschiedenen Herstellern einsetzt, um die Entwicklungszeit von Projekten sowohl kosten- als auch terminmäßig im Griff zu behalten.

Man kann in einer DV-Abteilung eine Produktionssteigerung - zum Beispiel in unserem Unternehmen um mehr als 50 Prozent beim Änderungsdienst - dadurch erreichen, daß man sich die notwendige Transparenz durch maschinelle Unterstützung schafft. Diese Transparenz haben wir durch Einsatz eines Softwarepaketes in drei Schritten erreicht:

1. Standardisierung unserer verwendeten Dateien und Programme.

2. Darstellung der Zusammenhänge unserer Programme und Dateien durch Auflösung der Prozeduren (Steueranweisungen).

3. Auflösung eines Anwendungspaketes (Eigen- oder Fremdsoftware) in Datei-, Programm-, Feldname-Nachweis und Verkettung.

Diese Schritte haben wir beim Einsatz unserer IBM-Systeme /34 gezielt vorgenommen. In den letzten sechs Monaten wurde eine Anwendungspalette von zirka 700 Programmen (überwiegend Dialoganwendungen) auf die IBM-Systeme /34 umgesetzt. Ohne diese Dokumentationsmöglichkeit, beziehungsweise Transparenz, wäre die Realisierung dieser Umstellung rein zeitlich nahe undenkbar gewesen. Rationalisierung, beziehungsweise Produktivitätssteigerung, ist nur möglich, wenn die eingesetzte Software sowie die System-Steuerinformationen transparent sind.

Unsere Anwendungspalette erstreckt sich über fast alle kommerziellen Anwendungen, von Vertriebsabwicklungen bis hin zu Produktionsplanung und Fertigungssteuerung. Die Produktivitätssteigerung in unserem Unternehmen wurde vor allem durch transparente Software erreicht. Auch die Kosten für Personal und Hardware konnten inzwischen auf zirka 0,65 Prozent vom Nettoumsatz reduziert werden.

Gerhard Pitz

Leiter Organisation und DV, B. Braun Melsungen AG, Melnungen

(Siemens 7748, BS1000, BS2000)

Früher arbeiteten wir nur mit der Programmiersprache Assembler. Richtlinien zur Programmerstellung und zur Programm-Dokumentation gab es nicht. Jeder Programmierer entwickelte seinen individuellen Programmierstil. Hieraus ergab sich, daß die entwickelten Programme autorenabhängig und wartungsunfreundlich waren, da nur der jeweilige Programmierer selbst die Wartung durchführen konnte. Es fehlte sowohl Systematik in der Arbeit als auch die entsprechende Konvention.

Die Konsequenz aus dieser Negativbilanz war, daß die Programmierung systematischer betrieben werden mußte, wenn die Leistungsfähigkeit der Programmierer verbessert werden sollte.

Seit zwei Jahren setzen wir strukturierte Programmierung und arbeiten fast ausschließlich mit der Programmiersprache Cobol. Lediglich Datenfernverarbeitungsprogramme werden noch in Assembler geschrieben. Hierfür haben wir jedoch einen eigenen TP-Monitor entwickelt, der es jedem Programmierer ermöglicht, die Datenfernverarbeitungszugriffe so zu gestalten, als wäre der Bildschirm ein ganz normales Ein-/Ausgabegerät wie Magnetband oder Magnetplatte.

Seit Oktober 1979 arbeiten wir im Testbetrieb interaktiv mit dem Betriebssystem BS2000. Wir befinden uns zwar noch in der Einarbeitungsphase, glauben aber, daß wir einen bis zu 20 Prozent schnelleren Programmdurchsatz haben werden.

Selbstverständlich arbeiten wir im Closed-Job-Betrieb. Unsere Arbeitsvorbereitung bereitet die Jobs soweit vor, daß der Operator nach der vorgegebenen Anweisung arbeiten kann. Die Jobs laufen daraufhin automatisch ab. Das heißt, sie korrespondieren untereinander so, daß zum Beispiel unsere Finanzbuchhaltung nach Beendigung der Datenübertragung gestartet wird und die gesamte Batch-Verarbeitung ohne weitere Operator-Eingriffe selbständig abläuft. Wir beabsichtigen, durch genaue Planung den Ablauf des Multiprogramming zu verbessern. Durch den Einsatz weiterer Datenfernverarbeitungsprogramme wollen wir den gesamten Output entsprechend verringern.