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11.03.1983

DV-Spezialisten kontra DV-Benutzer: Wo sitzen die Fachidioten?

Wer die Entwicklung der Datenverarbeitung einigermaßen mitvollzogen und miterlebt hat, kann sich ob der geführten Diskussion, je nach Temperament, entweder die Haare raufen oder schmunzeln.

Da wird den DV-Spezialisten vorgeworfen, sie wären vor lauter DV-Technik zu Fachidioten geworden und verstünden nicht mehr, sich dem jeweiligen Fachbereich verständlich zu machen. Da wird von den alten verbohrten Datenverarbeitern gesprochen, die des eigenen Prestiges willen mit ihrem Wissen knausern und daran die Vertreter der Fachbereiche nicht teilhaben lassen. Da wird von Machtstreben gesprochen, das aus der DV-Organisation kommend auf Unternehmensbeherrschung angelegt ist.

"Da wird das Herr-im-Haus-Syndrom zitiert"

Da wird die Betriebsblindheit zitiert, die betriebliche oder kaufmännische Notwendigkeiten unter das Primat der elektronischen Datenverarbeitung - der Maschine - stellen will. Da wird das Herr-im-Hause-Syndrom zitiert.

Das ganze wortreiche Schlachtgetümmel verdeckt aber die eigentlichen Ursachen der Schwierigkeiten, die einer vernünftigen Entwicklung akzeptierter Anwendungssysteme oder überhaupt nur Anwendungen entgegenstehen.

Wenn von Fachidioten gesprochen wird, und diese gibt es tatsächlich, dann sind diese bitte nicht nur auf der einen Seite zu finden. Wer kennt nicht Vertreter dieser Art in den verschiedensten Bereichen. Es gibt viel zu viele, die nicht imstande sind oder sein wollen, über den eigenen fach- oder sachbezogenen Gartenzaun hinwegzusehen - und das gilt wirklich nicht nur für den Datenverarbeiter.

Was das Fachchinesisch betrifft, so habe ich selbst genügend Situationen erlebt, in denen Nicht-EDV-Unternehmensbereiche eine Sprache entwickelt haben, die zwar nicht von Anglismen strotzt, aber dennoch für einen Uneingeweihten schwer verständlich ist.

Wenn von der Umständlichkeit der Datenverarbeitung gesprochen wird, dann wird völlig übersehen, daß es vielen Fachbereichsvertretern nicht möglich zu sein scheint, einigermaßen zusammenhängend und vollständig die eigene Arbeitsrealität zu beschreiben. Hinzu kommt, daß das von außen (nämlich vom DV-Mann) kommende Verlangen nach einer objektiven Schilderung der Arbeitstatbestände von jemandem, der in der Arbeitsroutine steckt, leicht als Störung, sogar als Provokation empfunden wird.

"Es werden Fronten aufgebaut, die zu unsinnigen ... Effekten führen"

Wenn es um die Frage geht, wer denn nun Herr im Hause sei, der Fachbereich oder die Datenverarbeitung, dann werden Fronten aufgebaut, die zu völlig unsinnigen und für das jeweilige Unternehmen schädlichen Effekten führen. So wie es richtig ist, daß jeder in seinem Fach normalerweise einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung hat, so ist es auch wieder richtig, daß die jeweils andere Seite ebenfalls denken kann und Verbesserungsmöglichkeiten sieht, die der eigentliche Fachmann unter Umständen nicht bemerkt hat.

Prinzipiell gegen Neues

So wenig Automationsverfahren allein Organisationsformen bestimmen dürfen, genausowenig sollten überlieferte Organisationsformen prinzipiell gegen Neuerungen in der Organisationstechnik verteidigt werden.

Richtig ist, daß es die EDV-Seite, was immer darunter zu verstehen ist, nur zum Teil verstanden hat, ihre Sprache soweit zu normalisieren, daß Nicht-Datenverarbeiter ihre Gedanken mitvollziehen können.

Richtig ist aber auch, daß es die außerhalb der EDV stehenden Bereiche kaum begriffen haben, daß auch sie sich in unserer technisierten Welt darum bemühen müssen, strukturierten Dialogen zu folgen und eigene Bedürfnisse nachvollziehbar objektivieren zu können.

Es hat also keinen Sinn, diese oder jene Seite für schuldig zu erklären. Besserung läßt sich immer dann erreichen, wenn sich beide Seiten entgegenkommen. Solange das nicht geschieht, wird man weiter Scheingefechte führen und Kraft und Zeit verschwenden.

Dann werden auch immer wieder Zeitgenossen auf Wunderangebote hereinfallen, die zukünftig jedes Programmieren entbehrlich machen und/oder den Eindruck erwecken, als ließen sich unabhängig vom Fleiß und vom konzeptionellen Denken moderne Computertechnologien erfolgreich nutzen.

"Der Benützer muß selbst Ideen entwickeln"

Der Computerbenutzer wird damit leben müssen, daß - auf welche Weise auch immer ein Computer für eine Problemlösung in Betrieb gesetzt wird - er die zu behandelnden Sachverhalte zunächst erst einmal in ihren Zusammenhängen erkennen und darstellen können muß. Das heißt, daß der Benutzer selbst Ideen entwickeln muß (oder sich entwickeln lassen muß), auf welche Weise denn ein technisches Hilfsmittel seine Arbeit unterstützen und möglicherweise seine Wirkungsweise verbessern kann.

Eigentlich war das schon immer so, so sehr sich die Szene auch äußerlich gewandelt hat. Das Problem wird weiter bestehen, mag es auch noch so großartige Verfahrensentwicklungen geben, die zweifellos den Weg von der Idee bis zur D(...)technischen Realisierung erheblich verkürzen helfen.