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17.08.1979

DV-Spezialisten: Qualifiziert für die Sackgasse?

"DV-Leute", frozzelt der Berliner DV-Chef Günther Lippert, "sollten ihren Beruf wechseln, wenn sie auf der betrieblichen Erfolgsleiter Höhenluft schnuppern wollen." Lippert spielt damit auf die Tatsache an, daß es DV-Spezialisten schwerer als "Generalisten" haben, in die Vorstandsetage aufzurücken. Die Ursache dafür sieht Jürgen Dold, Organisationsleiter in Hamburg, in der "totalen Fixierung auf den eigenen Job". Das bedeutet: Vernachlässigung des Umfeldes. Folge: Vermieste Karrierechanchen. Johann-Wilhelm Busch, DV-Trainer in Essen, gibt zu bedenken, daß die Branche noch viel zu jung ist, um viele qualifizierte Top-Leute zu produzieren. Durchblicken lassen alle vier von der CW befragten Fachleute, daß auch das Top-Management nicht ganz unschuldig an der heutigen Situation ist: Der Stellenwert der EDV wird nach wie vor verkannt. ha

Jürgen Dold, Leiter der Organisation, Eppendorf-Gerätebau, Netheler + Hinz GmbH, Hamburg

Die Frage, warum die EDV im Management nicht den ihr gebührenden Platz einnimmt, ausgedrückt durch die Feststellung, daß in der Regel keine EDV-Verantwortlichen dem Management angehören, ist durch zwei Gründe zu beantworten:

1. Eine wesentliche Ursache liegt zunächst in der Entwicklung der EDV.

Aufgrund der bis heute beibehaltenen Arbeitsweise der Computer, nämlich mit einem von außen festgelegten künstlichen Programm und einer exakten Adressierung zu arbeiten, sowie einer algorithmischen Struktur des Verarbeitungsbetriebs waren der Einsatz und die technische Beherrschung von Anfang an Spezialisten vorbehalten. Daran änderte sich auch wenig, als die weitgehend feste Verdrahtung mehr und mehr durch "anwenderfreundliche" Programmiersprachen ersetzt wurde.

Von dieser Arbeitsweise und der damit verbundenen "Logik" wurde das Fachdenken der EDV-Mitarbeiter stark beeinflußt. Damit kam man jedoch im Umfeld der EDV nicht zurecht: Menschen sind nicht algorithmisch strukturiert, und mit Logik ist ihnen in der Regel nicht beizukommen.

Hinzu kam der steigende Einsatz der EDV und die damit verbundene stärkere und bisweilen starke Nachfrage nach den Spezialisten. Das führte zu einem Gefühl der Überlegenheit bei ihnen, verbunden mit der Meinung, um die EDV drehe sich alles. Die fast totale Fixierung auf die EDV war die Folge. Nicht die Firma stand im Vodergrund sondern das eigene Fach.

Es fehle die Erkenntnis, daß die EDV nicht Selbstzweck, sondern ein Hilfsmittel sein sollte. Also nicht EDV-Einsatz um jeden Preis.

Da die Leiter der EDV-Abteilungen jedoch aus der Reihe der Spezialisten kamen, waren ihre EDV-Einsatz-Begründungen EDV-orientiert. Solange beim Management noch EDV-Prestige-Denken vorherrschte, ging das an. Als jedoch in vielen Fällen, vorsichtig gesagt, das errechnete Nutzen der ersten EDV-Anwendungen teilweise weit unter den entstandenen Kosten blieb, wurde das Management den Aussagen der EDV-Verantwortlichen gegenüber skeptischer.

Inzwischen ist sehr viel anwendungsbezogener geworden, dennoch müßten die leitenden EDV-Mitarbeiter noch wesentlich stärker das Umfeld beachten, wofür die EDV ja schließlich und letzten Endes arbeiten soll. Nur wenn die EDV-Spezialisten und besonders ihre Führungskräfte die EDV-Wirkungen aus der Sicht der Anwender sehen können und wollen und ihr Spezialwissen voll zur Verwirklichung des Unternehmenszieles einsetzen (und nicht nur zur Eigenbefriedigung), können sie erwarten, daß eines Tages auch Führungskräfte aus ihrem Fach dem Management angehören.

2. Seitens des Managements vermißt man in der Regel das zur richtigen Beurteilung der EDV unbedingt erforderliche Engagement. Da EDV-Fachleute im Management nur einmal selten zu finden sind, wäre das Management gezwungen, sich die fachlichen Voraussetzungen selbst anzueignen, um das doch etwas anspruchsvollere Werkzeug EDV einsetzen, kontrollieren und damit auch führen zu können. Hier entsteht jedoch der Eindruck, daß sich das Management der Beurteilung und der Möglichkeiten des EDV-Einsatzes nicht voll bewußt ist.

Es wird immer wieder gefordert, die Anwender frühzeitig in die EDV-Projektvorhaben einzubeziehen. Wie sieht es aber andersherum aus?

Es wurde eingangs dargestellt, daß die EDV-Verantwortlichen zu stark ihr Spezialfach in den Vordergrund stellen. Was aber tut das Management dagegen? Warum bezieht man die EDV-Führung nicht in den Kommunikationskreis des Managements ein?

Hier würde schnell deutlich werden, daß sich gesamtbetrieblich nicht alles nur um die EDV dreht, aber auch, daß die EDV starke Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen hat. Die viel beschworene schlechte Kommunikation zwischen EDV und Fachbereich würde sich verbessern können und die Gewichtung klar werden. Die im Management behandelten allgemeinen Fragen sind für den EDV-Bereich genauso wichtig wie die Erörterung der EDV-Fragen für die Fachbereiche. Organisation und EDV sind auf die intimen Kenntnisse und Beachtung des Umfeldes angewiesen, um ein für alle Bereiche gleichsam zufriedenstellendes Ergebnis erzielen zu können.

Die heute übliche Organisation mit Stabsabteilungen, und seien sie hierarchisch noch so hoch aufgehängt, kann die permanente Diskussion im Management nicht ersetzen.

Für die fehlende Vertretung der EDV im Management sind also zwei Gründe verantwortlich:

1. Eine bisher zu starke Bezugnahme der EDV-Verantwortlichen auf ihr spezielles Fach und damit einhergehende Vernachlässigung des Umfeldes.

2. Verkennung des Stellenwertes der EDV und Einflüsse der EDV auf gesamtbetriebliche Vorgänge und Mitarbeiter seitens des Managements und/oder fehlende Bereitschaft des Managements, entweder sich selbst fehlende EDV-Kenntnisse anzueignen oder gleichberechtigt, wie aus anderen Bereichen, aus der EDV-Verantwortliche in das Management aufzunehmen.

Sozusagen als Abfallprodukt würde das Thema "Kommunikation zwischen Fachabteilung und EDV" langsam, aber sicher an Bedeutung verlieren wenn sich sowohl EDV als auch Management in der vorstehenden Weise engagieren könnten.

Karl-Heinz Aufermann, Leiter der EDV, Deutsche Rockwool-Mineralwool GmbH, Gladbeck

Hat man in den 60er Jahren die Hollerith-Abteilung als einen Teil der Buchhaltung gesehen, so wurde in den 70ern die EDV diesem Bereich zugeordnet. Dies zur historisch gewachsenen Organisationsform.

Führungspositionen, wie EDV-Abteilungsleiter, Leiter der EDV-Organisation und Leiter der EDV-Anwendungsberatung, wurden oder werden auch heute noch mit Mitarbeitern aus den Bereichen Finanzen oder Personalwesen besetzt. Hier stellt man bereits bei der personalpolitischen Entscheidung erhebliche Nachteile für das Unternehmen fest.

Folgende Kriterien sollten für die Besetzung von Führungspositionen oder Planstellen mit Führungsaufgaben in der EDV-Fachabteilung entscheidend sein:

1. EDV-Wissen -

Grundsätzlich sollten nur EDV-Spezialisten Führungspositionen innerhalb eines

Fachbereiches EDV besetzen. Neben guten Hard- und Software-Kenntnissen muß der EDV-Spezialist Erfahrungen in der Organisation, der Programmierung mit mehreren Sprachen, in der Erfassung manueller Arbeitsabläufe und der Beherrschung der EDV-technischen Anwendungen haben. Perfekte Beherrschung mehrerer Programmiersprachen ist unbedingt

erforderlich und nachzuweisen.

2. Managementwissen -

Selbstverständlich, wenn auch sekundär, sollte die genaue Kenntnis der Arbeitsabläufe, Organisationsformen und Fertigungs- und Produktionsabläufe im Unternehmen sein. Dieses Wissen kann aber durch intensives Training auch kurzfristig erarbeitet werden.

Fazit:

Grundsätzlich sollte, trotz fehlenden EDV-Personals auf dem Arbeitsmarkt, nur derjenige Mitarbeiter die Chance haben eine Führungsposition zu erhalten, der innerhalb und außerhalb der EDV-Abteilung seine fachliche Kompetenz bewiesen hat. Selbstverständlich sieht die Wirklichkeit etwas anders aus. Man schlägt in den meisten Fällen den althergebrachten Entscheidungsweg für die Mitarbeiter-Auswahl ein. Ganz schuldlos sind die EDV-Fachleute daran nicht. Nur wenige EDV-Mitarbeiter (Spezialisten) treten direkt den Weg nach vorn an, die meisten wählen die breite Straße der Anpassung an die Fachabteilung, deren Aufträge sie gerade erfühlen. Selbstsicherheit, konsequentes Auftreten oder gar publizistisches Engagement haben Seltenheitswert.

Ich selbst kann da aus Erfahrung berichten: Als gelernter Stahlbauschlosser mit Volksschulabschluß bin ich einen harten Weg bis zum Hauptabteilungshalter der EDV gegangen.

Mein Ziel war nur die fachliche Qualifikation. Durch intensives Training habe ich mit meinen Qualifikationsnachweis geschaffen. Sicherlich ist die Führung einer EDV-Abteilung aufgrund ihres hohen Informationsstandes eine Konflikt-Abteilung im Unternehmen ist, so muß man das richtige Gespür finden für seinen beruflichen Erfolg. Es darf nicht (immer) die Folge eines Stellenwechsels sein, wenn man Führungsaufgaben bekommt.

Es ist von Vorteil, wenn beide oben erwähnten Grundsätze auf einen EDV-Mitarbeiter zutreffen; er kann dann durch ein wenig Zivilcourage seinen beruflichen Werdegang mitbeeinflussen. EDV-Abteilungsleitern sei auch gesagt, daß ganz besonders junge EDV-Nachwuchsmittarbeiter, die aus anderen Berufszweigen als den kaufmännischen kommen, sehr viel Ehrgeiz haben, in der EDV ihren Mann zu stehen.

Johann-Wilhelm Busch, MVR-Training, Essen-Kettwig

Ist es wirklich schwer für EDV-Spezialisten, "ganz nach oben" zu kommen?

Zwei Persönlichkeiten fallen mir dabei ein, deren Werdegang grundverschieden war, die aber heute beide "ganz oben" stehen.

Da ist zum einen der typische EDV-Fachmann, der über die EDV zur Spitze eines weltbekannten Großunternehmens (Rhein-/Ruhrgebiet) aufrückte. Zum anderen ein Mann der durch den Wechsel zu einem anderen Computerhersteller (Raum Frankfurt) auf europäischer Ebene an die Spitze gelangte.

Sind diese Beispiele typisch für das Berufsbild des EDV-Spezialisten? Die Beantwortung dieser Frage fällt jedem von uns leicht, wenn er in seinem täglichen Wirkungsbereich einmal nach "oben" schaut.

Aber warum ist es eigentlich so schwer? Sind EDV-Spezialisten zu spezialisiert und verlieren dadurch den "general-over-look"? Oder ist die Branche noch zu jung, um qualifizierte Top-Leute zu produzieren?

Ist möglicherweise der typische EDV-Mann mit Top-Level-Eignung gar nicht bereit, seine Spezialaufgabe gegen die eines Top-Managers einzutauschen, mit der er sich ganz sicher einem verantwortungsvollen Job und auch ein gutes Gehalt einhandelt, die auch der anderen Seite aber auch leicht in eine reine Verwaltungsrolle münden kann? Oder verhindert ganz einfach das Top-Management den Aufstieg, weil es schwieriger ist, den EDV-Spezialisten zu ersetzen als den Manager-Rechnungswesen, -Buchhaltung,

-Marketing, -Vertrieb oder wen auch immer?

Es hat den Anschein, daß die beiden letzten Punkte die Ursache dafür sind, daß es EDV-Spezialisten so schwer haben in der Unternehmenshierarchie ganz nach oben zu kommen. In unserem MVR-Training "Management" haben wir es oft mit hochqualifizierten Kundenmitarbeitern aus dem Bereich EDV zu tun, die den Drang in oder an die Firmenspitze von sich aus nicht verspüren. Vom Top-Management gehen auf der anderen Seite selten Impulse aus, die eine Bereitschaft dazu aufkommen lassen könnten.

Haben also deshalb EDV-Abteilungen einen - auf die "Peopleware" bezogen - so hohen Qualitätsstandard, weil ihnen die besten Leute überdurchschnittlich lange erhalten bleiben?

Hans-Günther Lippert, Leiter der Organisation und EDV, Waggon Union GmbH, Berlin

Das Selbstverständnis der Datenverarbeitung besteht darin, Sachverhalte und Kommunikationsbeziehungen in den Unternehmen zu ordnen und mehr oder weniger reibungslos funktionierende Arbeitsabläufe nach dem Willen der Unternehmensführung zu gewährleisten. Die Aufgabe ist - unabhängig von der Branche oder dem Wirtschaftszweig - in jedem Unternehmen dieselbe.

Dabei gewinnen die EDV-Verantwortlichen in der Regel einen genauen Überblick über alle Arbeitsabläufe der Fachabteilungen, und wer als leitender EDV-Fachmann mit einem Unternehmen gewachsen ist, hat die meisten Abläufe auch selbst mitgeprägt. Aber auch der nicht mit einer Firma gewachsen ist, sondern nur lange Jahre in einem Unternehmen für die EDV verantwortlich zeichnet, besitzt in der Regel ein Know-how über das innere Funktionieren des Unternehmens, wie sie in keiner anderen leitenden Funktion erreichbar ist. Insofern stünden dem EDV-Leiter neben den herkömmlichen Leitungspositionen in Fertigung, Vertrieb, Einkauf, Personal und Verwaltung eine etwa gleichrangige Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens zu.

Hierbei befindet sich der EDV-Fachmann in mancher Hinsicht im Nachteil. Die Datenverarbeitung ist in der Entwicklung der modernen Industrie seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine relativ junge Funktion in den Unternehmen. In Deutschland begann eigentlich erst nach 1945 der Einzug der Datenverarbeitung in die Unternehmen.

Was auch immer die großen Unternehmen groß gemacht hat - die EDV war daran nicht beteiligt. Und in der Gegenwart wird die Leistung der Datenverarbeitung schon allein deshalb laufend unterbewertet, weil das eigentliche Betriebsgeschehen an den EDV-Abteilungen zwangsläufig vorbeigeht. Das Alltagsgeschäft stützt sich aus der Sicht der Unternehmensleitungen auf die Säulen der Fertigung, des Verkaufs, auch des Einkaufs und des Personals, wobei aus dem Alltagsgeschäft eine andere Sicht auch nicht abgeleitet werden kann. Dadurch erscheint die EDV in ihrer Bedeutung zweitrangig. Aber auch an Unternehmensleistung, die aus einer langfristigen Perspektive heraus die Bedeutung der Datenverarbeitung erkennt, kann einen EDV-Manager kaum in eine echte Führungsposition heben, weil die eigentliche Ausbildung oder ein entsprechender Berufsweg zum Treffen unternehmerischer Entscheidungen bei diesen Leuten - in der Regel - fehlt.

Außerdem sind EDV-Leiter sehr hart arbeitende Mitarbeiter, die selten Zeit finden, "betriebspolitisch" aktiv zu werden. Sehr oft sogar haben Unternehmensleitungen auch Terminvorstellungen für die Organisation entwickelt, die Unverständnis für die organisatorischen Zusammenhänge erkennen lassen. Der EDV-Leiter muß da eine Art Abwehrkampf nach "oben" führen. Der EDV-Manager ist deshalb schon vom Job her unterlegen. Wenn er aufsteigen will, sollte er den Beruf wechseln.