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29.05.1998 - 

Standort Deutschland/Wirtschaftspolitik stößt DV-Investitionen an

DV spielt zentrale Rolle für erfolgreichen strategischen Wandel

Die Nachfrage nach Mitarbeitern mit Branchen- und DV-Erfahrung ist dermaßen gestiegen, daß Unternehmen sich die notwendige Kompetenz oft aus dem Ausland holen. Der Grund: Wirtschaftspolitische Änderungen wie zum Beispiel die Liberalisierung von Staatsmonopolen haben im Ausland früher stattgefunden als in Deutschland. Ausländische Arbeitskräfte verfügen daher über das Know-how und die Erfahrungen, die notwendig sind, um die Unternehmensstrategie den veränderten wirtschaftspolitischen Bedingungen anzupassen. Die Internationalität in der DV-Mannschaft führt allerdings auch zu Problemen, da viele DV- und Anwenderbereiche noch nicht in der Lage sind, mehrsprachige, multikulturelle Teams effizient zu Ergebnissen zu führen.

Betrachtet man die DV-Abteilungen der deutschen Unternehmen, stellt man fest, daß in manchen Firmen und Branchen Aufbruchstimmung herrscht. Damit verbunden ist eine überproportionale Steigerung des Investitionsvolumens im IT-Bereich. In anderen Wirtschaftszweigen hingegen ist die Zunahme des IT-Budgets seit Jahren auf dem gleichen Niveau geblieben.

Die Bedeutung der DV in deutschen Unternehmen hängt stark vom Grad des Wandels ab, dem eine Branche ausgesetzt ist. Dort, wo entscheidende Veränderungen nötig und möglich sind, spielt die Datenverarbeitung die zentrale Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung der strategischen Neuausrichtung. Mit anderen Worten: Änderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland führen zu Anforderungen an Branchen, denen diese nur durch massive DV-Investitionen begegnen können.

Dieser Zusammenhang zeigt sich deutlich in der Telekommunikationsindustrie: Seit der politischen Entscheidung über die Liberalisierung wird sowohl bei der Deutschen Telekom als auch bei ihren Wettbewerbern intensiv in neue IT-Systeme investiert. Der Markt entscheidet sich für den Telekom-Anbieter, der bessere Preise und Services bietet. Für die Newcomer bedeutet dieser Preiswettbewerb, daß sie Softwaresysteme benötigen, die die schnelle und flexible Anpassung der Preisstrukturen an die Kundenbedürfnisse ermöglichen. Ein Blick auf die amerikanischen Verhältnisse zeigt, was dem bundesdeutschen Konsumenten hier noch bevorsteht.

Auch in der Finanzwirtschaft läßt sich die Zunahme der DV-Investitionen auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Branche zurückführen: Seit die Banken durch aufsichtsrechtliche Beschlüsse gezwungen sind, ihr Risiko am Markt in vorgeschriebener Form zu managen und offenzulegen, investiert die Finanzwirtschaft in DV-Systeme, die das Risiko-Management und -Reporting abwickeln. Diese Lösungen schließen die Bereiche Handel, Backoffice und Unternehmensplanung mit ein und haben daher sowohl in der Umsetzung als auch in der Einführung weitreichende Folgen. Ziel ist es letztlich, Fälle wie den von Nick Leeson zu verhindern, der durch irreguläre Transaktionen mit Optionen das traditionsreiche Bankhaus Barings zum Kollabieren brachte.

Umgekehrt ist in Wirtschaftszweigen, in denen Veränderungen durch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen behindert werden, Stagnation erkennbar. Die Bereitschaft zu DV-Investitionen bewegt sich eher im unteren Bereich. Ein Beispiel hierfür ist das halbherzige Ladenschlußgesetz im Handel, das für die Entwicklung der Branche keinerlei Initialzündung besaß. Auch im personalintensiven Dienstleistungssektor werden strategische DV-Investitionen durch die allgemein beklagten zu hohen Lohnnebenkosten verhindert.

Doch wenn auch wirtschaftspolitische Weichenstellungen Veränderungen und somit profitable DV-Investitionen ermöglichen, deutsche Unternehmen und ihre DV-Abteilungen stehen immer noch vor dem Problem der erfolgreichen Umsetzung. Die Euro-Umstellung und Jahr-2000-Anpassung bedeuten für die Unternehmen einen so hohen Zeit- und Kostenaufwand, daß die Realisierung zentraler strategischer Projekte oft zu kurz kommt. Nach Angaben von IBM kostet allein die Einführung des Euro die Wirtschaft 300 Milliarden Mark, wovon ein Großteil DV-Ausgaben sind. Diese Finanzmittel fehlen den Unternehmen für DV-Investitionen im strategischen Bereich.

In wenigen Jahren werden diese Projekte abgeschlossen sein. Dann bietet sich der deutschen Wirtschaft eine einmalige Chance: Das Mitarbeiterpotential kann für die Umsetzung wettbewerbsstrategischer Projekte eingesetzt werden.

Doch sind erfahrene IT-Spezialisten hierzulande rar. Die Zahl der offenen Stellen im DV-Sektor wird auf mehrere 10000 geschätzt. Die Suche nach Fachkräften, die gleichermaßen Branchen- und Technologiekompetenz besitzen, bringt häufig Mitarbeiter mit internationaler Erfahrung. Besonders Fachleute aus Ländern, die ähnliche Entwicklungen bereits vor einigen Jahren durchlaufen haben, sind für deutsche Unternehmen interessant. So suchen die neuen Anbieter auf dem liberalisierten Telekommunikationsmarkt häufig Mitarbeiter aus den USA, die während der dortigen Liberalisierung umfassendes IT-Know-how aufgebaut haben. Oft werden auch internationale Beratungsunternehmen zu Rate gezogen, die schon in den USA die Anpassung der DV-Systeme an die Herausforderungen des liberalisierten Markts begleitet haben.

Zahlreiche Unternehmensberatungen sind heute bereits europaweit oder global organisiert und können so den Bedarf an spezifischen DV-Skills und Erfahrungen kurzfristig aus ihrem weltweiten Mitarbeiterpool decken. Wenn zum Beispiel ein Spezialist mit Erfahrung im objektorientierten Design von Risiko-Management-Systemen für Frankfurt benötigt wird, so findet man diesen gegebenenfalls in London oder New York eher als auf dem deutschen Markt. Firmen, die solche Unternehmensberater einsetzen, umgehen damit oft interne Probleme.

Ob eigene Mitarbeiter oder externe Unternehmensberater: Der Bedarf an erfahrenen Mitarbeitern führt dazu, daß eine große Zahl von IT-Fach- und Führungskräften aus dem Ausland kommt und Englisch als Projektsprache eine immer größere Bedeutung erhält. Für Unternehmen in anderen europäischen Ländern ist dies schon heute Realität: Viele Meetings in den Niederlanden, in Belgien, Polen, Spanien und Portugal werden heute in Englisch geführt, damit sich die ausländischen Kollegen am Gespräch beteiligen und ihre Erfahrungen einbringen können. Auch einige deutsche Unternehmen sind dazu übergegangen, Englisch als offizielle Projektsprache für bestimmte Bereiche einzuführen.

Die Umstellung auf eine multikulturelle und mehrsprachige Projektarbeit ist aber nicht ganz frei von Problemen: Hausmitteilungen, Arbeitsanweisungen und interne Richtlinien müssen gegebenenfalls übersetzt werden, Arbeitsverträge sollten in einer Sprache abgefaßt sein, die der neue Mitarbeiter und die auch die Rechtsabteilung abzusegnen bereit ist. Insbesondere bei Diskussionen, in denen es um eine Entscheidung in der Gruppe geht, führen die unterschiedlichen kulturellen Prägungen internationaler Teams schon mal zu Mißverständnissen: bedeutet ein "Yes" nur "Ich habe verstanden", oder bedeutet es "Ich stimme zu"? Ist Schweigen Zustimmung, oder heißt es, daß der Kollege dieses Thema neu aufrollen will?

Die Herausforderungen, denen sich internationale Teams stellen, werden aber durch die Bereicherung an neuen, kreativen und "Out of the box"- Ideen mehr als aufgewogen. Multikulturelle Teams finden häufig Lösungen, wo konventionelle Gruppen nicht weiterkommen. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt dieser Internationalisierung ist die Auswirkung auf die Unternehmenskultur. Der Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und internationalen Kollegen führt außerdem zu neuen Sichtweisen und erweitert den Horizont der Mitarbeiter.

Lage und PerspektivenArbeitsmarkt Informationstechnik

Deutschland

Arbeitsplätze im IT-Bereich: 630000 (Stand: 1997)Umsatzentwicklung: 1996: 80 Milliarden 1997: 85.6 Milliarden 1998: 91,6 Milliarden

- Die IT-Märkte entwickeln sich im vierten Jahr in Folge über dem allgemeinen Durchschnitt

- Insgesamt entsteht im IT-Sektor jedes Jahr ein zusätzliches Marktvolumen von mehr als sechs Milliarden Mark.

- Im Hardwaresektor stiegen 1996 Auftragseingang und Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zirka zehn Prozent, die Produktion legte um gut acht Prozent zu.

Quelle: Fachverband Informationstechnik

USA

Arbeitsplätze im IT-Bereich: 1997: 2,5 Millionen 2003: vermutlich über fünf Millionen

Internet-Sektor: 380000 Beschäftigte (Deutschland: 38000)

Umsatzentwicklung:

1994: 300 Milliarden Dollar 1998: 500 Milliarden Dollar

- Zwischen 1994 und 2005 wird man in den USA mehr als eine Million neue IT-Fachkräfte benötigen; das entspricht einer Zahl von 95000 neuen Stellen, die jährlich besetzt werden müssen (diese Erhebung beruht auf Zahlenmaterial von 1994).

Quelle: Information Technology Association of America

Angeklickt

Die DV-Abteilungen in deutschen Firmen erleben aufgrund ihrer besonderen Rolle für die Unternehmensstrategie frühzeitig einige Entwicklungen, die im Rahmen des europäischen Zusammenwachsens und der Globalisierung der Märkte anderen Unternehmensbereichen noch bevorstehen. Häufig bietet ein multikulturelles Team, also quasi die Globalisierung der "Workforce" die Chance, die Firmenkultur auf den internationalen Wettbewerb vorzubereiten. Dazu gehört auch die Fähigkeit, schneller auf Veränderungen des Markts reagieren zu können - die Bereitschaft zur individuellen Flexibilität innerhalb des Unternehmens sowie die räumliche Mobilität.

Klaus Elix ist Chief Technology Officer für Europa bei AMS Management Systems in Frankfurt.