Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


07.09.1990

DV-Strategie gehört überprüft, nicht SAP

SAP-Spezialisten gesucht"- Anzeigen wie diese finden sich immer häufiger im Stellenteil der COMPUTERWOCHE. Nicht nur bei PC-Freaks, denen die Mainframe-DV schnuppe ist, stößt die Message auf Unverständnis. "SAP" ist ja kein gängiges Kürzel, wenn es um Anforderungsprofile in der Datenverarbeitung geht. Cobol, RPG oder MVS würde man an dieser Stelle eher als Zeichen des Know-how-Defizits durchgehen lassen. Doch so seltsam ist der Vorgang auch wieder nicht, seine Ursachen sind vielmehr offenkundig: Mit der fortschreitenden Integration der Standardmodule für die verschiedensten Anwendungsbereiche wächst der Zwang in den Unternehmen, die eigene Organisation an die SAP-Software anzupassen - mit den vorhandenen Mitarbeitern ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen. CW-Leser Martin Kütz hat auf diese Problematik hingewiesen (CW Nr. 35 vom 31. August 1990, Seite 1: "Kritik an SAP-Kunden von Beratern abhängig").

Hier noch einmal die Kernaussage von Martin Kütz: "Die Entscheidung für eine SAP-Lösung ist eine der folgenreichsten für die Informationsverarbeitung eines Unternehmens. Sie beeinflußt maßgeblich den Hardware-, Betriebssystem- und Datenbankeinsatz, und sie verändert die Abläufe im Rechenzentrum, die DV-Personalstrukturen und den Prozeß der Anwendungsentwicklung."

Die Abhängigkeit von SAP ist Wirklichkeit. Daß sie von den Anwendern nicht als bedrohlich empfunden wird, wirft ein merkwürdiges Licht auf die DV-Szene. Das Gros der SAP-Kunden wird mit der Kütz-Kritik nichts anfangen können. Das hängt womöglich damit zusammen, daß Software etwas Unsichtbares, nicht Greifbares ist. Wenn die Hardware nicht paßt, werden die Interessenten folgerichtig mit einem Anwenderboykott reagieren.

Wenn es jedoch um Software geht, können die Produzenten mit kunstvollen Tricks kaschieren, daß der Anwender in eine Zwangsjacke gesteckt wird. Was im Softwaremarkt dieser Tage geboten wird, ist nicht mehr ein harmloses Versteckspiel, sondern vielmehr ein Trauerspiel. Es ist eine Zumutung, beispielsweise hören zu müssen, daß mit Standardprogrammen Ó la SAP organisatorische Probleme gelöst werden können. Zur Abwechslung sollen nicht mehr Kisten (Systeme und Peripherie) oder mehr Tools (Datenbanken, Abfragesprachen etc.) für Abhilfe sorgen, sondern zusätzliche Mitarbeiter, in diesem Fall externe mit SAP-Kenntnissen.

Auf der Suche nach Auswegen kommen die DV-Verantwortlichen um einen Kassensturz nicht herum. Das heißt: Die eigene DV-Strategie gehört überprüft, nicht das Verhalten des SAP-Managements. So haben wir auch die Kütz-Kritik verstanden. Es wäre schon viel gewonnen, wenn in dieser Richtung weitergedacht würde.