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13.11.1987 - 

Technik-Engagement zahlt sich für arbeitslose Akademiker aus

DV-Umschüler: Notnagel für die Wirtschaft

WIESBADEN - Nicht nur das Geschäft mit der DV-Bildung hat Konjunktur. Auch Absolventen von Umschulungs-Maßnahmen befdinden sich im beruflichen Aufwind. Dieses Ergebnis verzeichnete das Computer-Bildungs-lnstitut (CBI) in Wiesbaden bei "Ehemaligen"-Umfragen von vordem arbeitslosen Akademikern zwischen den Jahren 1984 und 1987.

Jährlich besteht ein Bedarf von etwa 10 000 neuen Fachleuten im Softwarebereich. Von den Hochschulen aber kommen mit Informatikausbildung nicht mehr als 2000 bis 3000 Absolventen. Zwar zeichnet sich als Tendenz in den Anzeigen der Stellenmärkte in überregionalen Tageszeitungen bereits ab: Die Suche der Unternehmen konzentriert sich auf den Informatiker. Doch Hochschulen können die Zahl der benötigten Bewerber bisher nicht anbieten. Die Nachfragewerte signalisieren also für Werner Dostal vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit: Ein erheblicher Teil an mehr oder weniger DV-Fachfremden hat immer noch gute Chancen.

Von 100 arbeitslosen Hochschulabsolventen schätzen 32 ihre eigentliche berufliche Zukunft als hoffnungslos, eine Beschäftigung im DV-Sektor aber als attraktiv ein, belegt ein CBI-Wert, so daß sie sich gar nicht erst um eine Position im gelernten Fachbereich bewerben. Der Anteil der Universitätsabgänger (71 Prozent) liegt dabei weit über dem der Fachhochschüler (17 Prozent). Auch die Wartezeiten bis zum Beginn einer Maßnahme haben sich nach Werten der Wiesbadener reduziert.

Große Anwender-Unternehmen rekrutieren, ebenso wie Mittelständler, die ihr technisches Equipment aufstocken, vermehrt besonders Organisationsprogrammierer. Starteten vor drei Jahren 46 Prozent CBI-Absolventen mit dieser Berufsbezeichnung, sind es heute 65 vom Hundert. Wer den Berufseinstieg schaffte, der bleibt auch dabei, lautet die Erfahrung von Instituts-Gründer Karl Bolle. So stieg die Akzeptanz gegenüber den Wiesbadener DV-Fachkräften mit der technischen und betriebswirtschaftlich-organisatorischen Doppelqualifikation bei DV-Herstellern (von acht auf zwölf Prozent und Unternehmensberatungen (von ein auf vier Prozent).

Von den Kursteilnehmern konnte sich laut der CBI-Erhebung ein zunehmend großer Teil rasch nach oben arbeiten: Immerhin erreichten sechs Prozent den Status eines DV-Leiters, rund ein Fünftel der Org.-Programmierer avancierte in die Systemplanung und Projektbetreuung oder fand einen Platz in den Segmenten Software und Koordination.

Bundesdeutsche Umschulungsmaßnahmen, die im Rahmen des Arbeitsförderungsgesetzes finanziert werden, haben sich in den vergangenen Jahren stark auf den Computerbereich verschoben. Zehn Prozent aller geförderten Lehrgänge beziehen sich entweder auf Computerfachleute, die weitergebildet werden oder auf Neueinsteiger, die sich zu Computerkräften umschulen lassen. Auch Akademiker aus naturwissenschaftlichen Fachrichtungen sowie Bewerber aus völlig DV-fremden Bereichen drängen in den DV-Sektor. So verzeichnet der CBI-Chef mit 45 Prozent die Pädagogen als Spitzenreiter bei der Teilnahme am Bildungsangebot zum Org.-Programmierer.

Im Studium erworbene Kenntnisse und die DV-Beschäftigung lassen sich unter einen Hut bringen, betont etwa die Hälfte aller CBI-Absolventen. Hierzu zählen auch jene neun Prozent praxiserfahrener Lehramtskandidaten, die in die Erwachsenenbildung überwechselten. Diese Entwicklung bezeichnet Bolle als stabil.

Den Erfolg im Beruf stützt eine hohe Identifikation der ehemals "Berufsfremden". Zwei Drittel der frischgebackenen Computerfachleute sehen sich 1987 "voll und ganz" in den Erwartungen an ihre Anfangsstellung bestätigt. Vor drei Jahren betrug ihre Zahl 48 Prozent. Mit 34 Prozent melden gegenüber 1984 mit 27 vom Hundert weit weniger "nur zum Teil zufriedenstellend".

Das Engagement während der Ausbildung zahlt sich aus. Einen Minimalverdienst von weniger als 40 000 Mark im Jahr weisen nur etwa drei Prozent auf. Befanden sich vor drei Jahren noch knapp die Hälfte in der Gruppe um 50 000 Mark, sind es derzeit nur 25 Prozent. Aus der Einkommensklasse um 60 000 Mark gelingt es, so die Wiesbadener Erfahrungen, meist erst nach etwa zwei Jahren auszubrechen. Ab dieser Verdienstmarge aber konnten die Teilnehmer eine Verdopplung vom Anfangszum aktuellen Gehalt verbuchen.

Nach etwa vier Jahren Erfahrung im DV-Job liegen die Einkommen der CBI-Absolventen zwischen 80 000 und 100 000 Mark. Der Vertriebsbeauftragte erreicht dieses Niveau häufig bereits nach einem Jahr; in der Software-Erstellung, der Personalführung sowie der Datenbank- und Systemspezialisierung dauert dieser Sprung etwa die doppelte Zeit.

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr traditionelle Fachrichtungen und Berufe kommen nicht mehr ohne Computerwissen aus. Man rechnet deshalb damit, daß wir eine Informationsgresellschaft bekommen. Oder umgekehrt? Das "Henne-und-Ei"-Problem ist immer noch ungelöst.

Doch wer oder was sind die Protagonisten der neuen Technik? Bei allen Unklarheiten steht nur dies wirklich fest: Sie sind stark nachgefragt. Denn pro Jahr fehlen etwa 10 000 neue Fachleute allein im Softwarebereich.

Aus den Hochschulen als Quelle für Wissensträgrer tröpfelt es derzeit nur. Von dort kommen mit Informatikausbildung nämlich nicht mehr als 2000 bis 3000 Absolventen per annum. Stellenofferten en gros sigrnalisieren also für Experten von der Personalfront am Arbeitsmarkt: Ein erheblicher Teil an mehr oder weniger DV-Fachfremden hat immer noch gute Chancen.

Indes zeichnet sich bereits eine neue Tendenz in den Personalmarkt-Anzeigen der überregionalen Tageszeitungen ab: Die Suche der Unternehmen konzentriert sich auf den Informatiker. Ohne Studium hat die DV-Karriereleiter in den 90ern offensichtlich nur wenig Sprossen. Das hat einige einleuchtende Gründe: zum einen werden die Aufgabenstellungen facettenreicher. Der Fachmann braucht künftig einen tiefgehenden Theoriebezug, um mit komplexen Systemen umgehen zu können. Zum anderen aber: Einkommen in verschiedenen hierarchischen Ebenen klaffen nicht mehr gravierend auseinander.

Weniger fundiert ausgebildete und deshalb ehemals billigere Arbeitnehmer erhalten jetzt - mit Blick auf die Personalkosten - nicht immer auch eine berufliche Chance.

Damit ist "DV" also kaum noch das häufig gepriesene Kürzel für einen langfristigen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, gibt es doch den Computerprofi ohne Job. Seit einigen Jahren steht hierzulande die Zahl der arbeitslosen DV-Fachleute fest bei 5000. lhr Know-how weicht deutlich von dem Bedarfsprofil der offenen Stellen ab - oder anders: Qualifikationen sind veraltet. Bei vakanten Stellen für Computerfachleute gehen etwa achtzig Prozent an Hochschüler, während bei arbeitslosen DVern der Anteil der Uni-Absolventen nur etwa zwanzig Prozent beträgt. Zumindest Computerprofis brauchen für das Personalkarussell langfristig die akademische Eintrittskarte.

Noch ist die feine DV-Gesellschaft jedoch offen: für jene Einsteiger mit mittlerem Bildungsabschluß, auch Umschüler und Arbeitnehmer mit langer Berufspraxis, die eine Kombination von Computerwissen und Fach-Qualifikationen bieten können. Doch die nächste Umschulung kommt bestimmt.

Cobol zu beherrschen, ist künftig nicht mehr allein Trumpf im Job-Poker, sondern schlicht selbstverständlich. Systekenntnisse und -qualifikationen drängen diese Fähigkeit nämlich in den Hintergrund. Mehr und mehr sind dabei auch Leute gefragt, die einen so banalen Begriff wie "lntegration" mit Leben füllen können. In die feine DV-Gesellschaft tritt neben den Spezialisten mit dem vertikalen Know-how der Generalist - und dies ist nicht abwertend gemeint. Distanz zum Spezialistenwissen zu haben, ermöglicht eine andere Sicht der Dinge. Diese Sicht ist langfristig für das Unternehmen überlebenswichtig.