Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.06.1995

DV-Umstellung von DPPX auf Unix kostet rund 200 Millionen Mark Fuer die Barmer beginnt jetzt Client-Server-Zeit

MUENCHEN (hv) - Den Abschied von ihren proprietaeren IBM- Abteilungsrechnern unter dem Betriebssystem DPPX plant die Barmer Ersatzkrankenkasse, Wuppertal. Als Generalunternehmer fuer das Millionenprojekt wurde die IBM Deutschland GmbH gewaehlt, die als urspruenglicher Lieferant wohl am ehesten imstande ist, ihre DPPX- Altlasten gegen Unix-Systeme auszutauschen und die wichtigsten operationalen Anwendungen zu portieren.

Die Barmer wird in einem ersten Schritt bis Mitte 1996 ihre "bildschirmunterstuetzte Sachbearbeitung" durch die bundesweite Einfuehrung einer Buerokommunikations-Umgebung ergaenzen. Damit verbunden ist die sukzessive Einfuehrung von RS/6000-Rechnern unterschiedlicher Groesse, die zunaechst neben der vorhandenen DPPX- Welt betrieben werden sollen. Alle 1500 Geschaeftsstellen erhalten IBM-Server, auf denen die Buerosoftware "Ongo Universal Office Server" von der Muenchner Uniplex GmbH installiert wird. An den Arbeitsplaetzen stehen je nach Ausstattung Client-Komponenten fuer Windows-PCs oder 3270-Terminals zur Verfuegung.

In einem zweiten Schritt will die Barmer mit Unterstuetzung ihres Generalunternehmers IBM die Anwendungen fuer die Sachbearbeitung von den DPPX- auf die Unix-Systeme portieren. Auch die Datenbestaende werden auf die RS/6000-Maschinen uebertragen, wo sie in relationalen Datenbanken verwaltet werden sollen.

Ab Mitte 1998 rechnet die Ersatzkrankenkasse damit, ihre umgestellten und zum Teil neu entwickelten Anwendungen fuer die Sachbearbeitung einfuehren zu koennen.

Zur Zeit suchen die Wuppertaler noch nach geeigneten Programmierwerkzeugen fuer die Client-Server-Entwicklung. Die flaechendeckende Einfuehrung der Programme soll bis zum Ende des Jahrtausends abgeschlossen sein. Zirka anderthalb Jahre, so rechnen die DV-Verantwortlichen, muessen die alten und neuen Sachbearbeitungs-Anwendungen parallel betrieben werden.

Die Mitarbeiter in den Geschaeftsstellen werden bereits jetzt teilweise mit PCs ausgeruestet. Nach ausfuehrlichen Tests hat die Barmer zunaechst 7500 Prolinea-Modelle von Compaq geordert, die von der Compunet AG geliefert und gewartet werden. PC-Angebote von IBM, Siemens-Nixdorf und Unisys konnten sich nicht durchsetzen.

Auch die rund 4500 neuen Laserdrucker bezieht die Krankenkasse von Compunet. Dabei handelt es sich um Modelle der IBM- Tochtergesellschaft Lexmark. Das Kerpener Handelshaus gewaehrte der Barmer eine fuenfjaehrige Garantie auf das gesamte PC- und Drucker- Equipment.

Mit der Dezentralisierung ihrer Datenverarbeitung hatte die Barmer bereits Mitte der 80er Jahre begonnen, als sie eine bildschirmunterstuetzte Sachbearbeitung in den Filialen einfuehrte. Die hierzu benoetigten Anwendungen dienen ueberwiegend der Verarbeitung von Informationen ueber Mitglieder beziehungsweise Arbeitgeber. Sie liefen auf Rechnern der 8100-Reihe (heute ES 9221) unter dem Betriebssystem DPPX, dessen Wartung die IBM zum Leidwesen mancher Grosskunden in Kuerze einstellen wird.

Bei den Arbeitsplaetzen handelt es sich um 3270-Terminals, die lokal oder entfernt ueber Standleitungen an die DPPX-Rechner angeschlossen sind. Diese stehen ihrerseits mit dem zentralen MVS- Mainframe in Wuppertal in Verbindung. Die Barmer nutzt heute bundesweit 120 solcher ES/9221-Subsystemrechner, die ueber Standleitungen oder Datex-P an den Wuppertaler IBM-Grossrechner (ES9021-820) angebunden sind.

Wie kurz die Geschichte des Abteilungsrechners sein wuerde, konnten aufgrund des IBM-Marketing-Wirbels zu Beginn der 80er Jahre weder die Barmer noch die anderen True-blue-Shops ahnen - dazu zaehlten ueberwiegend Versicherungen, aber auch die gelbe Post.

8100-Rechner und DPPX waren ein Flop fuer IBM

Vor allem in den USA floppte das proprietaere System, so dass Big Blue sein Engagement nach kurzer Zeit einschraenkte. "DPPX wird ab 1998 nicht mehr von der IBM gepflegt", nennt denn auch Otto Brikey, DV-verantwortliches Mitglied der Barmer-Geschaeftsfuehrung, einen der wichtigsten Gruende fuer den Wechsel in die AIX-Welt. "Wir waren gezwungen, uns ein anderes Betriebssystem zu suchen."

Ihre Terminal-Systeme mustert die Krankenversicherung zunaechst nur teilweise aus, da viele Geraete noch nicht abgeschrieben sind. Langfristig soll an jedem Arbeitsplatz ein PC stehen, der im Sinne der Client-Server-Idee Teile der Verarbeitung beherbergen wird. Die Rechner werden jedoch aus Sicherheitsgruenden ohne Diskettenlaufwerke angeliefert. Sie holen die jeweils benoetigten Server-Anwendungen fuer Buerokommunikation und Sachbearbeitung nach vordefiniertem Muster vom Server. Zu diesem Zweck werden auf den RS/6000-Servern detaillierte Profile der einzelnen Arbeitsplaetze vorgehalten.

Auf ihren Mainframe will die Wuppertaler Zentrale auch kuenftig nicht verzichten. Er soll weiterhin als zentrale Datenhaltungs- und Steuerungseinheit dienen. Allerdings planen die Versicherer, das Betriebssystem MVS zu Beginn des naechsten Jahrtausends gegen IBMs Unix-Derivat AIX auszutauschen.

Ueber die Kosten der DV-Umstellung haelt sich die Barmer bedeckt. Allerdings wird in Branchenkreisen gemunkelt, alleine die IBM habe als Generalunternehmer und Lieferant der Server-Systeme einen Auftrag ueber rund 150 Millionen Mark eingeheimst. PCs und Drucker fuer knapp 50 Millionen Mark wurden bei Compunet geordert.

Um die Generalunternehmerschaft haben sich neben der IBM auch vier weitere Unternehmen beworben, darunter Siemens-Nixdorf und Unisys. Sie hatten jedoch nach Insider-Informationen keine Chance, weil die IBM das guenstigere Angebot unterbreiten und das noetige Know- how im DPPX-Umfeld bereitstellen konnte, um ein solches Projekt zu stemmen. Die Anzahl der zu portierenden oder umzuschreibenden Programme geht nach inoffiziellen Angaben in die Tausende - eine Aufgabe, die wohl nur von einem Unternehmen zu bewaeltigen ist, das an der Entwicklung der Anwendungen beteiligt war.