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26.07.1985

DV-Unterstützung wird beim Endbenutzer wieder geschätzt

Mikrocomputer im Wert von Millionen Mark stehen inzwischen in bundesdeutschen Unternehmen herum. Doch scheint sich ihr Nutzen derzeit noch in Grenzen zu halten. Offensichtlich haben die Benutzer in den Fachabteilungen das Problem der Datenbeschaffung unterschätzt. Damit ist trotz "eigenen" Computern die Hilfe der DV-Abteilung wieder gefordert. Für Jürgen Peulen, SCS-Berater für Tele- und Bürokommunikation, steht fest, daß der erfolgreiche Mikro-Einsatz in größeren Unternehmen nur durch ein Benutzer-Service-Zentrum gewährleistet werden kann. Peulen hält es aber auch für wichtig, schon jetzt an längerfristige Perspektiven zu denken. "Denn", so der Berater, "wer könnte für ein stufenweises Aufbauen von Multifunktionalität besser geeignet sein als die kleinen Rechnerriesen?"

Thomas Centner

Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt

Die Zahl der professionell eingesetzten Mikrocomputer wird in den kommenden Jahren erheblich wachsen. Das bestätigen erneut die Analysen bei der Erstellung der neuesten Diebold-Mikrocomputerstudie (Juni '85). Wofür die in den nächsten fünf Jahren erwarteten professionellen Mikros (bis 1990 zusätzlich rund eine Million) bei den Anwendern eingesetzt werden, läßt sich anhand einiger Überlegungen absehen.

Die Anwender von Universalrechnern und Bürocomputern befinden sich mit dem Einsatz von Arbeitsplatzcomputern noch überwiegend in der Testphase. Dieser Test erstreckt sich einerseits auf isolierte Lösungen (für das Controlling, für Vertriebs- und Absatzplanung, für Budgetierung oder auch für Textverarbeitung), andererseits auf die Erprobung von Einsatzmöglichkeiten als intelligente Terminals. Hier stehen wiederum einige Anwendungsgebiete im Vordergrund: Für die DV-Systemspezialisten kann dies die Systementwicklung und in deren Gefolge die Softwareentwicklung sein. In den Fachabteilungen sind Anwendungen verschiedener Art denkbar. Dabei geht es im Sinne des Erfahrungserwerbs zunächst ebenfalls primär um isolierte Anwendungen, zum Beispiel Planungsrechnungen, Statistiken oder kleinere Dateien.

Die DV-Chefs der Unternehmen betrachten solche Entwicklungen mit gemischten

Gefühlen, weil diese sich oft als schwer kontrollierbar erweisen. Doch werden die Fachbereiche wahrscheinlich nach solchen "Lehrjahren" nicht zögern, sich der nächsten Einsatzstufe - dem integrierten Netz - anzuschließen, wenn die DV-Leitung entsprechend komfortable Lösungen anbietet. Dazu gehören der Zugriff auf interne und externe Datenbanken oder die Bearbeitungsmöglichkeit komplexer Geschäftsvorfälle unmittelbar am Ort des Sachbearbeiters.

Integrierte Einsatzlösungen für Mikrocomputer stehen heute noch am Anfang, denn sowohl die PC-Netzwerke auf LAN-Basis als auch die vielfach diskutierte Mikro-Mainframe-Verbindung stoßen in der Praxis auf größere Realisierungsprobleme, als es die Anbieter oft wahrhaben möchte. Doch daß der Tend in diese Richtung geht, ist nicht zu bezweifeln.

Neben den größeren Anwendern, die Mikros künftig zusätzlich einsetzen, wird die Gruppe der Einsteiger stärker in den Vordergrund treten. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Unternehmen, die in der Vergangenheit mit Service-Rechenzentren zusammengearbeitet oder ihr Rechnungswesen nach konventioneller Art unterhielten. Das wachsende Angebot von Branchenlösungen auf Mikrocomputern erleichtert dabei den Einstieg. Hinzu kommt, daß moderne Hilfsprogramme wie Tabellenkalkulation oder erhöhter Bedienungskomfort, wie sie die Fenstertechnik und die "Maus" bieten, die Attraktivität der Rechner erhöhen.

Mit dem Vordringen der sogenannten Supermikros (über 25 000 bis 50 000 Mark Kaufpreis) wird überdies noch ein Hindernis ausgeräumt, das die bisher am Markt befindlichen Mikros auszeichnete: die nicht vorhandene oder unzureichende Mehrplatzfähigkeit. Mit den Supermikros wird sich den Herstellern ein neues Anwendungspotential erschließen, für viele Anwender tut sich ein neuartiges DV-Potential auf. Die Service-Rechenzentren werden sich abermals etwas Neues einfallen lassen müssen.

Jürgen Peulen

Berater für Tele- und Bürokommunikation, Fachbereich Büroautomation, SCS, München

Die Zeit der falschen Einschätzung der kleinen Rechnerriesen ist vorbei. CPU-Leistungen, Hauptspeicherkapazitäten mit Leistungswerten, die vor Jahren nur der Groß-DV vorbehalten waren lösen nur sehr bedingt die eigentlichen Probleme des doch meist DV-unkundigen Anwenders. Zwar gibt es auf dem Markt eine Vielzahl von ausgesprochen leistungsfähigen Standard-Softwarepaketen, die sich nicht zuletzt als Speicherfresser erwiesen haben, aber eine derartige Funktionsfülle bieten, daß eine wirkliche Nutzung nur gewährleistet ist bei ausreichender Schulung und fachkundiger Unterstützung des Anwenders. Weiterhin sind diese Standard-Softwarepakete Grundwerkzeuge (zum Beispiel Spreadsheet, relationale Datenbanken mit ihren Sprachmitteln), die erst dann Sinn machen, wenn sie qualifiziert als Problemloser eingesetzt werden können. Diese Ernüchterung ist allerortens zu beobachten.

Der Stand-alone-Einsatz von Mikrocomputern (Ein- und Mehrplatzsysteme) in kleinen und mittelständischen Betrieben macht auf jeden Fall Sinn, wenn entsprechende Branchen-Standardsoftware vorhanden ist. Dies ist jedoch MDT-Weisheit. Neu ist die Möglichkeit, mehrere Mikros zu einem lokalen Netzwerk (LAN) zusammenzuschließen. Hier sollte sorgfältig geprüft werden was sinnvoll ist, ein Mehrplatzsystem oder vernetzte PC.

Als problematisch hat sich jedoch die Beschaffung vieler Arbeitsplatzrechner durch die Fachabteilungen in größeren Organisationen und Unternehmen erwiesen. Da die Anschaffung meist von der Abteilung verantwortet werden konnte, wurde der Kauf ohne vorherige ausreichende Einsatzanalyse oft vorschnell durchgeführt. Nachdem man den Mikro mit seinem Betriebssystem und die nach langen Mühen ausgewählte Standard-Software halbwegs im Griff hatte sowie auch punktuelle Einsatzbereiche realisiert waren, stellte man fest, daß das Erreichte nur teilweise die Anforderungen abdeckte. Was war geschehen? Der Mikro-Anwender hatte das Problem der Datenbeschaffung unterschätzt. Da in größeren Organisationen viele relevante Daten schon DV-mäßig aufbereitet in irgendwelchen Host- oder Abteilungsrechnern vorhanden sind, war der logische Schritt sich diese Daten von dort zu beschaffen, sehr schnell getan.

Doch die Umsetzung dieses Vorhabens stellte den Nutzer in der Fachabteilung plötzlich vor unlösbare Probleme. Also war nun doch trotz "persönlichem Computer" die DV-Abteilung gefordert.

Ein weiterer Aspekt beim Mikro-Einsatz ist der der Kommunikation mit Menschen oder Applikationen. Es ist naheliegend, daß bei einem Gerätewert von rund 15 000 Mark eine Dialogmöglichkeit mit Host-Applikationen gegeben sein sollte. Nur, dieser Wunsch wirft eine Reihe von technischen Fragen auf, die oft unterschätzt werden. Nicht jeder Arbeitsplatzrechner (Tastatur beziehungsweise Bildschirmsteuerung) ist in der Lage, ein Profi-DV-Terminal wie beispielsweise das Siemens-Datensichtgerät 9750 per Software ausreichend nachzubilden. Zu prüfen ist auch, inwieweit eine direkte Übernahme der angezeigten Daten in die Dateien des Mikros (oder Anwendung) erforderlich ist.

Mikro-Host-Integration auf sehr hohem Niveau ist gegeben, wenn die Applikation des Mikros mit der des Abteilungsrechners oder Hosts direkt kommunizieren kann.

Hinter den eben aufgeführten Anforderungen scheint die Frage nach der technischen Kopplung von untergeordneter Bedeutung zu sein. Tatsache ist jedoch, daß nicht alle Arbeitsplatzcomputer an die großen Herstellersysteme anschließbar sind. Dieses Problem wurde entschärft. Besonders für Geräte, die dem "PC-lndustrie-Standard" entsprechen, schuf man Lösungen.

So steht heute Mikro-Environment in Millionenhöhe herum, doch der Nutzen dieser Geräte hält sich in Grenzen. Die anfangs scheinbar billige Lösung war letztendlich recht teuer.

Wie könnte nun der strategische Ansatz für den Mikro-Einsatz lauten? Um es einmal ganz klar zu sagen: Ohne entsprechendes qualifiziertes Knowhow ist der Einsatz in größeren Unternehmen nicht machbar. Dies wurde auch teilweise erkannt und somit sind Mikro-Service-Gruppen in den Unternehmen entstanden, die sinnvollerweise einen Teil der DV-Abteilung bilden. Die Aufgabe dieser Mitarbeiter ist es nun mit den Fachabteilungen in konzertierter Aktion eine Lösung technisch wie organisatorisch zu erstellen, die eben folgendes gewährleistet:

- Keine Hobby-Software-Lösungen, sondern solche, die auch von anderen Kollegen genutzt werden können,

- Benutzeroberflächen, die möglichst unternehmensweit gleich sind,

- Einsatz von Standard-Softwarepaketen, die möglichst in allen Fachabteilungen gleich sind,

- Einsatz von Standard-Softwarepaketen, die möglichst in allen Fachabteilungen gleich sind um im Unternehmen gesichertes Know-how aufzubauen und eine gegenseitige Hilfestellung beziehungsweise Inspiration zu ermöglichen,

- last but not least zentrale Verwaltung und Wartung der Software-Lösungen.

Gute Lösungen lassen sich hier nur durch aktive Mitarbeit der Fachabteilungen finden.

Aus dem bisher Gesagten folgt zwangsläufig, daß ein Mikroeinsatz am Arbeitsplatz so konzipiert sein muß, daß ein stufenweises Ausbauen hin zu echter Multifunktionalität gewährleistet sein sollte. Dies bedeutet, daß nicht nur an die im Moment anstehenden Probleme gedacht werden darf (Analyse der Ist-Situation), sondern auch längerfristige Perspektiven ermöglicht werden sollten. Wer könnte hier für ein stufenweises Aufbauen von Multifunktionalität besser geeignet sein als die kleinen Rechnerriesen?