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08.02.1980 - 

Polymedia nach IBM-Vorbild: Entfesselt vermieten:

DV-Videokurse sollen Ausbildungsmisere beenden

FRANKFURT - Das Tempo des Wandels in Technologie und Gesellschaft ist derart groß, daß die Nachfrage nach Training, Aus- und Weiterbildung stetig zunehmen und Teil des Alltagslebens von morgen sein wird. Davon ist die Hamburger Polymedia GmbH, ein Unternehmen der Polygram-Gruppe, überzeugt, und auf diesen Markt setzt sie. Vor über 100 Teilnehmern präsentierte sich die Polymedia in einer zum Monatswechsel in Frankfurt veranstalteten EDV-Trainingskonferenz.

Zum Konferenz-Leitthema "DV-Ausbildung- Grenze des Wachstums?" äußerten sich Persönlichkeiten der DV-Welt - moderiert von Fernsehansagerin Hanni Vanhaiden. Richard Schäfer vom Dortmunder Polymedia-Kunden und Jackson-Seminar-Anbieter mbp (Mathematischer Beratungs- und Programmierungsdienst GmbH) äußerte sich über Probleme und Problemlösungen bei der Einführung der Jackson-Srukturierte-Programmierung. Akzeptanz-Rezepte gebe es nicht, sagte Schäfer, und die Methodenwahl sei mangels eines Steins der Weisen immer auch eine Methodenqual. Schäfer ("Für Assembler-Leute ist nicht der Cobol-Lehrgang wichtig, sondern die Umgewöhnung des Denkens beim Programmentwurf, also eine Verhaltensänderung.") warnte Einführungswillige vor den Extremen "Law-and-order-Verfahren" und "Methoden-Supermarkt" und riet, "Methoden-Missionare" zu meiden, die dem Kunden nach dem Abladen ihrer Message den Rücken kehren.

James Martin war der Star eines per Video-Aufzeichnung wiedergegebenen Interviews zum Thema "Computer sind überall". Auf seiner Tour d´horizont kam Martin beispielsweise zu der Erkenntnis daß zu den Werkzeugen moderner Software-Erstellung neben dem Top-down- ebenso auch das Bottom-up-Design gehöre; und gemeinsam mit Nixdorf-Vorstandsmitglied Helmut Rausch forderte er die Beseitigung vorhandener Post-Monopole, um so die längst vorhandenen Teletechniken auch nutzen zu können.

In das gleiche Horn stieß Dr. Rolf Berger, von Hanni Vanhaiden angesagt als ehemaliger Präses der TU Berlin, ferner Geschäftsführer des Instituts für Betriebsorganisation und Informationstechnik (InBIT) GmbH und seit neuestem auch Ausbildungschef der Nixdorf AG. Berger meinte, die Tendenz der fortschreitenden Entleerung der Arbeitsplatzinhalte lasse sich umkehren, wenn Datenverarbeitung, Telekommunikation und Textverarbeitung zusammenwachsen könnten. Dazu sei ein Abbau des Fernmeldemonopols der Post erforderlich. Berger vertrat die Ansicht, eine frühzeitig vorgenommene Globalschau und Bewertung neuer Techniken könne auf das zwischen Science Fiction und Science Horror schwankende Weltbild in der Bevölkerung wirken.

Professor Dr. Sebastian Dworatschek von der Universität Bremen, der über "Problemfelder von Führungskräften und aktuelle Anforderungen" referierte, konstatierte bei deutschen Führungskräften ein mangelndes Bewußtsein dafür, daß betriebliche Bildungsbudgets inzwischen das Format von Investitionsvorhaben erreicht haben, und forderte eine Abkehr von der üblicherweise auf punktuell nutzbares Wissen gerichteten Fortbildungspolitik. Vor allem dem Führungsnachwuchs schrieb Dworatschek ins Stammbuch, das durchweg von der Uni mitgebrachte Übermaß an Sachwissen könne sozialpsychologisches Fehlverhalten in dem von Emotionen und Gruppendynamiken beeinflußten Betriebsleben nicht kompensieren.

Über Erfahrungen bei der EDV-Einführung am Arbeitsplatz und Projektmanagement berichtete Rüdiger Lang von der Quickborner Unternehmensberatung Agens Consulting. Es komme entscheidend darauf an, sagte Lang, Zugang zu den betroffenen Mitarbeitern zu finden, eventuell vorhandene Denkblockaden und Abstrahierungsschwächen abzubauen. Demgegenüber trete das im Einzelfall gewählte Verfahren zurück. Als Beispiele nannte Lang das "Projektmanagement per Kernmannschaft mit beratender Steuerungsgruppe" und die Einteilung eines Projekts in Hauptarbeits- und Arbeitsschritte mit Anleitungshilfen, aber auch zur Projektüberwachung.

Höchstpersönlich erschien sodann Software-Papst Michael A. Jackson und demonstrierte den Zuhörern an einem frappierend einfachen Beispiel, daß ein voll arbeitsfähiges Programm beim kleinsten Änderungswunsch in den Mülleimer geworfen werden muß - wenn man zuvor nicht strukturiert programmiert hat. CW wird über dieses Referat noch gesondert berichten.

Einige Zahlen zum Polymedia-Angebot: Ende dieses Jahres werden rund 300 videogestützte Trainingskurse für EDV-Ausbildung zur Verfügung stehen. Die Mietverträge können über zwei, drei oder vier Jahre laufen. In dieser Zeit kann man aus dem "Polythek-" Katalog á la carte auswählen. Der kleinstmögliche Vertrag kostet 19 500 Mark. Ein Kurs (= drei Mieteinheiten) wird für jeweils drei Wochen vermietet. Das Anmieten der 15 (!) Elemente, aus denen der PL/1-Kurs besteht, kostet für die Zeit von drei Wochen knapp 3000 Mark.