Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.02.1980 - 

Datenverarbeiter im Staatsdienst haben eine Sonderstellung, aber:

DVer in der Wirtschaft verdienen ein Drittel mehr

Durch Zulagen oder Sondervergütungen verdienen Datenverarbeiter im öffentlichen Dienst vergleichsweise mehr als ihre Kollegen in anderen BAT-Jobs. "Ein Konsol-Operator kriegt bei uns genausoviel wie der Lokführer eines Intercity-Zuges", verdeutlicht Klaus Brauer, Leiter des Rechenzentrums der Universität in Osnabrück, die Gehaltsstruktur im Staatsdienst. Allein wenn man hier den Verantwortungsunterschied vergleiche, käme der EDV-Mann finanziell zu gut weg. Für die DV-Staatsdiener sind indessen Lokführergehälter kein Maßstab: Datenverarbeiter in der freien Wirtschaft verdienen rund ein Drittel mehr.

"In den letzten Jahren haben eine Menge DV-Leute im Postdienst ihren Job aufgegeben und sind in die freie Wirtschaft gegangen", gesteht ein zur Diskretion vergatterter Postler. Dies sei zwar nicht als allgemeiner Trend zu verstehen. bringe jedoch verstärkt Probleme mit sich, vor allem wenn es sich um junge Mitarbeiter handele, in deren Ausbildung erheblich investiert wurde.

Die Fluktuation ist bei Dr. Frank Schmutzler, Leiter des Rechenzentrums der Universität Mainz, "nicht anders als in der Industrie". Trotz der Tatsache, daß "Datenverarbeiter in der freien Wirtschaft einen deutlichen Gehaltsvorsprung" haben, sei das Wechselbedürfnis seiner Leute nicht allzu groß. "Teilweise ist es eher umgekehrt", stichelt Schmutzler, "denn DV-Leute, die ihr vierzigstes Lebensjahr überschritten haben, verspüren aus Gründen der Arbeitsplatz-Sicherheit nicht selten das Bedürfnis, in den öffentlichen Dienst zu wechseln."

Für DV-Leiter Adolf Anhorn (Leyland GmbH, Neuss) ist Unkündbarkeit kein Argument, um in den Staatsdienst zu wechseln: "Die sogenannte Sicherheit im Staatsdienst steht irgendwie nicht in einem einleuchtenden Zusammenhang zu den derzeitigen beruflichen Möglichkeiten in der Datenverarbeitung." Der momentan hervorragende DV-Personalmarkt gestatte es, problemlos überall unterzukommen.

"Die Leute, die von uns weggegangen sind", Weiß Sönke Lensch, Leiter des Rechenzentrums der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, "haben später in der Industrie alle etwa ein Drittel mehr verdient" verdienen als gleichgestellte Personen im Staatsdienst, trotzdem jedoch "ein gewisser Sog in die freie Wirtschaft" besteht.

So scheint die Situation von Manfred Obergehrer kein Einzelfall zu sein. Der Leiter des AOK-Rechenzentrums in Rosenheim wechselt nach nunmehr 15jähriger Tätigkeit im öffentlichen Dienst in die freie Wirtschaft. Über die Höhe seines Mehrverdienstes spricht er nicht. "Der geht sicherlich nicht für 'nen Appel und 'n Ei", vermutet ein Anwender-Kollege.

"Ich stehe wahrscheinlich nicht allein mit der vorgefaßten Meinung", so Adolf Anhorn, "daß DV-Leute im Staatsdienst wesentlich behutsamer arbeiten als wir in der Industrie."

Sönke Lensch hingegen betrachtet es als Ammenmärchen, daß man im öffentlichen Dienst eine ruhige Kugel schieben könne und gleichzeitig unkündbar sein: "Vielleicht haben wir ein paar zusätzliche Freiheiten, aber leisten müssen wir genausoviel wie die Kollegen in der Industrie."

Was Lensch herunterspielt, daß nämlich DV-Jobben in öffentlichen Diensten weniger streßig sei, gibt Demetrius Kotsampasoglu, der als Projektleiter im Alter von 41 Jahren von einem der größten deutschen Luftfahrtkonzerne zum Landeskirchlichen Rechenzentrum in München wechselte, offen als Veränderungsgrund an. Der Top-Programmierer formuliert drastisch: "Ich hatte es satt, monatlich mehr als hundert Überstunden zu schieben dafür war ich bereit, auf etwa die Hälfte meines vorherigen Verdienstes zu verzichten."