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E-Procurement & B-to-B/Vom elektronischen Handel zum Meta-Marktplatz


23.03.2001 - 

E-Business: Alte Fragen, aber neue Antworten

Ein Student Albert Einsteins bemerkte anlässlich eines Examens, dass dieselben Fragen gestellt würden wie im vergangenen Jahr. Einstein bestätigte: "Das stimmt. Doch die Antworten sind dieses Jahr anders." Gleiches gilt für die Fragen in Sachen E-Business. Die Antworten werden uns in unterschiedlichen Varianten begleiten. Von Michael Mohr*

Nach einer Empirica-Studie wird E-Commerce als "die elektronische Anbahnung, Abwicklung und Pflege von Markttransaktionen zwischen Wirtschaftssubjekten" bezeichnet. Das entscheidende Wörtchen hierbei ist "elektronische". Denn im Wesentlichen ist E-Commerce einfach der normale Handel über ein neues Medium. Wie Kevin Kelly postuliert: "All business becomes e-business, then we lose the ''e''.

Es wird weiter investiertEs geht also weiterhin um die gleiche Frage: im Einkauf nach dem besten Preis und im Verkauf nach größerem Absatz. Nur eben diesmal vor dem Hintergrund des Internet - dieses neue, extrem schnelle und erfolgreiche Medium, das schon fast alltäglich ist. So wurde im Februar 2001 von Denic, der "Zulassungsstelle" von Hompage-Namen, die Zahl der Internet-Domains mit einer ".de"-Endung mit über vier Millionen angegeben.

Morgan Stanley Dean Witter hat in seiner Studie vom Januar 2001 herausgefunden, dass Unternehmen weiterhin in ihre E-Business-Strategie investieren - auch nach dem Platzen der "dot.com-Blase" an den Börsen. Lediglich elf Prozent der befragten Unternehmen haben daraufhin die Priorität niedriger angesetzt. Und diese elf Prozent gehören hauptsächlich zur Gruppe der Firmen, die bereits zu den Nachzüglern zählen.

E-Procurement an erster StelleDieselbe Studie zeigt, dass die Anzahl der europäischen Firmen, die eine E-Business-Strategie entwickelt haben, in der kurzen Zeit von Sommer bis Herbst 2000 von 25 Prozent auf fast 90 Prozent gestiegen ist. 65 Prozent der Unternehmen befänden sich bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Implementierung einer E-Business-Lösung. Dabei stünden E-Procurement- und CRM-Lösungen an erster Stelle. Die Teilnahme an einem Marktplatz oder der Aufbau einer eigenen Online-Plattform würden die Unternehmen zunächst als sekundär betrachten.

Forrester jedoch prognostiziert bis 2004 eine Abnahme des bilateralen Handels im Vergleich zum multilateralen Handel auf 47 Prozent zu 53 Prozent. Diese beiden Aussagen scheinen sich nur auf den ersten Blick zu widersprechen. Denn betrachtet man ergänzend die Studie von Salomon Smith Barney "(E2E)3 How The Web Is Redefining Enterprise Software" vom November 2000, lassen sich drei Phasen in der Entwicklung im E-Business erkennen:

- Zunächst binden Unternehmen ihre Lieferanten an sich und ermöglichen sich dadurch einen elektronischen und kostensparenden Einkauf. In dieser erste Phase der Enterprise-to-Enterprise-Connectivity werden alle Prozesse einem "Streamlining" unterworfen.

- In der zweiten Phase, der Enterprise-to-E-Marketplace-Connectivity, wird dieses Beschaffungssystem um eine Marktplatzanbindung erweitert. Dies kann sich sowohl auf den Einkauf wie auch auf den Sales-Bereich beziehen. Das heißt, es kann die Teilnahme an einem bestehenden Marktplatz wie auch die Schaffung eines eigenen "Marketplace" bedeuten.

- In der dritten Phase, der E-Marketplace-to-Marketplace-Connectivity, werden diese Marktplätze dann mit anderen Marktplätzen interagieren.

Eine Studie von Berlecon Research prognostiziert für das Jahr 2004 einen Umsatz von 469 bis 685 Milliarden Mark per E-Commerce in Deutschland. Davon sollen auf Marktplätze zwischen 115 und 231 Milliarden entfallen - eine Schätzung, die manche für konservativ halten.

Mehr als 80 Prozent der Firmen, die auf E-Procurement, also die elektronische Anbindung der Stammlieferanten, setzen, wollen auch an einem Marktplatz teilnehmen beziehungsweise tun dies bereits. Zirka 45 Prozent der Unternehmen, die kein E-Procurement einsetzen, wollen auch nicht über Marktplätze handeln. Das heißt, diese Unternehmen könnten insgesamt in Verzug geraten.

Unbekannte Partner bedenklichWarum die innovativen Firmen zuerst eine E-Procurement-Lösung einführen, liegt in erster Linie an ihren Sicherheitsbedenken beziehungsweise mangelndem Vertrauen in die unbekannten Internet-Partner. Zum einen betreffen diese Befürchtungen die Abwicklung von Zahlungsvorgängen im Internet und zum anderen einen möglichen Verlust von Daten. Während 33 Prozent der Industrie und 30 Prozent der Dienstleister Sicherheitsrisiken sehen, haben das Baugewerbe mit 20 Prozent oder der Handel mit 22 Prozent deutlich weniger Bedenken. Dies mag daran liegen, dass bei Industrie- und DienstleistungsunternehmenBetriebsgeheimnisse und technisches Know-how via Internet eher in falsche Hände geraten können.

Marktplatzbetreiber entwickeln Lösungen, um diese Bedenken zu zerstreuen. So werden zum Beispiel Sicherheitschecks der E-Trading-Exchanges durchgeführt - beispielsweise von unabhängigen Organisationen -, Anbieter auf ihre Bonität geprüft und Versicherungsleistungen angeboten.

"Kritische Masse" entscheidendEntscheidend ist die Schaffung einer "kritischen Masse" auf einem Marktplatz, das heißt, es geht darum, eine möglichst große Anzahl an Käufern und Verkäufern sowie an Produktdaten zu akkumulieren. Einerseits müssen auf eine Anfrage hin möglichst viele Angebote abgegeben werden. Und andererseits muss genügend Nachfrage herrschen, damit der Marktplatz auch ein lukrativer Handelsplatz für Anbieter sein kann. Der Wert eines virtuellen Marktplatzes oder auch Netzwerkes hängt entscheidend vom Ausbau des Nutzerkreises ab. Bedeutend, auch in der Zukunft, wird der Zugang zu diesen Netzwerken sein, wie Jeremy Rifkin in seinem Buch "Access" postuliert. Denn Access bedeutet auch Zugang zu Informationen. Wer ist mein Kunde? Was möchte er? Aber auch: Wo stehe ich mit meinem eigenen Preis? Denn ein Marktplatz bietet Preistransparenz für beide Seiten, Käufer wie Verkäufer.

Bietet ein Verkäufer auf eine Anfrage, erhält er nach Ablauf der Frist ein Statistik-Mail, das ihm seine Platzierung im Vergleich mit den anderen Anbietern zeigt - natürlich ohne Angabe der Firmennamen. So kann er wichtige Erkenntnisse beispielsweise darüber erlangen, ob er mit seinem Produktpreis am Markt noch wettbewerbsfähig ist.

Weltweiter Vergleich in EchtzeitWenn in einem Unternehmen über E-Procurement mit den Stammanbietern die Prozesskosten bereits signifikant gesenkt wurden, stellt sich als Nächstes die Frage, ob sich auch die Einkaufskosten senken lassen. Die Angebote des Stammlieferanten werden mit denen anderer Anbieter verglichen. Letztlich wird der Einkäufer seinen Zugang zum Netzwerk nutzen, um festzustellen, was Produkte kosten. Um die Preise vergleichbar zu machen, wird eine "Schaltzentrale" benötigt. Denn in den verschiedenen Warenwirtschaftssystemen sind die gleichen Produkte unter unterschiedlichen Bezeichnungen und mit verschiedenen Artikelnummern geführt. Erst eine "Übersetzung" dieser Daten ermöglicht einen weltweiten direkten Vergleich in Echtzeit. Schaltzentrale oder Meta-Marktplatz - unabhängig von der Bezeichnung, die es noch festzulegen gilt, wird hier das Zentrum des E-Business sein. Hierzu "Access" zu erhalten, wird für alle Unternehmen ein wesentlicher Erfolgsfaktor werden.

*Michael Mohr ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der DCI Database for Commerce and Industry AG, Starnberg. Im Sommer 2000 wurde der Autor in den Internet-Beirat der Bayerischen Staatsregierung berufen

Abb: Mißtrauen gegen Marktplätze

Potenzielle Marktplatznutzer formulieren viele Bedenken: Mangel an Vertrauen ist das Erste, was überwunden werden muss. Quelle: Giga Information Group