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12.01.2001 - 

Rahmenbedingungen für E-Business/Kontinuität entsteht durch stetigen Wandel

E-Business-Firmen und ihre CIOs müssen sich verändern

In vielen Unternehmen werden die Chief Information Officer (CIOs) inzwischen der Geschäftsleitung zugeordnet. Mit der zunehmenden Bedeutung des E-Business kann der moderne IT-Leiter stetig an Einfluss gewinnen, allerdings muss er sich hierzu auch verändern. Wolfgang Franklin* gibt einen aktuellen Lagebericht aus der Chefetage.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Anzahl der CIOs drastisch zugenommen, wobei sich das IT-Management von einem Seitenflügel der Unternehmensaktivitäten in eine zentrale Position bewegt hat. Die Funktion des IT-Leiters verlagert sich dadurch zunehmend vom technischen Geschäft der Datenverarbeitung zum breit gefächerten Job des Informations- und Wissens-Managements. Diese Veränderung in der Aufgabenstellung kann im E-Zeitalter in einem hohen Maße zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Deshalb ist die Steuerung des Wandlungsprozesses eine der wichtigsten Herausforderungen und Aufgaben für ein Unternehmen und seinen CIO.

Obwohl noch ein relativer Neuling in den Vorstandsetagen und Geschäftsleitungen, ist die Rolle des IT-Leiters in vielerlei Hinsicht die schwierigste und dynamischste Führungsaufgabe in der Geschäftswelt geworden. Während der 80er und 90er Jahre sahen sich Unternehmen mit teilweise drastischen Anforderungsprofilen konfrontiert, die durch Veränderungen in den Märkten und den Geschäftsprozessen hervorgerufen wurden. In vielen Industriezweigen wurden Produktion und Märkte globalisiert, und die Unternehmensstrukturen mussten bedeutende Veränderungen - beispielsweise durch Downsizing oder Fusionen - durchlaufen.

Als Reaktion auf diese Umwälzungen investierten viele Firmen massiv in das Business Reengineering. Schätzungen zufolge geben Unternehmen gegenwärtig weltweit rund 52 Milliarden Dollar pro Jahr für eine grundlegende Umstrukturierung aus, wovon 40 Milliarden Dollar direkt in die Informationstechnologie fließen. Als direkte Folge davon steht der CIO inzwischen vielfach im Zentrum kostspieliger und trotzdem schnell vergänglicher Veränderungen in seiner Firma.

Unternehmen, die mit diesen Entwicklungen schrittzuhalten versuchen, müssen die neuen Herausforderungen verstehen, mit denen ihr IT-Chef konfrontiert ist. Angesichts der wachsenden Bedeutung und der Kosten der DV und ihres sich stetig wandelnden Profils haben sich einige Trends herausgebildet, an denen sich die veränderte Aufgabenstellung des modernen CIO orientiert.

Zum einen verschiebt sich seine Rolle von der technischen hin zur strategischen Seite. IT-Chefs neigen jedoch immer noch dazu, sich auf die Planung und Implementierung der spezifischen Informationstechnologien zu konzentrieren, statt sich der Entwicklung langfristiger Strategien zu widmen. Tatsächlich werden heute mehr als 50 Prozent der DV-Verantwortlichen durch lokales Troubleshooting vom Engagement für eine weit reichende Planung abgehalten. Das verhältnismäßig eng definierte Feld der CIO-Funktionen muss erweitert werden, zumal Wissens-Management von der Geschäftsleitung inzwischen als zentraler Bestandteil der strategischen Planung erkannt und akzeptiert wird. Diese Änderung in der Funktionsbestimmung wird zudem auch erhebliche Auswirkungen auf künftige Einstellungskriterien für die Position des IT-Chefs haben.

Gegenwärtig sind die meisten CIOs noch nicht ausreichend in Bereichen der Unternehmenssteuerung und Beschlussfassung aktiv. Jedoch wird den Vertretern der IT-Zunft in zunehmendem Maße eine wichtige Stimme in der strategischen Planung angetragen. Obwohl allgemeiner Konsens darüber besteht, dass dies zu einer positiven Unternehmensentwicklung führt, ist der DV-Leiter oftmals von der traditionellen Management-Ebene seines Unternehmens isoliert. Bedingt durch diesen begrenzten Einfluss auf unternehmensrelevante Entscheidungen ist es für ihn schwer, das nötige Wachstum und die entscheidenden Innovationen zu handhaben.

Die Transformation der CIO-Rolle ist eine wichtige Herausforderung für Unternehmen. Dabei müssen die Anforderungen und Skill-Sets der Position neu definiert werden. Dies umfasst einerseits die Art und Weise, wie Firmen ihren IT-Chef einsetzen, andererseits aber auch das Verhältnis zu seinen Vorgesetzten, die Leistungserwartungen und -anreize sowie schließlich die Vergütung. CIOs werden mehr durch die neuen Herausforderungen ihres Jobs als durch finanzielle Anreize motiviert. Diese Tendenz ist in den USA besonders stark ausgeprägt, da die dortigen Amtskollegen bereits zu den bestdotierten Gehaltsempfängern zählen.

Die Qualifikationen des CIO ändern sich, während die IT zunehmend an Bedeutung für die Unternehmensplanung gewinnt. Der ideale Kandidat verfügt über technologische Kompetenz ebenso wie über Erfahrungen in Bereichen der Finanzierung, im Marketing und in der strategischen Unternehmensplanung. Es besteht derzeit allerdings noch Unstimmigkeit über die beste Mischung dieser Qualifikationen.

Die Notwendigkeit zu Veränderungen wird auch hierzulande zunehmend von den Firmen erkannt. Viele CIOs sehen sich selbst in einer Art Übergangsphase zwischen zwei Berufsbildern: Sie sind gefangen zwischen einer Vergangenheit, in der sie als technisch orientierte Computerspezialisten angesehen wurden, und den Anforderungen einer sich rasch entwickelnden Zukunft, in der sie in immer stärkerem Maße an der strategischen Planung auf den höchsten Unternehmensebenen beteiligt werden. Firmen, die den Übergang ihres IT-Leiters von einem DV-Spezialisten zu einem Informations- und Wissens-Manager erfolgreich handhaben können, haben einen enormen Wettbewerbsvorteil vor Unternehmen, welche die Anforderungen nicht verstehen und sich nicht anpassen. Die IT ist dynamisch, in der heutigen E-World mehr denn je zuvor. Daher überrascht es nicht, dass die Aufgabe des CIO erheblich im Wert gestiegen ist und er neue Verantwortlichkeiten übernommen hat, die über den einst geforderten technischen Service hinausgehen. Allerdings ist es nicht einfach, die Rolle des CIO adäquat zu entwickeln - diese Aufgabe zählt heute zu den wichtigsten E-Business-Herausforderungen für ein Unternehmen.

* Wolfgang Franklin ist Director Executive Programs bei der Gartner Group in München.

Empfehlungen

- Die Beziehung des CIO zu seinen Vorgesetzten muss derartig konzipiert sein, dass seine Perspektive berücksichtigt wird, bevor strategische Ziele verabschiedet werden.

- Faktoren, die dem Erfolg im Wege stehen, müssen schnell ermittelt und überprüft werden. Hierzu zählen beispielsweise die nicht ausreichende Planungskompetenz und Qualifikation sowie "kulturelle" Widerstände des CIOs oder seiner Vorstandskollegen.

- Die Investitionsrendite ist zu analysieren und der Fokus muss auf drei unterschiedliche Bereiche gerichtet werden: laufende Kosten, außerordentliche Kosten (beispielsweise Y2K- und Euro-Projekte) sowie der Beitrag der Technologie zum Unternehmenswachstum.

- Unternehmen müssen sicherstellen, dass die CIO-Rolle eine Herausforderung für den Angestellten ist und sein Beitrag zur Optimierung der Geschäftsprozesse von der Geschäftsleitung gewürdigt und bestätigt wird. Ein Verständnis für die Aufgaben, die der CIO bewältigen muss, und für die erzielten Ergebnisse gewährleisten eine herausragende Performance.