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14.04.2000 - 

Viel Arbeit für die Computerspezialisten

E-Business: Hauptaufgabe ist die IT-Integration

MÜNCHEN (gfh) - Unternehmensberater und Geschäftsleitungen schwelgen in E-Business-Konzepten. Umsetzen müssen diese die IT-Spezialisten mit zum Teil noch unreifer Technik. Mehr Sorgen als die Einrichtung von virtuellen Marktplätzen und Online-Shops macht den Technikern deren Integration in die vorhandene DV-Landschaft.

Die Arbeit der IT-Spezialisten in den Anwenderunternehmen hat sich schon vor dem E-Business-Boom massiv verändert. Der Trend zu Standardpaketen führte dazu, dass sie dem berüchtigten Anwendungsstau entkommen konnten. Ihre Aufgabe besteht in moderneren Unternehmen vor allem darin, gekaufte Software in ihre vorhandene Infrastruktur zu integrieren.

Das Internet hat diesen Trend verstärkt und modifiziert. Auch weil es oft an umfassenden Paketen fehlt, wie etwa R/3 im Bereich Betriebswirtschaft, sind die gekauften Komponenten in der Regel kleiner und spezialisierter. Sie reichen von einer Customer-Relationship-Management-(CRM-)Lösung über Software für die Optimierung von Zulieferketten (Supply-Chain-Management = SCM) zu spezialisierten Suchmaschinen oder HTML-Layout-Programmen.

Der E-Business-Trend der vergangenen zwei Jahre hat den Fokus von der Gestaltung des Web-Auftritts zum Aufbau von Online-Shops und schließlich zur Integration dieser Internet-Umgebungen in die Geschäftsprozesse verschoben. Anders als der Ansatz Business-to-Consumer (B-to-C), der überwiegend in neuen, zum Teil ausgelagerten Geschäftsbereichen entsteht, greift das als besonders zukunftsträchtig geltende Business-to-Business (B-to-B) tief auf die vorhandene Infrastruktur zurück. Hier wird die Firmenlogistik umgewälzt: Partner erhalten gezielt Einsicht in interne Prozesse, auf deren komplexen Aufbau Rücksicht genommen werden muss.

Angesichts dieser Situation gehen die Marktbeobachter der Meta Group davon aus, dass das IT-Personal in E-Business-Projekten zu 90 Prozent mit Integrationsaufgaben beschäftigt ist. Erschwert wird diese Aufgabe, weil es dabei nicht nur um die eigene DV geht, sondern zudem die Prozesse externer Partner eingebunden werden müssen.

Diese Entwicklung wird von den Mitarbeitern vieler DV-Abteilungen durchaus mit Skepsis wahrgenommen. Sie befürchten, ihre in langen Jahren aufgebaute Infrastruktur gänzlich umkrempeln zu müssen, um den Anforderungen des E-Business gerecht zu werden. Louis Leamus, Vice President der Meta Group für Server-Strategien, beruhigt die Anwender: "Es geht nicht darum, die gesamte Infrastruktur umzuschreiben, sondern lediglich darum, sie zu ergänzen." Nur in Ausnahmefällen sei es sinnvoll, Infrastruktur für das E-Business neu zu entwerfen. Gegen eine umfassende Neustrukturierung spreche vor allem die rasche technische und wirtschaftliche Entwicklung in diesem Bereich. Die Gefahr sei groß, dass derart aufwändig angelegte Projekte scheitern oder bei ihrem Abschluss bereits überholt sind.

Unangenehm ist vielen Technikern auch die im Business-to-Business-Sektor ungewohnt große Abhängigkeit von IT-Prozessen und Geschäftserfolg. Sie scheuen sich, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, deren wirtschaftliche Tragweite sie von ihrer Ausbildung her oft nicht überblicken können. Natürlich müssen auch IT-Fachleute lernen, mehr in geschäftlichen Kategorien zu denken, aber letztendlich lässt sich dieses Problem nur durch organisatorische Veränderungen mindern. Denkbar wäre eine Art Technologiebeirat, in dem Maßnahmen von IT- und Unternehmensbereichen koordiniert werden. Oft fehlt es selbst innerhalb der verschiedenen IT-Sektoren an einem Abstimmungsverfahren.

Beruhigend ist für Techniker und Vorstandsetagen, dass sich derzeit ein Dienstleistungsmarkt entwickelt, der es ermöglicht, Prozesse auszulagern, für die im Haus zu wenig Kompetenz vorhanden ist oder die von anderen günstiger erledigt werden können. Die Möglichkeiten reichen vom Outsourcing von Shop- und Marktplatz-Anwendungen über das Netz-Management bis hin zu Extranet-Service-Providern.

Dennoch bleiben für die hausinternen Fachleute mehr als genug Aufgaben bei der Integration von neuen Techniken in die bestehende IT-Landschaft. Voraussetzung dafür ist eine stabile Infrastruktur, die das flexible Austauschen neuer Techniken gestattet. Noch befinden sich die Nutzer von E-Business in einem Experimentierstadium, in dem Fehlentscheidungen unvermeidlich sind. Korrekturen müssen daher jederzeit möglich sein.

Die nötige Flexibilität erhält man vor allem dadurch, dass Schnittstellen auf einer möglichst hohen Abstraktionsebene angesiedelt sind. Das für E-Business-Aufgaben zuständige IT-Personal sollte sich bei der Integration nicht darum kümmern müssen, welche Datenbank oder welche betriebswirtschaftliche Software im Einsatz ist. Allerdings unterscheiden sich seine technischen Aufgaben gravierend, je nachdem, ob es darum geht, die Interaktion zwischen Menschen und dem System zu unterstützen oder die Systeme direkt miteinander kommunizieren zu lassen.

Kommunikation von Mensch zum SystemIntegrations-Spezialisten übersetzen sich die üblichen Bezeichnungen Business-to-Business oder Business-to-Consumer oft in System-zu-System-Verbindung oder Mensch-System-Kommunikation. Dabei ist die S-to-S-Komponente auf Marktplätzen und bei B-to-B stärker vertreten als die S-to-M-Kommunikation, die vor allem beim Online-Handel mit Endverbrauchern im Vordergrund steht. Tatsächlich sind meist beide Aufgaben parallel zu bewältigen. Die Unterscheidung ist dennoch sinnvoll, weil die Realisierung technisch unterschiedlich angegangen wird. So ist eine Verbindung zu realen Personen in der Regel synchron ausgerichtet, weil Menschen eine direkte Rückmeldung haben wollen. Systeme sind dagegen oft über asynchrone Verfahren miteinander verbunden, weil sie ihre Aufgaben nacheinander abarbeiten sollen.

Den aufregendsten Job haben derzeit sicher die IT-Spezialisten, die sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und System befassen. Sie sind mit einer ganzen Reihe neuester Techniken konfrontiert. Beim Internet-Zugang zum Unternehmen steht zwar nach wie vor die Abfolge Browser, Web-Server, Applikations-Server, Backend-Systeme im Mittelpunkt. Die Aufgabe wird jedoch mit der steigenden Zahl der unterstützten Endgeräte von Handys über Kleinstcomputer und Telefone bis hin zu Fernsehgeräten schwieriger. Jedes dieser Geräte wird anders benutzt und erfordert daher eine eigene Navigationslogik. Die Integration dieser unterschiedlichen Netzzugänge wird noch dadurch erschwert, dass sich bisher kein endgültiger Standard für die Informationsübertragung etabliert hat. Das Wireless Application Protocol (WAP) für Handys gilt als Übergangssystem, das Internet Protocol (IP) wird zumindest in lokalen Netzen immer häufiger für Sprachübertragung (Voice over IP) genutzt, und die Extensible Markup Language (XML) soll die Nachfolge von HTML antreten.

Aus Sicht der Techniker geht es also darum, einer Palette von Endgeräten über Web- und WAP-Server sowie Computer Telefon Integration (CTI) über die Firewall hinweg einen Zugang zum zentralen Applikations-Server zu verschaffen (siehe Abbildung: E-Business-Architektur). Dort ist mit Hilfe von Geschäftslogiken, Adaptern und Schnittstellen dafür zu sorgen, dass die dahinter liegenden Backend-Systeme wie Datenbanken, Transaktionsmonitore, betriebswirtschaftliche Pakete, Lösungen für SCM oder CRM etc. auf korrekte Weise eingebunden werden. Um hier flexibel zu bleiben, ist es sinnvoll, auf beiden Seiten des Applikations-Servers eine Schicht von Integrationsdiensten einzuführen. Vorsicht ist allerdings bei den von der Industrie angebotenen Integrations-Servern geboten, die oft nicht sauber vom Applikations-Server getrennt oder sogar in andere Produkte wie Transaktionssysteme eingebaut sind. Hier kann eine tiefe Integration die nötige Flexibilität behindern.

Ein zentraler Punkt beim geschäftlichen Umgang mit Anwendern sind zudem Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit. Hier könnten digitale Zertifikate und insbesondere die Public Key Infrastructure (PKI) eine zentrale Rolle spielen. Allerdings fehlt es derzeit sowohl an Standard-APIs als auch an der Unterstützung durch die Unternehmen. Dennoch ist die Meta Group der Überzeugung, dass dieses Verfahren in den kommenden Jahren mit Verzeichnisdiensten wie dem Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) zu einem Unternehmens-Directory zusammenwachsen wird.

Kommunikation der Systeme untereinanderWeniger sichtbar ist die Aufgabe der Spezialisten für die Kommunikation der Systeme untereinander. Sie sollen dafür sorgen, dass Integration im eigenen Haus sowie mit externen Systemen so gut funktioniert, dass der Geschäftsverkehr fehlertolerant und möglichst automatisch abgewickelt werden kann. Erst dadurch werden die Effizienzpotenziale des E-Business freigesetzt.

Anders als bei der Integration von menschlichen Anfragen steht bei dieser Arbeit nicht ein Applikations-Server im Zentrum, sondern eine Art Message-Broker (siehe Abbildung: "Message Broker"). Das klingt zwar modern, bedeutet aber auf der untersten Ebene meist wenig mehr als File-Transfer, der sich insbesondere bei Ad-hoc-Aufträgen nach wie vor als Kommunikationsverfahren anbietet. Bei dauerhaften Partnerschaften im elektronischen Geschäft, etwa im Zulieferbereich, lohnt es sich Messaging einzusetzen, sprich asynchrone Transaktionssysteme wie IBMs "MQ Series".

Damit das Partnersystem die Informationen richtig interpretiert, muss es jedoch Regelungen auf Dokumentenebene geben. Hier bewährt sich nach wie vor Electronic Data Interchange (EDI). Dieses Verfahren wird mitnichten verschwinden, aller Wahrscheinlichkeit nach aber in der Auszeichnungssprache Extensible Markup Language (XML) eingebaut werden. XML spielt eine wichtig Rolle bei der flexiblen Darstellung von Inhalten auf unterschiedlichen Systemen und hat das Potenzial, eine ganze Reihe bislang proprietärer Schnittstellen und Adapter zu ersetzen. Dennoch sollte ihre Bedeutung nicht überschätzt werden. Weder transportiert XML irgendwelche Informationen, noch unterstützt die Sprache die logische Definition der Inhalte. Laut Meta Group lassen sich damit nur etwa fünf Prozent der E-Commerce-Integration bewältigen.

Die Regeln für den Austausch von Informationen zwischen Systemen werden auf der Ebene einer Regelmaschine, des eigentlichen Brokers, festgelegt, dessen Funktion etwa der des Applikations-Servers bei der Kommunikation zwischen Mensch und System entspricht. In beiden Fällen werden Regeln festgelegt, welches System unter welchen Bedingungen wie mit einem anderen System in Verbindung tritt. Auch hier sind die Produkte keineswegs neu und den meisten Systementwicklern vertraut.

Weniger vertraut sind viele Entwickler mit der Gestaltung der Geschäftsprozesse, die zur Grundlage der Regelmaschinen werden sollen. Laut Meta Group wird hier das Modellierungskonzept der Unified Modelling Language (UML) eine wichtige Rolle spielen. Danach wird dieses komplexe System so angepasst, dass Business-Manager Prozesse für die systemübergreifende Kommunikation gestalten können.

Ziel des Einsatzes solcher Message Broker ist es, die Hebel, an denen Integrationsspezialisten bei Änderungen ansetzen müssen, möglichst weit von der grundlegenden IT-Infrastruktur fern zu halten. Optimalerweise werden lediglich Parameter oder im Fall von XML Tags neu gesetzt. Die Funktion von Transaktionssystemen, betriebswirtschaftlichen Systemen und Datenbanken sind im Grunde immer dieselben.

Abb.1: E-Business-Architektur

IT-Fachleute müssen am Frontend verschiedenste Zugriffstechniken und am Backend heterogene Basissysteme integrieren. Quelle: Meta Group

Abb.2: Integrations-Geschäft

Vorsicht ist laut Meta Group bei Problemen geboten, die Applikations- und Integrations-Server nicht sauber trennen. Quelle: Meta Group

Abb.3: Message Broker

IT-Spezialisten können bei der System-zu-System-Kommunikation durchaus mit bewährten Techniken arbeiten. Quelle: Meta Group