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13.07.2001 - 

Anwenderstudie von Pierre Audoin Conseil (PAC) und der COMPUTERWOCHE

E-Business ist Partnergeschäft

MÜNCHEN (jha) - Die wirtschaftlich flauen Zeiten tun dem Interesse der Anwender an E-Business-Projekten keinen Abbruch. Die Einführung von elektronischen und Web-basierten Verfahren hat für die Unternehmen einen hohen Stellenwert, und Projekte werden zum Gros mit externen Partnern betrieben.

Der Einzug von E-Business in die Unternehmen ist im vollen Gange. Auch die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation wird mittelfristig nichts daran ändern, dazu hat E-Business einen zu hohen Stellenwert: Immerhin verfolgen 59 Prozent der Umfrageteilnehmer das Thema mit hoher Priorität und messen ihm strategische Bedeutung bei. Zudem befindet sich ein Großteil der Projekte in der Planungphase, eine Abkehr von diesen Vorhaben aufgrund erschwerter Marktbedingungen ist nicht zu erkennen, so die Online-Umfrage, die die COMPUTERWOCHE zusammen mit dem Beratungshaus Pierre Audoin Conseil (PAC), München, veranstaltete. Immerhin fand die Befragung von 240 Anwendern von Mitte April bis Anfang Juni statt, in einer Zeit also, als die Probleme der Dotcom- und IT-Branche schon offensichtlich waren.

Wenig Bedarf an breit aufgestellte Anbieter

Bei der Umsetzung ihrer Vorhaben greifen 81 Prozent der Anwender auf die Hilfe externer Dienstleister zurück. Dieser Wert fiel deshalb nicht höher aus, weil "sich unter den verbleibenden 19 Prozent insbesondere Universitäten und Fachhochschulen wiederfinden, die typischerweise derartige Projekte in Eigenregie entwickeln, sowie sehr kleine Unternehmen, in denen die Zusammenarbeit mit externen Anbietern nicht im Vordergrund steht", erläutert Stefan Schaaps, Consultant bei PAC Germany. Diese Feststellung hängt eng mit einem weiteren Umfrageergebnis zusammen: 63 Prozent nehmen Dienste von mehreren spezialisierten Serviceunternehmen in Anspruch, und zwar steigt die Neigung zu mehreren Dienstleistern mit der Unternehmensgröße. Dass sich lediglich 37 Prozent der Teilnehmer für einen einzigen strategisch breit aufgestellten Anbieter entscheiden, liegt auch an der Trennung zwischen Multimedia-Agentur und IT-Dienstleister, die es bei E-Business-Projekten häufig noch gibt. Das Bestreben der meisten Dienstleister, das gesamte E-Business-Spektrum mit der eigenen Mannschaft abzudecken, hat das Gros der Anwender also bislang nicht goutiert.

Bei ihren Angaben können sich fast alle Anwender auf Erfahrungen berufen. Lediglich sechs Prozent gaben an, bislang keine E-Business-Projekte betrieben zu haben. Dieser Wert dürfte allerdings nicht repräsentativ für sämtliche deutsche Firmen sein, denn Unternehmen ohne jegliche E-Business-Absichten und -Erfahrungen haben in der Regel wenig Interesse, sich an einer Online-Befragung zu diesem Thema zu beteiligen. Ein einzelnes Vorhaben haben 17 Prozent der Unternehmen abgeschlossen, ein Viertel kann bereits auf zwei E-Business-Implementierungen zurückblicken, 21 Prozent haben drei, 23 Prozent vier bis neun Projekte gestartet. Acht Prozent der teilnehmenden Unternehmen können sogar auf zehn und mehr Projekte zurückblicken. Die fleißigsten E-Business-Anwender sind die Banken. Jede von ihnen hat im Durchschnitt 5,7 Projekte betrieben und liegt damit an der Spitze, gefolgt von den Versicherungen (durchschnittlich 5,5 Projekte) sowie der Industrie (4,7 Projekte). Am Ende der Skala finden sich das Transportwesen (2,6), der öffentliche Dienst (2,3) sowie der Handel (2,1).

Die Spitzenstellung der Finanzhäuser spiegelt sich auch in dem Investitionsvolumen wider. 71 Prozent der antwortenden Banken gaben an, mehr als fünf Millionen Mark in E-Business-Aktivitäten investiert zu haben. Bei 62 Prozent der Finanzhäuser überschritt der Aufwand sogar die Zehn-Millionen-Mark-Hürde. Vergleichsweise knauserig zeigte sich hingegen der Handel. 80 Prozent der Antwortenden dieser Branche haben bislang weniger als 2,5 Millionen Mark ausgegeben, um ihre Geschäftsabläufe mit Internet-Techniken aufzupeppen. Traditionell arbeitet der Handel mit niedrigen Margen, was die Investitionsneigung zu E-Business-Projekten trüben dürfte, zumal sich vor allem der Online-Verkauf selten als Renner erwiesen hat. Exemplarisch seien hier das Scheitern von Karstadts "Myworld"-Projekt und die chronischen Probleme der Internet-Buchhändler genannt.

Kompetenz ist gefragt

Die E-Business-Arbeit ist auf Seiten der Anwender keineswegs abgeschlossen. Das Gros der laufenden Projekte konzentriert sich auf E-Sales- beziehungsweise E-CRM-Vorhaben. Bei 43 Prozent der Teilnehmer laufen zurzeit derartige Projekte, 34 von hundert arbeiten an Vorhaben im Bereich E-Knowledgement beziehungsweise Unternehmensportale, 33 Prozent beschäftigen sich hingegen mit der Integration von Web-Techniken. Bei den Vorhaben, deren Start in den nächsten zwölf bis 24 Monaten avisiert ist, erhielt das Thema Mobile Business die meisten Nennungen. Dennoch sollte man die Bedeutung dieses Bereichs nicht überschätzen: Zum einen wurden bislang erst wenige Vorhaben abgeschlossen (neun Prozent der Teilnehmer - schlechtester Wert), oder angepackt (15 Prozent der Teilnehmer - ebenfalls schlechtester Wert), zum anderen verbuchten die mobilen Dienste auch unter der Rubrik "keine Projekte gemacht und mittelfristig nicht relevant" die meisten Nennungen.

Die größte Herausforderung scheinen die Anwender darin zu sehen, vorhandene Applikationen und Geschäftsprozesse ins Web-Zeitalter zu hieven. Die Teilnehmer der Umfrage messen der IT-Kompetenz ihres Partners, die für die Integrationsaufgaben dringend erforderlich ist, die höchste Aufmerksamkeit bei. Auf einer fünfstufigen Skala (fünf bedeutet sehr wichtig, siehe Grafik oben) erreichte dieses Kriterium eine durchschnittliche Bewertung von 4,5, dicht gefolgt von der erforderlichen Branchenkompetenz (4,3). Die Kompetenz in Strategie- und Organisationsberatung folgt mit einem Mittelwert von 3,9 erst auf Rang drei - und das, obwohl die Unternehmen infolge der Einführung von E-Business-Verfahren auch interne organisatorische Probleme lösen müssen und außerdem die unternehmensübergreifenden Abläufe neu zu ordnen sind. Derartige Probleme sollen in der Regel vor Projektstart gelöst werden, dennoch steht die Beratungskompetenz nicht ganz oben auf der Wunschliste der Teilnehmer.

Bemerkenswerte Ergebnisse brachte die Frage nach der Unabhängigkeit der Dienstleister von Produktanbietern sowie der Notwendigkeit von strategischen Partnerschaften mit Herstellern. Ersteres schätzen die Anwender an ihrem Anbieter mehr, andererseits ist ihnen letzteres auch nicht unwichtig. Ein mögliche Erklärung liefert Martin Barnreiter, Consultant bei PAC: "Auf der einen Seite wünschen sich die Anwender natürlich eine herstellerunabhängige Beratung in ihren Vorhaben. Ist eine Entscheidung jedoch einmal gefällt, wollen sie einen Partner, der enge Kontakte zum Hersteller pflegt und somit direkten Draht zum Support und zu Produktinformationen hat."

Anbieterauswahl unproblematisch

In jedem Fall scheinen die Anwender zuversichtlich, die richtigen Partner finden zu können, denn die Suche nach einem geeigneten Dienstleister empfinden die Anwender nicht als Hemmschwelle für E-Business-Projekte. Was den entsprechenden Ruf möglicher Anbieter betrifft, ergibt sich eine Reihenfolge, deren Spitzenposition man auch ohne Umfrage hätte erahnen können: IBM kann sogar vier Jahre nach dem Start der millionenschwere E-Business-Marketing-Kampagne immer noch von dem damals geschaffenen Image profitieren. 92 Prozent aller Teilnehmer assoziieren Big Blue mit den Begriffen "E-Business" und "Internet". Auf Rang zwei folgt das größte deutsche Softwarehaus. "SAP hat sicher vom Heimvorteil profitiert, möglicherweise schlägt nun aber auch das Mysap-Bild durch", erklärt Schaaps das gute Abschneiden des ERP-Spezialisten. Oracle, auf Platz drei, hat sich im E-Business-Geschäft aufgrund seiner Marktplatzaktivitäten etabliert, so dass man das Unternehmen auf den vorderen Rängen erwarten durfte.

Die große Überraschung dieses Teils der Erhebung ist der vierte Platz von Pixelpark. Die Web-Agentur lässt damit bedeutende Hersteller und Dienstleister wie Hewlett-Packard, Siemens Business Services (SBS) und Debis Systemhaus (wurde in der Erhebung noch als getrennt von T-Systems geführt, weil der Zusammenschluss noch sehr jung war) hinter sich, die teils mit erheblichen Marketing-Kampagnen ihre E-Business-Strategien beworben haben. Pixelpark ist kaum größer oder bedeutender als Konkurrenten wie Kabel New Media (der Konkurs wurde erst nach der Umfrage bekannt), GFT Technologies oder ID-Media, doch haben die Berliner trotz einiger Rückschläge (finanzielle Verluste, gescheitertes Projekt bei der Allianz) ihr Image als typischer erfolgreicher Vertreter der New Ecomomy bewahren können. Zugute kam Pixelpark bislang, dass das Unternehmen den Medienkonzern Bertelsmann im Rücken weiß, der der Web-Agentur bei Bedarf finanziell zur Seite stand.

Auffallend an diesen Ergebnissen ist aber auch, dass die ersten drei Ränge von Produktherstellern vergeben wurden. Mit Pixelpark und SBS folgen die ersten IT-Dienstleister, allerdings mit deutlichem Abstand. Als enttäuschend lassen sich die Ergebnisse von Beratungshäusern wie Accenture, Cap Gemini Ernst & Young und Pricewaterhouse-Coopers bezeichnen.

Dennoch kann die Mühe um mehr Profil in diesem Markt lohnen, denn die Nachfrage nach E-Business-Services nimmt zu. Allein im Beratungssektor erwarten die PAC-Analysten hierzulande einen Umsatz von 1,35 Milliarden Euro im laufenden Jahr, in vier Jahren sollen es vier Milliarden Euro sein. Ähnliche Zuwachsraten prognostiziert das Haus für Softwareentwicklungs-, Implementierungs- und Wartungsdienste für E-Business-Installationen. Hier steigt der Umsatz von 1,75 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf zehn Milliarden Euro im Jahr 2005. Mit Web-Hosting-, E-Business-Outsourcing- sowie ASP-Angeboten, also dem Betrieb von E-Business-Installationen, werden in diesem Jahr insgesamt 1,25 Milliarden Euro zu verdienen sein. Bis 2005 rechnet PAC mit 6,3 Milliarden Euro.

Die E-Business-Studie

Von Mitte April bis Anfang Juni hatten Anwender die Möglichkeit, auf den Web-Seiten der COMPUTERWOCHE (www.computerwoche.de) und PAC (www.pac-online.de) zum Thema E-Business Stellung zu beziehen. Insgesamt trafen 418 Antworten ein, hiervon wurden allerdings 178 Datensätze aussortiert, weil sie entweder unvollständig oder von Anbietern ausgefüllt waren. Den ermittelten Ergebnissen liegen also die Antworten von 240 Anwendern zugrunde. Parallel zur Online-Befragung führte PAC rund 30 Interviews mit Serviceanbietern und Softwareherstellern hinsichtlich Strategie, Positionierung, Geschäftsmodell, Umsatzaufteilung und Markteinschätzung. Die Berichterstattung der COMPUTERWOCHE beschränkt sich auf eine Auswahl der Anwenderdaten. PAC fasst die Ergebnisse der gesamten Befragung zu einer kostenpflichtigen Studie (5000 Euro) zusammen, die noch im Juli erscheinen soll (Informationen auf der PAC-Web-Seite, siehe oben).

Abb.1: Kriterien zur Auswahl eines E-Business-Anbieters

Anwender haben klare Vorstellungen davon, was ihr Partner beherrschen muss. Das deckt sich allerdings nicht immer mit dem, was die Anbieter für wichtig erachten. (Quelle: CW/PAC)

Abb.2: Anbieter-Ranking

Bei der Assoziation der Begriffe "E-Business" und "Internet" dominiert IBM. (Quelle: CW/PAC)